Warum das Cleantech-Unternehmen Radia das größte Frachtflugzeug der Welt baut

MIT-Spinoff Radia aus Colorado will sich durch den Flugzeugtransport von Rotorblättern einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Krempelt das Cleantech-Unternehmen Radia den Markt für abgelegene Onshore-Windturbinen um? Möglich ist es. Denn das MIT-Spinoff aus Colorado will ein gewaltiges Problem lösen: Den Transport von Rotorblättern, die so lang wie Fußballfelder sind. Denn bislang können die größten Windkraftanlagen der Welt nur auf dem Meer, nicht aber in der Wüste eingesetzt werden, weil der Straßentransport unmöglich ist. Radia hat nach sieben Jahren Arbeit im Verborgenen Ende März seine Lösung präsentiert: Das größte Frachtflugzeug der Welt namens WindRunner.

Update, 29. August 2026: Radia peilt die Zertifizierungsflüge inzwischen für 2030 an, den kommerziellen Betrieb für 2031. Rund 100 Millionen US-Dollar sind eingesammelt, Fertigungspartner stehen fest, und mit der C-242 ist eine Militärvariante hinzugekommen. Die Details stehen im neuen Abschnitt am Ende des Artikels.

Radia ist kein Flugzeugbauer. Vielmehr ist das vom Raketenwissenschaftler Mark Lundstrom (Linkedin) gegründete Cleantech-Startup ein Energieunternehmen, das sich mit dem Flugzeugtransport der größten Rotorblätter der Welt einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten will. „Wenn man die Rentabilität eines erneuerbaren Projekts deutlich steigern kann, wird mehr Geld in erneuerbare Energien fließen“, erklärt Lundstrom seine Philosophie.


Je größer eine Windkraftanlage ist, desto mehr Energie produziert sie - auf dem Meer kommen daher die Giganten der Windindustrie zum Einsatz, die sogar zunehmend schwimmen können, um nicht teuer im Meeresboden verankert werden zu müssen. Doch an Land sind andere Grenzen gesetzt: Ist der Straßentransport in die Wüste oder hoch auf einen Berg nicht möglich, muss das Energieprojekt kleiner dimensioniert werden. Die Wirtschaftlichkeit leidet.

Größere Windkraftanlagen können unter einem breiteren Spektrum an Bedingungen betrieben werden, was bedeutet, dass sie weniger Ausfallzeiten haben als ihre kleineren Gegenstücke. Viele Entwickler gingen davon aus, dass die größten Rotorblätter nur für Offshore-Windprojekte funktionieren. Doch Lundstrom will das mit seinem Flugzeug WindRunner ändern.

WindRunner: Größtes Frachtflugzeug der Welt

Wenn der WindRunner abhebt, wird es das größte Frachtflugzeug der Welt sein. Einziger Zweck: Transport riesiger Rotorblätter für Windkraftanlagen, die größer als 70 Meter sind. Die Lösung eines Logistikproblems, das die Energiewende deutlich beschleunigen könnte.

Hindernisse wie Autobahnunterführungen, Stromleitungen, Brücken oder Tunnel würden entfallen. Sie müssen oft aufwändig umfahren werden, was Routenplanungen verkompliziert. Bis zu 100 Meter Länge dürften künftige Rotorblätter vorweisen.

WindRunner - mehrere von vorne

Radia will Barrieren überwinden

Radias riesiges Frachtflugzeug soll helfen, diese Barrieren zu überwinden. Die Maße sind beeindruckend: eine Länge von 108 Meter, eine Flügelspannweite von 80 Metern und eine Höhe von 24 Meter sind vorgesehen. Nach Angaben des Unternehmens verfügt das Flugzeug von Radia über ein Frachtraumvolumen - das Zwölffache eines Boeing 747-400F.

Um einen Vergleich anzustellen: Der Antonov An-225, ein sowjetisches Frachtflugzeug, das vor seiner Zerstörung im Jahr 2022 durch Russland eingesetzt wurde, hatte eine Länge von ungefähr 84 Metern und eine Flügelspannweite von 88 Metern. Das Flugzeug war auch in der Lage, übergroße Lasten wie Windkraftanlagenrotorblätter zu transportieren und ragte etwa 18 Meter in der Höhe.

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Radia erklärte, dass der WindRunner seine Operationen von regionalen Knotenpunkten aus durchführen wird. An diesen Knotenpunkten werden die Rotorblattturbinen entweder importiert oder hergestellt und dann direkt zu den Windparks geliefert. Die Landung der WindRunner erfolgt an den Standorten auf Landebahnen, die eine Länge von 1.800 Metern haben und halb vorbereitet sind, entweder mit Erde oder Kies. Dies würde es WindRunner ermöglichen, auf „fast jedem kommerziellen Flughafen der Welt“ zu landen, sagte Radia.

Hocheffiziente Windenergie als Ergebnis

„Das Ergebnis wird hocheffiziente Windenergie in enormem Ausmaß sein“, sagte Mark Lundstrom, CEO von Radia. „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht bedeutet das, dass sich die interne Rendite der Onshore-Windenergiebranche verdoppeln wird und viel mehr Kapital für erneuerbare Energien angezogen wird.“

Laut Radia ist der geschätzte achtjährige Prozess zur Entwicklung, zum Bau und zur Zertifizierung des Mammut-WindRunner bereits mehr als zur Hälfte abgeschlossen (Stand: Frühjahr 2024; zum aktuellen Zeitplan siehe Update-Abschnitt unten). Vor der Vorstellung des größten Frachtflugzeugs der Welt arbeitete das Unternehmen sieben Jahre lang im Stealth Modus

Obwohl die Nachfrage nach herkömmlicher Luftfracht nach dem pandemiebedingten Boom abgeflaut ist, wird der rentable Markt für Großraumfracht laut 360iResearch voraussichtlich von 14 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 33 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 wachsen.

WindRunner 2026: Verschobener Erstflug, neue Partner, Militärvariante

Seit der Vorstellung im Frühjahr 2024 hat sich der Zeitplan deutlich verschoben. Zertifizierungsflüge sind laut einem FlightGlobal-Bericht vom Juli 2026 für 2030 terminiert, der kommerzielle Betrieb für 2031. Frühere Zielmarken von 2027 und 2029 sind hinfällig. Radia hat bislang rund 100 Millionen US-Dollar eingesammelt, unter anderem von LS Power, Good Growth Capital und ConocoPhillips. Den weiteren Entwicklungsbedarf beziffert das Unternehmen selbst auf Milliardenhöhe.

Die Fertigung ist inzwischen vergeben: Leonardo baut den Aluminium-Rumpf, Aernnova liefert Flügel und Triebwerkspylonen, dazu kommen Magnaghi, Latecoere und Stirling Dynamics. Angestrebt wird die US-Zulassung nach FAA Part 25. Bemerkenswert ist der Weg dorthin: Einen Skalenprototyp vor dem ersten vollwertigen Flugzeug plant Radia nicht, sondern will direkt mit dem ersten gebauten Exemplar in den Flugtest. In der Luftfahrtbranche gilt das als ungewöhnlich riskant, Kritiker sprechen offen von Vaporware.

2026 hat Radia zudem eine zweite Erzählung aufgemacht: Die Militärvariante C-242 soll den strategischen NATO-Lufttransport bedienen, mit erklärtem Interesse des Pentagon. Für die Finanzierung ist das hilfreich, für das Windkraft-Versprechen eine offene Flanke, denn einen Turbinenhersteller, der den WindRunner gebucht oder eine Absichtserklärung unterschrieben hat, benennt Radia bislang nicht. Warum der Transport das Nadelöhr des Windkraftausbaus bleibt und welche Alternativen es gibt, zeigt unser Überblick zum Rotorblatt-Transport.

Häufige Fragen zum Radia WindRunner

Wann soll der Radia WindRunner erstmals fliegen?

Zertifizierungsflüge sind laut FlightGlobal für 2030 geplant, der kommerzielle Betrieb für 2031. Frühere Zielmarken von 2027 und 2029 gelten als überholt.

Wie groß ist der Radia WindRunner?

Der WindRunner ist 108 Meter lang, 24 Meter hoch und hat 80 Meter Flügelspannweite. Sein Frachtraumvolumen entspricht dem Zwölffachen einer Boeing 747-400F, damit wäre er das größte Flugzeug der Welt.

Wofür wird der WindRunner gebaut?

Der WindRunner soll Rotorblätter von mehr als 70 Metern Länge direkt zu entlegenen Onshore-Windparks fliegen und dort auf halb vorbereiteten Pisten ab 1.800 Metern landen. Seit 2026 bietet Radia mit der C-242 zusätzlich eine Militärvariante für den NATO-Lufttransport an.

QUELLEN

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  1. FlightGlobal: World's largest aircraft on track for 2030 debut, start-up Radia says, Juli 2026.
  2. Radia: Unternehmensangaben zum WindRunner, abgerufen im August 2026.
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