Gasspeicher Jemgun: Bild EWE
Gasspeicher-Füllstand: YouTuber redet eine Katastrophe herbei
Die aktuellen Daten der Gasspeicher-Füllstände zeigen indes: Es gibt keine Mangel-Situation in diesem Winter 2026.
Der aktuelle Gasspeicher-Füllstand liegt bei rund 35 Prozent – droht Deutschland 2026 wirklich eine Gasmangellage? Während wir diese Frage bereits in einem ersten Beitrag zum Gasmarkt eingeordnet haben, liegt der aktuelle Füllstand der deutschen Gasspeicher bei rund 37,8 Prozent – laut DVGW ausreichend, um bei normaler Witterung bis mindestens Ende April zu kommen. Akute Krise? Nicht in Sicht. Bei YouTube klingt das derzeit völlig anders: Kanäle wie „Vermietertagebuch“ inszenieren seit Tagen eine angeblich unmittelbar bevorstehende „Katastrophe“. In diesem zweiten Teil geht es deshalb um eine nüchterne Analyse der Gasspeicher-Füllstände– und darum, Zahlen von alarmistischen Narrativen zu trennen.
Einordnung: Was sagen die Gasspeicher wirklich über die Versorgungslage?
Entscheidend ist zunächst, wie Gasspeicher überhaupt zu lesen sind. Der BR-Energieexperte Lorenz Storch weist darauf hin, dass Speicherstände nicht isoliert oder regional betrachtet werden dürfen, sondern immer im Kontext des gesamten deutschen und europäischen Gasnetzes. Deutschland verfügt über ein eng vermaschtes Fernleitungsnetz, das Gasströme flexibel in alle Richtungen lenken kann.
Einzelne Speicher mit niedrigen Füllständen sind daher für sich genommen kein Warnsignal – relevant ist der Gesamtfüllstand aller Speicher und die laufende Importfähigkeit. Zudem verfügt Deutschland im europäischen Vergleich über außergewöhnlich große Speicherkapazitäten, die als strukturelles Sicherheitsnetz wirken.
Besonders irreführend ist die Fokussierung auf einzelne kleine oder regional unbedeutende Speicher, wie sie in alarmistischen Beiträgen regelmäßig betrieben wird. In der deutschen Speicherübersicht zeigt sich, dass die größten Speicherstandorte weiterhin deutlich über 40 Prozent gefüllt sind und damit den Löwenanteil der tatsächlich verfügbaren Kapazität stellen.
Kleine Speicher mit niedrigen Prozentwerten können optisch dramatisch wirken, tragen aber nur marginal zur nationalen Versorgung bei. Wer aus solchen Einzelwerten eine angebliche nationale „Katastrophe“ ableitet, verzerrt bewusst die Größenverhältnisse.
Hinzu kommt ein weiterer struktureller Faktor: Der große österreichische Speicher Haidach, der größer ist als alle bayerischen Speicher zusammen, steht Deutschland zu rund 50 Prozent zur Verfügung – aktuell mit einem Füllstand von knapp 59 Prozent. Allein dieser Zugriff entspricht etwa zehn Terawattstunden verfügbarer Reserve. Gleichzeitig hat der ehemals zentrale Speicher Rheden durch veränderte Gasflüsse und neue Importstrukturen strategisch an Bedeutung verloren, was erklärt, warum seine Befüllung heute nicht mehr die gleiche Aussagekraft besitzt wie noch vor einigen Jahren. Auch diese Verschiebung wird in vielen Paniknarrativen systematisch ausgeblendet.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Die Gasspeicher liefern kein Indiz für eine unmittelbar drohende Versorgungskrise. Sie sind Teil eines flexiblen Gesamtsystems aus Speichern, Pipelines und LNG-Importkapazitäten, das kurzfristige Schwankungen ausgleichen kann. Die aktuell niedrigeren Füllstände erklären sich vor allem aus veränderten gesetzlichen Vorgaben zur Vorbefüllung und einem kalten Winter – nicht aus einer strukturellen Mangellage. Wer aus einzelnen Prozentzahlen apokalyptische Szenarien ableitet, ersetzt Analyse durch Dramatisierung.

Blick auf die großen Speicher: VNG, Uniper & RWE
Ein zentraler Fehler vieler Paniknarrative ist die verzerrte Fokussierung auf einzelne kleine Speicher mit niedrigen Prozentzahlen, als sei das repräsentativ für die gesamte Versorgungsarchitektur. Ein aussagekräftigerer Maßstab sind die großen Speicherstandorte, die zusammen einen erheblichen Teil der deutschen Speicherkapazität ausmachen – und damit für die nationale Versorgung deutlich relevanter sind.
Bei VNG Gasspeicher handelt es sich nicht um einen einzelnen Kavernenspeicher, sondern um ein Portfolio mehrerer Anlagen mit einer relativ hohen gesamten Arbeitsgas-Kapazität. Diese Gruppe von Speichern bildet zusammen einen der größeren volumengewichteten Puffer im deutschen System. Unter Berücksichtigung der verschiedenen Kavernen ergibt sich im Durchschnitt ein mittlerer Füllstand, der weiterhin deutlich über den Prozentwerten kleinerer Einzelspeicher liegt.
Ähnlich verhält es sich bei Uniper Energy Storage: Auch hier ist nicht ein einzelner Speicher gemeint, sondern eine Reihe von Speicherfeldern, die gemeinsam betrieben werden. Die aggregierten Füllstände dieser Uniper-Speicher bewegen sich im oberen Bereich des nationalen Durchschnitts – was unterstreicht, dass große Speichervolumina stabilere Puffer bilden und nicht in Kollektivpanik verfallen, nur weil kleine Speicher regional niedrig stehen.
Bei RWE Gas Storage GmbH ist die Logik dieselbe: Mehrere Speicher werden gemeinsam bilanziert, was dem Betreiber eine gewisse Diversifikation und Ausgleichsmöglichkeiten im System gibt. Der durchschnittliche Füllstand dieser Speicher liegt ebenfalls auf einem Niveau, das zeigt: Die großen volumetrischen Blöcke des deutschen Speicherparks sind – trotz saisonaler Abflüsse – nicht dramatisch „leer“, sondern tragen substantiell zur realen Versorgungssicherheit bei.
Wenn man die mittleren Füllstände dieser drei großen Speichergruppen – VNG, Uniper und RWE – zusammenfasst, ergibt sich ein Bild, das weit entfernt ist von einer systemischen Krise: Diese volumengewichteten Speicher befinden sich im Bereich deutlich über dem, was einzelne Alarmmeldungen suggerieren. Das zeigt, wie wichtig es ist, nicht nur einzelne Prozentwerte isoliert zu betrachten, sondern die absolute Kapazität hinter den Zahlen und die aggregierte Wirkung im gesamten Gasnetz.
Ein weiterer Punkt, der in der öffentlichen Debatte fast vollständig unterschlagen wird, ist die bewusste Speicherstrategie der Bundesregierung rund um den Gasspeicher-Füllstand. Nach den extrem teuren staatlichen Zwangsbefüllungen der Krisenjahre wurde das Regime gelockert: Statt Speicher im Sommer um jeden Preis auf über 90 Prozent zu füllen, wurde das Mindestniveau gesenkt. Der Hintergrund ist ökonomisch banal – der Markt bot Gas im Sommer zeitweise teurer an als im Winter. Eine staatlich verordnete Vollbefüllung hätte die Kosten für Verbraucher künstlich nach oben getrieben und Preissignale verzerrt. Genau darauf verweist auch der Energieexperte im BR-Interview: Der Staat wollte den Markt wieder stärker wirken lassen und vermeiden, erneut teuer gegen den Markt einzukaufen.
Dass diese Strategie nicht allen gefällt, ist ebenso nachvollziehbar – allerdings aus einem anderen Motiv heraus. Speicherbetreiber wie Uniper oder EWE drängen inzwischen auf eine staatlich finanzierte strategische Gasreserve, die ihnen garantierte Auslastung und stabile Erlöse sichern würde. Die Argumentation wird mit Versorgungssicherheit begründet, ökonomisch geht es jedoch vor allem um die Absicherung eines Geschäftsmodells, das durch geringere saisonale Preisspreads unter Druck geraten ist. Wenn Sommer- und Winterpreise näher zusammenrücken, verliert klassische Speicherarbitrage an Attraktivität. Die Forderung nach staatlichen Reserven ist damit weniger ein energiepolitischer Notruf – sondern ein industriepolitischer Verteilungskonflikt.
Gasspeicher-Füllstand: Bühne frei für das „Rechte Panik-Orchester“
Während Behörden, Netzbetreiber und Fachjournalisten nüchtern mit Zahlen arbeiten, bewerben sich auf YouTube täglich neue Protagonisten um einen Platz auf der großen Tournee der Empörungsökonomie. Jüngster Kandidat für das „Rechte Panik-Orchester“: der Kanal „Vermietertagebuch“. Inhaltlich folgt das Muster inzwischen zuverlässig: maximale Zuspitzung, minimale Datenkenntnis, maximaler Alarmismus – kombiniert mit geopolitischer Dramatisierung und einer Rhetorik, die eher an autoritäre Erzählmuster erinnert als an seriöse Analyse.
Ein besonders groteskes Beispiel liefert die Behauptung, Deutschland sei inzwischen zu „96 Prozent von Trump abhängig“. Diese Zahl stammt – stark verkürzt – aus einer Statistik zu LNG-Importen und bezieht sich ausschließlich auf den Anteil der USA an den deutschen LNG-Mengen, nicht auf die gesamte Gasversorgung. LNG wiederum macht nur einen Teil der deutschen Importe aus; der überwiegende Anteil kommt weiterhin per Pipeline aus Norwegen und den Niederlanden.
Aus „96 Prozent US-Anteil bei LNG“ eine „96-prozentige Abhängigkeit Deutschlands von Trump“ zu konstruieren, ist keine Ungenauigkeit mehr, sondern eine massive Verzerrung der Realität. So entstehen Paniknarrative: durch das bewusste Vermischen unterschiedlicher Bezugsgrößen, bis am Ende eine politisch verwertbare Schlagzeile steht.
Dazu behauptet „Vermietertagebuch“ wahrheitswidrig, die „Hälfte der deutschen Gasspeicher“ sei bereits gelb oder rot in der oben hereinkopierten Liste. Bitte was?
Nicht minder manipulativ ist die Fixierung auf einzelne bayerische Mini-Speicher mit niedrigen Füllständen, die dann als Beleg für eine angeblich drohende nationale Gaskatastrophe herhalten müssen. Prozentwerte werden emotional aufgeladen, ohne die zugrunde liegenden absoluten Speichervolumina zu benennen.
Besonders auffällig: Der für Süddeutschland hochrelevante Großspeicher Haidach, der größer ist als alle fünf bayerischen Speicher zusammen und an dem Deutschland rund 50 Prozent Zugriff hat, taucht in diesen Videos schlicht nicht auf – obwohl er aktuell bei rund 58 Prozent Füllstand liegt und damit allein mehrere Terawattstunden Sicherheitsreserve bereitstellt. Wer solche zentralen Fakten ausblendet, betreibt keine Analyse, sondern Dramatisierung.
Das Muster ist immer gleich: Kleine Speicher werden aufgeblasen, große Speicher ignoriert, relative Prozentzahlen aus dem Kontext gerissen, Importstatistiken verzerrt interpretiert. Heraus kommt kein realistisches Lagebild, sondern ein politisch aufgeladener Alarmismus. Genau deshalb ist es wichtig, diese Narrative konsequent zu dekonstruieren – und Zahlen wieder in ihren systemischen Zusammenhang zu stellen.
Die Kältefallen-Rhetorik
Wenn aktuelle Wetterdaten nicht ins Narrativ passen, wird auf kommende Extrem-Ereignisse verwiesen. So warnt Fritz Vahrenholt vor einer „Kältefalle“ infolge veränderter Großwetterlagen; der Begriff „Polarwirbel-Split“ fällt immer wieder in ähnlichem Kontext. Die ECMWF-Prognosen zeigen jedoch für die nächsten zwei Wochen keine Extrem-Kälte – auch nicht im Erzgebirge, das als Panik-Beispiel herhalten musste. Wer die Apokalypse immer in die Zukunft verschiebt, betreibt keine Analyse, sondern Angst-Rhetorik.
Am Ende bleibt eine doppelte Erkenntnis:
Erstens ist die aktuelle Versorgungslage kein Beleg für eine akute Gasmangellage, sondern Ausdruck eines Systems, das wetterabhängig, marktabhängig und geopolitisch verwundbar bleibt. Genau deshalb ist die eigentliche Lehre nicht, noch mehr Panik zu erzeugen oder neue fossile Abhängigkeiten zu zementieren – sondern die Abhängigkeit von Erdgas strukturell zu reduzieren.
Zweitens zeigt die Debatte, wie dringend eine faktenbasierte öffentliche Energiekommunikation gebraucht wird. Wer selektiv Prozentzahlen skandiert, Speichergrößen verschweigt und Importstatistiken verzerrt, löst kein Problem, sondern produziert Reichweite auf Kosten von Vertrauen.
Die strategische Antwort liegt nicht im Rückfall in fossile Sicherheitsfantasien, sondern in der konsequenten Transformation: schnellere Elektrifizierung von Wärme und Verkehr, beschleunigter Ausbau von Wind und Solar, systemische Speicherlösungen, flexible Netze, Effizienzsteigerung im Gebäudebestand und der schrittweise Ersatz von Erdgas durch Strom, Wärmepumpen, perspektivisch grünen Wasserstoff und synthetische Moleküle dort, wo Elektrifizierung nicht direkt möglich ist. Jede Kilowattstunde, die nicht mehr mit Gas erzeugt oder verheizt wird, senkt Importabhängigkeit, Preissensitivität und geopolitische Verwundbarkeit.
Wer heute seriös über Versorgungssicherheit und den Gasspeicher-Füllstand einzelner Speicher spricht, muss daher nicht fragen, wie wir das nächste Gasjahr überstehen – sondern wie schnell wir das fossile System hinter uns lassen. Die eigentliche Sicherheit entsteht nicht durch immer neue Reservekapazitäten, sondern durch ein robustes, elektrifiziertes, heimisches Energiesystem. Genau hier entscheidet sich, ob Deutschland vom permanenten Krisenmodus in eine Phase struktureller Stabilität kommt.
Lesen Sie auch:
- Öko-Anarchisten: Warum die mutmaßlichen Saboteure keine Klimaschützer sind
- Kraftwerksstrategie: Fossile Autobahn bis 2045 statt Wasserstoff-Brücke

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.
[…] im Winter 2026 ein bestimmendes Thema in sozialen Medien und bei rechten Nachrichtenportalen. Die Gasspeicher seien bedenklich leer, Deutschland stehe vor einem Versorgungsproblem, die Energiewende habe […]
[…] fossiles Panik-Orchester aus YouTube-Kanälen wie Outdoor Chiemgau, Politik mit Kopf, Vermietertagebuch oder Aktien mit Kopf vor einer „nicht mehr abwendbaren Gasmangellage 2026″. Goldhändler […]
Die Realität heute (20.02.2026) sagt folgendes: An diesem Wochenende wird die 20% Marke unterschritten und der größte aller Deutschen Gasspeicher Rehden ist dann unter 6% !
Kein Kommentar.
Hingegen der Kommentar der BnetzA:
Obwohl der Lobbyverband INES von einem „historisch niedrigen Niveau“ und einer „strukturellen Schwäche“ der Wintervorsorge spricht, sieht die Bundesnetzagentur kein Indiz für eine Gasmangellage.
Diese Europäische Ausschreibung nach Regelenergie hier spricht hingegen andere Worte:
https://www.tradinghub.eu/de-de/
Aber die Mainstreammedien wollen uns immer noch dumm halten!
Kann sein, wenn das angekündigte frühlingshafte Wetter sich längerfristig hält, daß es gerade so haarscharf reicht, aber längerfristige Wetterprognosen sind per se immer unsicher.
Es wird wohl ein Russisches Roulette Spiel werden, womit keinesfalls Putin gemeint ist.
Lieber Ulf,
das INES-Zitat ist aus dem November und wurde hierdurch im Januar relativiert: „INES-Gas-Szenarien: Mildere Witterung entschärft Lage – strukturelle Risiken bleiben bestehen.“
20 Prozent Speicherfüllstand im Durchschnitt ist kein technisches Signal. Experten wie Vahrenholt haben behauptet, ab 30 Prozent Speicherfüllstand gäbe es Probleme. Das ist falsch. Für den Druck in den Speichern sorgt im Kern das sogenannte Kissengas, das aber bei den Füllständen nicht mitgezählt wird.
Über die geringe Bedeutung des Gasspeichers Rehden habe ich in zwei Artikeln hier und dort berichtet.
Die BNetzA hat recht: Keine Indizien für eine Gasmangellage. Genau deshalb berichten die Mainstream-Medien, das, was Fakt ist und einigen Lautsprechern aus dem rechten Panik-Orchester nicht gefällt.
Die Prognose des DVGW ist nach wie vor ziemlich gut: Ende April dürften wir bei ca. sieben Prozent Restspeicherfüllstand landen. Das sind dann immer noch 20 Terawattstunden und somit eine ganze Menge.
Entspannte Grüße,
Martin Jendrischik
Hallo, Martin,
Du hast recht, wenn es dan ganzen April so warm bleibt, wie für kommende Woche prognostiziert. Du hast aber nicht recht, wenn es im April und oder März noch einmal deutlich kälter werden sollte.
Die Aussage, daß es bis Ende April reicht, stimmt nämlich nur bei einem durchschnittlichen täglichen Speicherrückgang von 20/37 = rund 0,5% oder weniger.
Vor allem aber bezweifele ich, daß Anfang März der tägliche Speicherzulauf dann so wie nötig größer wird, als die Entnahme.
Wenn das Wetter mitspielt, kann es knapp gut gehen. Wenn im April oder März nochmal eine Kältewelle kommt, geht es in die Hose.
Ich bin auch nicht für Panikmache, aber so locker sehe ich das eben nicht. Was mein Taschenrechner ausrechnet, glaube ich nämlich.
Das Schlimmste aber ist, sollte die Gasmangellage wirklich eintreten, daß zuerst der Industrie der Hahn zugedreht werden soll. Das wäre noch ein sehr schlimmer Schlag in die Magengrube.
Wenn ich König von Deutschland wäre, würde ich zuerst allen Privathaushalten den Hahn zudrehen, welche nachweislich Ihr Domizil noch andersweitig heizen können. Wer das ist, weiß zum Beispiel der Bezirksschornsteinfeger. Mal einige Tage privat angestrengt fossil heizen zu müssen, ist sicher weniger schlimm, als der Rattenschwanz, den der Gas- Dolchstoß für unsere eh schon gebeutelte Wirtschaft nach sich ziehen würde. Ich habe noch einen 8KW Morsoe Holz- Gußofen im Wohnzimmer, der ist zwar alt (unverändert von den 30er bis in die 70er Jahre gebaut) und ohne Zertifikat, hat aber die 500€ teuere Einzel- Einstufungsmessung mit Bravour bestanden, so daß ich ihn unbefristet weiterbetreiben darf. Die Feinstaubemission war bei der Einstufungsmessung sogar unterhalb der Meßgrenze des Meßgerätes!
Nicht ganz so entspannte Grüße, Ulf Schneider
Lieber Ulf,
das System funktioniert nicht linear. Genau deshalb stellt der DVGW eine ausführliche technische Beschreibung seines Prognose-Rechners zur Verfügung. Dort sind Wetterannahmen, Importflüsse, Nachfrageentwicklungen und unterschiedliche Szenarien bereits modelliert. Es handelt sich nicht um eine einfache „Tank-leer“-Rechnung.
Selbst wenn man linear rechnen wollte, greift die 0,5-Prozent-Annahme zu kurz. Hier bei der Bundesnetzagentur ist ersichtlich, dass an milderen Tagen die tägliche Entnahme eher bei 0,3 bis 0,4 Prozentpunkten liegt. In den kommenden Wochen sind nicht nur milde, sondern teils warme Tage prognostiziert – und ab 1. März beginnt meteorologisch der Frühling. Die Aussagen von kachelmannwetter dazu sind ja sehr eindeutig.
Zudem besteht das Versorgungssystem nicht ausschließlich aus Speichern. Ein erheblicher Teil der Nachfrage wird laufend über Importe gedeckt. Sollte sich die Wetterlage unerwartet ändern, reagiert zunächst der Markt über Preise und zusätzliche Beschaffung.
Nach aktuellem Stand bewerten Bundesnetzagentur, DVGW, DIW und Jülich die Versorgungslage als stabil. Eine physische Gasmangellage ist daher sehr unwahrscheinlich.
Beste Grüße,
Martin Jendrischik
[…] Gasspeicher-Füllstand: YouTuber redet Katastrophe herbei – Cleanthinking, Zugriff am Februar 14, 2026, https://www.cleanthinking.de/gasspeicher-fuellstand-vermietertagebuch/ […]
Guten Abend, ich verfolge die Diskussion hier seit einer Woche mit Interesse und möchte nun auch etwas beisteuern. Meiner Einschätzung nach wird das Thema von der einen Seite verharmlost:
Ein Verweis auf die zu Verfügung stehenden Terminalkapazitäten halte ich für unseriös. Die Fahrtzeit eines LNG Tankers, ob jetzt von den amerikanischen Terminals oder von der arabischen Halbinsel, dauert 18-25 Tage (unter der Voraussetzung, dass das Schiff dort bereits beladen wurde. Gas, das am 01.03 benötigt würde, müsste folglich bereits heute auf ein Schiff geladen werden, um noch rechtzeitig da zu sein. In welchem Umfang diese Spezialschiffe überhaupt „kurzfristig“ zur Verfügung stehen, stelle ich ebenfalls in Frage. Wird sind nun einmal nicht der Nabel der Welt.Die andere Seite betreibt ohne Frage Panikmache. Selbst bei leeren Speichern fehlen max. 25% der benötigten Gasmenge. Das wäre sicherlich für die Wirtschaft ein ungeheurer Schaden, aber niemand wird frieren müssen.
Was ich von bei den Medien die nicht aus der „Krawallecke“ kommen (dazu zähle ich diesen Beitrag ebenfalls) jedoch vermisse, ist eine deutlich kritische Auseindersetzung mit den Argumenten der „Es ist Alles kein Problem“-Seite.
Wo bleiben die Frage nach der Verfügbarkeit der LNG Tanker (welche das Hauptargument dafür sind, dass die Speicherstände kein Problem sind)?Wenn ich heute einen Tanker chartere braucht dieser wahrscheinlich 1-2 Wochen bis zum Beladeterminal, dann diverser Tage zum Bunkern und danach 3-4 Wochen bis er an einem deutschen Terminal anladet und die Ladung löscht. Kann ein Versorgungssystem mit diesen Vorläufen überhaupt „flexibel“ auf die Anforderungen reagieren?Bei Lieferzeiten von 1-2 Monaten wurden bereits an den deutschen Terminals Entladeslots gebucht? (Ich bezweifle doch stark, dass jemand eine Multimillionen-Dollarladung losschicke ohne vorher geklärt zu haben, wann und wo ich die Ladung löschen kann)
Allem Anschein nach scheint die Lage doch nicht so entspannt zu sein, wie immer behauptet wird. Zumindest ist mir unverständlich, warum in diesem Fall die THE (Trading Hub Europe) zwei kurzfriste Sonderausschreibungen über alleine bis zu 21 TWh Gas bis Ende Februar auf den Markt wirft.
https://www.tradinghub.eu/de-de/
Unternehmen/Newsroom/Veranstaltungen-Pr%C3%A4sentationen/News_/ArtMID/1404/ArticleID/267/Sonderausschreibung-LTO-RoD
Ich wünsche mir von allen Seiten und Beteiligten vor allem mehr Ehrlichkeit und weniger Frontalopposition.
Lieber TeeZeit,
LNG ist kein Messias, sondern ein Baustein. Ein großer Teil der Versorgung kommt weiterhin pipelinegebunden aus dem Westen – und diese Kapazitäten sind keineswegs permanent ausgereizt.
Wer LNG zum „einzigen Retter“ erklärt und dann Fahrzeiten von Tankern durchrechnet, argumentiert am realen System vorbei. Versorgungssicherheit entsteht durch Diversifikation, nicht durch Heilsversprechen.
Paniknarrative sind genauso unseriös wie das Wegreden von Risiken – beides ersetzt keine Analyse.
„Mehr Ehrlichkeit“ heißt nicht, so zu tun, als wären alle Argumente gleich valide.
Wenn mit falschen Prämissen, selektiven Zahlen und Endzeitlogik gearbeitet wird, ist klare Abgrenzung keine Frontalopposition, sondern intellektuelle Hygiene.
Ich bin selbst kritisch: höhere Speicherstände wären aus Resilienzsicht wünschenswert gewesen. Das ändert aber nichts daran, dass die aktuelle Versorgungsstrategie funktioniert. Kritik zu erfinden, nur um „kritisch zu wirken“, wäre unehrlich.
Viele Freitagsgrüße,
Martin Jendrischik
Sicher stehen Sie mehr im Stoff als die INES, die bereits am 18.11.2025 vor einer
Versorgungslücke warnte. Sie wollen die “ Abhängigkeit vom Erdgas strukturell verringern“,
Darf man fragen wie? Die Atomkraftwerke sind stillgelegt, als nächstes folgen die
Kohlekraftwerke. Dafür planen wir aber neue Gaskraftwerke mit 10 Gigawatt Leistung.
Sowie den Ausbau von Windenergie ohne geeignete Stromspeicher.
Hallo Bruno,
INES hat im Januar von einer „Entspannung aufgrund milderer Temperaturen“ geschrieben.
Die Abhängigkeit vom Gas wird durch Transformation zum Elektrostaat verringert: Wärmepumpen statt Gasheizungen. Wasserstoff oder Abwärme statt Gas für Prozessenergie. Wasserstoff als Ersatz für Gas.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Bitte den „Gasspeicher Füllstand“ auf Ihrer Seite aktuell halten! Die Zahl von gestern (03.02.26) lautet: 30,53 (-0,72% gegenüber Vortag).
Und nicht 32,3% „aktuell“ – wie jetzt zu lesen.
Mit freundlichem Gruß
Guten Morgen,
ich aktualisiere den Gasspeicher-Füllstand immer morgens gegen 7 Uhr. Das zeigt auch das jeweilige Datum an. Analog zur angegebenen Quelle DVGW.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Hallo,
die Website von DVGW ist keine Primärquelle im eigentlichen Sinne, denn sie entnimmt die Daten wiederum von AGSI (Aggregated Gas Storage Inventory). Diese bilanziert zwar um 6 MEZ eines Tages, veröffentlicht die Daten aber erst abends um 19.30 MEZ und überarbeiten das 4h später für Nachzügler.
Kein Wunder, dass Sie damit 1-2 Tage zurückliegen und zumindest die „Status Time“ dieser Website sollte genannt werden, noch besser wäre es zudem, abends zu aktualisieren.
Aktuell 04.02.26, 12:22 Uhr:
Status 03.02.26 6 Uhr): 31,25% Gasspeicherfüllstand in Deutschland (-0,73% ggü. Vortag).
Mit freundlichem Gruß
Hallo PVler, mir sind die Abläufe bekannt. Ich habe mich für meinen Workflow entschieden und der bleibt auch so.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Interessant, die (aktuell 87) Kommentare zu lesen. Mit zunehmenden Verlauf steht leider nicht unbedingt zunehmend/mehr/bessere Information zur Verfügung.
Ich bin der Meinung, wir laufen in DE sehenden Auges auf eine zunehmend kritische (von mir so empfunden) Situation zu. „Kritisch“ ist dabei, wie so vieles andere auch, eine Frage der Definition. Daher trete ich auch nicht in einen Wettstreit um Definitionen ein. Deutungshoheit ist ein großes politisches Kampffeld.
Lässt man die Zahlen sprechen, dann liegt – je nach Quelle der Information – der Abfluss (Entnahme) bei etwa 4 TWh/Tag und der Zufluss bei etwa 3 TWh/Tag. Macht bei 28 Tagen einen Netto-Abfluss von 28 TWh – unter sonst gleichen Umständen (ceteris paribus)!! Hierin liegt doch die so unangenehme Ungewissheit. In einem solchen Szenario landeten wir in DE bei 87-28=59 GWh Füllstand Ende Februar und damit bei etwa 20% Füllstand. Es mag eine Chance bestehen, dass der März eine Netto-Null Runde ergeben könnte. Falls nicht, ginge es halt konsquent in die Richtung 10% Füllstände.
Wer von den Kommentatoren ist bereit eine Wette auf die Füllstände Ende Feb/26 + Ende März/26 einzugehen? Der Autor Jendrischik könnte die Wette und den Einsatz anbieten. Sehen wir es doch sportlich, ändern können wir Diskutanten es ohnehin nicht. Irgendjemand wird es schon nützen..
Lieber Thomas,
vielen herzlichen Dank für Ihre Gedanken.
Niedrige Speicherstände – auch im Bereich unter 10 Prozent Ende April – sind möglich bis wahrscheinlich und nicht überraschend (siehe link zur DVGW-Prognose). Entscheidend ist jedoch, dass sie heute kein automatisches Krisensignal mehr darstellen, weil Versorgung und Marktmechanik nicht mehr speicherzentriert funktionieren.
Für die Ausrufung einer „Notlage Gas“ sind Speicherfüllstände nur eines von mehreren Kriterien. Genau deshalb wird die Lage von Netzagentur, INES, DVGW, Wissenschaft, Energiebranche und Ministerium übereinstimmend als stabil eingeschätzt – die Versorgung gilt als gesichert. Alle Expert*innen beschäftigen sich bereits mit der Vorbereitung auf den kommenden Winter.
Interessant ist zudem, dass selbst Medien, die zuvor stark alarmistisch argumentiert haben, inzwischen zurückrudern. So heißt es heute: „Im Extremfall – etwa unter Bedingungen wie im Winter 2010 – wäre eine Gasmangellage durchaus denkbar.“
Die Bedingungen von 2010 – zwei Monate in Folge mit durchschnittlich −4,6 °C im Bundesmittel (allein temperaturseitig betrachtet) – sind extrem unwahrscheinlich bis praktisch ausgeschlossen.
Die 20-Prozent-Marke ist keine harte Grenze, sondern eine administrative Referenz; sie löst keinen Automatismus im Notfallplan Gas aus.
Exakt das ist und war meine Argumentation – im Unterschied zum Panik-Orchester.
Viele Dienstagsgrüße
Martin Jendrischik
Wow da lässt es sich aber einer viel kosten Agitation für die Regierung zu machen. Der Wahlkampf lässt schön grüßen. Sagt doch den Menschen einfach, was die Fakten sind und lass die Interpretationen und den Kampf gegen Anderes-Interpretierende weg. Dann klappt’s auch mit der Seriosität.
Hallo T.K.,
ich beschreibe die Fakten. „Anders-Interpretierende“? Seltsame Umschreibung für das, was „Andere“ machen.
Viele Sonntagsgrüße,
Martin Jendrischik
[…] Der Gasspeicher in Rehden – Deutschlands größer Gasspeicher – hat tatsächlich einen Füllstand von zehn Prozent. Darüber hat auch der YouTuber „Vermietertagebuch“ ein Panik-Video gedreht: Und Cleanthinking hat die passenden Fakten geliefert: Gasspeicher-Füllstand: YouTuber redet eine Katastrophe herbei. […]
[…] Gasspeicher sind leerer als im Vorjahr. Für AfD-nahe YouTube-Kanäle ist das ein Grund für Panik – bis hin zur […]
Guten Abend Herr Jendrischik, wollte einfach nur ein Danke da lassen für die Einordnung einer möglichen Gasmangellage. Youtube hat mir in den letzten Tagen einige der von Ihnen betrachteten Kanäle in die Timeline gespült und der Alarmismus dort hat mich auch beunruhigt. Nun gehöre ich zwar von Natur aus nicht zu denen, die sofort auf so einen Zug aufspringen, aber ich habe in anderen Medien bisher wenig gefunden, was über ein Zitieren der Bundesnetzagentur hinausgeht. Sie zeigen ein größeres Bild und stellen sich der Debatte.
Guten Tag, vielen Dank für Ihre Rückmeldung, Ruth – das freut mich wirklich.
Genau das war mein Anliegen: nicht Alarmismus zu reproduzieren, sondern die Lage einzuordnen, Unterschiede zwischen Szenarien, Annahmen und tatsächlichen Risiken sichtbar zu machen und ein größeres Bild zu zeichnen. Dass viele Beiträge aktuell vor allem Zuspitzung liefern, während andere Medien sich oft auf das bloße Zitieren von Behörden beschränken, halte ich ebenfalls für problematisch.
Umso wichtiger ist es, die Debatte offen, faktenbasiert und ohne Panik zu führen – gerade bei einem Thema, das verständlicherweise viele Menschen verunsichert. Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, das zu schreiben.
Beste Grüße
Martin Jendrischik
[…] Niedrige Speicherstände wirken optisch alarmierend – sind isoliert betrachtet jedoch kein hinreichender Indikator für eine reale Versorgungskrise. Mehr zur Gasspeicher-Thematik – wie Speicher technisch funktionieren und warum Füllstände allein wenig aussagen – gibt es in einem eigenständigen Gasspeicher-Beitrag. […]
Vom sog. Vermietertagebuch (Alexander Raue), der nach Costa Rica abgehauen ist, braucht man sich nichts gefallen zu lassen. Er hetzt, lügt, faked wie der Kreml und die Kommunistische Partei China und Kim-Jong Un. Alexander Raue glaubt, dass in Sibirien tropische Temperaturen herrschen, weil ihm die Geldgeber vom Kreml das sagen. Von daher sollte man ihn getrost ignorieren.
Ich habe ein Dashboard programmiert, welches sehr viele Informationen über unsere Füllstände liefert u.A. auch Daten zu den Füllständen je Speicher und dies sehr übersichtlich auf einer Oberfläche:
https://gasspeicherstand.de/
Die Daten werden direkt live bei AGSI abgefragt, so dass die Daten so aktuell sind, wie sie vom Anbieter zur Verfügung gestellt werden.
Warum kein Wort über Outdoor Chiemgau? Der geht sehr professionell mit den Zahlen um, spielt alle möglichen Szenarien durch und kennt sich aus, wie kaum ein Anderer.
Lieber Kommentator,
hier in diesem Artikel spielt auch Herr Spiegelsperger eine Rolle: https://www.cleanthinking.de/droht-uns-wirklich-eine-gasmangellage-2026/
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
[…] größter Gasspeicher nur noch zu zehn Prozent gefüllt. Frühwarnstufe ausgerufen. Bundesnetzagentur greift nicht ein. […]
Eigentlich hatte ich mich schon aus der Diskussion zurückgezogen, weil ich gespürt habe, dass wir hier immer wieder im Kreis drehen. Trotzdem möchte ich jetzt noch etwas dalassen, weil es mir nicht um Zahlen oder Polemik geht, sondern um etwas viel Grundsätzlicheres: um richtiges Zuhören, um Perspektiven, die wir leicht übersehen, und darum, über das eigene Weltbild hinauszugehen.
Mir fällt auf, dass wir immer weniger zuhören. Viele verteidigen nur noch ihre Positionen, verstecken sich hinter Daten oder scheinbarer Neutralität. Man gibt sich sachlich oder mittig und denkt, damit sei alles gesagt. Aber in Wirklichkeit passiert oft genau dasselbe, was man bei anderen kritisiert: man hält stur an der eigenen Sicht fest, hat Angst, etwas in Frage zu stellen, und schützt sein eigenes Weltbild. Und meistens merken wir es nicht einmal, weil wir glauben, dass wir fair oder sachlich sind, wenn wir uns hinter Zahlen verstecken.
Unser Gehirn sucht nicht primär nach Wahrheit, sondern nach Sicherheit. Deshalb greifen wir oft nur die Argumente heraus, die ins eigene Bild passen, und alles, was unbequem ist, schieben wir zur Seite. Zahlen und Fakten können helfen, die Welt einzuordnen, aber sie ersetzen kein echtes Zuhören. Wirklich zuhören bedeutet, bereit zu sein, sich verletzlich zu zeigen, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen und Widersprüche auszuhalten, selbst wenn es wehtut oder uns verunsichert.
Die Realität ist doch, dass es Menschen gibt, die große Sorge haben, ob das Gas reicht. Auf der einen Seite wird rhetorisch Angst gemacht, auf der anderen wird sie klein geredet. Aber was liegt dazwischen? Vielleicht könnte man sagen: Ja, wir stehen an einem historisch tiefen Gasspeicher-Füllstand, und das kann unter bestimmten Umständen wirklich Schaden verursachen. Gleichzeitig kann es auch sein, dass wir gut durchkommen. Beides einfach zu ignorieren oder dramatisch aufzublasen ist nicht richtig.
Wir sollten dabei nicht vergessen, dass jeder seine eigene Realität hat, gefiltert durch Erfahrungen, Ängste und Überzeugungen. Diese individuelle Sicht dürfen wir jedem lassen, ohne Menschen stumm zu schalten oder abzuwerten. Wenn wir beide Extreme betrachten, die Übertreibung auf der einen Seite und das Verharmlosen auf der anderen, können wir vielleicht die Mitte finden. Und vielleicht finden auch die Extreme irgendwann ihren Weg zur Mitte.
Und genau darum geht es: Statt nur Zahlen zu präsentieren oder Positionen zu verteidigen, brauchen wir Mut. Mut, das eigene Ego zurückzunehmen, Mut, andere ernst zu nehmen, selbst wenn wir nicht zustimmen. Alles andere ist nur eine Maske, die Sicherheit vorgaukelt, aber dahinter steckt oft dieselbe Starrheit, die wir sonst kritisieren. Wirklich zuzuhören ist die Brücke zwischen Menschen. Es bedeutet, die Welt durch die Augen anderer zu sehen und dabei auch die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Zahlen sind nur ein Teil der Wirklichkeit, gefiltert durch uns selbst.
Vielleicht sollten wir uns immer wieder daran erinnern: Was ist, wenn doch alles anders ist, als wir gerade denken? Wer das zulassen kann, öffnet sich für Perspektiven, die vorher verborgen waren, und erkennt, dass Zuhören nicht nur eine Brücke zu anderen ist, sondern auch zu uns selbst.
Schön geschrieben. Meine volle Zustimmung.
[…] Rolle der Gasspeicher hat sich damit verändert. Früher dienten sie primär dem saisonalen Ausgleich: Im Sommer füllte […]
Guten Morgen!
Der NDR hat aktuell zahlreiche Experten zur Lage befragt. Die Tonalität ist eindeutig und deckt sich mit meinen Analysen:
Herzliche Mittwochsgrüße,
Martin Jendrischik
Wäre doch bloß der schlichte Satz gefallen: „Unsere Gasversorgung ist auch in diesem Winter garantiert, egal wie das Wetter in den nächsten Wochen wird“.
Zahlreiche besorgte Menschen würden aufatmen.
Der Satz wäre unseriös. Es gibt niemals 100prozentige Garantien. Gut, dass ihn der NDR nicht geschrieben hat. Ausdrücklicher DANK an den ÖRR.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Gegenwärtig sinken die Füllstände um rd. 0,75 Prozent / Tag und es bleibt vorerst kalt. Auf ZON und auch hier
https://www.ndr.de/nachrichten/info/Gasspeicher-in-Deutschland-So-steht-es-um-die-Fuellstaende,gasspeicher120.html
sind eindrucksvolle Kurven der Füllstände zu sehen und diese zeigen steil nach unten. Wenn sich die Kurve der Füllstände nicht sehr schnell massiv abflacht sieht es Ende Februar kritisch aus. Unter 20% Füllstand ist es kritisch.
Das hat so gar nichts mit rechter Panikmache zu tun, sondern die Fakten sprechen für sich.
Die Gasspeicher sind für Ende Januar unzureichend gefüllt, leeren sich weiterhin schnell und es stehen noch drei Monate Heizsaison aus.
Lieber ThE,
die gesetzliche Vorgabe für Ende Januar liegt bei 30 Prozent Füllstand. Diese wird eingehalten. Nein, es stehen keine drei Monate Heizsaison mehr an. Kurzzeitig 20 Prozent Füllstand wäre unkritisch. Aber da sind wir noch lange nicht.
„Es bleibt vorerst kalt“: Wir haben Winter. Es ist moderat kalt. Immer bedenken, dass es flächendeckend so richtig kalt sein müsste, um in eine dramatische Situation zu gelangen. Beispielsweise in Köln, Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt am Main sind für Samstag frühlingshafte 10 Grad Celsius angesagt.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Die von Ihnen genannten Temperaturen sind Tageshöchstwerte, die nur kurz erreicht werden. Die Durchschnittstemperaturen werden in den nächsten Tagen, selbst hier im meist warmen Bonn, nur bei „frühlingshaften“ 2 bis 3 Grad liegen.
Guten Morgen!
Die Heizsaison läuft bis Ende April und das sind gute drei Monate, was gibt es daran zu zweifeln?
Die Gasspeicher dienen als Puffer für den saisonalen Mehrverbrauch, da die monatlichen Importmengen über das Jahr gesehen relativ stabil sind. Wie kann man davon ausgehen das die laufende Versorgung absolut störungsfrei verläuft? Bei relativ leeren Speichern reicht eine kleine Störung oder Verzögerung um erhebliche Probleme in der Gasversorgung zu verursachen.
Als Privatperson würde sich wohl kaum jemand auf eine solche Situation einlassen, aber der Staat hat es aus Kostengründen getan und m.E. gezockt. Das macht man aber mit der Energieversorgung eines Landes nicht. Wir hoffen das es gut geht, wird es aber eng hat die Situation das Potenzial das GEG der neuen Regierung zu werden.
Guten Morgen, lieber Thorsten,
diese Ansicht ist völlig legitim. Aber sie rechtfertigt nicht das, was das Panik-Orchester mit Des- und Fehlinformationen betreibt. Und nochmal: Behörden und Wissenschaft sagen unisono: Selbst bei Unvorhergesehenem haben wir ausreichend Möglichkeiten, zu reagieren. Die Speicherfüllstände werden als Alleinkriterium hochgejazzt, das ist nicht richtig.
Über die Frage, ob die Strategie aus Resilienz-Sichtweise richtig ist, die Speicher bis ca. 10 Prozent leerlaufen zu lassen, habe ich in dem Gas-Casino-Artikel geschrieben.
Wegen „Heizsaison“ haben Sie natürlich recht. Wenn wir uns die Prognose des DVGW anschauen, dann geht man dort davon aus, dass sich die Speicher im März von 20 auf 10 Prozent leeren (Heizsaison), im April aber nur noch minimal. Das ist der typische Verlauf, der uns erwartet.
Viele Donnerstagsgrüße,
Martin Jendrischik
Natürlich sehen Sie keine Trendwende, die gibt es nicht.
Woher sollte die denn kommen? Worauf setzen Sie Ihre Hoffnungen?
Ist es etwa warm geworden?
Ist die Gasverstromung reduziert weil es Wind und viel Sonne gibt?
Werden Reservekraftwerke auf Steinkohlebasis hochgefahren und mehr Strom importiert um diese elende Gasverstromung zu reduzieren?
Stehen Flotten von LNG Tankern vor auf Volllast laufenden Regassifizierungsanlagen?
Spart irgendjemand etwa Gas ein, wenn er nicht dazu aufgerufen wird?
Liefert Norwegen mehr Gas?