Der Höhenwindturm in der Lausitz stellt den Windrad-Weltrekord auf

HÖCHSTES WINDRAD DER WELT · 29. SEPTEMBER 2026

Der Höhenwindturm in der Lausitz stellt den Windrad-Weltrekord auf

In Schipkau hat der Höhenwindturm von GICON am Montag seine Endhöhe von 365 Metern erreicht. Mit 300 Metern Nabenhöhe ist er das höchste Windrad der Welt, in Deutschland überragt ihn nur der Berliner Fernsehturm.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. LESEN


„Mit einer Nabenhöhe von 300 Metern ist die Anlage die höchste Windenergieanlage der Welt und zugleich das zweithöchste Bauwerk Deutschlands“, teilte GICON am Montag in einer Pressemitteilung mit. Nur der Berliner Fernsehturm ist mit 368 Metern drei Meter höher als der Höhenwindturm. Das bisher höchste Serienwindrad steht nach Angaben von Vestas und Max Bögl im oberpfälzischen Winnberg, mit 199 Metern Nabenhöhe und 285 Metern Gesamthöhe.

Warum kam der Höhenwindturm später auf Endhöhe?

Ursprünglich sollte der Riese schon am 20. September fertig sein. Starke Böen unterbrachen die Arbeiten mehrfach. Am Sonntag stand der Innenturm nach Angaben von GICON-Sprecher Martin Burmeister gegenüber der dpa erst auf 250 Metern Zwischenhöhe, die Anlage maß damit 315 Meter. „Sicherheit geht vor Geschwindigkeit“, hatte Geschäftsführer Jochen Großmann gesagt. Die letzten Arbeiten am Turm sollen in den kommenden Tagen abgeschlossen werden. „Dieser Weltrekord gehört allen, die mit ihrem Wissen, ihrem Einsatz und ihrer Ausdauer dazu beigetragen haben“, sagte Großmann nach dem letzten Hub.

Wie kommt die Turbine auf 300 Meter?

Kein Kran der Welt reicht in diese Höhe. GICON hat den Turm deshalb zweigeteilt: Ein breiter Außenturm aus Stahlgitter dient als Führung, darin steckt ein schlankerer Innenturm. Auf ihm montierten die Monteure Maschinenhaus und Rotor in erreichbarer Höhe. Anschließend zog ein Litzenhubsystem, wie es sonst im Brückenbau arbeitet, den Innenturm samt Turbine nach oben, laut VDI-Fachmedien mit rund neun Metern pro Stunde. Nach dem letzten Hub fixierten die Monteure den Innenturm in seiner ausgefahrenen Position.

Was soll das höchste Windrad der Welt leisten?

In 300 Metern Höhe weht der Wind stärker und gleichmäßiger als auf Nabenhöhe heutiger Anlagen. Der Höhenwindturm zielt deshalb nicht auf mehr Nennleistung, sondern auf mehr Stunden, in denen die Turbine nahe ihrer vollen Leistung läuft. Der Meteorologe Stefan Emeis, bis zu seinem Ruhestand am Karlsruher Institut für Technologie, stützt sich auf ein Jahr Mastmessungen in Schipkau: In 300 Metern wehte der Wind im Mittel mit 8,51 Metern pro Sekunde, in 150 Metern mit 6,66. Damit steigt die Auslastung einer Windturbine von 26,8 auf 43,8 Prozent, rechnet Emeis im Science Media Center vor. Umgerechnet sind das rund 3.800 statt 2.350 Volllaststunden im Jahr und gut 60 Prozent mehr Strom aus derselben Anlage. GICON selbst erwartet etwa doppelt so viel Ertrag wie bei einer konventionellen Anlage mit gleichem Rotor, unabhängig gemessen ist das noch nicht.

Die Pilotanlage trägt mit 3,8 Megawatt eine vergleichsweise kleine Turbine, neue Onshore-Windräder haben längst sechs bis sieben Megawatt und deutlich größere Rotoren. Für Serientürme plant GICON mehr als sieben Megawatt. Erst dann könnte sich der Höhenwind rechnen: Die spezifischen Baukosten, die die Bundesregierung nennt, liegen laut Christoph Winkler vom Forschungszentrum Jülich fast viermal so hoch wie bei einem normalen Windrad des Jahres 2025. Eine Serie mit stärkerer Turbine könne die Turmkosten je Kilowatt um ein Drittel oder mehr senken.

Offiziell soll der Höhenwindturm im November starten und dann Strom für bis zu 7.500 Haushalte liefern. GICON-Chef Jochen Großmann hält laut Lausitzer Rundschau einen Netzanschluss schon Ende Oktober für möglich. Mit dem Windrad-Weltrekord verbindet GICON vor allem den Nachweis, dass sich Höhenwind ohne Riesenkran erschließen lässt. Zusätzlich soll der Betrieb in Schipkau per Messung belegen, dass die Anlage länger als die üblichen 20 Jahre Strom liefern kann. Was ein Höhenwindrad aushält, gelte dann auch für niedriger belastete Windräder, argumentiert SPRIND.

Auftraggeber ist die Leipziger beventum, eine Tochter der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND. Den Anstoß gaben laut SPRIND der Leipziger Ingenieur Horst Bendix, der 2023 starb, und GICON-Gründer Jochen Großmann. Die Agentur verfolgt das Vorhaben seit 2020, ihrem ersten Jahr. GICON sieht die Türme künftig auf den Flächen bestehender Windparks, wo sie ohne zusätzliche Fläche weiteren Strom ernten könnten. SPRIND-Innovationsmanager Martin Chaumet nennt das Höhenwindrad eine „konkrete Lösung für eine ortsnahe und flächenschonende Energieversorgung der Zukunft“. Wie das Projekt seit der Grundsteinlegung im September 2024 gewachsen ist, zeigt der Überblick zum Höhenwindrad von beventum und GICON.

QUELLEN

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  1. Lausitzer Rundschau: Weltrekord in Schipkau: Windrad erreicht Endhöhe, September 2026.
  2. dpa via ZEIT ONLINE: Höhenwindturm: Weltweit größtes Windrad erreicht finale Höhe, 28. September 2026.
  3. dpa via t-online: 365 Meter: Höchstes Windrad der Welt erreicht seine Höhe, 28. September 2026.
  4. dpa via Tagesspiegel: Riesen-Windrad wächst, Weltrekord wird später ausgerufen, 27. September 2026.
  5. ingenieur.de: 365 m in 24 Stunden: Die Lausitz baut das höchste Windrad der Welt.
  6. SPRIND: Höhenwindrad, Projektseite, abgerufen am 29. September 2026.
  7. Science Media Center: Höchstes Windrad der Welt fast fertig - Welche Erkenntnisse wird das Forschungsprojekt bringen?, 25. September 2026.
  8. GICON: Der GICON-Höhenwindturm, abgerufen am 29. September 2026.
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