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EWE und Japaner testen Energiewendespeicher mit 22,5 Megawattstunden

Energiewendespeicher auf Basis unterschiedlicher Batterie-Technologien würde reichen, um alle Haushalte in Varel fünf Stunden lang mit Energie zu versorgen / Nach Testphase soll EWE-Tochter be.storaged den Stromspeicher weiter betreibenm

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Der norddeutsche Energieversorger EWE testet jetzt zusammen mit mehreren japanischen Unternehmen einen Energiewendespeicher mit 22,5 Megawattstunden. Der gigantische Batterie-Großspeicher kann alle Haushalte am Standort Varel für fünf Stunden mit elektrischer Energie versorgen. Wichtigere Aufgabe ist, Frequenz-Schwankungen im lokalen Stromnetz auszugleichen. Die Besonderheit neben der Größe ist auch, dass unterschiedliche Batterie-Technologien als Hybridlösung eingesetzt werden.

Um sowohl auf hohen Bedarf reagieren als auch längerfristig zwischenspeichern zu können, entschieden sich die beteiligten Partner beim Energiewendespeicher in Varel für eine Kombination aus Lithium-Ionen-Batterien mit Natrium-Schwefel-Batterien. Die weithin bekannten Lithium-Ionen-Batterien eignen sich dafür, viel Leistung abzugeben. Die Natrium-Schwefel-Batterien hingegen, sind besser für die längerfristige Speicherung der elektrischen Energie vorgesehen. Beide Batterietypen werden intelligent gemeinsam gesteuert.

Der Energiewendespeicher soll nun 18 Monate von EWE und den japanischen Partnern, u.a. zwei Unternehmen aus dem Hitachi-Konzern, getestet werden. Anschließend soll die EWE-Tochtergesellschaft be.storaged GmbH den Weiterbetrieb sicherstellen. Zuvor sollen aber wichtige Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie der Großspeicher mit dem Netz interagieren kann und wie er wirtschaft betrieben werden kann.

Die Investitionskosten lagen bei 27 Millionen Euro. Den größten Anteil davon bezahlte die Wirtschaftsförderungsbehörde Nedo aus Japan – der EWE-Konzern steuerte drei Millionen Euro bei. Am Standort Varel leben 24.000 Menschen, die mit dem Speicher für fünf Stunden versorgt werden könnten.

In der Region Nordwestdeutschland wird bereits heute doppelt so viel erneuerbare Energie erzeugt, wie sie lokal verbraucht wird. Langfristige Perspektive in Deutschland ist es also, diese Strommengen abzufangen und nicht etwa Windkraftanlagen aus dem Wind drehen zu müssen. Hierdurch entstehen den Energieverbrauchern derzeit jährlich Milliardenkosten, weil die Betreiber der Windkraftanlagen trotzdem Zahlungen erhalten.

Energiewendespeicher als Alternative oder Ergänzung zu Power-to-Gas

Bislang gelten Stromspeicher in dieser Größenordnung noch nicht als wirtschaftlich betreibbar, wenn sich sozusagen nur auf überschüssigen Wind verlassen wird. Daher gibt es auch Überlegungen, den überschüssigen Strom per Elektrolyse in Wasserstoff oder Methan umzuwandeln und ihn damit leicht transportabel und in anderen Bereichen, sektorenkoppelnd einsetzen zu können. Für die Power-.to-Gas-Technologie braucht es aber Rahmenbedingungen, die aktuell noch nicht existieren.

Bundesweit stammen rund 36 Prozent des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Wind- und Solarenergie. Mit dem steigenden Anteil von grünem Strom werden Frequenzschwankungen im Stromnetz absehbar weiter zunehmen. Der Hybridgroßspeicher steht im Nordwesten Niedersachsens in einer Region, in der jährlich doppelt so viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, wie dort verbraucht werden kann.

Der Energiewendespeicher soll Frequenzschwankungen im regionalen Stromnetz ausgleichen und so zur Netzstabilität beitragen. Damit erbringt er Systemdienstleistungen, die Netzbetreiber oder Betreiber von Windenergie- und anderen Erzeugungsanlagen an der Strombörse nachfragen können. Regelenergie wird heute von konventionellen Kraftwerken erzeugt, der Hybridgroßspeicher kann sie durch seine besondere Bauart sehr effizient und vielseitig zur Verfügung stellen.

Initiiert und unterstützt wurde das Kooperationsprojekt von der japanischen Wirtschaftsförderungsbehörde NEDO (New Energy and Industrial Technology Development Organization), mit weiterer Unterstützung vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung sowie dem EWE-Verband, dem Verband der Eigentümer des EWE-Konzerns mit Sitz in Oldenburg. Aufbau, Wartung und Betrieb der Speicheranlage übernehmen die japanischen Unternehmen Hitachi Chemical, Hitachi Power Solutions und NGK Insulators, zusammen mit Unternehmen des EWE-Konzerns.

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