KLIMA · 23. SEPTEMBER 2026

Extremwetterkongress: DWD misst Rekordtiefs an Pegeln und 29 Grad im Rhein
Im Mittel der vergangenen 30 Jahre standen Deutschland rund 17 Milliarden Kubikmeter weniger Wasser zur Verfügung als 1961 bis 1990. Der Deutsche Wetterdienst legt die Zahl zur Wasserknappheit in Deutschland zum ExtremWetterKongress in Hamburg vor. Knapp wird das Wasser vor allem im Sommer.
Als Maß für Wasserknappheit in Deutschland dient die erneuerbare Wasserressource, die die Bundesanstalt für Gewässerkunde erhebt: der Abfluss, der sich aus Niederschlag abzüglich Verdunstung bildet, plus der Zufluss aus Nachbarländern. Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 lag sie bei 176 Milliarden Kubikmetern. Elf der vergangenen 15 Jahre blieben darunter, 2025 markierte mit weniger als 100 Milliarden Kubikmetern das Minimum der Reihe.
Das Jahr 2026 dürfte sich laut Faktenpapier in die wasserknappen Jahre einreihen. Von März bis Ende August fiel deutschlandweit rund 30 Prozent weniger Regen als im vieljährigen Mittel, südlich einer Linie von Koblenz bis Hof fehlte die Hälfte und mehr.
Der Deutsche Wetterdienst und der Extremwetterkongress stellen ihr gemeinsames Faktenpapier „Was wir über das Extremwetter in Deutschland wissen” an diesem Mittwoch in Hamburg vor. Erstmals weitet die Ausgabe 2026 den Blick auf Meere und Gewässer aus. Schirmherr des Kongresses ist Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), er meldet sich per Videobotschaft.
Bundesanstalt für Gewässerkunde misst Rekordwärme im Rhein
An der Messstation Koblenz erreichte die Wassertemperatur des Rheins am 28. Juni ein Tagesmittel von 29,0 Grad, den bisher höchsten gemessenen Wert. Der vorherige Rekord aus dem Jahr 2006 lag bei 28,2 Grad. An 41 Tagen lag das Tagesmittel 2026 über 25 Grad, mehr als in jedem anderen Jahr der Messreihe; bisheriger Höchstwert waren 38 Tage im Jahr 2003.
Die Wärmeeinleitungen aus Kraftwerken in den Rhein sind seit 2011 stark zurückgegangen. Die Jahresmittel der Wassertemperatur blieben trotzdem meist überdurchschnittlich warm.
Am Pegel Kaub fällt das Niedrigwasser heute in den Sommer
Kaub ist der Richtpegel für den Mittelrhein, die Engstelle zwischen den Nordseehäfen und dem Oberrhein. Früher fiel Niedrigwasser dort überwiegend in den Winter, wenn Eis und Schnee das Wasser banden. Heute kommt es im Sommer und Herbst, und zwar jedes Jahr etwas früher. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde hat im Juli das neue Niedrigwasserinformationssystem NIWIS freigeschaltet. Um den 11. September zeigte es großflächig extrem niedrige Abflüsse und Grundwasserstände, an vielen Pegeln die niedrigsten Werte seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die Niedrigwasserphasen 2022 und 2026 ließen die Schiffszahlen auf dem Mittelrhein nach Berechnungen der Bundesanstalt für Wasserbau um 15 bis 35 Prozent sinken. Die transportierten Gütermengen brachen um 50 bis 75 Prozent ein (mehr dazu: Was der niedrige Rhein-Pegel die Wirtschaft kostet).
Die Entwicklung verläuft nach Angaben des DWD keineswegs linear: 2024 brachte in mehreren Regionen Hochwasser, und Zukunftsprojektionen zeigen auch unter Hochemissionsszenarien nicht zwangsläufig eine drastische Verknappung der jährlichen Wasserressourcen. Im Sommer fließt weniger ab, im Winter mehr, übers Jahr gleicht sich das annähernd aus. Das Problem liegt in der Verteilung: Wirtschaft und Natur in Deutschland haben sich an ein stabiles, hohes Wasserangebot gewöhnt und sind darauf angewiesen. Die Wasserknappheit in Deutschland trifft deshalb die warmen Monate, in denen Pflanzen, Landwirtschaft und Schifffahrt am stärksten auf Wasser angewiesen sind.
Bundesumweltminister Schneider verweist auf Nationale Wasserstrategie
„Und auch mit der Umsetzung unserer nationalen Wasserstrategie sorgen wir vor, machen Deutschland widerstandsfähiger”, sagt Bundesumweltminister Carsten Schneider in seiner Videobotschaft zum Kongressauftakt. Das Bundeskabinett hatte die Nationale Wasserstrategie im März 2023 beschlossen. In derselben Botschaft kündigt Schneider bis zum kommenden Jahr einen nationalen Hitzeaktionsplan an.
„Ich setze mich dafür ein, eine Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung und Naturschutz ins Grundgesetz aufzunehmen”, sagt Schneider. Dieselbe Forderung stellt die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) zum Kongress (mehr dazu: Klimaanpassung ins Grundgesetz: Wer wirklich blockiert).
„Es kommt darauf an, dass wir jetzt Klimaschutz und Klimaanpassung gleichermaßen vorantreiben”, sagt Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt beim DWD. Beides habe bereits gewirkt, ohne die bisherigen Fortschritte wäre die Erwärmung nach seiner Einschätzung heute schon deutlich stärker.
Die DWA fordert zusätzlich, Städte konsequent nach dem Schwammstadt-Prinzip umzubauen: Regenwasser soll vor Ort versickern, gespeichert und genutzt werden, statt schnell abzufließen. Beim Wasserhaushaltsgesetz verlangt der Verband eine Änderung, damit Niederschlag als Ressource gilt und bewirtschaftet wird. „Wasser entscheidet darüber, wie sicher und lebenswert unsere Städte und Regionen künftig sind”, sagt DWA-Vorständin Lisa Irwin-Broß.
In der Wasserwirtschaft laufen laut Faktenpapier Überlegungen, mehr Winterwasser zu speichern, damit es im Sommer zur Verfügung steht. Wie hart künftige Niedrigwasserjahre treffen, hängt nach Einschätzung der Autor*innen davon ab, wie schnell Landwirtschaft, Schifffahrt und Kommunen sich gegen Dürre wappnen.
Zum ExtremWetterKongress im vergangenen Jahr hatte u.a. Stefan Rahmstorf ein Interview im heute-journal gegeben, das immer noch hörenswert ist.
QUELLEN
- Deutscher Wetterdienst und Extremwetterkongress Hamburg: „Was wir über das Extremwetter in Deutschland wissen”, Ausgabe 2026, 23.09.2026.
- Extremwetterkongress Hamburg: Pressemitteilung zur Eröffnung des 16. Extremwetterkongresses, 23.09.2026.
- Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA): Presseinformation „Starkregen, Hitze, Trockenheit – Wasser zentraler Baustein der Klimaanpassung”, 23.09.2026.
- Bundesanstalt für Gewässerkunde: Niedrigwasserinformationssystem NIWIS, abgerufen 23.09.2026.
- Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz und Naturschutz: Der Weg zur Nationalen Wasserstrategie, Kabinettsbeschluss 15.03.2023.