Meerestemperatur-Rekord im Juni: Ozeane so warm wie nie

WISSENSCHAFT · 1. JULI 2026

Meerestemperatur erreicht im Juni neuen Rekordwert

Die globale Meeresoberflächentemperatur hat am 21. Juni die bisherigen Rekordwerte von 2023 und 2024 übertroffen. Zwei unabhängige Copernicus-Dienste bestätigen den Ausreißer, der zeitlich mit dem Beginn des von der Weltorganisation für Meteorologie erwarteten El-Niño-Ereignisses zusammenfällt.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 MIN LESEN


Neuer Meerestemperatur-Rekord: Am 21. Juni lag die globale Meeresoberflächentemperatur außerhalb der Polarregionen über den Werten, die am selben Kalendertag 2023 und 2024 gemessen wurden, den bisherigen Rekordjahren. Das meldeten der europäische Klimawandeldienst Copernicus Climate Change Service (C3S) und der Meeresbeobachtungsdienst Copernicus Marine (CMEMS) am 1. Juli übereinstimmend, mit unabhängigen Messmethoden.

C3S misst per Satelliten-Reanalyse (ERA5, betrieben vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage), Copernicus Marine mit dem ozeanografischen Modell GLO12 von Mercator Ocean International. Beide kommen für den 21. Juni auf einen neuen Bestwert: C3S registrierte 20,86 Grad, knapp über den bisherigen 20,83 Grad aus 2023 und 2024. Copernicus Marine maß 21,0 Grad, 0,1 Grad über dem vorherigen Rekord.

Warum der Meerestemperatur-Rekord jetzt kommt

Copernicus führt den neuen Höchstwert auf zwei sich überlagernde Effekte zurück: ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen in mehreren Ozeanregionen über Monate hinweg, und das einsetzende El-Niño-Ereignis im äquatorialen Pazifik, das die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bereits am 2. Juni ausgerufen hatte. Über diese Prognose und ihre möglichen Ausmaße als „Super-El-Niño" haben wir im Juni ausführlich berichtet: mit Einschätzungen unter anderem von Mojib Latif und Friederike Otto zur Frage, wie stark das Ereignis werden könnte. Der jetzige Ozean-Rekord ist die erste harte Messbestätigung, dass die damalige Prognose eintrifft.

Zum Vergleich: Als der letzte Juni-Rekord 2024 gemessen wurde, kehrten die ENSO-Bedingungen im Pazifik gerade zur Neutralität zurück, nach dem im Frühjahr 2023 gestarteten El Niño. Diesmal liegt der Fall umgekehrt: El Niño setzt gerade erst ein, der Rekord fällt in die früheste Phase des Ereignisses.

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„Bei Ozeantemperaturen auf diesem Niveau und einem El Niño am Horizont werden wir in den kommenden Monaten wahrscheinlich weitere Temperaturrekorde erleben“, betont Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Climate Change Service am ECMWF.

Pierre-Yves Le Traon, wissenschaftlicher Direktor von Copernicus Marine bei Mercator Ocean International, verweist auf den praktischen Nutzen der Daten: Die kontinuierliche Ozeanbeobachtung helfe Behörden, Wissenschaft und Entscheidungsträgern zu verstehen, wie sich der Ozean verändert, und stütze Schutzmaßnahmen für die Meeresumwelt.

Was ein wärmerer Ozean anrichtet

Der Ozean ist der größte Wärmespeicher der Erde und nimmt nach Angaben von Copernicus mehr als 90 Prozent der überschüssigen Energie auf, die durch die Verbrennung fossiler Energieträger entsteht. Dieses Energieungleichgewicht erreichte im vergangenen Jahr einen Rekordwert von 23 Zettajoule, mehr als doppelt so viel wie im Schnitt der vorangegangenen zwei Jahrzehnte. Die Erwärmung der Ozeane beschleunigt sich entsprechend: 2020 entsprach die zusätzlich gespeicherte Wärme rund fünf Hiroshima-Bomben pro Sekunde, im vergangenen Jahr waren es bereits etwa elf.

Ein wärmerer Ozean hält die Atmosphäre länger warm, liefert Stürmen zusätzliche Energie und erhöht die Verdunstung, was das Risiko für Starkregen und Überschwemmungen steigert. Er trägt zudem zu Meeresspiegelanstieg und Eisschmelze bei und begünstigt häufigere, intensivere marine Hitzewellen, die Ökosysteme, Fischerei und Küstenwirtschaften belasten und die Hitze über nahegelegenen Landflächen zusätzlich verstärken können.

Als der bisherige Juni-Rekord 2023 fiel, beschrieben Wissenschaftler die Werte laut Guardian-Berichterstattung als „besorgniserregend„, „erschreckend“ und „völlig verrückt", weil sie so weit außerhalb der Erwartungen lagen. Es folgte ein El Niño mit verheerenden Hitzewellen, Überschwemmungen und Stürmen weltweit. Im vergangenen Monat verzeichneten Großbritannien und weite Teile Europas neue Hitzerekorde, während die Antarktis ungewöhnlich milde Winterbedingungen erlebte.

Wie belastbar ist die Prognose

Ob sich die aktuelle Erwärmung der Meeresoberfläche als vorübergehend erweist oder sich noch verschärft, ist nach Einschätzung der beteiligten Wissenschaftler derzeit offen. Die jährlichen Höchstwerte werden normalerweise erst im Juli und August erreicht. Buontempo hält es für möglich, dass die aktuellen Bedingungen den Beginn einer neuen Phase markieren, die erneut in unbekanntes Terrain führt.

Dass die unabhängigen Copernicus-Marine-Daten zum gleichen Ergebnis kommen wie die C3S-Reanalyse, wertet er als Beleg für die Belastbarkeit der europäischen Klimabeobachtung.

Für Cleanthinking-Leser heißt das: Die im Juni beschriebene Prognose zum Super-El-Niño ist keine reine Wettermodell-Spekulation mehr, sondern beginnt sich in Messdaten niederzuschlagen. Wie stark das Ereignis am Ende ausfällt und was das für Energiepreise, Kühlbedarf und Wetterextreme im Sommer bedeutet, bleibt die zentrale Frage der kommenden Wochen.

QUELLEN

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  1. The Guardian, Jonathan Watts Ocean surface temperatures hit a record high for June, 1.7.2026
  2. Copernicus Climate Change Service / Copernicus Marine Service, Pressemitteilung „Daily global sea surface temperatures break records", 1.7.2026 (nicht verlinkt, Pressemitteilung)
  3. Cleanthinking Super El Niño 2026: Folgen für Energiepreise und Klimaschutz, 2.6.2026, aktualisiert 4.6.2026
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