Zwilling von Bollingstedt startet in Schuby · 14. OKTOBER 2026
Eco StorEco Stor testet den Batteriespeicher Schuby am Übertragungsnetz
Eco Stor hat in Schuby im Kreis Schleswig-Flensburg die technische Inbetriebnahme eines Speichers mit 103,5 Megawatt und 238 Megawattstunden begonnen. Die Anlage hängt direkt an der Höchstspannung von Tennet, finanziert hat sie die Nord/LB.
Beim „Speichertag Schuby“ feierte das Cleantech-Unternehmen den Start mit Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) und Vertreter*innen von Tennet, Gemeinde und Projektpartnern. Vor dem Umspannwerk stehen 64 weiße Batteriecontainer zwischen Feldern. „Das ist Deutschlands erster Großspeicher am Übertragungsnetz“, zitiert die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung Eco-Stor-Geschäftsführer Georg Gallmetzer. Hinter dem Batteriespeicher Schuby stehen Eco Stor und der Projektpartner EPW GmbH.
Gebaut hat Eco Stor seit dem Frühjahr 2025, inzwischen sind Anlage und Netzanschluss fertig. Nun prüft das Unternehmen Schritt für Schritt Komponenten, Anlagensteuerung und das Zusammenspiel mit dem Stromnetz. Dazu gehören Tests, technische Nachweise und Netzstudien. Den regulären Betrieb erwartet Eco Stor zum Jahreswechsel 2026/27, die Landeszeitung nennt 2027.
Seit Ende 2025 vermarktet das Schweizer Energieunternehmen Alpiq die Speicherkapazität über einen Tolling-Vertrag mit fünf Jahren Laufzeit. Eco Stor bekommt dafür planbare Einnahmen, Alpiq setzt den Speicher für Regelleistung und den Stromhandel ein. Auf dieser Grundlage finanziert die Nord/LB das Projekt, teilt Eco Stor mit. Den Zwillingsspeicher in Bollingstedt hat Alpiq im August gekauft, Eco Stor führt dort weiter den Betrieb.
Die Norddeutsche Landesbank aus Hannover gehört zur Sparkassen-Finanzgruppe und hat nach eigenen Angaben mehr als zehn Batteriespeicherprojekte und -portfolios in Europa finanziert. Senior Director Florian Hock nennt den Tolling-Vertrag ein „sicheres und bankfähiges Finanzierungsmodell“. Solche Projekte ließen sich inzwischen mit privatem Kapital und ohne Subventionen umsetzen, sagt Eco-Stor-Finanzchef Jörn Rohland.
Eco Stor verbaut im Batteriespeicher Schuby 212.992 Zellen
Die Zellen sitzen in 512 Batterieschränken, je acht Schränke bilden eine der 64 Batteriestationen. Dazu kommen laut Nord/LB 32 Wechselrichter-Systeme, die den Gleichstrom der Batterien in netzfähigen Wechselstrom umwandeln, und ein eigenes Umspannwerk. Zweimal am Tag soll die Anlage laden und entladen, so plant es Eco Stor.
Eco Stor will mit dem Speicher Primär- und Sekundärregelleistung anbieten, also die Reserve, mit der Netzbetreiber die Frequenz von 50 Hertz halten. Dazu kommt der Stromhandel für den Folgetag und innerhalb des laufenden Tages. Geplant sind Blindleistung, mit der Netzbetreiber die Spannung stützen, und ein schwarzstartfähiger Betrieb: Nach einem Stromausfall könne der Speicher helfen, das Netz wieder hochzufahren.
| Von der Zelle zur Anlage | Anzahl / Wert |
|---|---|
| Batteriezellen | 212.992 |
| Batterieschränke (je 416 Zellen) | 512 |
| Batteriestationen (je 8 Schränke) | 64 |
| Wechselrichter-Systeme | 32 |
| Leistung | 103,5 MW |
| Kapazität | 238 MWh |
| Lade- und Entladezyklen pro Tag (Planwert) | 2 |
Quelle: Eco Stor, Projektseite Schuby; Wechselrichter-Systeme: Nord/LB. Zellen je Schrank und Schränke je Station rechnerisch.
Eco Stor begrenzt die Einspeisung bei hoher Netzlast
Technisch ist Schuby baugleich mit dem Speicher in Bollingstedt, den Eco Stor seit 2025 betreibt. Der Zwilling hängt an der Hochspannungsleitung von SH Netz, Schuby direkt an der Höchstspannung von Tennet, also am Übertragungsnetz, das Strom über weite Strecken transportiert. Durch Schuby führt Tennets 380-Kilovolt-Leitung „Mittelachse“ von Hamburg zur dänischen Grenze.
In Bollingstedt verbindet eine flexible Netzanschlussvereinbarung, die Eco Stor mit dem Netzbetreiber entwickelt hat, die Fahrweise am Markt mit den Anforderungen des lokalen Netzes. Für den Batteriespeicher Schuby hat Eco Stor mit Tennet und SH Netz eigene Regeln aufgestellt, die das Unternehmen „netzneutrale Leitplanken“ nennt. Ist das lokale Netz bereits stark ausgelastet, drosselt Eco Stor die Einspeisung. Fällt vor Ort viel erneuerbarer Strom an, lädt Eco Stor die Batterien.
So will das Unternehmen vorhandene Netzkapazität besser nutzen und zusätzlichen Netzausbau für den Anschluss vermeiden oder begrenzen. Tennet-Deutschlandchef Tim Meyerjürgens hält es für entscheidend, dass Speicher „netzdienlich betrieben und frühzeitig in die Netzplanung integriert werden“. Der Anschluss ans Übertragungsnetz stelle besondere Anforderungen an Sicherheit und Widerstandsfähigkeit, teilt Gallmetzer mit. Gemeinsam mit Tennet entwickle und erprobe Eco Stor dafür Lösungen.
Schuby plant rund um das Umspannwerk einen Energiepark
Parallel zur Inbetriebnahme wird das Umspannwerk erweitert. Zwei Investoren haben laut Landeszeitung Interesse, dort Rechenzentren zu bauen. Kreis und Gemeinde haben die Planungsgrundlage für den Standort geschaffen, Bürgermeisterin Petra Schulze spricht von einem Energiepark Schuby. Seit dem Steuerjahr 2025 bleiben laut Eco Stor 90 Prozent der Gewerbesteuer von Speicheranlagen in der Standortgemeinde, für Wind- und Solarparks gilt das seit 2021.
Einen Großspeicher an der Höchstspannung baut auch BW ESS im sachsen-anhaltischen Klostermansfeld. Am 50Hertz-Umspannwerk Zirkelschacht entsteht ein Batteriespeicher mit 1.000 Megawatt Leistung und bis zu 5.700 Megawattstunden Kapazität. Das Umspannwerk liegt an der Trasse des SuedOstLink, der Speicher soll direkt in die Höchstspannungsebene einspeisen. In Betrieb gehen soll er voraussichtlich 2028.
QUELLEN
- Eco Stor und EPW GmbH: Speichertag Schuby: Batteriegroßspeicher startet in die technische Inbetriebnahme (Pressemitteilung), 12.10.2026.
- Schleswig-Holsteinische Landeszeitung: XXL-Batteriespeicher geht ans Netz, 14.10.2026, S. 4 (Print).