Frontpartie eines Lightyear-Fahrzeugs mit integriertem Solardach und Lightyear-SchriftzugLightyear

FIRMENPORTRÄT

Lightyear

Vom Solarauto-Pionier zum Solar-Zulieferer

Frontpartie eines Lightyear-Fahrzeugs mit integriertem Solardach und Lightyear-Schriftzug
Solarzellen ueber die gesamte Karosserie: Frontpartie eines Lightyear-Fahrzeugs. (Bild: Lightyear)

Lightyear ist ein niederländisches Cleantech-Unternehmen, das einst das erste Langstrecken-Solarauto bauen wollte. Nach dem Scheitern seiner teuren Eigenmodelle liefert es heute On-Board-Solarsysteme für die Fahrzeuge anderer Hersteller und kooperiert dabei unter anderem mit Nissan.


Technologie: Solar auf gekrümmten Flächen

Lightyears Kompetenz liegt in der Integration von Solarzellen in die Karosserie eines Fahrzeugs. Statt flacher Standardmodule entwickelt das Unternehmen gekrümmte, flexible Solarflächen, die sich der Form von Dach, Motorhaube und Heckklappe anpassen. Damit lässt sich mehr aktive Fläche nutzen, ohne die Linienführung des Fahrzeugs zu stören.

Die Wurzeln dieser Effizienz reichen in den Rennsport zurück. Das Gründerteam stammt aus der Solar Team Eindhoven, das mehrfach die World Solar Challenge gewann. Aerodynamik, geringes Gewicht und energieeffiziente Antriebe waren von Anfang an Teil des Konzepts, lange bevor daraus ein Zulieferprodukt wurde.

SO ENTSTEHT EIN LIGHTYEAR-SOLARDACH

  1. 1 · SolarzellenHocheffiziente Zellen werden zu einem Modul verschaltet.
  2. 2 · KrümmungDas Modul wird flexibel an gewölbte Karosserieflächen angepasst.
  3. 3 · IntegrationEinbau in Dach, Motorhaube und Heckklappe des Fahrzeugs.
  4. 4 · StromertragSolarstrom lädt die Batterie, auch während der Fahrt.

Im Januar 2026 stellte Lightyear ein Demonstrationsfahrzeug mit Nissan vor. Es trägt 3,8 Quadratmeter maßgefertigte Solarfläche, verteilt auf Motorhaube, Dach und Heckklappe. Aus einem Konzept von 2023 wurde damit eine annähernd serienreife Lösung.

Wo die Technik einen Unterschied macht, und wo nicht

Lightyear adressiert heute Fahrzeughersteller, nicht Endkunden. Die Solardächer sollen die Reichweite von Elektrofahrzeugen erhöhen und die Zahl der Ladevorgänge verringern. Bei günstigen Bedingungen kann ein Solardach einen wesentlichen Teil der täglichen Fahrstrecke abdecken, ohne dass das Fahrzeug an die Steckdose muss.

Die Grenzen liegen in Physik und Nutzung. Die nutzbare Dachfläche eines Pkw ist begrenzt, der Ertrag hängt von Sonneneinstrahlung und Fahrprofil ab. Wer täglich weite Strecken fährt, kommt um das Laden nicht herum. Das Solardach ist ein Effizienzgewinn und ein Komfortmerkmal, kein Ersatz für die Ladeinfrastruktur.

Geschichte: Von der World Solar Challenge zum Zulieferer

Lightyear wurde 2016 von Lex Hoefsloot und weiteren Mitgliedern des Solar Team Eindhoven gegründet. Das Team hatte zuvor mit dem Solarfahrzeug Stella die World Solar Challenge gewonnen. Aus dem studentischen Rennsport wurde der Plan, ein alltagstaugliches Solarauto für die Straße zu bauen.

2019 zeigte Lightyear den Prototyp Lightyear One, später als Lightyear 0 in Kleinserie produziert. Das Fahrzeug war ein technisches Schaustück, mit rund 250.000 Euro aber unbezahlbar für den Massenmarkt. Anfang 2023 stoppte Lightyear die Produktion des 0 und ließ die zuständige Produktionsgesellschaft in die Insolvenz gehen. Das Ziel verschob sich auf ein günstigeres Modell namens Lightyear 2.

Nach dieser Zäsur richtete sich das Unternehmen neu aus. Statt selbst Autos zu bauen, verkauft Lightyear seither seine Solartechnologie an andere Hersteller. Eine Finanzierungsrunde von über zehn Millionen Euro untermauerte den Strategiewechsel zum Zulieferer.

Mitarbeiter an einer Produktionsanlage fuer flexible Solarmodule von Lightyear
Fertigung flexibler Solarmodule: Lightyear baut die Serienproduktion in Venray auf. (Bild: Lightyear)

Marktposition und Fertigung

Als Zulieferer positioniert sich Lightyear im selben Markt wie OPES Solar Mobility und Sono Motors, allerdings mit Fokus auf Pkw und gekrümmte Karosserieflächen. Die Kooperation mit Nissan ist das bisher sichtbarste Signal, dass etablierte Automobilhersteller die Technik ernst nehmen.

Die flexible Modulproduktion entsteht im niederländischen Venray, am Standort des Schiebedachherstellers Inalfa. Der kommerzielle Serienstart ist zwischen 2026 und 2027 geplant, zunächst für Großserienmodelle von Vertragsherstellern. Lightyear gehört zudem zum EU-Forschungskonsortium SolarMoves, das 2026 erstmals belastbare Realdaten zum Netznutzen fahrzeugintegrierter Photovoltaik vorlegte.

Einordnung: Warum der Pivot klüger ist als die Vision

Lightyear ist ein Lehrstück über die Lücke zwischen technischer Brillanz und tragfähigem Geschäftsmodell. Der Lightyear 0 bewies, dass ein hocheffizientes Solarauto baubar ist. Er bewies aber auch, dass ein 250.000-Euro-Fahrzeug keinen Markt hat, der eine Serienfertigung trägt.

Der Wechsel zum Zulieferer ist die nüchterne Konsequenz daraus. Lightyear muss nicht mehr ein ganzes Auto verkaufen, sondern ein Bauteil, das jeder Hersteller integrieren kann. Damit verteilt sich das Risiko, und die effizienzgetriebene Kerntechnologie kommt in deutlich mehr Fahrzeuge. Die Nissan-Kooperation und die SolarMoves-Beteiligung zeigen, dass aus dem gescheiterten Visionär ein ernstzunehmender Technologiepartner geworden ist.

Meilensteine

HORIZONTAL SCROLLEN ›

  1. 2016

    Gründung durch Lex Hoefsloot und das Solar Team Eindhoven

  2. 2019

    Prototyp Lightyear One vorgestellt

  3. 2023

    Produktion des Lightyear 0 gestoppt, Pivot zum Zulieferer

  4. 2024

    Über 10 Mio. Euro für das Zulieferer-Geschäft eingesammelt

  5. JAN 2026 NEU

    Nissan-Kooperation, Serienproduktion in Venray angekündigt

Häufige Fragen

Was macht Lightyear heute?

Lightyear entwickelt und liefert On-Board-Solarsysteme und flexible, gekrümmte Solardächer für Fahrzeughersteller. Eigene Fahrzeuge baut das Unternehmen seit dem Stopp des Lightyear 0 nicht mehr.

Was war der Lightyear 0?

Der Lightyear 0 war das erste Langstrecken-Solarauto des Unternehmens, in Kleinserie gebaut und rund 250.000 Euro teuer. Anfang 2023 wurde die Produktion gestoppt, die zuständige Gesellschaft ging in die Insolvenz.

Wer steckt hinter Lightyear?

Lightyear wurde 2016 von Lex Hoefsloot und weiteren Mitgliedern des Solar Team Eindhoven gegründet, das mit dem Solarfahrzeug Stella die World Solar Challenge gewann. Hoefsloot ist CEO. Sitz ist Helmond in den Niederlanden.

Was ist die Kooperation mit Nissan?

Im Januar 2026 stellte Lightyear mit Nissan ein Demonstrationsfahrzeug vor, das 3,8 Quadratmeter maßgefertigte Solarfläche in Motorhaube, Dach und Heckklappe trägt. Es entwickelt ein Konzept von 2023 zu einer annähernd serienreifen Lösung weiter.

Wo produziert Lightyear?

Die flexible Modulproduktion entsteht im niederländischen Venray am Standort des Schiebedachherstellers Inalfa. Der kommerzielle Serienstart ist zwischen 2026 und 2027 geplant, zunächst für Modelle von Vertragsherstellern.

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