Zukunftsstudie: 30 Technologien, die bis 2040 einen 20-Billionen-Markt bilden

ZUKUNFTSTECHNOLOGIEN · 11. SEPTEMBER 2026

Zukunftsstudie: Roland Berger sieht bis 2040 Markt von 20 Billionen Euro

30 Technologietrends sollen bis 2040 einen Markt von mehr als 20 Billionen Euro bilden, zehnmal so viel wie heute. Das prognostiziert Roland Berger in einer neuen Zukunftsstudie. In vier der 14 wichtigsten Felder sieht sie Europa vorn.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 5 Min. Lesezeit LESEN


Die Studie mit dem Titel „The 2040 technology game plan” ist am 11. September 2026 in München erschienen. Ihr Untertitel lautet „Winner takes most”: Wer eine Technologie früh in den Markt bringe, setze die Standards und sichere sich den größten Anteil. Das gelte für den kommenden Technologiezyklus genauso wie früher für Eisenbahn, Verbrennungsmotor und Internet.

Heute stehen die 30 Felder laut Studie für rund neun Prozent der globalen industriellen Wertschöpfung, 2040 sollen es 37 Prozent sein. Die industrielle Wertschöpfung insgesamt verdopple sich in dieser Zeit von 33 auf 57 Billionen Euro. Das Volumen der 30 Trends steige von 2,5 auf mehr als 20 Billionen Euro.

Für die Zukunftsstudie hat die Beratung mehr als 400 Kandidaten geprüft und nach drei Kriterien bewertet: Wie viele Branchen ein Trend verändert, wie groß sein Markt 2040 ist und wann er nennenswerte Umsätze erreicht. 14 Felder stuft sie als besonders wichtig ein. Diese 14 sollen 2040 zusammen 16 Billionen Euro erreichen.

Zukunftsstudie nennt sechs Bereiche mit 30 Trends

Die Trends verteilen sich auf sechs Bereiche. Zur industriellen Transformation zählt die Studie Halbleiter, Rechenzentren, humanoide Roboter, additive Fertigung und neue Antriebe. Zu den Energiesystemen gehören Energiespeicher, Microgrids und dezentrale Erzeugung, CO₂-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung (CCUS), kleine modulare Reaktoren und nachhaltige Kraftstoffe.

Bei Mobilität und Transport nennt die Studie Ladeinfrastruktur, autonome Mobilität, Flugtaxis, Raumfahrttechnik und autonome Verteidigungssysteme. Im Bereich Gesundheit und Bio-Innovation stehen alternative Proteine, Biomaterialien, Medizintechnik, neue Anbausysteme für die Landwirtschaft und regenerative Medizin. Dazu kommen die digitale Infrastruktur mit KI, Quantentechnik, Cybersicherheit und Konnektivität sowie Ressourceninnovationen wie neue Legierungen, Nanomaterialien, Magnetwerkstoffe und Wasseraufbereitung.

Die größten Märkte entstehen laut Studie bei KI-Systemen, Halbleitern und Rechenzentren. Sie stellen zusammen mehr als die Hälfte der 16 Billionen Euro. Die höchsten Wachstumsraten sieht Roland Berger bei humanoider Robotik mit 57 Prozent pro Jahr und bei Quantentechnologien mit 44 Prozent pro Jahr.

Technologietrend Markt 2025 Markt 2040 Wachstum p. a.
KI-Systeme und Software-Intelligenz2105.00024 %
Halbleiter6702.60010 %
Rechenzentren3802.50013 %
Biomaterialien2001.40014 %
Medizintechnik4901.3007 %
Energiespeicher2401.00010 %
Humanoide Robotik175057 %
Autonome Mobilität6059017 %
Ladeinfrastruktur4050018 %
Microgrids und dezentrale Erzeugung2441521 %
Quantentechnologien133044 %
Raumfahrttechnik3422013 %
Autonome Verteidigungssysteme1617017 %
CCUS75114 %

Marktvolumen in Milliarden Euro, Quelle: Roland Berger, „The 2040 technology game plan”, September 2026.

Humanoide Roboter kosten laut Studie 20.000 bis 30.000 US-Dollar pro Einheit und im Betrieb rund zwei Dollar pro Stunde. China habe 2025 mehr als 15.000 Einheiten gebaut. Der Markt für Microgrids, also lokale Stromnetze mit eigener Erzeugung und Speichern, die sich bei Bedarf vom Hauptnetz trennen können, wachse von 24 auf 415 Milliarden Euro. Ladeinfrastruktur lege von 40 auf 500 Milliarden Euro zu.

Zukunftsstudie Roland Berger: Prioritätenmatrix der 30 Technologietrends bis 2040
Prioritätenmatrix der Zukunftsstudie: 30 Trends nach Disruptionspotenzial und Zeit bis zur Marktreife, die 14 dunkel markierten bilden die Top 14. Grafik: Roland Berger

Europa führt bei Microgrids, CCUS, Quantentechnik und Biomaterialien

In vier der 14 Felder sieht die Studie Europa an der Spitze: bei Microgrids, Quantentechnologien, CCUS und Biomaterialien. In diesen vier Feldern gehören mehr europäische Unternehmen zu den 14 umsatzstärksten Anbietern weltweit als amerikanische oder chinesische. Bei Biomaterialien aus Pilzmyzel, Algen, Bakterien und landwirtschaftlichen Reststoffen führe Europa bei Forschung, Startups und ersten kommerziellen Partnerschaften, mit Schwerpunkten in Deutschland und Skandinavien. Zu den Unternehmen in diesem Feld zählt traceless materials aus Hamburg, das 2026 seine erste Fabrik für einen Plastikersatz aus Agrarreststoffen eröffnet hat. Die Anwendungen reichen von Verpackungen über Textilien und Lederalternativen bis zu Lebensmitteln.

Zukunftsstudie Roland Berger: Führungspositionen von Europa, USA und China in den Top-14-Technologietrends
Wo Europa führt: Zahl der europäischen, amerikanischen und chinesischen Unternehmen unter den 14 umsatzstärksten je Technologiefeld. Grafik: Roland Berger

„Europa hält echte Führungspositionen bei Quantentechnik, Microgrids und CO₂-Abscheidung”, sagt Stefan Riederle, Senior Partner bei Roland Berger. Solche Positionen hielten sich nicht von selbst, sondern erforderten Investitionen im großen Maßstab, und zwar jetzt.

Für die 14 Felder schlägt die Studie drei Wege vor. Wo Europa führt, soll es den Weltmarkt anpeilen: Microgrids, Quantentechnik, CCUS und Medizintechnik. Wo die Nachfrage vor allem in Europa selbst liegt, soll der Heimatmarkt das Ziel sein: autonome Verteidigung, humanoide Robotik, Ladeinfrastruktur, autonome Mobilität, Biomaterialien und Raumfahrt. Bei Halbleitern, KI, Rechenzentren und Energiespeichern empfiehlt die Beratung, Hersteller aus anderen Weltregionen zur Ansiedlung in Europa zu bewegen.

Über alle drei Wege könne Europa bis 2040 rund drei Billionen Euro erreichen. Das entspreche etwa 20 Prozent des Marktes der 14 wichtigsten Trends aus der Zukunftsstudie und fünf Prozent der globalen industriellen Wertschöpfung.

Studie fordert Industriepolitik auf europäischer Ebene

Damit das gelingt, fordert die Zukunftsstudie eine Industriepolitik auf europäischer statt auf nationaler Ebene. Die Förderung solle von Pilotprojekten zu wenigen großen, mehrjährigen Programmen für den Ausbau im industriellen Maßstab wechseln. Dazu kämen Reallabore, schnellere Zertifizierungen und Planungssicherheit über Wahlperioden hinaus bei Energie, Verteidigung, CO₂-Speicherung und KI. Neu vorgeschlagen werden ein Quantum Act und ein Physical AI Act für Robotik.

China habe sieben der 14 Felder als Zukunftsindustrien eingestuft, mit dem Ziel der Weltmarktführung bis 2035. Die USA förderten zehn der 14 Felder mit Regierungsprogrammen. „Politik und Industrie müssen an einem Strang ziehen”, sagt Felix Mogge, Senior Partner bei Roland Berger.

Unternehmen rät die Studie zu langfristigen Technologiewetten, zu Partnerschaften für gemeinsame Standards und zur Konzentration auf Systemintegration statt auf komplette Plattformen. Der Wettbewerb entscheide sich über Kosten pro Wirkung, Verfügbarkeit und Lebenszykluskosten, nicht über technische Perfektion. Das Zeitfenster, in dem sich Unternehmen positionieren können, sei jetzt offen, werde sich aber schließen.

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