Großspeicher BESS Klostermansfeld: Spatenstich für Deutschlands größten Batteriespeicher

Betreiber BW ESS beginnt den Bau des 1-GW/5,7-GWh-Systems, nachdem das Unternehmen die Anlage von Zelos Energy Developments vollständig übernommen hat

Am 1. Juli 2026 hat BW ESS den Spatenstich für den Großspeicher in Klostermansfeld, Sachsen-Anhalt, vollzogen. Mit 1.000 Megawatt Leistung und bis zu 5.700 Megawattstunden Kapazität ist die Anlage der größte, in Bau befindliche Batteriespeicher Deutschlands und einer der größten in Europa. Zum Spatenstich kamen Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann und Klostermansfelds Bürgermeister Frank Ochsner. BW ESS ist inzwischen alleiniger Eigentümer des Projekts, das Cleanthinking bereits im Dezember 2025 vorgestellt hat.

BW ESS investiert seit 2024 in Deutschlands bislang größten Batteriespeicher in Sachsen-Anhalt und hat Anfang 2026 die vollständige Eigentümerschaft übernommen, wie das Unternehmen mitteilt. Zelos Energy Developments, der ursprüngliche Entwickler und Verkäufer des Projekts, unterstützt BW ESS voraussichtlich bis Ende 2026 weiterhin bei Fragen zum Standort.

Der Batteriespeicher Klostermansfeld wird unser erstes deutsches Asset sein, das in den Bau geht“, sagt Roberto Jiménez, Executive Director bei BW ESS. „Wir werden auch künftig einen aktiven Ansatz im Wissenstransfer innerhalb unseres Portfolios verfolgen und dabei unsere umfassende Erfahrung aus etablierten globalen Märkten gezielt einbringen.


Wer ist BW ESS?

BW ESS ist ein globaler Betreiber und Eigentümer von Batteriespeichern mit Sitz in Zürich und Teil der BW Group, eines multinationalen Konzerns mit Schwerpunkten in Schifffahrt, schwimmender Gasinfrastruktur sowie Öl- und Gasförderung in der Tiefsee. Das Unternehmen ist in Großbritannien, Australien, Italien, Deutschland, Spanien und Schweden aktiv, betreibt mehr als 540 Megawattstunden an Batteriespeichern und hat rund 11 Gigawattstunden im Bau.

Klostermansfeld ist das erste deutsche Projekt, das BW ESS selbst in die Bauphase führt.

Strategische Standortwahl: Netzknoten an der Stromautobahn

Der Standort Klostermansfeld ist kein Zufall. Das Umspannwerk Zirkelschacht liegt nicht nur an einem zentralen Netzknoten, sondern auch entlang der Trasse des SuedOstLink – jener Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ), die ab 2027 Windstrom aus Sachsen-Anhalt nach Bayern transportieren soll. Ein Speicher an dieser Stelle kann Erzeugungsspitzen puffern, bevor sie die Leitung überlasten, oder Bedarfslücken im Süden schließen, wenn die Trasse ausgelastet ist.

Die Einspeisung erfolgt direkt in die Höchstspannungsebene – ein entscheidender Unterschied zu kleineren Projekten, die auf Mittelspannungsebene arbeiten. Damit ist der Speicher unmittelbar systemrelevant und kann Flexibilitätsdienstleistungen auf Übertragungsnetzebene erbringen.

Bis zur vollständigen Übernahme durch BW ESS teilten sich zwei spezialisierte Unternehmen die Arbeit: Zelos Energy Developments verantwortete die Standortentwicklung – von der Flächensicherung über den Netzanschluss bis zur Genehmigung. BW ESS übernahm bereits die technische Planung, den Bau, die internationale Beschaffung sowie Finanzierung und Betriebsmodelle.

Im April 2025 hatten beide Unternehmen angekündigt, gemeinsam Speicherprojekte mit einer Gesamtleistung von 1,5 Gigawatt und sechs Gigawattstunden Kapazität in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zu entwickeln. Klostermansfeld war das erste Projekt aus diesem Portfolio, das eine Baugenehmigung erhielt – und ist weiterhin das größte BImSchG-genehmigte Batteriespeicherprojekt im Netzgebiet von 50Hertz.

Genehmigung ohne Bebauungsplan

Ein bemerkenswertes Detail zum BESS Klostermansfeld: Das Großspeicher-Projekt wurde ohne eigenen Bebauungsplan genehmigt. Die Kanzlei Brock Müller Ziegenbein, die Zelos im Verfahren begleitete, betont das „gute Einvernehmen mit der Standortgemeinde“ als entscheidenden Faktor. Auf der rund 15 Hektar großen Industriebrache werden künftig über 1.100 Batteriecontainer stehen.

Für die Branche ist das ein Signal: Großspeicher lassen sich auch ohne langwierige Bauleitplanung realisieren – wenn Standort, Gemeinde und Genehmigungsbehörde zusammenspielen. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Naturschutz kein Hindernis sein muss: Im Genehmigungsbescheid sind umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen für Feldlerchen und das Landschaftsbild festgeschrieben.

Bedeutung für die Gemeinde Klostermansfeld

Klostermansfeld, eine Gemeinde mit rund 3.000 Einwohnern im Landkreis Mansfeld-Südharz, bezeichnet den Speicher als größte Investition ihrer Geschichte, wie auch die Mitteldeutsche Zeitung berichtet. Sichtbar wird das an mehreren konkreten Projekten: So soll mit Unterstützung des Projektierers u. a. ein neuer Spielplatz entstehen, der lange aufgeschoben wurde. Auch energetische Sanierungen an kommunalen Gebäuden sowie Investitionen in die örtliche Infrastruktur (z. B. Breitband und Straßenbeleuchtung) stehen im Raum.

Zudem rechnet die Gemeinde mit:

  • zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen,
  • wirtschaftlichen Impulsen für lokale Unternehmen in der Bauphase,
  • einem stärkeren Standortprofil für Energieprojekte.

Begleitet wird das Projekt durch Bürgermeistersprechstunden, Informationsveranstaltungen und Beratungen im Gemeinderat. Eine zentrale Rolle spielt dabei Bürgermeister Frank Ochsner, der zugleich ehrenamtlicher Feuerwehrchef in Klostermansfeld ist. Er steht nicht nur für administrative Begleitung, sondern verkörpert auch den direkten Draht zu den Bürger*innen – ein Faktor, der für das Vertrauen in das Projekt entscheidend ist.

Zeitplan und Erwartungen

Die aktuell kommunizierten Eckdaten lauten:

  • Spatenstich/Baubeginn: 1. Juli 2026 (erfolgt)
  • Bauende: voraussichtlich Herbst 2027
  • Inbetriebnahme: voraussichtlich 2028

Mit dem Spatenstich ist die Bauphase offiziell gestartet. Wie bei Großprojekten üblich, bleiben Bauende und Inbetriebnahme Prognosen: Lieferketten, Netzanschluss und regulatorische Entwicklungen können Verzögerungen verursachen.

Mehr dazu auch im Lokal-Fernsehen:

Systemische Relevanz: Was Batteriespeicher leisten können – und was nicht

Große Batteriespeicher spalten oft die Meinung: Für die einen sind sie überbewertet, für die anderen ein Allheilmittel der Energiewende. Dabei liegt der Nutzen – wie so oft – in der konkreten Anwendung. Der Speicher in Klostermansfeld wird nicht über Wochen Strom liefern oder das Netz allein stabil halten. Aber er kann gezielt dann einspringen, wenn kurzfristig viel Wind- oder Solarstrom im Netz ist und kein Abnehmer zur Stelle. Genau in solchen Momenten kann er Preisspitzen glätten, Netzengpässe entschärfen oder verhindern, dass Erneuerbare abgeregelt werden.

Was der Speicher nicht leisten kann, ist ebenso wichtig: Er ersetzt keine saisonalen Speicher für Wintermonate, keine Reservekraftwerke für tagelange Dunkelflauten – und schon gar nicht den Netzausbau.

Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Energiewende-Infrastruktur nicht zwangsläufig auf Kosten wertvoller Agrarflächen gehen muss. Die Anlage in Klostermansfeld wird auf einer versiegelten Industriebrache errichtet – in einem Bundesland, das von Braunkohletagebauen geprägt ist und viele ehemalige Industrieflächen birgt, die sich für solche Projekte eignen. Sorgen um Flächenkonkurrenz sind also verständlich, aber in diesem Fall unbegründet.

Gerade weil sein Nutzen so spezifisch ist und die Standortwahl mit Bedacht erfolgt, verdient das Vorhaben Aufmerksamkeit: Ein Speicher dieser Größe, direkt an einem zentralen Netzknoten errichtet, kann zeigen, wie systemdienliche Flexibilität in der Praxis aussieht – und welchen Unterschied sie dort macht, wo es im Stromnetz wirklich eng wird.

Kein Einzelfall: Die Batterie-Welle rollt

Klostermansfeld ist Teil einer größeren Entwicklung. Bei den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern liegen aktuell Netzanschlussanfragen für über 500 Gigawatt Batteriespeicherleistung vor. Zum Vergleich: Deutschland braucht bis 2035 schätzungsweise 55 bis 100 GW, um ein zu 100 Prozent erneuerbares Stromsystem flexibel zu betreiben. Die Anfragen übersteigen den Bedarf um das Fünf- bis Neunfache.

Das Problem ist nicht Kapital oder Technologie – beides ist da. Der Engpass sind Netzanschlüsse: 50Hertz, der zuständige Übertragungsnetzbetreiber für Ostdeutschland, hat seine Anschlusskapazitäten bis 2029 bereits erschöpft. Die Branche spricht intern vom „Batterie-Tsunami“.

Projekte wie Klostermansfeld zeigen: Die S-Kurve der Batteriespeicher will steil nach oben. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell wir sie lassen.

Einordnung: Systemwirkung statt Haushaltsvergleich

Die öffentliche Kommunikation verwendet oft vereinfachte Größen wie „x Haushalte für y Stunden". Solche Vergleiche greifen zu kurz: Ein Batteriespeicher speist ins Netz ein – nicht direkt in Haushalte. Wichtig ist stattdessen:

  • Leistung (GW): Wie schnell kann Strom aufgenommen/abgegeben werden?
  • Kapazität (GWh): Wie lange kann der Speicher diese Leistung liefern?
  • Standort: Wo entsteht netzdienliche Wirkung?

Offene Punkte und Ausblick

Noch nicht öffentlich einsehbar sind:

  • technische Details (Zellchemie, fortlaufende Überwachung und exaktes Brandschutzkonzept),
  • Betriebsstrategie (vermarktete Dienste, Netzdienlichkeit),
  • Vertrags- und Finanzierungsstruktur,
  • Umweltschutzmaßnahmen.

Der Batteriespeicher in Klostermansfeld ist kein Symbolprojekt, sondern ein potenzieller Systembaustein. Wenn es gelingt, Flexibilität gezielt am Netzknoten bereitzustellen, könnte das Projekt bundesweit Signalwirkung entfalten: für eine netzdienliche Integration Erneuerbarer, für einen effizienteren Netzbetrieb – und als Baustein für ein flexibles Stromnetz 2035.

Häufig gestellte Fragen zum Großspeicher Klostermansfeld

Wer betreibt den Großspeicher Klostermansfeld?

BW ESS ist seit Anfang 2026 alleiniger Eigentümer und Betreiber des Großspeichers Klostermansfeld. Das Unternehmen hatte bereits seit 2024 in das Projekt investiert und die vollständige Eigentümerschaft von Zelos Energy Developments übernommen, dem ursprünglichen Entwickler und Verkäufer des Projekts.

Was passiert mit der Hecke am Speicherstandort?

Laut Projektseite pflanzt Zelos Energy Developments eine Hecke an der westlichen Grenze der Fläche sowie Gehölz und einheimische Sträucher entlang der Mansfelder Bergwerksbahn. Die Bepflanzung dient dem Sichtschutz, da die rund 2,5 Meter hohen Batterieeinheiten dadurch von der bestehenden und neu geplanten Vegetation abgeschirmt werden.

Warum profitiert Klostermansfeld jetzt besonders von der Gewerbesteuer?

Historisch zahlte der Umspannwerksbetreiber 50Hertz den Großteil seiner Gewerbesteuer in Berlin, wie Bürgermeister Frank Ochsner erklärte. Die Betreibergesellschaft des Großspeichers verlegt ihren Geschäftssitz dagegen nach Klostermansfeld, wodurch die Gewerbesteuer künftig zu 100 Prozent der Gemeinde zugutekommt.

Wann soll der Großspeicher Klostermansfeld ans Netz gehen?

Nach aktuellem Stand soll der Batteriespeicher 2028 den kommerziellen Betrieb aufnehmen. Der Zeitplan ist wie bei Großprojekten üblich vorläufig und kann sich durch Lieferketten oder regulatorische Entwicklungen verschieben.

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