Südafrika, Indonesien, Vietnam, Senegal · 6. NOVEMBER 2026
Robosk / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Wie Industriestaaten über die Just Energy Transition Partnership den Kohleausstieg mitfinanzieren
Seit der Klimakonferenz von Glasgow 2021 haben Geberstaaten vier Ländern Partnerschaften für die Energiewende zugesagt. Südafrika, Indonesien, Vietnam und Senegal bekommen vor allem Kredite. Die USA stiegen 2025 aus, die übrigen Geber stockten auf.
Ein Schwellenland, das ein Kohlekraftwerk früher abschaltet, zahlt doppelt. Es verliert eine Stromquelle, die oft längst abbezahlt ist, und muss Ersatz, Leitungen und neue Arbeitsplätze in den Revieren finanzieren. Eine Just Energy Transition Partnership, kurz JETP, soll diese Rechnung teilen. Industriestaaten und Entwicklungsbanken sagen Geld zu, das Partnerland legt dafür einen eigenen Plan für Ausstieg, Ausbau und sozialen Ausgleich vor.
Südafrika machte im November 2021 auf der COP26 den Anfang (mehr dazu: Glasgower Klimapakt). Bis Ende März 2026 wuchsen die Zusagen dort von 8,5 auf 14,36 Milliarden US-Dollar, meldet die Projektstelle im Präsidialamt in Pretoria. Nur rund sieben Prozent davon sind Zuschüsse. Den Rest stellen Staaten und Banken als Kredite, Garantien und Beteiligungen bereit.
Deutschland plant den eigenen Abschied von Kohle, Öl und Gas inzwischen in einem Regierungsfahrplan (mehr dazu: Ausstieg aus fossilen Energien). An allen vier Partnerschaften ist die Bundesregierung beteiligt. In Indonesien koordiniert sie die Geberseite mit Japan, in Senegal mit Frankreich, wie das Entwicklungsministerium BMZ in seinen Länderprofilen von Anfang 2025 festhält.
Inhalt
Wie Geberländer und Partnerstaaten eine Just Energy Transition Partnership aufbauen
Am Anfang steht eine politische Erklärung. Darin verpflichtet sich eine Gebergruppe, die International Partners Group, eine Summe für drei bis fünf Jahre zu mobilisieren. Das Partnerland sagt im Gegenzug Klimaziele zu, die über seine bisherigen Pläne hinausgehen. Vietnam etwa will die Emissionsspitze seines Stromsektors bis 2030 bei 170 Millionen Tonnen CO2 deckeln. Bis dahin sollen 47 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen, so das BMZ.
Danach schreibt ein Sekretariat im Partnerland mit Arbeitsgruppen den Investitionsplan. Er legt fest, welche Kraftwerke vom Netz gehen, welche Leitungen entstehen und wie Bergleute und Kommunen aufgefangen werden. Jede Just Energy Transition Partnership mischt dabei öffentliches Geld der Geberstaaten mit privatem Kapital. In Indonesien und Vietnam sollen private Banken der Glasgow Financial Alliance for Net Zero rund die Hälfte beisteuern.
| Partnerschaft | Start | Erste Zusage | Letzter Stand | Zuschussanteil | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|
| Südafrika | November 2021, COP26 | 8,5 Mrd. USD | 14,36 Mrd. USD (31.03.2026) | 989 Mio. USD, rund 7 Prozent | JET PMU, Präsidialamt Südafrika, Juni 2026 |
| Indonesien | November 2022, G20 Bali | 20 Mrd. USD | 21,8 Mrd. USD (Februar 2026) | 295 Mio. USD Zuschüsse und technische Hilfe, 2,6 Prozent der öffentlichen 11,56 Mrd. USD | CIPP 2023, JETP-Sekretariat; Wirtschaftsminister Airlangga Hartarto |
| Vietnam | Dezember 2022 | 15,5 Mrd. USD | 15,8 Mrd. USD (Dezember 2023) | 321,5 Mio. USD, rund 4 Prozent der öffentlichen 8,08 Mrd. USD | Ressourcenmobilisierungsplan, Dezember 2023 |
| Senegal | Juni 2023 | 2,5 Mrd. Euro | Bedarf laut Plan 9,53 Mrd. Euro (Mai 2025) | nicht aufgeschlüsselt | Politische Erklärung 2023; Energieministerium Senegal |
Wie viel Geld in Südafrika zugesagt ist und wie viel davon ankommt
Südafrikas Präsidialamt legt jedes Quartal offen, was aus den Zusagen der JETP geworden ist. Laut dem Fortschrittsbericht zum 31. März 2026 sind 6,12 der 14,36 Milliarden Dollar fest einzelnen Projekten zugeordnet, also 42,6 Prozent. Das Register führt 257 Projekte. Den gesamten Investitionsbedarf ihres Plans beziffert die Regierung auf 1,5 Billionen Rand, rund 85 Milliarden Dollar.
Am schnellsten fließen Politikkredite. Geber wie die Weltbank, die KfW und die französische AFD zahlen sie aus, sobald Pretoria vereinbarte Reformen umsetzt. Zugeteilt sind 92 Prozent, Deutschlands Anteil über 1,4 Milliarden Dollar vollständig. Von den Zuschüssen über 989 Millionen Dollar sind 87 Prozent verplant. Ausgegeben auf abgeschlossene Projekte waren bis März 2026 aber erst 90,4 Millionen Dollar.
Langsamer kommen Netz und Kohleausstieg voran. Der Versorger Eskom könnte über seine Netztochter NTCSA zinsgünstige Kredite über 3,64 Milliarden Dollar für den Leitungsbau aufnehmen. Auflagen aus der Sanierung seiner Bilanz begrenzen jedoch, wie viel Eskom leihen darf. Das Präsidialamt hält offen, ob die Kredite je in Leitungen fließen. Ein besonders günstiger Kredit der Climate Investment Funds über 450 Millionen Dollar für den Kohleausstieg ist noch keinem Projekt zugeordnet.
Zugeteilt wird er erst, wenn Südafrika die Umsetzung seines Kohleausstiegsplans geregelt hat. Diesen Plan musste das Land umschreiben. Der Eskom-Vorstand beschloss im Mai 2024, die Kraftwerke Camden, Grootvlei und Hendrina bis März 2030 weiterlaufen zu lassen, statt sie 2027 stillzulegen. Die neue Fassung genehmigte der Klimafonds CIF erst im Juni 2025, nach Einwänden der USA. Bis 2030 sollen fünf Eskom-Kraftwerke schließen, neben den drei genannten auch Arnot und Kriel.
Warum Indonesien das Kohlekraftwerk Cirebon-1 doch weiterlaufen lässt
Indonesien schloss seine Just Energy Transition Partnership im November 2022 am Rande des G20-Gipfels auf Bali, mit einer ersten Zusage von 20 Milliarden Dollar. Den Investitionsbedarf für den Stromsektor bis 2030 setzt der Investitionsplan CIPP vom November 2023 auf mindestens 97,3 Milliarden Dollar an. Von den öffentlichen Geldern über 11,56 Milliarden Dollar waren damals 295 Millionen Zuschüsse und technische Hilfe. Fast sieben Milliarden waren als zinsgünstige Kredite vorgesehen.
Das Ziel des Plans gilt nur für das öffentliche Netz: höchstens 250 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2030 und 44 Prozent Ökostrom. Kohlekraftwerke, die Industriebetriebe für den Eigenbedarf betreiben, klammert der Plan aus. Die Verfasser begründen das damit, dass Analysen für diese Eigenversorgung noch fehlten. Indonesien gehörte schon 2021 zu den fünf asiatischen Ländern, die laut Carbon Tracker vier Fünftel aller neuen Kohlekraftwerke planten.
Als Vorzeigeprojekt galt das 660-Megawatt-Kraftwerk Cirebon-1 auf Java. Die Asiatische Entwicklungsbank wollte seine frühere Abschaltung finanzieren. Am 5. Dezember 2025 sagte Wirtschaftsminister Airlangga Hartarto das Vorhaben ab, berichtet Petromindo. Das Kraftwerk laufe mit effizienter überkritischer Technik und habe noch viele Betriebsjahre vor sich. „Wir suchen deshalb ein anderes Kraftwerk, das älter ist und die Umwelt stärker belastet“, sagt der Minister.
Der Staatsversorger PLN hatte zuvor die Kosten vorgerechnet. Eine fünf Jahre frühere Abschaltung hätte rund 60 Billionen Rupiah an Vertragsstrafen gekostet, der Ersatz durch Solarstrom und Speicher rund 130 Billionen Rupiah. Kraftwerke mit langer Restlaufzeit werden so zu Stranded Assets, für deren Abschaltung der Staat oder ein Geldgeber zahlt. Das Geld der Entwicklungsbank soll nun in ein älteres Kraftwerk auf Java fließen, das PLN noch auswählt.
Die Geber stocken trotzdem auf. Im Februar 2026 bezifferte Airlangga die Zusagen laut der Nachrichtenagentur Antara auf 21,8 Milliarden Dollar, rund 3,1 Milliarden seien bereits genutzt. Mehr als die Hälfte davon entfällt laut Dashboard des Sekretariats auf zwei Kredite der japanischen Agentur JICA für die Metro in Jakarta. JICA hatte sie 2022 und 2024 bewilligt, das Sekretariat rechnet sie inzwischen der Partnerschaft zu.
Was Vietnam und Senegal mit ihren Partnerschaften vorhaben
Vietnam unterzeichnete seine Just Energy Transition Partnership am 14. Dezember 2022 in Brüssel. Den Ressourcenmobilisierungsplan stellte die Regierung im Dezember 2023 auf der COP28 in Dubai vor: 15,8 Milliarden Dollar, davon 8,08 Milliarden von den Geberstaaten. Zuschüsse machen darin 321,5 Millionen aus. Den größten Posten stellen mit 4,2 Milliarden Dollar kommerzielle Kredite von Entwicklungsfinanzierern.
Die geplante Kohlekraftwerksleistung will Vietnam nach Angaben des BMZ von 37 auf 30,2 Gigawatt senken. Im Juli 2025 umfasste die Projektliste 24 Vorhaben mit einem Bedarf von 7,04 Milliarden Dollar, meldet der Auswärtige Dienst der EU. Drei davon hatten Finanzierungsverträge. Die AFD gibt 67 Millionen Euro für Stromleitungen, eine Kreditlinie über 480 Millionen Euro fließt in das Pumpspeicherkraftwerk Bac Ai. Die KfW finanziert mit 65 Millionen Euro den Ausbau des Wasserkraftwerks Tri An.
Senegal nutzt seine Just Energy Transition Partnership vor allem für den Ausbau, das BMZ nennt erneuerbare Energien und gerechten Wandel als Schwerpunkte. Am 22. Juni 2023 sagten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und die EU in Paris 2,5 Milliarden Euro zu, so die politische Erklärung. Bis 2030 soll Ökostrom 40 Prozent der installierten Leistung stellen. Der Investitionsplan für das Energieministerium vom Mai 2025 beziffert den Bedarf auf 9,53 Milliarden Euro, fast das Vierfache der Zusage (mehr dazu: Afrikas Solarboom).
Welche Lücke die USA mit ihrem Rückzug 2025 hinterlassen haben
Am 28. Februar 2025 teilte die US-Botschaft der Regierung in Pretoria mit, dass Washington die JETP verlässt. Die USA verwiesen auf Präsident Trumps Dekrete vom 20. Januar und 7. Februar 2025. Öffentlich machte Südafrikas Projektstelle den Schritt am 6. März 2025. Die USA verließen die Gebergruppen für Südafrika, Indonesien und Vietnam zugleich.
In Südafrika fielen damit 56 Millionen Dollar Zuschüsse weg und eine Milliarde Dollar an möglichen Investitionen der US-Entwicklungsbank DFC. Zinsgünstige Kredite hatten die USA dort nie angeboten. In Indonesien standen sie laut Investitionsplan mit 2,07 Milliarden Dollar in der Liste, in Vietnam mit gut einer Milliarde. Die Lücke schlossen andere Geber: In Südafrika stiegen die Zusagen bis März 2026 um 70 Prozent über das Startniveau.
Warum Kritiker vor neuen Schulden warnen
Die Forscher Freddie Daley und Charlie Lawrie von der Universität Sussex halten Indonesiens Just Energy Transition Partnership für ein warnendes Beispiel. So schrieben sie im Juni 2026 bei Climate Home News. Das Land solle Schulden aufnehmen, um Kraftwerke stillzulegen, die Einnahmen bringen. Danach kaufe es Strom bei privaten Ersatzanbietern. Rund 50 getrennte Finanzierungspakete mit eigenen Regeln machten kaum nachvollziehbar, wohin das Geld fließt.
Für die Kredite spricht ihr Preis. Südafrikas Präsidialamt schreibt in seinem Bericht zum September 2025, die zinsgünstigen Darlehen lägen unter den Kapitalkosten, die das Land an den internationalen Finanzmärkten zahlt. Am Tempo ändert das wenig. Bis März 2026, gut vier Jahre nach Glasgow, hatte Südafrika erst rund neun Prozent der zugesagten Zuschüsse auf abgeschlossenen Projekten ausgegeben. Das entspricht rund einem Zehntel des Ziels, das sich das Präsidialamt für Ende 2026 gesetzt hat.
Warum private Investoren in Südafrika mehr Geld bewegen als die Geberstaaten
Unternehmen bauen in Südafrika derweil Wind- und Solarparks in großem Stil. Seit 2022 haben private Investoren nach Schätzung der Projektstelle 300 bis 500 Milliarden Rand in erneuerbare Energien gesteckt. Die Gebergelder, die Projekten fest zugeordnet sind, summieren sich auf 108 Milliarden Rand. Die Unternehmen investierten, weil die Regierung den Strommarkt geöffnet hat und weil die Stromabschaltungen der vergangenen Jahre die Nachfrage nach eigenem Strom anfachten.
Den Engpass sieht das Präsidialamt im Übertragungsnetz, dessen Kapazität für neue Wind- und Solarparks nicht reicht. Das Finanzministerium baut deshalb mit der Weltbankgruppe eine Garantiegesellschaft auf, die private Investitionen in Leitungen absichern soll. Sie soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 starten, die erste Ausschreibung für privat gebaute Leitungen ist ebenfalls für 2026 angesetzt.
Weltweit erzeugen erneuerbare Energien inzwischen mehr Strom als Kohle (mehr dazu: Global Electricity Review 2026). Selbst China bezieht einen sinkenden Anteil seines Stroms aus Kohle (mehr dazu: Chinas Kohleanteil). Ob Südafrika und Indonesien den Kohleausstieg schaffen, lässt sich an wenigen Anlagen ablesen. Camden, Grootvlei und Hendrina sollen nach Eskoms Plan bis März 2030 vom Netz gehen. Indonesien muss das ältere Kraftwerk auf Java erst noch benennen, das es anstelle von Cirebon-1 abschalten will.
QUELLEN
- JET PMU, Präsidialamt Südafrika: Just Energy Transition Implementation Plan, Quarterly Progress Report 30 September 2025, Dezember 2025.
- BMZ: Just Energy Transition Partnership (JETP) mit Südafrika, März 2025.
- BMZ: Just Energy Transition Partnership (JETP) mit Senegal, Januar 2025.
- Europäische Kommission: Resource Mobilisation Plan, Just Energy Transition Partnership Viet Nam, Dezember 2023.
- JETP-Sekretariat Indonesien: JETP Portfolio Dashboard, abgerufen Oktober 2026.