Global Electricity Review 2026: Erneuerbare überholen Kohle erstmals seit 100 Jahren

Ember-Report / Stromsektor-Wendepunkt

Der heute veröffentlichte Ember-Report markiert einen historischen Kipppunkt im globalen Stromsystem. Solar allein hat 2025 so viel zugelegt, dass der Zuwachs alle LNG-Exporte durch die Straße von Hormus ersetzen könnte.

Der neue Global Electricity Review 2026 der britischen Denkfabrik Ember Energy dokumentiert einen historischen Wendepunkt. Erstmals seit rund 100 Jahren haben erneuerbare Energien mit 33,8 Prozent die Kohle (33,0 Prozent) im globalen Strommix überholt. Der Ember-Report analysiert Daten aus 215 Ländern und stützt sich für 2025 auf Ist-Zahlen aus 91 Ländern, die 93 Prozent des weltweiten Strombedarfs abdecken. Damit endet ein Zeitalter, in dem Kohle den Takt des Weltstromsystems vorgab.

Solar wächst um 30 Prozent, Kohle fällt erstmals seit Covid

Erneuerbare Energien erzeugten laut Global Electricity Review 2026 weltweit 10.730 Terawattstunden Strom, Kohle 10.476 Terawattstunden. Der Abstand ist schmal, aber strukturell. Solar wuchs um 636 Terawattstunden, ein Plus von 30 Prozent auf 2.778 Terawattstunden. Seit 2015 hat sich Solar weltweit mehr als verzehnfacht. Gleichzeitig fiel die Kohleverstromung um 63 Terawattstunden oder 0,6 Prozent, zum ersten Mal seit der Pandemie 2020. Damit unterschritt Kohle erstmals ein Drittel des globalen Strommixes.


Solar hat 2025 auch Wind erstmals global überholt und nähert sich der Atomkraft. Ember erwartet, dass sowohl Solar als auch Wind die Atomstromerzeugung bereits 2026 ablösen werden.

Solar-Zuwachs entspricht LNG-Exporten durch Hormus

Die wohl eindringlichste Zahl des Reports betrifft die Geopolitik. Die 636 Terawattstunden zusätzlicher Solar-Strom, die 2025 weltweit erzeugt wurden, entsprechen rechnerisch der kompletten Gasverstromung aus allen LNG-Exporten durch die Straße von Hormus. Ember schätzt diese Menge auf rund 550 Terawattstunden. Über die iranische Meerenge fließen etwa 20 Prozent des globalen Ölangebots und bis zu ein Viertel der LNG-Lieferungen. Der Iran-Konflikt hält die Unsicherheit über diese Passage seit Monaten hoch. Solar hat parallel eine Menge Strom ergänzt, die den Hormus-Anteil im Stromsektor theoretisch bereits ersetzt.

Global Electricity Review 2026 Saubere Stromerzeugung deckt 2025 den globalen Nachfragezuwachs komplett
Ein Jahrzehnt Solar-Wachstum auf einen Blick: 2025 trägt saubere Stromerzeugung den kompletten globalen Nachfragezuwachs, während fossile Kraftwerke erstmals seit Covid leicht ins Minus rutschen. Quelle: Ember Global Electricity Review 2026.

Die Achillesferse der Weltwirtschaft

Kingsmill Bond, Senior Principal beim Think Tank Ember und einer der profiliertesten Analysten der weltweiten Energiewende, hat das Hormus-Argument in einer parallel erschienenen Ember-Analyse zur fossilen Verwundbarkeit auf den Punkt gebracht. In dem Paper, das eine Autorengruppe um Bond im April 2026 veröffentlicht hat, heißt es:

„Öl ist die Achillesferse der Weltwirtschaft. Die aktuelle Krise hat insbesondere Asiens Öl-Verwundbarkeit offengelegt. Das ist Asiens Ukraine-Moment. Anders als bei den Ölkrisen der 1970er Jahre gibt es heute eine bessere Alternative”.

Was Bond für den Ölsektor formuliert, zeigt der Global Electricity Review 2026 für den Strom bereits als Vollzug. Erneuerbare sind in der Lesart von Ember nicht mehr Klimapolitik, sondern Geopolitik: Jede Terawattstunde Solar ist eine Terawattstunde weniger Abhängigkeit von Pipelines, Tankern und Transitrouten. Die heute veröffentlichten Zahlen sind dafür der bisher klarste empirische Beleg.

China und Indien kippen gleichzeitig

Der Rückgang der fossilen Stromerzeugung wird laut Ember durch eine historische Trendumkehr in China und Indien getrieben. 2025 war das erste Jahr dieses Jahrhunderts, in dem die fossile Stromerzeugung in beiden Ländern gleichzeitig fiel. In China um 56 Terawattstunden oder 0,9 Prozent, dem ersten Rückgang seit 2015. In Indien um 52 Terawattstunden oder 3,3 Prozent, nach vier Jahren starker Anstiege in der Nach-Covid-Phase.

Beide Länder zusammen bestreiten mehr als die Hälfte der Welt-Kohleverstromung. Der Grund für die Wende ist nicht politisch, sondern ökonomisch: Solar und Batterien schlagen fossile Neubauten in der Kostenrechnung.

Global Electricity Review 2026: Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland bestätigt der Ember-Report den Rückenwind für die Energiewende auf globaler Ebene. Gleichzeitig ziehen die Zahlen zentralen Argumenten der deutschen Fossil-Debatte den Boden weg. Wer in Berlin noch damit argumentiert, China expandiere fossil weiter, argumentiert an den Ist-Daten vorbei. Und wer Gas als „Brückentechnologie“ einplant, baut an einer Brücke in ein Marktsegment, das im globalen Strommix gerade erodiert.

Die komplette Einordnung zum Ember-Report Global Electricity Review 2026 – inklusive Detail-Analyse zur deutschen Debatte um Kraftwerkssicherheitsgesetz, Industriestrompreis und Technologieoffenheit – gibt es im Cleanthinking-Newsletter für Supporter.

Lesen Sie auch: Global Energy Review 2026: Solar überholt erstmals alle anderen Energiequellen

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