Der Kultivierte Burger von Mosa Meat wird bezahlbar
Mosa Meat: Der kultivierte Burger wird bezahlbar
Von 250.000 Euro auf Restaurant-Niveau – die Clean Meat Revolution nimmt Fahrt auf
Es war der 5. August 2013, als in einem Londoner Fernsehstudio Geschichte geschrieben wurde. Vor laufenden Kameras biss ein Lebensmittelkritiker in einen kultivierten Burger, der 250.000 Euro gekostet hatte – finanziert von Google-Gründer Sergey Brin, gezüchtet aus Muskelzellen eines Rindes. Die Geschichte einer Revolution, die 2013 mit einem Bissen Begann. Das Urteil? Es schmeckte „nah dran an Fleisch, aber nicht saftig genug“.
Zwölf Jahre später ist diese Clean Meat Szene kaum wiederzuerkennen. Mosa Meat, das Cleantech-Unternehmen hinter diesem historischen Moment, hat die Produktionskosten um 99,999 Prozent gesenkt. CEO Maarten Bosch spricht von Preisparität mit konventionellem Rindfleisch – der Burger aus dem Bioreaktor ist „restaurant-ready“.
Aus der Vision wird der kultivierte Burger
Gerade hat das niederländische Unternehmen 15 Millionen Euro eingesammelt, Teil einer Serie, die sich in zwei Jahren auf 58 Millionen Euro summiert. Die Investorenliste erzählt dabei ihre eigene Geschichte: Neben dem niederländischen Staatsfonds Invest-NL sind der deutsche Geflügelriese PHW und Just-Eat-Gründer Jitse Groen an Bord. Schon 2021 entschied sich Hollywood-Star Leonardo di Caprio für ein finanzielles Engagement.
| Merkmal | 2013: Die Sensation | 2026: Die Realität |
|---|---|---|
| Produkt | Erster Prototyp (London) | „Restaurant-Ready“ kultivierte Burger |
| Produktionskosten | 250.000 € pro Burger | Wettbewerbsfähiger Preis (-99,999 %) |
| Status | Wissenschaftliche Machbarkeit | Marktreife & Skalierung |
| Zulassung | Keine (Laborstadium) | Filings in EU, UK, CH & Singapur |
| Investoren | Einzelne Pioniere (Sergey Brin) | Strategische Partner (PHW, Just Eat, Invest-NL) |
| Klimapotenzial | Theoretische Annahme | -93 % CO₂ (bestätigt durch Ökobilanzen) |
Wo 2013 noch ein Tech-Milliardär auf eine verrückte Idee wettete, positionieren sich heute Staaten und Industriekonzerne für die Ernährung von morgen.
Mosa Meat ist längst kein Startup mehr. Der „Wennink Report“ der niederländischen Regierung stuft kultiviertes Fleisch als prioritär für die nationalen Klimaziele ein. Was als Laborexperiment begann, ist Teil einer europäischen Technologiestrategie geworden.
Der letzte Flaschenhals
Die Technik steht, die Skalierung läuft in der eigenen „Cultivate at Scale“-Anlage, die Investoren sind da. Was fehlt, ist der Stempel der Regulierer. Mosa Meat hat Zulassungsdossiers in der EU, der Schweiz, Großbritannien und Singapur eingereicht – jetzt beginnt das Warten auf den bürokratischen Durchbruch.
Besonders spannend ist die Entwicklung im UK. Dort wurde das Unternehmen in die „Regulatory Sandbox“ der Food Standards Agency aufgenommen, ein Programm für schnellere Zulassungen ohne Abstriche bei der Sicherheit. Die Briten wollen schneller sein als die EU – Post-Brexit-Pragmatismus als Standortvorteil für Clean Meat.
Warum das für den Planeten zählt
Cleanthinking begleitet die nachhaltige Fleischproduktion seit Jahren, und der Grund ist simpel: Die konventionelle Tierhaltung verursacht 14,5 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen – mehr als der gesamte Transportsektor. Clean Meat aus dem Bioreaktor spart laut Ökobilanzen 93 Prozent der Emissionen, 95 Prozent der Landfläche und 78 Prozent des Wassers. Dazu kommen keine Antibiotika, keine Gülle, kein Tierleid.
Singapur hat kultiviertes Hühnchen bereits 2020 zugelassen, die USA zogen 2023 nach. Europa wartet noch. Wenn die EU zu lange zögert, passiert das Gleiche wie bei Solar und Batterien: Die Wertschöpfung wandert ab, während in Maastricht die Bioreaktoren laufen und die Dossiers auf den Schreibtischen verstauben.
Der kultivierte Burger ist bereit. Jetzt muss nur noch die Bürokratie nachziehen.
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