Zehn Länder tragen den Großteil der weltweiten Sturmgefahr

KLIMA · 24. SEPTEMBER 2026

Philippinen führen den Weltrisikobericht 2026 beim Sturmrisiko an

Die Philippinen, Mexiko und Madagaskar haben weltweit das höchste Risiko, dass ein Sturm zur Katastrophe wird. Das zeigt der Weltrisikobericht 2026. Deutschland landet unter 193 Staaten auf Platz 167.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Bündnis Entwicklung Hilft und das Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum haben den Bericht zum Abschluss des Extremwetterkongresses in Hamburg vorgestellt. Sie geben ihn seit 2011 jährlich heraus. Der Schwerpunkt liegt 2026 auf Stürmen, erstmals mit einer eigenen Rangliste für alle 193 UN-Mitgliedsstaaten.

Gemessen an den wirtschaftlichen Schäden seien Stürme die folgenschwerste Naturgefahr, schreiben die Autorinnen. Von den 193 untersuchten Staaten sind 123 tropischen Wirbelstürmen kaum ausgesetzt, zehn Länder tragen den Großteil der weltweiten Sturmgefahr.

Stürme ziehen auf neuen Bahnen in unvorbereitete Regionen

Durch den Klimawandel würden Stürme zwar nicht häufiger, aber eindeutig intensiver, sagt Katrin Radtke, wissenschaftliche Leiterin des Berichts am IFHV. Ihre Zugbahnen verschöben sich in Richtung der Pole. So entstünden neue Risikogebiete, deren Bauweise und Notfallpläne nie für schwere Stürme ausgelegt gewesen seien. Die Risiken wüchsen vor allem für Menschen in Küstenregionen und auf kleinen Inselstaaten.

Als Beispiel nennt Radtke Hurrikan Melissa. Der Sturm traf im Oktober 2025 mit rund 300 Kilometern pro Stunde auf Jamaika, so stark wie kein anderer in der Geschichte der Insel. Nach Angaben der Autorinnen kostete er rund 90 Menschen das Leben. Allein in Jamaika richtete er Schäden von mehr als zwölf Milliarden US-Dollar an (mehr dazu: Jamaika nach Hurrikan Melissa: Die erste Stellar City der Welt?).

Die meisten Todesopfer fordert laut Bericht die Sturmflut. Mit dem steigenden Meeresspiegel geraten Küsten in Gefahr, die bisher als sicher galten, besonders schnell wachsende Küstenstädte im Globalen Süden. Auch in Deutschland steigt das Ausgangsniveau für Sturmfluten.

Der Meeresspiegel an Nord- und Ostsee liegt heute mehr als 20 Zentimeter höher als im Jahr 1900. Das steht im Faktenpapier, das der Deutsche Wetterdienst zum Kongress vorgelegt hat. Der Anstieg beschleunigt sich. Über Elbe und Weser treibt er die Wasserstände bei Sturmflut bis nach Hamburg und Bremen.

Bei den Stürmen selbst findet der DWD für Deutschland keinen eindeutigen Trend. Tage mit Spitzenböen der Windstärke elf und zwölf sind seit 1980 sogar leicht seltener geworden. Das Jahr 2025 brachte in dieser Messreihe den niedrigsten Wert (mehr dazu: Extremwetterkongress: DWD misst Rekordtiefs an Pegeln und 29 Grad im Rhein).

Japan und die USA senken ihr Risiko durch Vorsorge

„Stürme sind Naturereignisse. Katastrophen sind es nicht“, sagt Radtke. Ob Menschen sterben, entscheide sich lange vor dem Landfall, in Bauvorschriften, Warnketten und Sozialsystemen. Japan und die USA sind Stürmen ähnlich stark ausgesetzt wie viele Länder des Globalen Südens. Frühwarnsysteme, Baustandards und stabile Institutionen drücken ihr Risiko trotzdem deutlich nach unten.

Im Weltrisikobericht 2026 schlagen die Autorinnen drei Ansätze vor. Frühwarnungen sollen alle Menschen erreichen, auch über Sprachgrenzen hinweg und mit Blick auf Menschen mit Behinderungen. Soziale Sicherungssysteme sollen neben Armut auch Verwundbarkeit erfassen und formelle mit informeller Hilfe verbinden. Als dritten Ansatz nennen die Autorinnen Rücküberweisungen von Migrant*innen an ihre Familien in der Heimat. Sie könnten allerdings Ungleichheit vertiefen.

Geberländer kürzen die Entwicklungshilfe um fast ein Viertel

Während die Stürme stärker werden, schrumpfen die Budgets für Entwicklungszusammenarbeit. Nach vorläufigen Daten der OECD kürzten die Geberländer ihre öffentliche Entwicklungshilfe 2025 real um 23,1 Prozent auf 174,3 Milliarden US-Dollar. Einen stärkeren Rückgang hat die OECD nie verzeichnet.

Vorsorge sei die Grundlage jeder Hilfe und brauche eine verlässliche Finanzierung, sagt Ilona Auer Frege, Geschäftsführerin von Bündnis Entwicklung Hilft. „Wer heute bei der Vorsorge spart, bezahlt morgen den Wiederaufbau“, sagt Auer Frege.

QUELLEN

cc9a41ba5a424931b405fe15ce688c1f
  1. Bündnis Entwicklung Hilft / IFHV: WeltRisikoBericht 2026, 23.09.2026.
  2. Deutscher Wetterdienst / ExtremWetterKongress: Was wir über das Extremwetter in Deutschland wissen, Faktenpapier Ausgabe 2026, 23.09.2026.
  3. ExtremWetterKongress: Neuer WeltRisikoBericht zeigt: Klimawandel verändert Sturmrisikogebiete deutlich, Pressemitteilung, 23.09.2026.
  4. OECD: International aid fell sharply in 2025, says OECD, April 2026.
0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Nach oben scrollen
0
Ihre Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x