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Bürger-Energiewende: Wie der Stromwächter den Elektriker ersetzt

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Cleantech-Startup indielux ermöglicht Betrieb von Stecker-Solaranlagen ohne Elektriker und Zählerwechsel mit dem ready2plugin Stromwächter.

PV-Anlagen, die per Stecker vom Wechselrichter direkt mit dem Hausnetz verbunden werden, werden angesichts der Klima- und Energiekrise immer lukrativer und beliebter. Doch bislang ist der einfache Anschluss solcher Balkonkraftwerke ohne Elektriker-Hilfe nur bis zu einer Wechselrichter-Leistung von 600 Watt normenkonform erschwinglich. Und: Unverbrauchter Strom wird ins öffentliche Stromnetz „verschenkt“. indielux ändert das nun. Macht der reday2plugin Stromwächter den Elektriker überflüssig?

indielux hat in den vergangenen Wochen eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne für den ready2plugin Stromwächter durchgeführt und mehr als 700.000 Euro durch den Vor-Verkauf unterschiedlicher Produkte eingenommen. Auf den Markt kommen soll der Stromwächter im Frühjahr 2023. Ziel ist es, damit Stecker-Solaranlagen mit mehr als 600 Watt normenkonform nutzbar zu machen.

Heute bereitet vor allem die DIN VDE 0100-551 Probleme bei der Bewertung der rechtlichen Situation: Diese Norm verlangt, dass der „maximale Sicherungsstrom plus der Strom vom Steckersolargerät kleiner sein muss als die Stromtragfähigkeit der Leitung.“ Bedeutet in der Praxis: Vor Anschluss einer Stecker-Solaranlage mit 600 Watt, die genau diese Leistungsreserve ausnutzen soll, muss ein Elektriker diese überprüfen. Gibt er nach dem E-Check sein okay, kann die Mini-Solaranlage angeschlossen werden.

Wird die Leistungsreserve nicht überprüft, kann es bei einem Brand theoretisch sein, dass Versicherungen sich weigern, die Kosten zu übernehmen. Ein solcher Fall ist uns in der Praxis aber bislang nicht bekannt geworden.

Mit dem Stromwächter nutzt indielux nun die Möglichkeiten der Norm geschickt aus. Diese erlaubt den Anschluss einer entsprechenden Stromerzeugungseinrichtung, wenn es eine „sichere Kommunikation zwischen dieser und der netzseitigen Schutzeinrichtung“ gibt. Genau an diesem Punkt setzt Stromwächter an – und ermöglicht laut indielux den Anschluss von Solaranlagen mit bis zu 3.800 Watt.

Wieland-Einspeisesteckdose nicht mehr nötig

Ungelöst ist dann aber eine andere Schwierigkeit: Der VDE empfiehlt derzeit die Nutzung einer Wieland-Einspeisesteckdose. Vorteil: Diese hat keine berührbaren Kontakte im Vergleich zum Schuko-Stecker. Allerdings verfügt ein Balkon-Solarmodul über einen Wechselrichter, der innerhalb von Millisekunden die Arbeit einstellt, wenn er vom Netz getrennt wird. Trotzdem: Wer sich komplett normengerecht verhalten will, muss die normale Steckdose durch eine Einspeisesteckdose austauschen.

Doch auch hierfür bietet die Lösung, die indielux unter der Marke ready2plugin vertreibt, eine Antwort: Weil der Stromwächter in Echtzeit den Stromverbrauch und die Einspeisung von der Solaranlage überwacht, ist die Einspeisung von bis zu 1.800 Watt – also die volle Ausnutzung der Leistungsreserve – möglich.

Stromwächter sorgt für Nulleinspeisung

Und der Stromwächter übernimmt noch eine weitere Funktion: Er reduziert die Leistung des Wechselrichter, wenn Netzeinspeisung droht. Dadurch ergibt sich: Keine Einspeisung ins öffentliche Stromnetz mehr möglich. Im Fall dieser Nulleinspeisung kann auch selbst ein herkömmlicher Zähler ohne Rücklaufsperre nicht mehr rückwärts drehen. Denn dieses Rückwärts-Drehen ist in Deutschland verboten.

Da die Stromzähler in Deutschland aber saldierend sind, wird der eingespeiste Strom trotzdem auf alle Verbraucher verteilt, die auf den drei Phasen angeschlossen sind. Das hat mit dem physikalischen Prinzip vom geringsten Widerstand zu tun. Der Strom, der nicht verbraucht werden kann, wird also nicht mehr ins Stromnetz verschenkt und bereitet dem Netzbetreiber in seinen Bilanzen möglicherweise Probleme, sondern wird gar nicht erst erzeugt.

Mehr Leistung mit Steckdosen-Speicher

Wie viel Leistung einer Stecker-Solaranlage ein Haushalt nutzen kann, hängt von vielen Faktoren ab. Natürlich von der Ausrichtung der Anlage: Zeigt diese nach Osten, ist die Erzeugung am Morgen besonders hoch. Wer dann kocht oder die Wäsche wäscht, kann mehr Strom nutzen als jemand, der zur Mittagszeit kocht. Für den ist wiederum eine Südanlage von Vorteil.

Mehr Leistung nutzbar machen ist aber für die Wirtschaftlichkeit der Stecker-Solaranlage entscheidend. Daher bietet indielux künftig einen Stromspeicher (Lithium-Eisenphosphat) an, der über die Steckdose angeschlossen werden kann. In dieser Kombination können bei richtiger Auslegung 60 Prozent des Haushaltsstroms über die Anlage erzeugt werden. Der Stromwächter kommuniziert wiederum mit dem Speicher – erst wenn dieser voll ist, wird zusätzliche Einspeisung unterbunden.

Mit dem Steckdosenspeicher ist es dann, laut indielux, möglich, Solarmodule mit bis zu 3.800 Watt anzuschließen. Eine Studie der HTW Berlin zeigte, dass solche Anlagen besonders für ländliche Eigenheime genutzt werden. indielux erleichtert den Aufbau der Solaranlage, und ersetzt den Elektriker. Das kann die Energiewende entscheidend voranbringen, weil es derzeit schwierig und teuer ist, überhaupt einen Elektriker oder Solarteur zu finden.

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Beispiel einer ready2plugin-Anlage

In de Kickstarter-Kampagne von indielux war eine solche Produktkombination besonders beliebt: 34 mal verkaufte das Berliner Unternehmen das Produkt „ready2use Hybrid: Solar + Speicher“ für 8.200 Euro. Dieses enthält folgende Komponenten:

  • Steckersolargerät (10 Module, insgesamt 3.800 Watt) mit 4,8-kWh-Speicher (LiFePO4)
  • inklusive Hybrid-Wechselrichter
  • und Solarmodul-Befestigungssystem (Aufständerung, Dachbefestigung)
  • ready2plugin Einspeisewächter
  • Anschlussleitung (Wieland oder Schuko)

In den kommenden Monaten sind große Preissprünge bei Stromverträgen zu erwarten. Neben der Weitergabe von Erzeugungskosten, ist auch von einer Erhöhung der Netzumlage auszugehen. Genau diese Entwicklung macht es so attraktiv, sich mit der indielux-Lösung zu beschäftigen. Die Bürger-Energiewende kann so entscheidend beschleunigt werden.

Denn eine eigene Photovoltaikanlage, die auf den Eigenverbrauch optimiert wird, kann sich innerhalb von zehn Jahren rechnen, behauptet indielux. Und anschließend ist der Strom aus der Anlage kostenlos. Eine Alternative ist eine „echte“ Dachanlage, die zur EEG-Einspeisevergütung angemeldet wird.

Ein typisches Balkonkraftwerk besteht typischerweise aus zwei Solarmodulen und kostet zirka 1.000 Euro (Beispiel hier). Weitere Infos zu Balkonkraftwerken.

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% S Kommentare
  1. Michael Brod sagt

    Warum sollte ich ein Gerät kaufen, um die Leistung des Wechselrichters zu reduzieren? Da verschenke ich den Strom lieber. Ist für mich preiswerter und der Stromversorger des Nachbarn freut sich. Für das Rückwärtsdrehen des alten Zählers ist der örtliche Netzbetreiber als grundzuständiger Messstellenbetreiber verantwortlich, wenn ihm der Betrieb eines Balkonkraftwerks angezeigt wurde. Der Netzbetreiber ermöglicht dann den Betrug am Reststromlieferant des Letztverbrauchers, der so ein Modul betreibt.

  2. jogi54 sagt

    Als Elektroing. graust es mir da.
    3800W => 16,5A, die allermeisten Schukosteckdosen halten mit Mühe 10A Dauerstrom aus und oft sind nur 1,5mm² Leitungen verbaut, für die 10A Dauerstrom auch die Grenze ist.
    Bei 600W allermeistens kein Problem, bei 3,8kW aber sehr wohl.

    Nur mal soooo

    1. Drunda Nibel sagt

      An Schukosteckdosen sollen nur bis zu 1.800 W eingespeist werden können.

      Die 3.800 W beziehen sich nach meinem Verständnis zum einen auf die maximale interne Leistung von Kombipaketen, bestehend aus Stromgenerator mit Speicher (vgl. https://www.kickstarter.com/projects/indielux/ready2plugin-der-schlussel-fur-den-eigenen-solarstrom?), und zum anderen auf die maximale Leistung bei Einspeisung über eine Wieland-Steckdose.

  3. Hans sagt

    Wer installiert den notwendigen Energiezähler den der Stromwächter braucht?
    Die Überschrift ist falsch, ohne Elektriker geht garnichts.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Hallo Hans,

      es ist im Beitrag erklärt, warum kein neuer Stromzähler notwendig ist.

      VG von Martin

      1. Drunda Nibel sagt

        Nein, Hans hat schon Recht:

        Was im Beitrag nicht explizit erwähnt wird (auf https://www.ready2plugin.com/technologie aber schon), ist der zusätzlich benötigte intelligente Messzähler bzw. „Stromsensor“, mit dem der Einspeisewächter permanent kommunizieren muss, um aus der aktuellen Strombelastung der Eispeisephase laufend die sog. Leitungsreserve zu ermitteln. Das können die heutzutage durch den Netzbetreiber installierten Zähler i.a.R. noch nicht leisten.

        Das braucht zwar „nur“ ein smarter Klappwandler zu sein, der sich mit einer Smart-Home-Zentrale verbinden und theoretisch recht einfach installieren lässt. Trotzdem muss dafür im Stromanschlusskasten die Außenummantelung des betreffenden Kabels abisoliert werden, was – eigentlich – nur ein Elektriker darf. Auf diese Tatsache geht indielux bisher meines Wissens auch noch nirgends ein und setzt das einfach als eine externe Komponente voraus, die man ohnehin schon irgendwie haben muss.

        1. Martin Jendrischik sagt

          Nein. Es gibt kleine Sensoren, die einfach nur aufgesetzt werden. Das braucht weder Elektriker noch Schraubenzieher.

          Viele Grüße,
          Martin

  4. Klaus sagt

    Im Osten geht aber die ☀️ auf 😅

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