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Disruption: Wie sich die Revolution der Solarenergie exponentiell beschleunigt

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Vergessen Sie alles, was Sie bislang über die Solarenergie wissen – die disruptive, exponentielle Entwicklung ändert alles.

Saubere Technologien (Cleantech) sind der entscheidende Schlüssel, um die Klimakrise bzw. die globale Erderwärmung abzuwenden bzw. auf ein für den Mensch ertragbares Niveau abzumildern. Als wichtigste Ressource im Mittelpunkt steht die Energieerzeugung – und mit der Solarenergie eine Technologie, die heute schon in vielen Regionen günstiger ist als der alleine der Betrieb von Kohle- und Gaskraftwerken. Wir stehen am Anfang einer disruptiven, exponentiellen Entwicklung.

Die durch die Solarenergie ausgelöste Revolution der Energieerzeugung ist die dynamischste Disruption, die die Welt je erlebt hat. Unter Disruption versteht man einen Prozess, bei dem ein existierendes Geschäftsmodell oder ein ganzer Markt durch eine stark wachsende Innovation abgelöst bzw. zerschlagen wird. Die Solartechnologie, kombiniert mit Wind und Speichern, ist gerade dabei, Kohle- und Gaskraftwerke vollständig unretabel zu machen und abzulösen.

Klarstes Anzeichen für die Disruption im Bereich Photovoltaik ist der Preisverfall der Solarmodule. Kostete ein Solarmodul pro Watt 1977 stolze 77 Dollar, so hat sich der Preis bis 2017 auf 0,30 Dollar je Watt reduziert. Doch diese Entwicklung ist noch lange nicht beendet, wie Investor und Marktexperte Ramez Naam im untenstehenden Video bestätigt: Er rechnet in den kommenden zehn Jahren mit einem weiteren Rückgang auf 10 Cent pro Watt.

Keynote von Ramez Naam über die Disruption von Solarenergie und Batteriespeichern.

Die Entwicklung in der Vergangenheit hat heute Auswirkungen auf den Energiemarkt. In vielen Teilen der Welt sind Solarkraftwerke günstiger als neue Gas- und Kohlekraftwerke, die Strom für ca. 6 Cent pro Kilowattstunde erzeugen. Solarkraftwerke beispielsweise in Indien sind in 4 Jahren um den Faktor 4 günstiger geworden – aktueller Preis ist um die 3,8 Cemt je Kilowattstunde.

In Mexiko wurde 2019 das günstigstes Solarkraftwerk gebaut – mit einem Preis von ungefähr 3 Cent je Kilowattstunde. Aber auch dieser Rekordwert ist bereits wieder unterboten: In Chile gewann der Bieter die Auktion, der Energie aus Photovoltaik für 2,15 Cent je Kilowattstunde bot. Die Kosten für Solarenergie entsprechen heute somit in vielen Regionen 1/3 der Kosten für Kohlestrom und einem Viertel der Kosten für Gas.

Gebot in Solarauktion: 1,35 Cent/kWh

Seit 28. April 2020 sind auch diese niedrigen Preise für Solarkraftwerke Makulatur. Abu Dhabi Power Corporation gab bekannt, für einen Solarpark ein Gebot von sagenhaften 1,35 Dollar-Cent pro Kilowattstunde erhalten zu haben. In der Al Dhafra Region entsteht derzeit einer der größten Solarparks der Welt, der bis Mitte 2022 vollständig am Netz sein soll. Neben den Vereinigten Arabischen Emiraten bauen auch China, Ägypten und Indien Solarparks, mit einer Leistung von mehr als einem Gigawatt.

Die Zeiten, in denen Photovoltaik nur durch Subventionierung und garantierte Einspeisevergütungen in den Markt kam, sind in weiten Teilen der Welt vorbei. Vergessen Sie daher diese Situation der Vergangenheit, und was Sie über Solarenergie wissen. Die Lage ändert sich gerade in atemberaubenden Tempo komplett.

Die Corona-Krise, der Preisverfall beim Öl und Gas, trägt zusätzlich zur Beschleunigung bei: In den USA mussten in den vergangenen Jahren bereits mehr als zehn große Kohleunternehmen Insolvenz anmelden. Öl- und Fracking-Unternehmen werden in den kommenden Monaten folgen. Indien und China beispielsweise haben 2019 bzw. 2020 den Bau bereits im Bau befindlicher Kohlekraftwerke gestoppt und wollen die Lücke durch billige Solar- und Windenergie füllen.

Sogar in Deutschland, einem Land das nicht als sonnenreich und somit prädestiniert für Solarenergie gilt, gehen mittlerweile die Gebote auf vier bis fünf Eurocent zurück – ohne Subventionen. Deutschland hat entscheidend dazu beigetragen, die Photovoltaik salonfähig und günstiger zu machen – ein Resultat sind die höchsten Strompreise in Europa, weil die nicht ideale Photovoltaik-Ernte hierzulande mit höherer Förderung als anderswo dazu beigetragen hat.

Aber: Selbst hier beginnt nun die nächste Phase, weil mittlerweile die ganze Welt zur weiteren Preisreduktion der Solarmodule beiträgt. Von den noch deutlich günstigeren Gestehungskosten in Spanien oder Portugal oder Nordafrika beispielsweise wird Deutschland in Zukunft indirekt profitieren: Durch den Import von günstigem, grünem Wasserstoff oder Methanol.

Solarenergie-Revolution stärkt die Schwächsten

Es ist bemerkenswert und passt zu den früheren Aussagen von Hermann Scheer oder Al Gore, dass die Solarenergie auch ein Stück Gleichheit und Demokratisierung verspricht: die Regionen, in denen perspektivisch Solarenergie am Günstigsten auf der ganzen Welt hergestellt werden kann, sind mit die ärmsten Regionen überhaupt – Afrika als Kontinent, aber auch Südamerika und Südostasien.

Die günstigen Energiepreise bzw. die Solarenergie-Disruption etwa in Spanien oder Portugal werden also zweierlei auslösen: Einerseits Industrie anlocken, die auf günstige und zuverlässige Energie angewiesen ist. Andererseits: Diesen Regionen die Chance bieten, die billige Energie in die Industrieregionen zu exportieren, damit beispielsweise die Stahl- und die Zementindustrie mit grünem Wasserstoff dekarbonisiert werden können.

Technologieentwicklung längst nicht abgeschlossen

Dabei ist die Technologoieentwicklung rund um die Solarenergie noch lange nicht abgeschlossen: Ein Sprung im Hinblick auf Effizienz ist durch innovative Heterojunction– oder Perowskit-Solarzellen zu erwarten. Bifaciale Module erweitern die Anwendungsbereiche der Solarenergie ebenso wie organische Solarzellen wie sie beispielsweise Heliatek aus Dresden herstellt. Auch Teslas Solardach wird zum Siegeszug der Solarenergie beitragen. Dienstleister wie Zolar oder Enpal machen Photovoltaikanlagen auf dem Hausdach attraktiv.

Neben Effizienzsteigerungen und weiteren Preissenkungen ermöglichen diese Technologien auch die weniger personalintensive Herstellung – bedeutet, dass zB in Deutschland wieder darüber nachgedacht wird, Photovoltaik-Fabriken im großen Stil aufzubauen. Auch, weil durch die Pandemie ein Ende der Total-Globalisierung zu erwarten ist – die Kontinente werden stark darauf achten, alle wichtigen Technologien über kurze Lieferketten verfügbar zu machen.

Letztlich spielt auch der gleichzeitige Preisverfall bei Windenergie, insbesondere durch Offshore-Windkraft, und bei Batterietechnologien eine wichtige Rolle. Selbst das Elektroauto führt dazu, dass zum Beispiel Unternehmen ihre Mitarbeiter-Parkplätze mit Solarcarports versehen und mindestens die Firmenflotte elektrifizieren.

Die Disruption der Solarenergie ist mehr als eine Revolution. Sie ist die dynamischste Marktumwälzung, die die Welt womöglich seit dem iPhone gesehen hat. Der weitere Preisverfall, die Potenziale in für Solarzellen idealen Regionen und viele andere Fakten sprechen dafür, dass der Siegeszug der Solarenergie viel rascher kommt als von sämtlichen Experten prognostiziert. Erst vor kurzem verkündete die Internationale Energie-Agentur – lange sehr skeptisch in Bezug auf Solarenergie -, sie gehe davon aus, dass Solarenergie die einzige Erzeugungsart werde in diesem Jahr, die zulegen könne. Die Gelegenheit ist günstig – greifen wir zu!

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% S Kommentare
  1. […] Kosten für Strom aus erneuerbaren Energien sind in den letzten zehn Jahren stark gesunken, was auf optimierte Technologien, Skaleneffekte, zunehmend wettbewerbsfähige Lieferketten und […]

  2. Ludwig Retzbach sagt

    Eine sehr erfreuliche Entwicklung! Leider wird hierbei immer wieder die Nachrüstung der Speichertechnologien vergessen, die parallel und in entspechenden Umfang zum Ausbau der volatilen Energieerzeugung aus Wind und Sonne erfolgen müsste.
    Solange die Grundlast vorwiegend aus atomarer und thermischer Energierzeugung stammt, sollte man noch nicht von disruptiven Entwicklungen reden.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Die Entwicklung der Batteriespeicher verläuft ebenfalls disruptiv. Gleichzeitig kommt eine Fülle neuer Speichertechnologien auf den Markt. Die Entwicklung hinkt der Solarentwicklung etwas hinterher, weil noch nicht in jedem Markt, die Speicherfrage so wichtig ist wie in Deutschland oder den USA. Da aber auch UK beispielsweise erstmals negative Strompreise hatte, geht es auch hier voran.

      Übrigens: Man muss schon Erzeugung mit Erzeugung vergleichen dürfen, denn bei aller Liebe für Grundlast – Kohle oder Atom sind nicht regelbar und haben daher auch ganz klare Nachteile.

  3. […]  >>> Lesen Sie hier den Originaltext! <<< […]

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