Warum Europas trockene Böden die Hitze selbst anheizen

ERDERHITZUNG · 10. AUGUST 2026

Klimarekorde Juli 2026: Warum trockene Böden Europas Hitze anheizen

Die Klimarekorde Juli 2026 fallen laut Copernicus doppelt aus: In den Weltmeeren lagen die Ozeantemperaturen so hoch wie in keinem Juli seit Beginn der Aufzeichnungen, in Westeuropa war es zusammen mit dem Juni so heiß wie nie. Der Grund liegt tiefer als in einzelnen Hitzewellen: ausgetrocknete Böden heizen die Luft direkt mit auf.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 14 Min. Lesezeit LESEN


Der Copernicus Climate Change Service (C3S) hat sein Juli-Bulletin heute veröffentlicht: Copernicus Juli 2026 bestätigt eine globale Mitteltemperatur von 16,90 Grad, 0,67 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020 und 1,47 Grad über dem geschätzten vorindustriellen Niveau von 1850 bis 1900. Damit war der Juli 2026 gemeinsam mit dem Juli 2024 der zweitwärmste Juli der ERA5-Messreihe, hinter dem Rekord aus dem Juli 2023. Der Abstand zum Juli 2024 betrug lediglich 0,01 Grad, weshalb Copernicus beide Monate gleich einstuft.

Copernicus schreibt einen Teil des Ausschlags dem El Niño zu. Im äquatorialen Pazifik herrschen bereits El-Niño-Bedingungen, ein Muster ungewöhnlich warmen Oberflächenwassers im Rahmen des ENSO-Mechanismus, das sich in den kommenden Monaten nach Einschätzung von Copernicus weiter verstärken soll. Die Bedingungen sind also bereits da und bauen sich weiter auf. Schon im Juni-Bulletin war von der Entwicklung starker El-Niño-Bedingungen die Rede, Cleanthinking hatte über den Super El Niño 2026 berichtet.

Ozeantemperaturen der Weltmeere auf Rekordniveau

Über den außerpolaren Ozeanen zwischen 60 Grad Süd und 60 Grad Nord erreichten die Ozeantemperaturen im Juli 20,96 Grad im Mittel, der höchste Julimonatswert seit Beginn der Aufzeichnungen. Der bisherige Rekord stammte aus dem Juli 2023 mit 20,89 Grad. Schon im Juni hatten die Ozeane einen Monatsrekord erreicht, mit 20,86 Grad allerdings nur 0,01 Grad über dem bis dahin gültigen Höchstwert aus dem Juni 2024.

Tägliche Meeresoberflächentemperatur der außerpolaren Ozeane mit Rekordwert im Juli 2026
Tägliche Meeresoberflächentemperatur der außerpolaren Ozeane (60°S-60°N), 1979 bis 2026. Die Kurve für 2026 (dunkelrot) steigt ab Juni gegen den saisonalen Trend an und überholt dabei die Vorjahre. Quelle: Copernicus Climate Change Service (C3S)/ECMWF

Auffällig an der Kurve ist ihre Form. Alle Jahre folgen einem Jahresgang mit einem Maximum im Nordfrühjahr und einem Minimum im Nordherbst, doch die Linie für 2026 bricht diesen Rhythmus: Ab Juni steigt sie steil an und überholt dabei die Jahre 2023, 2024 und 2025. Das ist die Signatur des heraufziehenden El Niño, der im tropischen Pazifik große Wassermassen erwärmt und damit den globalen Mittelwert nach oben zieht.

Ebenso aufschlussreich ist der Abstand der vier jüngsten Jahre zur grauen Schar der Jahre 1979 bis 2022. Er besteht unabhängig vom aktuellen Ausschlag.

Der Wert stammt aus ERA5 und beschreibt die sogenannte Foundation-Temperatur in rund 10 Metern Tiefe, nicht die oberste Wasserhaut, weshalb er von anderen Messreihen abweichen kann. Der Bereich bis 60 Grad Breite ist bewusst gewählt: Näher an den Polen würde Meereis die Statistik verzerren, weil die Wassertemperatur darunter kaum variiert.

Dass eine Differenz von 0,07 Grad überhaupt eine Meldung wert ist, liegt an der gemittelten Fläche von rund zwei Dritteln der Erdoberfläche. Der Ozean nimmt weit über 90 Prozent der Erwärmung durch Treibhausgase auf und gilt deshalb als verlässlicherer Indikator als die stärker schwankende Lufttemperatur.

Wärmeres Wasser verdunstet stärker, und wärmere Luft kann pro Grad Erwärmung rund 7 Prozent mehr Feuchtigkeit halten, zusätzliche Energie für Stürme und Starkregen andernorts. Die thermische Ausdehnung des warmen Wassers treibt zudem den Meeresspiegel, unabhängig vom Schmelzen von Eis. Wärmeres Wasser nimmt außerdem weniger CO2 auf und enthält weniger gelösten Sauerstoff. Entlang der Atlantikküste und im westlichen Mittelmeer registrierte Copernicus im Juli starke bis schwere marine Hitzewellen, mit unmittelbaren Folgen für Seegraswiesen, Muschelbänke und Fischbestände. Welche Schäden solche extremen maritimen Hitzewellen anrichten, ist aus früheren Ereignissen gut dokumentiert.

Klimarekorde Juli 2026: Westeuropas Zwei-Monats-Rekord

Für Europa insgesamt lag die Julitemperatur bei 20,49 Grad, 0,66 Grad über dem Mittel und damit nur der elfthöchste Julimonat der Reihe. Der vergleichsweise niedrige Rang erklärt sich durch ein starkes West-Ost-Gefälle: Frankreich, Spanien, England und Irland lagen deutlich über dem Mittel, weite Teile Osteuropas und Skandinaviens blieben kühler als üblich. Für Westeuropa waren es die dritte und vierte Hitzewelle seit Mai. Einzeln blieben beide schwächer als die Junihitzewelle, in der Summe ist die Serie für die Region beispiellos.

Für Westeuropa allein zieht Copernicus die Bilanz über zwei Monate. Juni und Juli 2026 zusammengenommen ergeben 21,62 Grad, gemessen für die Region zwischen 11 Grad West und 15 Grad Ost sowie 37 und 55 Grad Nord, 2,79 Grad über dem Mittel 1991 bis 2020 und ein neuer Rekord. Der bisherige Höchstwert stammte aus dem Jahr 2022.

Klimarekorde Juli 2026: Temperaturanomalie für Juni und Juli in Europa und Rekordwert für Westeuropa
Temperaturanomalien Juni-Juli 2026 in Europa (links) und Juni-Juli-Anomalie für Westeuropa seit 1979 (rechts), mit dem Rekordwert 2026 von +2,79 Grad. Quelle: Copernicus Climate Change Service (C3S)/ECMWF

Die Karte links zeigt keine absoluten Temperaturen, sondern Abweichungen vom Mittel 1991 bis 2020, eingeteilt in Perzentilklassen; die Extremkategorien „wärmste“ und „kälteste“ beziehen sich auf den Rang innerhalb der Jahre 1979 bis 2026. Dunkelrot bedeutet also nicht, dass es dort absolut am heißesten war, sondern dass dieser Zeitraum an diesem Ort der wärmste in der eigenen Messgeschichte war.

Aufschlussreicher ist das Balkendiagramm rechts. Bis Mitte der Neunzigerjahre überwiegen blaue, unterdurchschnittliche Jahre, seit etwa 2014 sind fast nur noch rote Balken zu sehen. Das ist keine Häufung von Ausreißern, sondern eine Verschiebung der gesamten Verteilung: Ein Sommer, der 1985 als extrem gegolten hätte, wäre heute unauffällig.

Die Werte stammen aus ERA5, einer sogenannten Reanalyse. Sie ist kein reines Messnetz, sondern ein Wettermodell, in das Milliarden tatsächlicher Messungen von Satelliten, Schiffen, Bojen, Flugzeugen und Wetterstationen eingerechnet werden, sodass ein lückenloses, weltweit gleichmäßiges Gitter mit rund 31 Kilometern Rasterweite entsteht, auch dort, wo keine Station steht. Das macht die Daten rückwirkend konsistent bis 1979 und unabhängig von der ungleichen Verteilung realer Messnetze.

Die Junihitzewelle als Vorlauf

Der Rekord entstand zu großen Teilen im Juni. Westeuropa erlebte zwischen dem 18. und 30. Juni die bislang stärkste Hitzewelle der Saison. Für den Monat Juni insgesamt registrierte Copernicus 20,74 Grad, 3,06 Grad über dem Mittel, der wärmste Juni der Messreihe, vor dem bisherigen Rekord aus dem Juni 2025. Für Europa insgesamt war es mit 19,14 Grad der zweithöchste Juniwert hinter 2019, weltweit lag der Juni bei 16,54 Grad und damit auf Rang zwei, 1,39 Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Temperaturabweichung während der Hitzewelle vom 18. bis 30. Juni 2026 über Europa
Mittlere Temperaturabweichung während der Hitzewelle vom 18. bis 30. Juni 2026, mit einer Kernzone über Frankreich, Benelux und Westdeutschland. Quelle: Copernicus Climate Change Service (C3S)/ECMWF

Über 13 Tage gemittelt erreicht die Abweichung hier lokal weit mehr als die Monatsanomalie, weil eine längere Mittelung Extreme glättet: Ein Monatswert von drei Grad über dem Mittel kann einzelne Wochen mit acht oder neun Grad Abweichung enthalten. Dahinter stand ein stabiles Hochdruckgebiet, das über Tage kaum weiterzog. Absinkende Luft erwärmte sich, Wolken blieben aus, und zusätzlich strömte heiße Luft aus Nordafrika und von der Iberischen Halbinsel nordwärts.

„Anhaltende Hochdrucksysteme hielten die Hitze über Westeuropa fest“, beschreibt es Samantha Burgess, Strategic Lead for Climate beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) . Dieselbe Wetterlage hielt auch den Regen fern, weshalb Hitze und Dürre in diesem Sommer kein Nebeneinander sind, sondern ein und dasselbe Geschehen.

Wärmster Juni seit Messbeginn in Westeuropa mit einer Abweichung von 3,06 Grad
Temperaturanomalie und Extremrang für Juni 2026 in Westeuropa. Das Balkendiagramm hebt neben dem Rekordjuni 2026 (+3,06 Grad) die Vergleichsjahre 2003 und 2025 hervor. Quelle: Copernicus Climate Change Service (C3S)/ECMWF

Die drei markierten Jahre zeigen die eigentliche Verschiebung. Der Hitzesommer 2003 gilt in Europa bis heute als Referenzkatastrophe mit zehntausenden Hitzetoten. Sein Juni-Wert ist inzwischen zweimal übertroffen worden, 2025 und 2026, in aufeinanderfolgenden Jahren. Was einmal als Jahrhundertereignis galt, kehrt inzwischen regelmäßig wieder. Der DWD hat die diesjährige Hitzewelle deshalb zur Zäsur erklärt.

Zu bedenken bleibt der Bezugspunkt: Schon die Referenzperiode 1991 bis 2020 liegt deutlich über dem vorindustriellen Niveau. Eine Abweichung von drei Grad gegenüber diesem Mittel bedeutet gegenüber vorindustriell entsprechend mehr.

Wie trockene Böden die Hitze verstärken

Für die Hartnäckigkeit der Julihitze liefert Copernicus die entscheidende Erklärung, obwohl die einzelnen Hitzewellen im Juli schwächer ausfielen als die im Juni. Ein feuchter Boden wandelt einen großen Teil der einfallenden Sonnenenergie in Verdunstung um. Diese Energie steckt dann als latente Wärme im Wasserdampf und heizt die bodennahe Luft nicht direkt auf. Ein ausgetrockneter Boden hat kein Wasser mehr zu verdunsten, die gleiche Sonnenenergie geht dann fast vollständig in fühlbare Wärme über, die die Luft unmittelbar erwärmt. Der Zusammenhang zwischen Temperatur und Wasserdampfgehalt der Luft folgt dabei dem Clausius-Clapeyron-Gesetz.

Trockener Boden ist damit kein Nebeneffekt der Hitze, sondern ihr Verstärker, und weil Hitze wiederum den Boden weiter austrocknet, schließt sich die Schleife. „Trocknet der Boden aus, verliert er seine natürliche Kühlwirkung, wodurch sich Hitze leichter aufbauen kann“, erklärt Burgess . Nach ihrer Einordnung war der Juli bereits der dritte Monat in Folge mit außergewöhnlicher Hitze in Westeuropa, ein Beispiel dafür, wie der Klimawandel Hitzeextreme verschärft, weil sich Hitze und Dürre zunehmend gegenseitig verstärken.

Dürre trifft Flüsse, Landwirtschaft und Kraftwerke

Die Trockenheit aus Mai und Juni hielt im Juli an und verschärfte sich in weiten Teilen West- und Mitteleuropas: betroffen waren Teile der Iberischen Halbinsel, Frankreich, Deutschland, Österreich und Ungarn, außergewöhnlich trocken auch Großbritannien, Irland, Teile Islands und die Benelux-Staaten. Nationale Wetterdienste meldeten außergewöhnliche bis rekordhohe Defizite bei Niederschlag und Bodenfeuchte für Frankreich, Spanien, Teile Deutschlands und Großbritannien. Feuchter als im Mittel blieben dagegen das Baltikum, Finnland, das Innere der Türkei, Griechenland, die Ostukraine und weite Teile Westrusslands, teils mit lokalen Überschwemmungen. Dass Europas Sommer schneller austrocknen, als das Klima allein erklärt, liegt auch an der veränderten atmosphärischen Zirkulation.

Bodenfeuchte und Flussabfluss in Europa im Juli 2026 mit ausgeprägter Dürre in Westeuropa
Bodenfeuchte-Anomalien (links, ERA5-Land) und mittlerer Flussabfluss (rechts, EFAS) für Juli 2026. Betroffen sind unter anderem Frankreich, Spanien, Teile Deutschlands, Großbritannien sowie Seine, Rhein und Donau. Quelle: CEMS/Copernicus Climate Change Service (C3S)/ECMWF

Die linke Karte zeigt die Ursache der Hitzeverstärkung, die rechte deren Folge für die Infrastruktur. Bemerkenswert: Die Bodenfeuchte lag in Westeuropa im Juli 2026 niedriger als im bisherigen Referenz-Dürresommer 2022. Bei den Flüssen registrierte Copernicus deutlich unterdurchschnittliche, teils außergewöhnlich niedrige Abflüsse, besonders betroffen waren Seine, Rhein und Donau, darunter erneut Niedrigwasser im Rhein.

Niedriger Abfluss ist mehr als ein Schifffahrtsproblem. Er bedeutet weniger Kühlwasser für thermische Kraftwerke, geringere Abladetiefe und damit teurere Transporte, weniger Wasserkraft und Konkurrenz zwischen Trinkwasserversorgung und Bewässerung. Dazu kommen höhere Wassertemperaturen und weniger gelöster Sauerstoff für Fische, weil eine kleinere Wassermenge sich schneller aufheizt. Auch die Stromerzeugung gerät unter Hitzestress zusätzlich unter Druck.

Beide Karten entstehen unterschiedlich. Die Bodenfeuchte stammt aus ERA5-Land, einer feiner aufgelösten Variante von ERA5 mit rund 9 Kilometern Rasterweite für die oberste Bodenschicht. Sie wird nicht flächendeckend gemessen, sondern aus Niederschlag, Verdunstung, Strahlung und Bodeneigenschaften modelliert und über Satellitendaten gestützt.

Der Flussabfluss kommt aus dem European Flood Awareness System EFAS, das zum Copernicus-Katastrophenschutzdienst gehört. Auch das ist ein Modell: Es rechnet Niederschlag, Bodenfeuchte und Schneeschmelze in Abflussmengen um und wird an echten Pegelmessungen kalibriert. Gezeigt werden nur Flüsse mit einem Einzugsgebiet über 1000 Quadratkilometern, die Referenzperiode reicht von 1992 bis 2020, die Extremränge beziehen sich auf die Jahre 1992 bis 2026.

Modelliert wird, weil Pegel nur an einzelnen Punkten und in unterschiedlicher Dichte je Land existieren. Ein Modell schließt die Lücken dazwischen und macht Länder vergleichbar.

Waldbrände breiten sich weiter nach Norden aus

Nach Angaben von Copernicus gab es im Juli außergewöhnliche Waldbrandaktivität in Westeuropa, sowohl bei der verbrannten Fläche als auch bei den Emissionen. Sichtbar wurde das zuletzt bei den Waldbränden rund um Bordeaux.

Die Erderhitzung bringe zunehmend die heißen, trockenen Bedingungen, die große und besonders intensive Brände in Südeuropa begünstigten, ordnet Laurence Rouil ein, Direktorin des Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes CAMS beim ECMWF. Zugleich dehne sich die Feuersaison nach Norden aus .

Größere Brände erzeugten mehr Rauch, der höher in die Atmosphäre steige und dadurch weiter reisen könne, mit Folgen für die Luftqualität auch in Ländern, die selbst kaum Waldbrände erlebten, mitunter tausende Kilometer entfernt, so Rouil. Was das für die Rauchverfrachtung über Europa in den kommenden Jahren bedeuten könnte, hat Cleanthinking bereits eingeordnet, ebenso die Zahl hinter Europas Bränden.

Wie sich das in nationalen Zahlen niederschlägt, zeigt Spanien. „Seit Jahresbeginn sind fast 200.000 Hektar betroffen“, sagte Sara Aagesen, spanische Ministerin für den ökologischen Wandel. 40 große Brände zählte das Land 2026 bereits, im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt 15. Am Sonntag waren nach Angaben des Waldbrandportals Incendios Forestales landesweit 37 überwiegend kleinere Wald- und Vegetationsbrände aktiv. Die Zahl der Großbrände hat sich damit binnen eines Jahres fast verdreifacht.

Auch an den Polen zeigten sich Anomalien: Die arktische Meereisausdehnung erreichte im Juli den sechstniedrigsten Julistand der Reihe, mit besonders wenig Eis in der nördlichen Barentssee um Spitzbergen und Franz-Josef-Land. In der Antarktis war es die fünftniedrigste Juli-Ausdehnung.

Wie viel davon geht auf El Niño

Die Frage liegt nahe, weil El Niño als natürliches Phänomen gern als Erklärung für Rekorde herhalten muss. Für die Junihitzewelle in Westeuropa fiel die Antwort eindeutig aus: Eine Attributionsstudie kam zu dem Schluss, dass die Erderhitzung ausschlaggebend war, während El Niño dabei nur eine geringe Rolle spielte. Theodore Keeping vom Imperial College London erwartet, dass Hitzewellen dieser Art in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zur Normalität werden.

Beim Ozeanrekord liegt der Fall anders. Hier trägt El Niño sichtbar bei, indem er große Wassermassen im tropischen Pazifik erwärmt und den globalen Mittelwert nach oben zieht. Der Klimaforscher Zeke Hausfather von Berkeley Earth hält einen kräftigen El Niño für möglich, ein noch wärmeres Jahr 2027 gilt damit als denkbar.

Damit ist die Rollenverteilung beschrieben: El Niño bestimmt, wie hoch der Ausschlag in einem einzelnen Jahr ausfällt. Das Niveau darunter setzt die Erderhitzung.

Die Kernwerte des Bulletins im Überblick:

Kennzahl Wert Abweichung Rang
Globale Lufttemperatur, Juli16,90 °C+0,67 °C ggü. 1991-2020gemeinsam 2. wärmster Juli seit 1979
Europa gesamt, Juli20,49 °C+0,66 °C ggü. 1991-202011. wärmster Juli seit 1979
Westeuropa, Juni + Juli kombiniert21,62 °C+2,79 °C ggü. 1991-2020Rekord (vorher 2022)
Westeuropa, Juni20,74 °C+3,06 °C ggü. 1991-2020wärmster Juni seit 1979
Meeresoberfläche 60°S-60°N, Juli20,96 °C+0,07 °C ggü. VorrekordRekord (vorher Juli 2023)

Quelle: Copernicus Climate Change Service (C3S)/ECMWF, Bulletins Juli und Juni 2026.

Häufige Fragen zu den Klimarekorden im Juli 2026

Was ist ERA5 und wie misst Copernicus die Temperatur?

ERA5 ist eine Reanalyse des Copernicus Climate Change Service: ein Wettermodell, das mit Milliarden realer Messungen von Satelliten, Bojen, Flugzeugen und Wetterstationen kombiniert wird und daraus ein lückenloses Gitter mit rund 31 Kilometern Auflösung berechnet, konsistent seit 1979. Auf dieser Basis meldet Copernicus Juli 2026 eine globale Mitteltemperatur von 16,90 Grad, 0,67 Grad über dem Mittel 1991 bis 2020.

Warum ist die Meeresoberflächentemperatur wichtiger als die Lufttemperatur?

Der Ozean nimmt weit über 90 Prozent der zusätzlichen Wärme auf, die sich durch Treibhausgase im Klimasystem staut, und schwankt dabei deutlich weniger stark als die Lufttemperatur. Der Julirekord von 20,96 Grad über den außerpolaren Ozeanen gilt deshalb als robusterer Langfristindikator als einzelne Hitzewellen an Land.

Was bedeutet die Rückkopplung zwischen Hitze und Dürre?

Feuchter Boden wandelt Sonnenenergie in Verdunstung um und kühlt die Luft dadurch ab. Trocknet der Boden aus, fehlt diese Kühlwirkung, und die gleiche Sonnenenergie erwärmt die Luft direkt. Weil Hitze wiederum den Boden weiter austrocknet, verstärken sich beide Effekte gegenseitig, wie Copernicus es für Westeuropa im Sommer 2026 beschreibt.

Verstärkt El Niño den Klimawandel oder erklärt er die Rekorde?

El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im Pazifik, das den globalen Temperaturmittelwert zusätzlich nach oben zieht, aber nicht die Grundursache der Erderhitzung ist. Im Juli 2026 herrschen bereits El-Niño-Bedingungen, die sich laut Copernicus in den kommenden Monaten weiter verstärken sollen und den Ozeanrekord mit erklären, während der langfristige Erwärmungstrend auf Treibhausgasen beruht.

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