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Global Energy Review 2026: Solar überholt erstmals alle anderen Energiequellen
Age of Electricity
Der heute veröffentlichte IEA-Bericht markiert einen Wendepunkt. Solarstrom deckt ein Viertel des globalen Energiebedarfswachstums, Batteriespeicher überholen Gaskraftwerke, die globale Kohleverstromung geht erstmals seit 2019 zurück.
Solar hat 2025 erstmals mehr als ein Viertel des globalen Energiebedarfswachstums abgedeckt und damit alle anderen Energieträger überholt. Das zeigt der heute veröffentlichte Global Energy Review 2026 der Internationalen Energieagentur (IEA). Batteriespeicher übertrafen erstmals den jemals höchsten Jahreszubau von Gaskraftwerken. Die globale Kohleverstromung ging erstmals seit 2019 zurück.
Mit 27 Prozent Anteil am Nachfragewachstum lieferte Solar mehr als Erdgas (17 Prozent), Öl (15 Prozent) oder Kohle (9 Prozent). Emissionsarme Quellen zusammen deckten fast 60 Prozent des globalen Energiewachstums. „Die zunehmende Elektrifizierung der Volkswirtschaften” sei der unübersehbare Trend, sagt IEA-Chef Fatih Birol.

Sechshundert Terawattstunden Solarstrom in einem Jahr
Besonders eindrücklich ist der Zubau in der Stromerzeugung. Die 600 zusätzlichen Terawattstunden Solarstrom, die 2025 weltweit ans Netz gingen, sind der größte jemals gemessene Jahreszubau einer einzelnen Stromtechnologie. Nicht der größte für Solar, nicht der größte für eine erneuerbare Quelle, sondern der größte, den die IEA je für irgendeine Stromtechnologie registriert hat. Allein dieser Zubau deckte rund 70 Prozent des globalen Stromwachstums.

China bleibt der Motor. Fast 500 Gigawatt neue Erneuerbaren-Kapazität ging dort 2025 ans Netz, davon 370 Gigawatt Solar. Aber die Welle ist kein chinesisches Phänomen mehr. Die Europäische Union schaffte 85 Gigawatt Zubau, einen neuen Rekord. Indien steigerte seinen Erneuerbaren-Zubau um 60 Prozent, Saudi-Arabien vervierfachte seine Solar-Installationen auf 7 Gigawatt. Pakistan installierte zehn Gigawatt, fast vollständig im verteilten Eigenausbau.
Batteriespeicher wachsen exponentiell
Dass Solar in diesem Tempo Strommärkte durchdringen kann, liegt am Partner, der sich parallel entfaltet. Batteriespeicher waren 2025 die am schnellsten wachsende Kraftwerkstechnologie der Welt. 108 Gigawatt neue Speicherkapazität gingen ans Netz, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum ersten Mal in der Geschichte der Elektrizitätswirtschaft hat der Jahreszubau einer Speichertechnologie den jemals höchsten Jahreszubau von Erdgaskraftwerken übertroffen.

11-fach mehr als 2021. Das ist keine Beschleunigung, das ist eine Phasenverschiebung. Lithium-Eisenphosphat-Zellen machen inzwischen 90 Prozent der neuen Speicher aus, weil sie günstiger sind und häufiger geladen werden können.
Elektromobilität erreicht jedes vierte Neuauto
Die zweite Elektrifizierungswelle rollt im Straßenverkehr. 21 Millionen Elektroautos wurden 2025 verkauft, jede vierte Neuzulassung weltweit. In China überschritt der Anteil der E-Autos bei Neuverkäufen erstmals die 50-Prozent-Marke. Und anders als in den Vorjahren ist Europa zurück: Mit 30 Prozent Plus ist der Kontinent der am schnellsten wachsende Großmarkt, vor China.

In den USA dagegen fielen die Verkäufe um 2 Prozent, nachdem die Trump-Regierung im September die Bundessteuergutschriften für Elektroautos und die Mindestgrenzen für Flottenverbräuche abgeschafft hatte. Außerhalb Chinas wachsen die Schwellenländer-Märkte rasant: 80 Prozent Plus im Durchschnitt, Mexiko verdreifachte seine Verkäufe, Indonesien legte um 125 Prozent zu, Indien um 75 Prozent.
Kohle global rückläufig, drei Gigatonnen CO₂ vermieden
Die logische Folge all dieser Entfaltungen: Die globale Kohleverstromung ist 2025 erstmals seit 2019 zurückgegangen. Zum ersten Mal seit fünf Jahrzehnten sind Chinas und Indiens Kohleverstromung gleichzeitig gesunken. In der Europäischen Union fiel der Kohleanteil erstmals unter 10 Prozent der gesamten Stromerzeugung. Solar und Wind erreichten zusammen 30 Prozent der EU-Stromproduktion und überholten damit alle fossilen Quellen zusammen.

Der Zubau von Solar, Wind, Atomkraft, Elektroautos und Wärmepumpen seit 2019 hat 2025 eine jährliche fossile Energienachfrage von 35 Exajoule verdrängt. Das entspricht 7 Prozent der globalen fossilen Energienutzung oder dem gesamten Energieverbrauch Lateinamerikas. 3 Milliarden Tonnen CO₂ werden jährlich vermieden, rund 8 Prozent der globalen energiebedingten Emissionen.
„In der heutigen, sich rasch verändernden Landschaft werden die Länder, die auf Resilienz und Diversifizierung setzen, am besten aufgestellt sein”, sagt Birol. Die physikalische Botschaft ist direkter: Solar, Wind und Batterien sind keine Nischentechnologien mehr, die gefördert werden müssten, damit sie irgendwann funktionieren. Sie funktionieren. Sie sind 2025 zur Infrastruktur der neuen Weltwirtschaft geworden.
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Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.