Form Energy Börsengang: 750 Millionen für Rost-Batterien

SPEICHER · 14. AUGUST 2026

Form Energy Börsengang: 750 Millionen Dollar eingesammelt

Der US-Hersteller von Eisen-Luft-Batterien holt 750 Millionen Dollar von Investoren wie T. Rowe Price. Die Erstnotiz der Form Energy Aktie wird für 2027 erwartet, Termin und Börsenplatz stehen noch nicht fest.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 6 Min. Lesezeit LESEN


Form Energy aus den USA baut Eisen-Luft-Batterien: Großspeicher, die Strom bis zu 100 Stunden am Stück abgeben und tagelange Dunkelflauten überbrücken. Jetzt hat das Unternehmen 750 Millionen Dollar eingesammelt, die größte Runde seiner Geschichte. Der Form Energy Börsengang wird für 2027 erwartet, offiziell bestätigt ist er nicht.

Das Unternehmen sitzt in Somerville bei Boston und fertigt in Weirton, West Virginia. Gegründet hat es 2017 unter anderem Mateo Jaramillo, der bei Tesla die Powerwall mitentwickelte. Die Runde fällt größer aus als zunächst kolportiert: Axios hatte im Januar von bis zu 500 Millionen Dollar berichtet, am Ende wurden 750 Millionen daraus. Angeführt hat sie der Vermögensverwalter T. Rowe Price.

Neu in der Runde sind Sequoia Capital, Janus Henderson, Franklin Templeton und PEAK6 Investments. Von den Bestandsinvestoren halten unter anderem Breakthrough Energy Ventures, TPG Rise Climate, Coatue und GE Vernova mit. Morgan Stanley wickelte die Privatplatzierung als alleiniger Vermittler ab.

Was die Investorenliste über den Form Energy Börsengang sagt

Janus Henderson und Franklin Templeton verwalten Publikumsfonds. Zusammen mit T. Rowe Price, das schon die Series F im Oktober 2024 anführte, sitzt damit eine Reihe von Häusern in der Runde, deren Kerngeschäft börsennotierte Wertpapiere sind. Solche Crossover-Investoren steigen üblicherweise in der letzten privaten Runde vor einer Erstnotiz ein.

„Wenn man eine 100-Stunden-Batterie ergänzt, steigt der Wert von allem anderen, das man bereits gebaut hat“, sagt Vineet Khanna, Investmentanalyst und Vice President bei T. Rowe Price. Die Speicher könnten auch Strom von Anlagen aufnehmen, die durchlaufen. Dazu zählt er Kernkraftwerke, die in Phasen niedriger Großhandelspreise Geld verlieren.

Eine Bewertung nannte Form Energy nicht. Das eingeworbene Eigenkapital steigt mit der Runde auf mehr als zwei Milliarden Dollar. Die kursierenden 3,42 Milliarden Dollar stammen aus der Series F und sind seit fast zwei Jahren überholt.

Anfang der 2020er Jahre gingen bereits mehrere Langzeitspeicher-Firmen über SPAC-Fusionen an die Börse, darunter Energy Vault und ESS Tech. Keine von ihnen notiert heute in der Nähe ihrer damaligen Höchstbewertung. Energy Vault hat sein Geschäftsmodell seither umgebaut, ESS Tech kaufte im Februar die Patente des insolventen Münchner Anbieters VoltStorage.

Parallel zur Finanzierung hat Form Energy zwei Posten neu besetzt. Finanzchef wird Navneet Govil, zuvor Chief Financial Officer bei SoftBank Investment Advisers und dort für die Vision Funds zuständig. Als Betriebschef kommt Wes Sloan, bis zuletzt Executive Vice President bei Panasonic Energy North America mit Verantwortung für die Batteriefertigung in Nevada.

„Wir wollen bereit sein, falls der Markt dafür da ist“, sagte Jaramillo im März dem Fachmedium Latitude Media. Einen festen Termin für die Erstnotiz nannte er nicht. Wirtschaftsprüfung, Berichtswesen und Finanzkontrollen würden aber entsprechend aufgebaut.

Das Unternehmen nennt sein Prinzip umkehrbares Rosten. Beim Entladen nimmt die Zelle Sauerstoff auf und wandelt Eisen in Rost. Beim Laden kehrt sich der Vorgang um, aus Rost wird wieder Eisen, und die Zelle gibt Sauerstoff ab.

Jaramillo zieht selbst den Vergleich zur Gasturbine. Seine Speicher sollen wie Turbinen arbeiten, die nur an wenigen Tagen im Jahr laufen. Sie springen an, wenn Kälte oder Hitze die Nachfrage hochtreiben und das Netz unter Druck gerät.

„Wir wollten eine Speicherart kommerzialisieren, die in allen Eigenschaften mit einem Gas-Spitzenlastkraftwerk mithalten kann“, sagt der Firmenchef. „In gewisser Weise haben wir einen E-Peaker gebaut, ein elektrisches Spitzenlastkraftwerk.“ Der Wettbewerber ist damit nicht der Lithium-Speicher, sondern das Gaskraftwerk.

Rund 80 Prozent des Batterieinhalts stammen nach Unternehmensangaben aus den USA, der Rest aus Europa und Asien. „Wir haben null Abhängigkeit von China“, sagt Jaramillo. Neben ihm gehört der MIT-Professor Yet-Ming Chiang zu den Gründern.

Der Engpass sitzt in Weirton

Das Geld fließt in den Hochlauf der Fertigung und in die erste Welle kommerzieller Projekte. Form Factory 1 in Weirton, West Virginia, soll bis 2028 auf 500 Megawatt Jahreskapazität kommen. Bei 100 Stunden Speicherdauer entspricht das 50 Gigawattstunden Jahresproduktion.

Das Auftragsbuch ist binnen eines Jahres von 20 auf 80 Gigawattstunden gewachsen. Das größte Vorhaben ist Pine Island in Minnesota: 300 Megawatt Batterieleistung für den Versorger Xcel Energy und ein geplantes Google-Rechenzentrum, in der Energiemenge 30 Gigawattstunden. Rechnerisch bindet das gesamte Auftragsbuch mehr als anderthalb Jahresproduktionen des Werks.

Der Rechenzentrumsbetreiber Crusoe will ab 2028 zwölf Gigawattstunden abnehmen, er baut unter anderem für Oracle und Meta. In Irland arbeitet der Projektentwickler FuturEnergy Ireland mit Form Energy an einem Speicher im Nordwesten des Landes, geplant bis 2029.

Im März sagte Jaramillo, einen größeren Neuauftrag könne das Unternehmen frühestens Ende 2028 bedienen, womöglich erst 2029. Die Nahfrist-Kapazität der führenden Anbieter ist weitgehend verkauft. Rechenzentrumsbetreiber und Versorger kaufen inzwischen nach Lieferfähigkeit ein, der Preis je Kilowattstunde rückt in die zweite Reihe.

In Deutschland steht bislang keine einzige Eisen-Luft-Anlage. Im Juli hat Cleanthinking gezeigt, wie eine PR-Kampagne die Technologie hierzulande zur Rettung vor der Dunkelflaute erklärte, ohne dass es ein Projekt gab. Europäisch ist Form Energy bisher nur in Irland vertreten.

Den Part des europäischen Eisen-Luft-Anbieters spielt derzeit Ore Energy aus den Niederlanden. Für den Form Energy Börsengang fehlen unterdessen weiterhin mehrere Belege. Im Register der US-Börsenaufsicht SEC ist bislang keine Registrierung öffentlich einsehbar.

Belastbare Kosten je Kilowattstunde aus einem realen Projekt hat Form Energy nicht veröffentlicht. Und beim größten Vorhaben Pine Island hat der Bau noch nicht begonnen.

750 Mio. $

SERIES G

Größte Runde des Unternehmens. Eingeworbenes Eigenkapital jetzt über zwei Milliarden Dollar.

80 GWh

AUFTRAGSBUCH

Vervierfacht binnen eines Jahres, ausgehend von 20 Gigawattstunden.

500 MW

JAHRESKAPAZITÄT

Zielwert für Weirton bis 2028. Bei 100 Stunden Speicherdauer sind das 50 Gigawattstunden im Jahr.

QUELLEN

831397862f65467486c692159f6c4a68
  1. Wall Street Journal (Jennifer Hiller, 12.08.2026): Energy Startup Raises $750 Million for Rust-Powered Batteries
  2. Latitude Media (Maeve Allsup, 10.03.2026): Is Form ready for the public market?
  3. Data Center Dynamics (Zachary Skidmore, 13.08.2026): Form Energy raises $750m to expand West Virginia iron-air battery plant
  4. Form Energy (12.08.2026): Form Energy Secures $750M in Series G Financing
0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Nach oben scrollen
0
Ihre Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x