Foto von Wolfgang Weiser auf Unsplash
Keine Gasmangellage 2026: INES bestätigt die Aussagen von Cleanthinking offiziell
Gasversorgung für den Restwinter gesichert. Die echte Herausforderung beginnt jetzt.
Die Faktenlage war stets eindeutig. Es war immer logisch. Und es war die Einschätzung aller relevanten Akteure: Es gibt in Deutschland im zu Ende gehenden Winter keine Gasmangellage 2026. Cleanthinking hat diese Einschätzung im Januar geteilt und ausführlich begründet. Die „unabwendbare Gasmangellage“, vor der AfD-nahe Experten wie Stefan Spiegelsberger oder Fritz Vahrenholt auf YouTube, bei NIUS oder Apollo News im Vollpanik-Modus gewarnt hatten, ist – wie erwartet – nicht eingetreten.
Am 17. März 2026 nun hat die Initiative Energien Speichern (INES), der Betreiberverband der deutschen Gasspeicher, sein aktuelles Gas-Szenario veröffentlicht. Die zentrale Botschaft ist unmissverständlich: Die Speicherfüllstände reichen selbst bei extrem kalten Temperaturen im April für eine vollständige Versorgung bis zum Ende der Heizperiode aus.
Keine Rationierung. Keine Industrieabschaltungen. Keine Gasmangellage 2026. Auch hochoffiziell bestätigt. Trotz Iran-Krieg und Sperrung der Straße von Hormus.
Cleanthinking-Kommentatoren, die sich im Januar die Artikel „abgespeichert“ haben, um später triumphierend zurückzukehren, sind stumm geworden. So wie ich es stets analysiert, geschrieben und begründet haben. So wie es alle seriösen Quellen für halbwegs normalem Winterverlauf analysiert hattenn. Nicht weil wir besonders schlau sind, sondern weil wir die richtigen Quellen gelesen haben statt YouTube-Videos mit Flightradar-Aufnahmen.
Doch wer jetzt Entwarnung gibt und das Thema abhakt, macht es sich zu einfach. Denn INES verschiebt den Fokus auf die eigentliche Herausforderung: die Wiederbefüllung der Gasspeicher für den Winter 2026/2027. Und auch das hatte Cleanthinking am 3. Februar 2026 berichtet.
Iran-Krieg dreht den Sommer-Winter-Spread ins Negative
Die geopolitische Lage hat die Gasmarkt-Dynamik fundamental verändert. Die Schließung der Straße von Hormus hat zu erheblichen Preissteigerungen auf den globalen LNG-Märkten geführt. Europa und Asien bieten gegeneinander um knappe Flüssiggas-Ladungen. Die Folge ist eine Marktsituation, die INES als beispiellos beschreibt.
Der saisonale Sommer-Winter-Spread hat sich ins Negative gedreht. Gas für den kommenden Winter ist derzeit günstiger verfügbar als für den Sommer. Das klingt technisch, hat aber eine dramatische Konsequenz: Wer heute Gas einkauft, um es im Sommer einzuspeichern und im Winter zu verkaufen, macht Verlust. Damit fehlen dem Markt sämtliche ökonomischen Anreize zur Speicherbefüllung.
Vor dem Hintergrund der historisch niedrigen Ausgangsfüllstände ist das ein erhebliches Risiko. Deutschland startet mit rund 21 Prozent Füllstand in die Einspeicherphase. Im Vorjahr lag der Buchungsstand am 1. November bei 81 Prozent. Die Lücke, die geschlossen werden muss, ist gewaltig.
INES: Technisch möglich, ökonomisch blockiert
INES unterscheidet in seinem Szenario klar zwischen technischer Machbarkeit und Marktrealität. Die Modellrechnungen zeigen: Die technische Voraussetzung ist gegeben, die Gasspeicher in Deutschland im Umfang des Vorjahres auf 81 Prozent zu befüllen. Die Importinfrastruktur steht, die Pipeline-Kapazitäten aus Norwegen laufen, die LNG-Terminals haben freie Kapazitäten. Laut INES-Daten lag die ungenutzte Terminalkapazität in Europa im Februar bei 4,2 TWh pro Tag.

Was fehlt, sind nicht die Leitungen und Schiffe. Was fehlt, sind die Marktanreize. INES schreibt unmissverständlich: „Aufgrund der ökonomischen Verwerfungen an den Handelsmärkten kann das Speicherverhalten nicht belastbar beschrieben werden.“ Die Szenarien für den Sommer sind deshalb mit großen roten Fragezeichen versehen.
INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann fordert eine Weiterentwicklung des regulatorischen Rahmens: „Der Status quo ist nicht tragfähig. Bestehende Mechanismen sichern die Gasversorgungssicherheit nicht ausreichend ab, weil die Anreize zur Befüllung der Gasspeicher unzureichend sind.“
Strategische Resilienzreserve: 78 TWh gegen exogene Schocks
Konkret bringt INES eine strategische Resilienzreserve von rund 78 TWh ins Spiel. Damit könnten exogene Schocks, etwa ein Ausfall norwegischer Import-Pipelines, über 90 Tage ausgeglichen werden. Heinermann empfiehlt einen gestuften Aufbau, „der den Marktakteuren Zeit zur Anpassung gibt und gleichzeitig extreme Preisspekulationen verhindert“.
Darüber hinaus fordert INES harmonisierte Regeln im EU-Binnenmarkt, um Wettbewerbsnachteile für deutsche Speicher zu vermeiden. Der europäische Vergleich zeige, dass geeignete politische Rahmenbedingungen die Speicherbewirtschaftung deutlich stabilisieren können.
Das sind konstruktive, lösungsorientierte Vorschläge. Die Bundesregierung muss sie jetzt aufgreifen, statt weiter zu prüfen und abzuwarten.
Was die Panik-Fraktion aus den INES-Daten macht
Während INES ein differenziertes Bild zeichnet, zeigen die üblichen Verdächtigen, wie man dieselben Daten für Angst-Content missbraucht. Auf YouTube-Kanälen wie „Outdoor Chiemgau“ und „Politik mit Kopf“ werden die roten Fragezeichen in den INES-Szenarien als Beweis für den Untergang präsentiert. Die Botschaft dort: Keine Schiffe, kein Gas, niemand befüllt die Speicher. Garniert mit LNG-Tankern auf Flightradar, B1-Bombern über dem Persischen Golf und der Forderung, Balkonkraftwerke „mit sofortiger Wirkung“ zu verbieten.
Der Unterschied zwischen seriöser Analyse und Panik-Content zeigt sich an einem Satz. INES schreibt: Die technische Voraussetzung ist gegeben, die Speicher auf 81 Prozent zu befüllen. Die YouTube-Interpretation lautet: Keiner befüllt die Speicher. Das eine ist eine differenzierte Analyse mit Unsicherheiten. Das andere ist eine Schlagzeile, die Angst verkauft.
Und es reiht sich ein in einen Track Record, der inzwischen gut dokumentiert ist: Die „unabwendbare Gasmangellage“ im Januar kam nicht. Die „Hellbrise“ vom 13. März war kein Blackout. Die Warnung, 2025 werde „extrem teuer“, traf auf sinkende Strompreise. Vier zentrale Vorhersagen aus diesem Umfeld, vier Mal daneben. Nicht korrigiert, nicht eingeordnet, einfach weiter zum nächsten Video.
Die Strategie von Cleanthinking lautet: Fakten first. Die Strategie von OutdoorChiemgau oder Politik mit Kopf lautet: Nach der Panik ist vor der nächsten Panik.
Die eigentliche Lehre: Fossile Abhängigkeit ist das Risiko
Ironischerweise zeigt die aktuelle Gasspeicher-Problematik genau das, was die Panik-Kanäle nie benennen: Die echte Bedrohung geht nicht von Wind und Solar aus, sondern von der fossilen Abhängigkeit selbst. 78 Prozent des deutschen Energieverbrauchs hängen an Öl und Gas. Der Iran-Krieg kostet die deutsche Wirtschaft laut DIW 22 Milliarden Euro allein in diesem Jahr. 80 Milliarden Euro fließen jährlich für fossile Importe ins Ausland.
Dass der Sommer-Winter-Spread ins Negative dreht, dass LNG-Ladungen in einem Bieterwettbewerb zwischen Europa und Asien versteigert werden, dass asiatische Länder bereits ihre strategischen Reserven anzapfen: All das ist Ausdruck einer Welt, die zu abhängig von fossilen Energieträgern ist. Die Antwort darauf ist nicht mehr fossile Förderung. Die Antwort ist konsequente Elektrifizierung.
Das Handelsblatt hat heute die zentrale Diagnose gestellt: Deutschland hat kein Energiewende-Problem. Deutschland hat ein Elektrifizierungsproblem. IEA-Chef Fatih Birol sagt: Die Zukunft Europas entscheidet sich an der Frage, ob es gelingt, die Wirtschaft zu elektrifizieren. Und das britische Climate Change Committee hat vorgerechnet:
Ein einziger fossiler Preisschock kostet mehr als der gesamte Weg zu Net Zero.
Die Gasspeicher-Debatte ist deshalb kein isoliertes Thema. Sie ist das Symptom einer fossilen Abhängigkeit, die Deutschland verwundbar macht. Jeder Winter, in dem wir über Speicherfüllstände diskutieren, ist ein Winter, der zeigt: Gas ist nicht die Lösung. Gas ist das Problem.
Keine Gasmangellage: Was jetzt passieren muss
Kurzfristig braucht Deutschland regulatorische Antworten auf das Speicherproblem. Die INES-Vorschläge liegen auf dem Tisch: strategische Reserve, gestufter Aufbau, EU-weit harmonisierte Regeln. Die Bundesregierung muss handeln, bevor der Sommer beginnt.
Mittelfristig muss die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie massiv beschleunigt werden. Jede Wärmepumpe, jedes Elektroauto, jeder elektrifizierte Industrieprozess reduziert die Gasabhängigkeit und damit die Verwundbarkeit gegenüber genau den geopolitischen Schocks, die wir gerade erleben.
Und langfristig gilt, was Kingsmill Bond, EMBER und die IEA seit Jahren sagen: Die fossile Ära geht zu Ende. Nicht weil es jemand beschlossen hat, sondern weil die ökonomische Logik unausweichlich ist. Wer das versteht, investiert in Erneuerbare und Speicher. Wer das nicht versteht, dreht Panik-Videos über LNG-Tanker. Obwohl es keine Gasmangellage gibt.
Lesen Sie auch: Outdoor Chiemgau: Angst-Narrative zerschellen an der Realität

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.
Hallo Martin,
es hätte dem Beitrag auch gut getan darauf hinzuweisen das der März, bis dato auch einige Grad wärmer war als der Durchschnitt.
Nur das hat die Gasmangellage verhindert, und worüber wir alle froh sein können.
Aktuell ist die Herstellung von bezahlbarem Dünger in Gefahr, durch die Folgen des Irankonflikts. Für Düngerherstellung braucht man nun mal das Gas.
In Verbindung mit staatlicher Abzocke an den deutschen Tankstellen steht eine massive Preissteigerung bei Lebensmitteln an.
Das ist meine Einschätzung, und ich hoffe das Ganze bleibt händelbar.
Grüße Andreas
Hallo Andreas,
nein. Es ist falsch, zu behaupten, dass „nur das Wetter“ eine „Gasmangellage“ verhindert habe.
Es muss Dir doch mittlerweile auch „Spanisch“ vorkommen, dass Vahrenholt, Klag und Spiegelsberger im Januar laut vernehmlich behauptet habe, bei 20 Prozent Speicherfüllstand würde es eine Gasmangellage geben und zu Industrieabschaltungen kommen. Die „Logik“ dieser glasklaren Lüge ist bestechend: Wieso sollte ein Durchschnittswert über unterschiedliche Speicher überhaupt eine Relevanz haben? Ist mir absolut schleierhaft, wie man auf solchen Unsinn reinfallen kann.
Ja, eine globale Lebensmittelkrise erscheint durchaus möglich. Auch hier braucht es dringend Transformation: Lokalere Produktion, alternative Proteine usw. Es sind die gleichen Antworten wie bei Energie.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Ich denke in diesem sterbenden Blog geht es darum Aufmerksamkeit über Kanäle wie Outdoor Chiemgau und Politik mit Kopf zu generieren. Da die tausende von Aufrufen haben. Vielleicht kommt da demnächst auch ein Videobeitrag zu diesem Blog.
Würde ich aber nicht machen, da hier nur pro EE-Investements berichtet wird und man dem keine Aufmerksamkeit schenken sollte.
Wer ehrlich für Klimaschutz ist, lebt bescheiden und will kein Geld damit machen.
Lieber Michael,
ah, jetzt lässt Du die Katze aus dem Sack. War ja klar, wem Du glaubst und wem nicht. Okay, jetzt kommen „Drohungen“, dass mal ein Video komme zu diesem „sterbenden Blog“. Herrlich.
Keine Substanz, kein Bezug auf den Artikel. Nichts. Wie so oft in Deinen Kommentaren. Kein Eingeständnis, dass die genannten Kanäle ziemlichen Quark verbreiten.
Cleanthinking ist übrigens quicklebendig. Desinformation etwa von OutdoorChiemgau oder Politik mit Kopf zu entlarven ist eine wichtige Aufgabe. Das habe ich getan und werde es auch weiter tun, wenn es sinnvoll erscheint. Zwischendrin berichte ich über das Erfolgsprojekt Energiewende, kritisiere die langsame Elektrifizierung Deutschlands und Europas – und schaue mir Länder an, die es besser machen. Die Realität gerade mit dem verrückten Iran-Krieg und Nahost-Flächenbrand unterstützt diesen richtigen Weg zu 100 Prozent.
Entspannte Grüße,
Martin Jendrischik
Ich finde es unverantwortlich Leute nicht zum Sparen beim Gas und Öl aufzurufen und so zu tun, als wäre das kein Problem und nur Propaganda. Deutschland befindet sich definitiv in einer Energiekrise. Und nicht nur Deutschland. Das wird uns alle teuer zu stehen kommen. Und das weil wir selbst Energiemangel geschaffen haben mit der Energiewende. Interessiert die Großverdiener mit den EE aber nicht.
Michael – Deine Äußerungen werden zunehmend unverschämt. Noch solche Behauptungen und Du wirst blockiert.
Ich probiere es ein letztes Mal sachlich:
– Ich rufe dazu auf, aus Öl und Gas auszusteigen. Das ist sozusagen die Aufforderung zum Spar-Turbo. Der Vorwurf irgendeiner „Unverantwortlichkeit“ entbehrt aber auch wirklich jeglicher Grundlage. Was soll das? Provokation?
– Ich finde es unverantwortlich, meine Aussagen in dieser Art und Weise zu verdrehen.
– Ja, es ist Propaganda oder schlicht Desinformation, wenn man lautsprecherisch eine „unabwendbare Gasmangellage“ ausruft, die dann nicht ansatzweise eintritt. Diesen Vorwurf müssen sich die entsprechenden Experten gefallen lassen.
– Deutschland ist – Stand jetzt – nicht in einer Energiekrise, sondern in einer Energiepreiskrise. Bedeutet: Durch Importabhängigkeit und Abhängigkeit von fossilen Energien sind die Preise massiv gestiegen. Es gibt derzeit (noch) kein Mengenproblem.
– Ich weise darauf hin, dass der Iran-Krieg durch die USA ausgelöst wurde. Und Trump eine rechte Figur ist, die in den Kreisen der Experten, die Gasmangellage fälschlich herbeireden wollten, hochgejubelt wird. Nicht von allen, aber u.a. von Vahrenholt.
– Energiewende schafft keinen „Energiemangel“. Und welche „Großverdiener mit den EE“ sollen das sein? Ich zeige gerade in der Mutmacher-Serie, wer die Menschen sind, die eine PV-Dachanlage haben. Großverdiener? Nein, ganz sicher nicht.
Das ist mein ausdrücklich aller letzter Versuch zu Sachlichkeit.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Die Katze aus dem Sack gelassen habe ich übrigens schon 2011 als Autor bei Readers Edition mit dieser Berechnung zur Energiewende:
https://eike-klima-energie.eu/2011/10/30/schlechte-kosten-bilanz-fuer-erneuerbare-energien/
Michael – Bei EIKE „publizieren“ und 15 Jahre später noch stolz sein, auf einen pseudowissenschaftlichen Beitrag. Sagt viel über Dich aus.
Hier einige methodische Schwächen:
– selektive Datenwahl,
– Verwechslung Primär-/Endenergie,
– Ignorieren von Lernkurven und Systemperspektive (fossile Kosten, CO₂‑Preise, Importabhängigkeit),
– Zuspitzung auf Extrem‑Szenarien.
In der Summe: Das ist eher politisch‑polemisch als wissenschaftlich. So etwas stolz mit sich herumtragen, aber die Aussagen der seriösen Experten in Zweifel ziehen – nicht besonders schlau. Mich erstaunt und enttäuscht das sehr angesichts Deiner Markterfahrung.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Abschließend noch eine aktuelle Berechnung zu meiner 15 Jahren alten Berechnung. Falls es interessiert?
Klimaneutrales Deutschland. Eine aktuelle Berechnung.
Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nutzenergie in Deutschland lässt sich auf etwa 25 % bis 30 % schätzen.
Um die komplette Nutzenergie in Deutschland allein durch Strom abzudecken, müsste die Stromproduktion schätzungsweise um das 2,5- bis 3-fache erhöht werden.
Um den Strombedarf in Deutschland für eine vollständige Abdeckung der Nutzenergie (ca. 1.500 TWh) zu decken, müsste die genutzte Fläche für Windkraft und Photovoltaik (PV) massiv ausgeweitet werden.
Um den Bedarf von 1.500 TWh rein theoretisch nur mit Solarenergie zu decken, wäre eine Fläche von etwa 7.500 km² notwendig. Das entspricht etwa der dreifachen Fläche des Saarlandes.
Um den Bedarf von 1.500 TWh rein theoretisch nur mit Windkraft an Land zu decken, wären ca. 70.000 Anlagen nötig und eine Fläche von etwa 14.000 bis 15.000 km², wenn man die Abstände zwischen den Windrädern mit einbezieht. Das entspricht etwa der sechsfachen Fläche des Saarlandes.
Um eine komplette Nutzenergie-Versorgung von 1.500 TWh allein durch Wind und Sonne abzudecken, wäre eine Batteriekapazität von etwa 500 bis 600 GWh (Gigawattstunden) für die kurzfristige Stabilisierung erforderlich.
Es ist jedoch technisch und wirtschaftlich unmöglich, die gesamte Energie für das Jahr (insbesondere für windstille Winterwochen, die sogenannte „Dunkelflaute“) ausschließlich mit Akkus zu speichern. Akkus dienen als Kurzzeitspeicher (Stunden bis Tage), während für die saisonale Speicherung Langzeitspeicher wie Wasserstoff nötig sind.
Um eine komplette Jahreslast von 1.500 TWh allein durch Wind und Sonne abzusichern, müsste Deutschland eine Wasserstoff-Speicherkapazität von etwa 30 bis 60 TWh vorhalten.
Diese Menge wird benötigt, um eine zwei- bis dreiwöchige Dunkelflaute (eine Phase mit kaum Wind und Sonne im Winter) sicher zu überbrücken.
Unter berücksichtigung der Wasserstoff-Speicherkapazität würde die benötigte Stromproduktion von den geschätzten 1.500 TWh auf etwa 2.000 bis 2.200 TWh ansteigen.
Das entspricht in etwa den heutigen Endnergieverbrauch in Deutschland. Oder dem 4-5fachen der heutigen Nettostromerzeugung in Deutschland.
Bestätigt wird das durch Gemini und Grok:
Ja, das ist im Wesentlichen richtig und entspricht dem, was man in aktuellen wissenschaftlichen Szenarien findet. Es ist eine nüchterne Abschätzung der Größenordnung – weder Bagatellisierung noch Dramatisierung.
Michael, Deine Rechnung enthält drei zentrale Denkfehler und ein grundsätzliches Methodenproblem.
1. Effizienz ignoriert. Du setzst den heutigen Nutzenergiebedarf 1:1 in Strombedarf um und kommst auf 1.500 TWh. Aber Elektrifizierung ist massiv effizienter als Verbrennung: Eine Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom 3-4 kWh Wärme, ein E-Auto braucht ein Drittel der Energie eines Verbrenners. Aktuelle Szenarien von Agora, Fraunhofer und dem Ariadne-Projekt kommen auf 1.000-1.400 TWh Strombedarf für ein klimaneutrales Deutschland. Schon diese Ausgangszahl ist zu hoch.
2. Dunkelflaute dramatisiert. BMWE: Nur 6 Tage diesen Winter unter 10 % der Nennleistung (= Dunkelflaute bei > 48 Stunden). Bei der für 1.500 TWh nötigen Kapazität (~1.100 GW) wären selbst 10 % noch 110 GW, bei einer heutigen Spitzenlast von 80 GW. Das Dunkelflauten-Problem verschwindet nicht vollständig, aber es schrumpft massiv und bleibt beherrschbar durch den Mix aus Kurzzeitspeichern, Backup-Kraftwerken, Lastflexibilität und Importen. 30-60 TWh Wasserstoffspeicher als Schreckgespenst aufzubauen, ignoriert das.
3. Zentralistische Logik auf ein dezentrales System angewandt. Sie rechnen, als müsste ein nationales Kraftwerk alles allein stemmen. Realität: Millionen Prosumer mit Eigenverbrauch, der in keiner Statistik auftaucht. Europäischer Stromverbund. Millionen E-Autos als Pufferspeicher. Lastflexibilität. Sektorkopplung.
Kein seriöses Szenario geht von einer autarken deutschen Strominsel aus.
Und das Grundproblem: Die Rechnung ist eine statische Mengenrechnung, keine Systemanalyse. Der Unterschied lässt sich einfach erklären: Du berechnest, wie viele Eimer Wasser ein Dorf im Jahr trinkt und wie groß der Tank sein müsste, um drei Wochen ohne Brunnen zu überstehen.
Ein Ingenieur dagegen schaut, wer wann den Hahn aufdreht, wie viel gleichzeitig durch die Leitungen fließen kann, ob der Nachbarort aushelfen kann und ob man das Wasser mehrfach nutzen kann.
Du ignorierst die Systemintelligenz: Ein gut gedämmtes Haus mit Wärmepumpe muss nicht in der Sekunde heizen, in der die Windböe kommt. Die Wärme lässt sich puffern, das glättet die Lastkurve massiv.
Du ignorierst die Leistungsbetrachtung: Bei massivem Ausbau erzeugen die Anlagen selbst bei 5 % Wind genug Grundrauschen, um das Land am Laufen zu halten. Das System wird durch schiere Masse stabil, nicht nur durch Speicher.
Solche statischen Rechnungen haben einen Zweck: den Flächenhunger und die Maximalbelastung aufzeigen. Das ist als Warnsignal legitim. Aber Ingenieure planen nicht so, als müsste jede Komponente für sich allein die Apokalypse überstehen. Sie planen Systeme. Und „bestätigt durch Gemini und Grok“ ist kein Qualitätsmerkmal: KI bestätigt die Prämissen, die man ihr füttert.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Also meine Infos dazu:
Der gesamte Nutzenergiebedarf (effektiv genutzte Energie nach allen Verlusten) liegt in Deutschland typischerweise bei rund 1.500–1.700 TWh pro Jahr.
Davon erneuerbar ≈ 450–500 TWh (also ~28–32 %).
Das sind die offiziellen Zahlen von anerkannten Instituten und Ämtern.
Da müssten wir die Nettostromerzeugung rund verdreifachen.
Mit einer Wasserstoff-Strategie als Langzeitspeicher kommen über 2.000 TWh heraus. Entspricht fast den heutigen Endnergieverbrauch.
Mit Effizienzsteigerung durch Wärmepumpen, die nur in Eigenheimen möglich sind, nicht bei Fernwärme und Wasserstoffimporten kommen wir vielleicht auf 1.500 TWh runter.
Entspricht immer noch dem dreifachen der heutigen Nettostromerzeugung.
Wobei der Strombedarf durch KI weiter steigen dürfte.
Einfach mal auf alle Argumente eingehen, Michael.
Und sich mit den Fakten beschäftigen: Die Aussage beispielsweise, Wärmepumpen seien nur in EFHs einsetzbar, ist falsch.
Bin ich doch. Bzgl. Effizienzsteigerung durch Wärmepumpen, etc. und Importe von Wasserstoff. Zu meiner Berechnung von vor 15 Jahren möchte ich noch anmerken, dass da Wasserstoff und E-Mobilität und Wärmepumpen noch nicht groß ein Thema waren. Da hat man vor allem noch auf Biokraftstoffe gesetzt. Beim Verkehr und Heizen und auf Biogas und Holzpellets. Davon spricht man heute kaum noch, wegen der Palmölproblematik und der Feinstaubprolematik beim Holz. Ökologisch problematisch und auch nicht klimaneutral.
Hallo Herr Jendrischik, hier, ein weiterer Mitleser. Ihre Seite cleanthinking.de ist genau das was ich gesucht habe. Weiter so. Habe eine große Hochachtung vor dem was Sie hier leisten. Die Mutmachergeschichten, genau das braucht Deutschland, Europa, die Welt viel mehr…verstehe auch nicht, warum es nicht wenige Menschen gibt, die mit aller Macht an altem, unwirtschaftlichem, faktenfreiem festhalten…bin aber sicher, still und heimlich werden auch diese Menschen es irgendwann kapieren. Auf die Zukunft.😇🙂
Lieber Torsten,
vielen lieben Dank. Das tut der Seele gut.
Sie sind auf der ziemlich richtigen Fährte. Lese gerade ein Essay eines Historikers, der gar einen kalten Krieg zwischen den Elektrostaaten (China, Indien, Pakistan) und den Petrostaaten (USA; Russland; Saudi) erwartet oder schon sieht. Es geht um geopolitische Macht auf dem Rücken der Menschen. Und Merz und Reiche positionieren uns dabei ganz offensichtlich eher USA-nah und weniger China-nah.
Das muss ich alles erstmal sacken lassen. Die Dimensionen sind gewaltig und die Auseinandersetzungen werden hart sein. In Deutschland kann man nur jeden dazu aufrufen, seine Energieversorgung, Mobilität etc in die eigenen Hände zu nehmen – vom Stromanbieter bis zum vollen Programm im EFH!
Viele Abendgrüße & 1000Dank für die Treue!
Martin Jendrischik