Mutmacherin Barbara: Energiewende im Stadthaus von 1786

In der Mutmacher-Serie erzählen Cleanthinking-Leser über ihre persönliche Transformation

Mutmacherin Barbara zeigt, dass die Energiewende auch in einem historischen Stadthaus funktioniert – selbst wenn das Budget knapp ist und die Denkmalschutzbehörde genau hinschaut. Ihr Credo: Jeder noch so kleine Schritt zählt. Eigentlich wollte sie gar nicht öffentlich über ihre Geschichte sprechen. Die Sorge vor Anfeindungen in der hitzigen Debatte um Wärmepumpen und E-Mobilität war groß. Doch der Erfolg gibt ihr recht: Seit einigen Wochen arbeitet in ihrem historischen Stadthaus (Baujahr 1786) eine Wärmepumpe und hält alle Etagen warm – selbst an den „fies kalten” Tagen im Februar. Barbaras Weg zur Transformation war kein Sprint, sondern eine vorausschauende Abfolge von Entscheidungen, die sie trotz unsicherer Finanzen als alleinerziehende Selbstständige getroffen hat.

Während die meisten Mutmacher in dieser Serie von langer Planung und strategischem Vorgehen berichten, ist Barbaras Weg eher eine Abfolge von Entscheidungen, die sich gegenseitig erzwungen haben. Die kaputte Gastherme, der reparaturbedürftige Diesel, die steigende CO₂-Bepreisung – und der Mut, trotzdem zu handeln, obwohl die Reserven knapp sind. Ihre Geschichte zeigt: Energiewende funktioniert auch im typischen Stadthaus, auch ohne dickes Polster auf dem Konto.


Die alte Gasheizung gibt auf – Planung als Rettungsanker

Die Wärmepumpe im Innenhof - das Außengerät

Den Grundstein legte Barbara bereits ein Jahr zuvor. Ihre Gasheizung war 26 Jahre alt und zeigte deutliche Verschleißerscheinungen. Statt auf den totalen Ausfall zu warten, suchte sie sich einen erfahrenen regionalen Heizungsbauer und sicherte sich frühzeitig die KfW-Fördermittel. „Wenn man kein sicheres Einkommen aus einer Festanstellung hat und kein Zweitverdiener da ist, muss alles gut durchgerechnet sein“, erklärt Barbara.

Eigentlich wollte sie den Einbau noch schieben, um Geld anzusparen, doch die Technik entschied anders: Die Gastherme gab endgültig auf. Dank der bereits gesicherten Förderung war der Umstieg auf die Wärmepumpe finanziell überhaupt erst machbar. Heute sorgt das moderne System im 240 Jahre alten Gemäuer für zuverlässige Wärme.

Vom Diesel-Frust zum E-Auto-Infekt

Das E-Auto von Mercedes beim Laden.

Parallel zur Heizung stand das Thema Mobilität auf der Agenda. Im September streikte ihr 13 Jahre alter Diesel. Da Barbara beruflich auf ein Auto angewiesen ist, wagte sie den Sprung ins Unbekannte: Eine Probefahrt mit einem Elektroauto (BEV) bei einem befreundeten Autohändler. Das Ergebnis war eindeutig: Barbara war sofort „infiziert“.

Da ein Neuwagen finanziell außer Reichweite war, suchte sie gezielt auf dem Gebrauchtmarkt. Im November zog schließlich ein gebrauchtes Elektroauto bei ihr ein. Die Besonderheit bei ihr: Barbara kann nicht zu Hause laden. Weder der Platz noch das kleine Balkonkraftwerk mit zwei Speichern reichen dafür aus. Doch sie stellt fest: Das Laden an öffentlichen Säulen funktioniert völlig problemlos.

Denkmalschutz und „kleine Würfe“

Eigentlich hatte Mutmacherin Barbara die Wärmepumpe erst für 2026 geplant. Bereits im Februar 2025 hatte sie sich die Fördermittel gesichert – weil ihr klar war, dass die CO₂-Bepreisung Gas immer teurer machen würde. Barbara erkannte die fossile Kostenfalle, bevor sie zuschnappt.

Doch dann traf die alte Gastherme ihre eigene Entscheidung und ging kaputt. Also musste zum neuen E-Auto auch gleich die Wärmepumpe dazu. Eine Viessmann-Luft-Wärmepumpe steht jetzt im Innenhof – die schwarze Außeneinheit vor der alten Bruchsteinmauer, ein faszinierender Kontrast zwischen 1786 und 2025.

Vom Balkonkraftwerk zur Solaranlage mit Speicher

Im Keller sorgen die Inneneinheit und ein Warmwasserspeicher für Wärme im 240 Jahre alten Gemäuer. Dass Barbara die Fördermittel bereits gesichert hatte, erwies sich als Glücksfall – ohne die vorausschauende Planung wäre der ungeplante Heizungstausch finanziell kaum zu stemmen gewesen.

Denkmalschutz und Energiewende: Es geht – mit Kreativität

Wer Barbaras Haus betrachtet, sieht keine riesige Photovoltaik-Anlage auf dem Dach – der Denkmalschutz in der historischen Altstadt lässt das auf dem Satteldach nicht zu. Stattdessen nutzt sie ein Balkonkraftwerk mit zwei Speichern. Was andere als „kleine Lösung“ belächeln könnten, ist für Barbara ein wichtiger Teil ihrer Unabhängigkeit.

In einer Zeit leerstehender Ferienwohnungen und unsicherer Einkünfte hat sie das investiert, was ihr möglich war. „Das sind alles nicht DIE großen Würfe, aber es ist das, was ich persönlich mit meinen unsicheren Finanzen zur Energiewende beitragen kann – und da bin ich ein kleines bisschen stolz drauf!“

Barbaras Transformation im Überblick

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Stadthäuschen (Baujahr 1786, saniert 2000):
✓ Strom: Kleines Balkonkraftwerk mit zwei Speichern für die Grundlast.
✓ Wärme: Viessmann Luft-Wärmepumpe (ersetzt defekte Gastherme)
✓ Mobilität: Mercedes EQA (seit November 2025)
✓ Besonderheit: Selbständig ohne festes Einkommen, Ferienwohnungsvermieterin

Der Clou: Barbara beweist, dass man nicht auf den „perfekten Moment“ oder das große Erbe warten muss. Durch vorausschauende Planung (Förderantrag vor dem Heizungskollaps) und die Offenheit für gebrauchte Technik hat sie ihr Denkmalhaus zukunftsfähig gemacht.

Wo Mutmacher Dominic aus der Schweiz seine Entscheidungen als „leicht gefallen“ beschreibt und Mutmacherin Svenja ihre Machtlosigkeit als Mieterin schildert, steht Barbara für eine dritte Perspektive: die Eigentümerin, die handelt, obwohl es eigentlich gerade nicht passt. Die die steigende CO₂-Bepreisung als das erkennt, was sie ist – eine fossile Kostenfalle – und lieber jetzt investiert als später draufzuzahlen.

„Jeder Schritt macht uns unabhängiger“

Die Geschichte von Mutmacherin Barbara ist ein Mutmacher für alle, die vor ähnlichen Hürden stehen: Altbau, Denkmalschutz, begrenzte Mittel. Sie zeigt, dass die Energiewende machbar ist, wenn man bereit ist, Kompromisse einzugehen und einfach anzufangen. „Jeder Schritt macht uns unabhängiger“, sagt sie heute, „auch wenn er noch so klein ist.“

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