Svea Strom: Was steckt hinter dem dynamischen Tarif von IKEA?

BILD titelt „Strom-Revolution“ – doch der Tarif existiert seit März 2025, und IKEA ist Vermittler. Was Verbraucher wirklich wissen müssen über Svea Solar, dynamische Tarife und die Energiestrategie des Möbelriesen.

Die heutigen Bild-Schlagzeilen zu Svea Strom klingt nach Disruption: „IKEA plant Strom-Revolution“, „Angriff auf Energiekonzerne. Wer heute nach „IKEA Strom“ sucht, könnte meinen, der schwedische Einrichtungskonzern hätte über Nacht beschlossen, die deutsche Energiebranche aufzumischen. Die Realität jenseits der Springer-Presse ist deutlich weniger spektakulär – aber für Verbraucher und die Energietransformation durchaus relevant.

Der Tarif heißt Svea Strom – und gibt es seit März 2025

Was von der Bild-Zeitung als bahnbrechende Neuigkeit verkauft wird, ist längst Realität: Der dynamische Stromtarif „Svea Strom“ wurde bereits am 27. März 2025 von Svea Solar Deutschland eingeführt. IKEA fungiert lediglich als Vertriebskanal – Vertragspartner für Kunden ist und bleibt Svea Solar.


Diese Konstellation ist nicht neu. IKEA und Svea Solar kooperieren bereits seit 2020. In den vergangenen fünf Jahren hat IKEA sukzessive das Energieportfolio seines schwedischen Partners in die eigenen Filialen und den Onlineshop integriert: Photovoltaikanlagen, Stromspeicher, Wallboxen, Balkonkraftwerke.

Im Oktober 2025 kamen Wärmepumpen hinzu – diese stammen vom schwedischen Hersteller AIRA und werden ebenfalls über die IKEA-Svea-Partnerschaft vertrieben. Der dynamische Stromtarif Svea Strom ist der logische nächste Schritt in dieser Strategie.

Dynamische Stromtarife: Keine Revolution, sondern gesetzliche Pflicht

Was viele Berichte verschweigen: Seit 2025 sind alle Stromanbieter in Deutschland gesetzlich verpflichtet, mindestens einen dynamischen Tarif anzubieten. Die „Innovation“, die IKEA zugeschrieben wird, ist schlicht die Erfüllung einer regulatorischen Anforderung durch den tatsächlichen Anbieter Svea Solar.

So berichtet BILD heute über SVEA Strom von Ikea. Leicht übertrieben?

Dynamische Tarife koppeln den Strompreis an den Börsenstrompreis, der sich viertelstündlich ändert. Kunden mit einem intelligenten Messsystem (Smart Meter) können ihren Verbrauch in günstige Stunden verlagern – etwa das Laden des Elektroautos in die Nachtstunden oder den Betrieb der Waschmaschine in Zeiten mit viel Wind- und Solarstrom.

Das Konzept ist nicht neu. Anbieter wie Tibber, Awattar und Octopus Energy bieten solche Tarife seit Jahren an. Voraussetzung: Ein intelligentes Messsystem – auch Smart Meter genannt. In Schweden, dem Heimatmarkt von Svea Solar, nutzt bereits mehr als die Hälfte aller Stromkunden dynamische Tarife.

Svea Solar: Wer steckt dahinter?

Svea Solar ist kein Startup-Experiment, sondern ein etablierter europäischer Player. Gegründet wurde das Unternehmen 2014 in Schweden von Erik Martinson und Björn Lind mit der Vision, fossile Brennstoffe durch kostengünstige Solarenergielösungen zu ersetzen. Heute beschäftigt Svea Solar rund 1.200 Mitarbeiter und ist in mehreren europäischen Märkten aktiv, darunter Deutschland, Italien und Belgien.

In Deutschland leitet Taner Karacan als Geschäftsführer die Geschäfte. Karacan ist kein Unbekannter in der Cleantech-Szene: Das TIME Magazine nahm ihn 2025 in die Liste der 100 wichtigsten Menschen für das Klima auf – unter anderem für seine Rolle bei der IKEA-Partnerschaft und der Verbreitung von Balkonkraftwerken.

In einem Interview mit TIME formulierte Karacan seine Vision: „Virtual Power Plants sind eine der wichtigsten Klimalösungen. Indem wir dezentrale Solar-, Batterie- und E-Auto-Ladestationen vernetzen, können wir Angebot und Nachfrage ausgleichen, fossile Backup-Kraftwerke reduzieren und Haushalte zu aktiven Teilnehmern des Energiesystems machen.

Diese Vision erklärt die Strategie von Svea Solar: Es geht nicht nur um den Verkauf einzelner Produkte, sondern um ein integriertes Energiesystem für Privathaushalte – PV-Anlage, Speicher, Wärmepumpe, Wallbox und dynamischer Stromtarif aus einer Hand, verbunden durch ein Home Energy Management System (HEMS).

Was bietet Svea Strom konkret?

Der Tarif im Überblick:

Die Grundgebühr beträgt 6,99 Euro monatlich (5,95 Euro für IKEA Family-Mitglieder). Kunden zahlen den viertelstündlichen Börsenpreis, der bereits am Vortag um 14 Uhr für den Folgetag feststeht. Der Strom ist TÜV-zertifizierter Ökostrom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Sechs Monate ohne Grundgebühr IKEA Mitglieder bei Abschluss bis 1.2.2026. Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat. Nach sechs Monaten gibt es einen IKEA-Gutschein.

Für die optimale Nutzung empfiehlt Svea Solar einen Smart Meter, der den Verbrauch stundengenau erfasst. Bei Kunden ohne Smart Meter erfolgt die Abrechnung auf Basis eines Standardlastprofils – der volle Kostenvorteil entfaltet sich dann nicht.

Das schwedische Unternehmen bewirbt Einsparpotenziale von bis zu 830 Euro jährlich für einen Vier-Personen-Haushalt mit Elektroauto. Solche Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen: Sie setzen voraus, dass Kunden ihren Verbrauch aktiv in günstige Stunden verlagern. Wer seinen Lebensstil nicht anpasst, kann mit einem dynamischen Tarif auch teurer fahren als mit einem klassischen Festpreistarif – das räumt auch Svea Solar selbst ein.

Die IKEA-Strategie: Energiewende im Einrichtungshaus

Auch wenn Svea Strom keine Revolution ist: Die IKEA-Partnerschaft hat durchaus Bedeutung. Der Möbelkonzern bringt Reichweite und Vertrauen mit, die spezialisierten Energieanbietern und womöglich Konkurrenten wie Enpal oder 1komma° teilweise fehlen.

Wer bei IKEA ein Sofa kauft, stolpert künftig über Balkonkraftwerke, Wallboxen und Stromtarife. Das senkt Hemmschwellen für Verbraucher, die „Tibber“ nicht kennen, aber IKEA vertrauen. Die Strategie erinnert an den Erfolg von IKEAs Solarprodukten: Balkonkraftwerke, die der Konzern seit 2025 anbietet, erreichen eine Zielgruppe, die sich nie aktiv nach Photovoltaik umgesehen hätte.

Für Svea Solar ist die Partnerschaft ein Weg, sich gegen die deutschen Wettbewerber zu positionieren. Während Enpal und 1Komma5° – die beiden deutschen Cleantech-Unicorns – auf eigene Vertriebsstrukturen setzen, nutzt Svea Solar Europas größten Möbelhändler als Schaufenster. Beide Modelle haben ihre Berechtigung.

AIRA-Wärmepumpen: Der nächste Baustein

Zur IKEA-Svea-Partnerschaft gehören seit Oktober 2025 auch Wärmepumpen des schwedischen Herstellers AIRA. Das Unternehmen wurde von ehemaligen Tesla- und Spotify-Managern gegründet und will den Wärmepumpenmarkt mit einem digitalisierten Installationsprozess aufmischen.

Die Verbindung macht Sinn: Wer eine AIRA-Wärmepumpe über IKEA bestellt, kann sie mit einer Svea-PV-Anlage und dem Svea-Strom-Tarif kombinieren. Das Ziel ist das, was die Branche als „Prosumer-System“ bezeichnet: Haushalte, die Strom produzieren, speichern und intelligent verbrauchen.

Einordnung: Zwischen Hype und echtem Fortschritt

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Die heutigen Schlagzeilen über IKEAs angebliche „Strom-Revolution“ zeigen ein bekanntes Muster: Etablierte Medien entdecken die Energiewende, wenn ein bekannter Markenname involviert ist – und verkaufen Bekanntes als Sensation.

Svea Strom ist kein Durchbruch. Es ist ein solides Angebot in einem wachsenden Markt, getragen von einem seriösen Unternehmen mit erfahrener Führung. Die eigentliche Nachricht ist nicht, dass IKEA den Strommarkt aufmischt. Die Nachricht ist, dass die Energiewende im Mainstream angekommen ist – zwischen Billy-Regal und Köttbullar.

Für Verbraucher, die sich für dynamische Stromtarife interessieren, lohnt sich ein Vergleich: Neben Svea Strom bieten Tibber, Octopus Energy, Awattar, Ostrom und inzwischen alle großen Energieversorger entsprechende Tarife an. Die Unterschiede liegen in Grundgebühren, Apps, Zusatzfunktionen und Kundenservice.

So informiert Octopus Energy seine Kunden über die aktuelle Preisentwicklung.
So informiert Octopus Energy* seine Kunden über die aktuelle Preisentwicklung.

Wer bereits eine Photovoltaikanlage besitzt oder über eine Wärmepumpe nachdenkt, für den kann die Integration aller Komponenten bei einem Anbieter Vorteile bieten. Wer einfach nur einen günstigen Stromtarif sucht, findet bei spezialisierten Anbietern oft die bessere App und den ausgereifteren Service.

*Bei Abschluss eines Vertrages über Octopus Energy erhält Cleanthinking (bzw. Jendrischik PR) eine kleine Provision.

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Habe mir das Ganze mal angeschaut, soweit ich das sehe, ist der neue IKEA Tarif schon neu – wenn man über die IKEA Website weitergeleitet wird, kommt man zu einem anderen Angebot als direkt über Svea, da gibt’s dann auch die günstigere Grundgebühr, IKEA Gutschein und die 6 Monate gratis!
Stimme dir auch voll zu, dass dynamische Tarife nichts Neues sind – finde es aber ein sehr gutes Zeichen, dass so ein Gigant wie IKEA günstig einsteigt (und sich direkt jemanden als Partner sucht, der sich schon richtig im Strommarkt auskennt..) – werde es mal testen 🙂

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