Batteriespeicher: 3,9 Milliarden Euro Ersparnis für Deutschland

SPEICHER · 1. JULI 2026

Batteriespeicher entlasten Stromsystem um 3,9 Milliarden Euro

Batteriespeicher entlasten das deutsche Stromsystem schon heute spürbar: Eine neue Analyse des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE im Auftrag der Erneuerbaren-Verbände beziffert erstmals konkret, wie stark.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 MIN LESEN


20 Gigawatt zusätzliche Speicherleistung mit vier Stunden Kapazität hätten zwischen Januar 2025 und Ende Mai 2026 volkswirtschaftliche Einsparungen von 5,6 Milliarden Euro ermöglicht. Auf ein Jahr gerechnet entspricht das rund 3,9 Milliarden Euro. Das zeigt eine Analyse des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE, die im Auftrag des Bundesverbands Erneuerbare Energie, des Bundesverbands Solarwirtschaft und des Bundesverbands WindEnergie entstanden ist.

Die Autoren um Angela Pape, Patrick Selzam, Jakob Kopiske und Norman Gerhardt haben dafür das europäische Strommarktmodell SCOPE-EM genutzt und rückblickend simuliert, was mehr Batteriespeicher an Flexibilität im deutschen und europäischen Stromsystem bewirkt hätten. Das Modell wurde gegen reale Marktdaten validiert: Es trifft die Zahl negativer Preisstunden mit 845 gegenüber real 819 recht genau und bildet den mittleren Börsenpreis von 91 Euro pro Megawattstunde zu 97 Prozent ab.

Batteriespeicher entlasten das Stromsystem gleich mehrfach

Die Studie identifiziert 20 Gigawatt Speicherleistung mit vier Stunden Kapazität, also 80 Gigawattstunden, als „Sweet Spot": die Menge, die in den meisten Wirkungsfeldern bereits den Großteil der möglichen Entlastung bringt. Bei den EEG-Förderkosten sinkt die Rechnung um 2,1 Milliarden Euro im Betrachtungszeitraum. Für die Förderkosten allein liegt der Sweet Spot sogar etwas höher, bei 30 Gigawatt mit sechs Stunden Kapazität, dort sind es 3,5 Milliarden Euro weniger.

Bei den Stromkosten für Endkunden sinkt die Rechnung um 1,9 Milliarden Euro im Zeitraum, umgerechnet rund 1,31 Milliarden Euro pro Jahr. Dieser Effekt schwächt sich bei noch mehr Speicherkapazität wieder leicht ab, weil zusätzliche Speicher dann auch besonders niedrige Preise stärker anheben. 20 Gigawatt mit vier Stunden Kapazität markiert hier also ein echtes Optimum, keine Rundungsungenauigkeit im Modell.

Auch die Handelsbilanz mit dem Ausland verbessert sich: minus 1,6 Milliarden Euro im Zeitraum, ein Rückgang von rund 40 Prozent, umgerechnet etwa 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Zugleich sinken die Stunden mit negativen Börsenstrompreisen von 845 im Modell ohne zusätzliche Speicher auf 276 Stunden bei 20 Gigawatt Zubau, ein Rückgang von 70 Prozent.

Was auf dem Spiel steht, wenn Flexibilität fehlt

Die Studie rechnet auch die Risiken durch, die ohne mehr Flexibilität entstehen. Nach Paragraf 51 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes verlieren Anlagen bei negativen Strompreisen ihre Förderung. Ohne zusätzliche Speicher sinkt der geförderte Photovoltaik-Anteil von rund 25 auf 6,3 Prozent, ein Rückgang von 75 Prozent. Bei Wind an Land fällt der Anteil von 8 auf 3,7 Prozent, bei Wind auf See von 7 auf 2,8 Prozent.

Auch die marktliche Abregelung von Ökostrom-Anlagen ginge zurück: von rund 6.000 Gigawattstunden im Zeitraum ohne zusätzliche Speicher auf etwa 2.670 Gigawattstunden bei 20 Gigawatt Zubau, ein Minus von 55 Prozent. Bei maximal 40 Gigawatt mit acht Stunden Kapazität sinkt die Abregelung sogar um 70 Prozent auf rund 1.350 Gigawattstunden.

„Die Analyse zeigt: Speicher sind ein Sparprogramm für Stromkunden und Bundeshaushalt", sagt BEE-Präsidentin Dr. Ursula Heinen-Esser. „Die Zahl der Netzanschluss-Anfragen seitens der EE-Branche zeigt: Der Markt steht bereit. Jetzt muss die Politik dafür sorgen, dass aus Anfragen auch Projekte werden."

Wie groß ist der errechnete Speicherbedarf wirklich

Die errechneten 20 Gigawatt Sweet Spot entsprechen weniger als 3 Prozent der aktuell rund 720 Gigawatt an Netzanschlussanfragen für Speicherprojekte in Deutschland. Der kurzfristige Nachholbedarf ist damit ein kleiner, aber drängender Ausschnitt aus einer sehr viel größeren Projektpipeline.

Die Studie macht zudem deutlich, dass dieser Bedarf mit dem Ausbau der Erneuerbaren mitwächst. In einem Sonderszenario mit geringerem Photovoltaik- und Windausbau der vergangenen Jahre läge der Sweet Spot nur bei 10 statt 20 Gigawatt. Für den weiter geplanten Zubau von jährlich 20 Gigawatt Photovoltaik und 15 Gigawatt Wind laut EEG-Ziel errechnen die Autoren einen zusätzlichen, laufenden Flexibilitätsbedarf von rund 8 Gigawatt mit vier Stunden Kapazität pro Jahr, on top zur einmalig aufzuholenden Lücke.

Wichtig für die Einordnung: Auftraggeber der Studie sind der Bundesverband Erneuerbare Energie sowie die Solar- und Windverbände, die Modellierung selbst stammt vom unabhängigen Fraunhofer IEE. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass es sich um Brutto-Entlastungen handelt, also EEG-Finanzierungsbedarf, Beschaffungskosten und Handelsbilanz, ohne Investitions- und Betriebskosten der Speicher, Netzanschlusskosten oder Degradation. Eine vollständige volkswirtschaftliche Netto-Wohlfahrtsrechnung ist das also nicht. Der errechnete Sweet Spot ist zudem keine langfristige Obergrenze, sondern der aktuell akute Nachholbedarf.

Wie groß die Lücke zwischen Anschlussanfragen und tatsächlich gebauten Projekten sein kann, zeigt der Spatenstich für Deutschlands größten Batteriespeicher in Klostermansfeld. Genau solche Großprojekte tragen dazu bei, den hier errechneten Flexibilitätsbedarf zu decken. Eine andere Fraunhofer-Studie, die Ende Juni das kostenoptimale Energiesystem 2045 durchgerechnet hat, kam für den langen Zeithorizont zum selben Kernbefund: Flexibilität ist der Schlüssel. Die neue IEE-Analyse zeigt: Batteriespeicher entlasten das System schon heute, nicht erst 2045.

QUELLEN

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  1. Bundesverband Erneuerbare Energie: Die nächste Phase der Energiewende: Flexibilität
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