Europas Brandfläche steigt bei 3,6 Grad auf fast das Dreifache

KLIMAWANDEL · 15. SEPTEMBER 2026

Waldbrandfläche in Europa könnte sich bis 2100 fast verdreifachen

Bei ungebremsten Emissionen brennt in Europa bis zum Ende des Jahrhunderts jedes Jahr 192 Prozent mehr Fläche als heute. Das errechnet ein Team des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Bleibt die Erwärmung bei rund 1,8 Grad, wächst die Waldbrandfläche in Europa um 39 Prozent. In absoluten Zahlen: Statt rund 1,8 Millionen Hektar pro Jahr brennen dann 2,6 Millionen Hektar, im Hochemissionsfall 5,3 Millionen. Mitgezählt sind dabei neben Wald auch Gras- und Weideflächen.

Für die Projektion koppelte das Team zwei Feuermodelle an das Vegetationsmodell LPJmL und rechnete fünf Klimamodelle durch. „Der Klimawandel treibt die Feueraktivität in ganz Europa nach oben", sagt Maik Billing, Erstautor der Studie am PIK. Bei 3,6 Grad Erwärmung trifft es vor allem den Mittelmeerraum sowie West- und Mitteleuropa.

Brände erreichen künftig auch Westdeutschland und die Niederlande

Im Hochemissionsfall wächst die Brandfläche in weiten Teilen Süd-, West- und Mitteleuropas um 200 bis 300 Prozent, in einzelnen Gebieten noch stärker. Die größten Zuwächse liegen in Mittelgebirgen und Vorgebirgen: Alpen, Pyrenäen, Zentralmassiv, Sierra Nevada, Karpaten und Balkan. In Teilen Westdeutschlands und der Niederlande brennt es künftig regelmäßig, wo es bislang kaum Feuer gab.

Vier Europakarten zeigen die projizierte Veränderung der Waldbrandfläche in Europa bis 2100 in zwei Modellen und zwei Emissionsszenarien
Veränderung der jährlichen Brandfläche zwischen den Zeiträumen 2000 bis 2030 und 2070 bis 2100. Obere Reihe: Modell SPITFIRE, links bei rund 1,8 Grad Erwärmung, rechts bei rund 3,6 Grad. Untere Reihe: Modell BASE, das wachsende Löschkapazitäten mitrechnet. Schwarz markiert Gebiete, in denen Feuer neu auftreten. Grafik: Billing et al. 2026, Global Change Biology, CC BY 4.0

Die beiden Feuermodelle liefern dabei unterschiedliche Bilder. SPITFIRE bildet Zündung, Ausbreitung und Brandwirkung physikalisch ab, rechnet aber keine wachsende Löschkraft ein. BASE schätzt genau die über den Entwicklungsstand eines Landes mit, gemessen am Index der menschlichen Entwicklung.

Deshalb färben sich die unteren beiden Karten vielerorts blau. Im BASE-Modell geht die Brandfläche bei striktem Klimaschutz zurück, im Hochemissionsfall bleibt sie ungefähr auf heutigem Niveau. Die 39 und die 192 Prozent stammen dagegen aus SPITFIRE, also aus dem Modell ohne besseres Feuermanagement.

Hitze und Trockenheit entscheiden über die Größe eines Feuers

In beiden Modellen gibt dasselbe den Ausschlag: die Kombination aus Hitze, Trockenheit und Wind. Fachleute fassen sie als Feuerwetter zusammen (mehr dazu im Beitrag zum Feuerwetter-Index). Bevölkerungsdichte und Landnutzung wirken deutlich schwächer und regional unterschiedlich.

Wie extrem Feuerwetter inzwischen wird, zeigte im Sommer 2026 ein Großbrand bei Bordeaux. Er erzeugte ein eigenes Gewitter, dessen Blitze kilometerweit entfernt neue Feuer zündeten (mehr dazu: Pyrocumulonimbus: Wenn das Feuer sein eigenes Gewitter erzeugt). Mehr als 42.000 Hektar brannten dort in fünf Tagen, rund 220.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Cleanthinking hatte im August ein Apollo-News-Video zu Waldbränden geprüft, das die hohe Zahl menschlich verursachter Zündungen als Gegenargument zum Klimawandel benutzte. Billing und sein Team liefern dazu nun Zahlen: Nicht die Zündquelle bestimmt, wie groß ein Feuer wird, sondern das Wetter, auf das es trifft.

Europas Feuerwehren können den Anstieg deutlich bremsen

Liniendiagramme zur jährlichen Brandfläche in Europa bis 2100, mit und ohne besseres Feuermanagement
Jährliche Brandfläche in Millionen Hektar, oben bei rund 1,8 Grad Erwärmung, unten bei rund 3,6 Grad. Orange: Modell SPITFIRE ohne besseres Feuermanagement. Schwarz: Modell BASE, wenn Europas Löschkraft auf dem Stand des Jahres 2000 stehen bleibt. Türkis: BASE, wenn sie sich weiter verbessert. Grafik: Billing et al. 2026, Global Change Biology, CC BY 4.0

Verbessert Europa Prävention, Früherkennung und Löschtechnik weiter, fällt die Brandfläche bei 1,8 Grad Erwärmung um 92 Prozent niedriger aus als bei gleichbleibender Löschkraft. Bei 3,6 Grad sind es noch 72 Prozent. Auf rund 55 Prozent der untersuchten Fläche wächst die Brandfläche im Hochemissionsfall aber auch dann weiter.

Europa müsse deshalb mehr in Ausbildung, Ausrüstung und Koordination der Feuerwehren investieren, sagt Thomas Hickler, Koautor am Senckenberg-Zentrum. Wo die Eindämmung bei sehr großen Feuern an ihre Grenze stößt, weiss bislang niemand. Die Autorinnen und Autoren halten ihre eigenen Management-Zahlen deshalb für womöglich zu optimistisch.

Europa steckt bereits in einer erneut schweren Waldbrandsaison. Bis zum 12. August 2026 brannten in der EU rund 550.000 Hektar, meldet das EU-Waldbrandinformationssystem EFFIS. Das ist gut zweieinhalbmal so viel wie sonst bis Mitte August im Schnitt der vergangenen 20 Jahre.

Sinkende Emissionen und wachsende Löschkapazitäten halten die Waldbrandfläche in Europa in den Modellen niedrig. Bleiben die Emissionen hoch, stoßen auch gut ausgerüstete Feuerwehren an ihre Grenzen.

QUELLEN

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  1. Global Change Biology: Future Projections of Burned Area in Europe Highlight the Importance of Human Action, 20.08.2026.
  2. Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Die von Waldbränden betroffene Fläche in Europa könnte sich aufgrund des Klimawandels fast verdreifachen, 20.08.2026.
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