Keine Gasmangellage 2026: INES bestätigt die Aussagen von Cleanthinking offiziell

Gasversorgung für den Restwinter gesichert. Die echte Herausforderung beginnt jetzt.

Die Faktenlage war stets eindeutig. Es war immer logisch. Und es war die Einschätzung aller relevanten Akteure: Es gibt in Deutschland im zu Ende gehenden Winter keine Gasmangellage 2026. Cleanthinking hat diese Einschätzung im Januar geteilt und ausführlich begründet. Die „unabwendbare Gasmangellage“, vor der AfD-nahe Experten wie Stefan Spiegelsberger oder Fritz Vahrenholt auf YouTube, bei NIUS oder Apollo News im Vollpanik-Modus gewarnt hatten, ist – wie erwartet – nicht eingetreten.

Am 17. März 2026 nun hat die Initiative Energien Speichern (INES), der Betreiberverband der deutschen Gasspeicher, sein aktuelles Gas-Szenario veröffentlicht. Die zentrale Botschaft ist unmissverständlich: Die Speicherfüllstände reichen selbst bei extrem kalten Temperaturen im April für eine vollständige Versorgung bis zum Ende der Heizperiode aus.

Keine Rationierung. Keine Industrieabschaltungen. Keine Gasmangellage 2026. Auch hochoffiziell bestätigt. Trotz Iran-Krieg und Sperrung der Straße von Hormus.


Cleanthinking-Kommentatoren, die sich im Januar die Artikel „abgespeichert“ haben, um später triumphierend zurückzukehren, sind stumm geworden. So wie ich es stets analysiert, geschrieben und begründet haben. So wie es alle seriösen Quellen für halbwegs normalem Winterverlauf analysiert hattenn. Nicht weil wir besonders schlau sind, sondern weil wir die richtigen Quellen gelesen haben statt YouTube-Videos mit Flightradar-Aufnahmen.

Doch wer jetzt Entwarnung gibt und das Thema abhakt, macht es sich zu einfach. Denn INES verschiebt den Fokus auf die eigentliche Herausforderung: die Wiederbefüllung der Gasspeicher für den Winter 2026/2027. Und auch das hatte Cleanthinking am 3. Februar 2026 berichtet.

Iran-Krieg dreht den Sommer-Winter-Spread ins Negative

Die geopolitische Lage hat die Gasmarkt-Dynamik fundamental verändert. Die Schließung der Straße von Hormus hat zu erheblichen Preissteigerungen auf den globalen LNG-Märkten geführt. Europa und Asien bieten gegeneinander um knappe Flüssiggas-Ladungen. Die Folge ist eine Marktsituation, die INES als beispiellos beschreibt.

Der saisonale Sommer-Winter-Spread hat sich ins Negative gedreht. Gas für den kommenden Winter ist derzeit günstiger verfügbar als für den Sommer. Das klingt technisch, hat aber eine dramatische Konsequenz: Wer heute Gas einkauft, um es im Sommer einzuspeichern und im Winter zu verkaufen, macht Verlust. Damit fehlen dem Markt sämtliche ökonomischen Anreize zur Speicherbefüllung.

Vor dem Hintergrund der historisch niedrigen Ausgangsfüllstände ist das ein erhebliches Risiko. Deutschland startet mit rund 21 Prozent Füllstand in die Einspeicherphase. Im Vorjahr lag der Buchungsstand am 1. November bei 81 Prozent. Die Lücke, die geschlossen werden muss, ist gewaltig.

INES: Technisch möglich, ökonomisch blockiert

INES unterscheidet in seinem Szenario klar zwischen technischer Machbarkeit und Marktrealität. Die Modellrechnungen zeigen: Die technische Voraussetzung ist gegeben, die Gasspeicher in Deutschland im Umfang des Vorjahres auf 81 Prozent zu befüllen. Die Importinfrastruktur steht, die Pipeline-Kapazitäten aus Norwegen laufen, die LNG-Terminals haben freie Kapazitäten. Laut INES-Daten lag die ungenutzte Terminalkapazität in Europa im Februar bei 4,2 TWh pro Tag.

Keine Gasmangellage INES-Prognose fällt aus

Was fehlt, sind nicht die Leitungen und Schiffe. Was fehlt, sind die Marktanreize. INES schreibt unmissverständlich: „Aufgrund der ökonomischen Verwerfungen an den Handelsmärkten kann das Speicherverhalten nicht belastbar beschrieben werden.“ Die Szenarien für den Sommer sind deshalb mit großen roten Fragezeichen versehen.

INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann fordert eine Weiterentwicklung des regulatorischen Rahmens: „Der Status quo ist nicht tragfähig. Bestehende Mechanismen sichern die Gasversorgungssicherheit nicht ausreichend ab, weil die Anreize zur Befüllung der Gasspeicher unzureichend sind.“

Strategische Resilienzreserve: 78 TWh gegen exogene Schocks

Konkret bringt INES eine strategische Resilienzreserve von rund 78 TWh ins Spiel. Damit könnten exogene Schocks, etwa ein Ausfall norwegischer Import-Pipelines, über 90 Tage ausgeglichen werden. Heinermann empfiehlt einen gestuften Aufbau, „der den Marktakteuren Zeit zur Anpassung gibt und gleichzeitig extreme Preisspekulationen verhindert“.

Darüber hinaus fordert INES harmonisierte Regeln im EU-Binnenmarkt, um Wettbewerbsnachteile für deutsche Speicher zu vermeiden. Der europäische Vergleich zeige, dass geeignete politische Rahmenbedingungen die Speicherbewirtschaftung deutlich stabilisieren können.

Das sind konstruktive, lösungsorientierte Vorschläge. Die Bundesregierung muss sie jetzt aufgreifen, statt weiter zu prüfen und abzuwarten.

Was die Panik-Fraktion aus den INES-Daten macht

Während INES ein differenziertes Bild zeichnet, zeigen die üblichen Verdächtigen, wie man dieselben Daten für Angst-Content missbraucht. Auf YouTube-Kanälen wie „Outdoor Chiemgau“ und „Politik mit Kopf“ werden die roten Fragezeichen in den INES-Szenarien als Beweis für den Untergang präsentiert. Die Botschaft dort: Keine Schiffe, kein Gas, niemand befüllt die Speicher. Garniert mit LNG-Tankern auf Flightradar, B1-Bombern über dem Persischen Golf und der Forderung, Balkonkraftwerke „mit sofortiger Wirkung“ zu verbieten.

Der Unterschied zwischen seriöser Analyse und Panik-Content zeigt sich an einem Satz. INES schreibt: Die technische Voraussetzung ist gegeben, die Speicher auf 81 Prozent zu befüllen. Die YouTube-Interpretation lautet: Keiner befüllt die Speicher. Das eine ist eine differenzierte Analyse mit Unsicherheiten. Das andere ist eine Schlagzeile, die Angst verkauft.

Und es reiht sich ein in einen Track Record, der inzwischen gut dokumentiert ist: Die „unabwendbare Gasmangellage“ im Januar kam nicht. Die „Hellbrise“ vom 13. März war kein Blackout. Die Warnung, 2025 werde „extrem teuer“, traf auf sinkende Strompreise. Vier zentrale Vorhersagen aus diesem Umfeld, vier Mal daneben. Nicht korrigiert, nicht eingeordnet, einfach weiter zum nächsten Video.

Die Strategie von Cleanthinking lautet: Fakten first. Die Strategie von OutdoorChiemgau oder Politik mit Kopf lautet: Nach der Panik ist vor der nächsten Panik.

Die eigentliche Lehre: Fossile Abhängigkeit ist das Risiko

Ironischerweise zeigt die aktuelle Gasspeicher-Problematik genau das, was die Panik-Kanäle nie benennen: Die echte Bedrohung geht nicht von Wind und Solar aus, sondern von der fossilen Abhängigkeit selbst. 78 Prozent des deutschen Energieverbrauchs hängen an Öl und Gas. Der Iran-Krieg kostet die deutsche Wirtschaft laut DIW 22 Milliarden Euro allein in diesem Jahr. 80 Milliarden Euro fließen jährlich für fossile Importe ins Ausland.

Dass der Sommer-Winter-Spread ins Negative dreht, dass LNG-Ladungen in einem Bieterwettbewerb zwischen Europa und Asien versteigert werden, dass asiatische Länder bereits ihre strategischen Reserven anzapfen: All das ist Ausdruck einer Welt, die zu abhängig von fossilen Energieträgern ist. Die Antwort darauf ist nicht mehr fossile Förderung. Die Antwort ist konsequente Elektrifizierung.

Das Handelsblatt hat heute die zentrale Diagnose gestellt: Deutschland hat kein Energiewende-Problem. Deutschland hat ein Elektrifizierungsproblem. IEA-Chef Fatih Birol sagt: Die Zukunft Europas entscheidet sich an der Frage, ob es gelingt, die Wirtschaft zu elektrifizieren. Und das britische Climate Change Committee hat vorgerechnet:

Die Gasspeicher-Debatte ist deshalb kein isoliertes Thema. Sie ist das Symptom einer fossilen Abhängigkeit, die Deutschland verwundbar macht. Jeder Winter, in dem wir über Speicherfüllstände diskutieren, ist ein Winter, der zeigt: Gas ist nicht die Lösung. Gas ist das Problem.

Keine Gasmangellage: Was jetzt passieren muss

Kurzfristig braucht Deutschland regulatorische Antworten auf das Speicherproblem. Die INES-Vorschläge liegen auf dem Tisch: strategische Reserve, gestufter Aufbau, EU-weit harmonisierte Regeln. Die Bundesregierung muss handeln, bevor der Sommer beginnt.

Mittelfristig muss die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie massiv beschleunigt werden. Jede Wärmepumpe, jedes Elektroauto, jeder elektrifizierte Industrieprozess reduziert die Gasabhängigkeit und damit die Verwundbarkeit gegenüber genau den geopolitischen Schocks, die wir gerade erleben.

Und langfristig gilt, was Kingsmill Bond, EMBER und die IEA seit Jahren sagen: Die fossile Ära geht zu Ende. Nicht weil es jemand beschlossen hat, sondern weil die ökonomische Logik unausweichlich ist. Wer das versteht, investiert in Erneuerbare und Speicher. Wer das nicht versteht, dreht Panik-Videos über LNG-Tanker. Obwohl es keine Gasmangellage gibt.

Lesen Sie auch: Outdoor Chiemgau: Angst-Narrative zerschellen an der Realität

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Hallo Martin,
es hätte dem Beitrag auch gut getan darauf hinzuweisen das der März, bis dato auch einige Grad wärmer war als der Durchschnitt.
Nur das hat die Gasmangellage verhindert, und worüber wir alle froh sein können.
Aktuell ist die Herstellung von bezahlbarem Dünger in Gefahr, durch die Folgen des Irankonflikts. Für Düngerherstellung braucht man nun mal das Gas.
In Verbindung mit staatlicher Abzocke an den deutschen Tankstellen steht eine massive Preissteigerung bei Lebensmitteln an.
Das ist meine Einschätzung, und ich hoffe das Ganze bleibt händelbar.

Grüße Andreas

Ich denke in diesem sterbenden Blog geht es darum Aufmerksamkeit über Kanäle wie Outdoor Chiemgau und Politik mit Kopf zu generieren. Da die tausende von Aufrufen haben. Vielleicht kommt da demnächst auch ein Videobeitrag zu diesem Blog.

Würde ich aber nicht machen, da hier nur pro EE-Investements berichtet wird und man dem keine Aufmerksamkeit schenken sollte.

Wer ehrlich für Klimaschutz ist, lebt bescheiden und will kein Geld damit machen.

Ich finde es unverantwortlich Leute nicht zum Sparen beim Gas und Öl aufzurufen und so zu tun, als wäre das kein Problem und nur Propaganda. Deutschland befindet sich definitiv in einer Energiekrise. Und nicht nur Deutschland. Das wird uns alle teuer zu stehen kommen. Und das weil wir selbst Energiemangel geschaffen haben mit der Energiewende. Interessiert die Großverdiener mit den EE aber nicht.

Die Katze aus dem Sack gelassen habe ich übrigens schon 2011 als Autor bei Readers Edition mit dieser Berechnung zur Energiewende:

https://eike-klima-energie.eu/2011/10/30/schlechte-kosten-bilanz-fuer-erneuerbare-energien/

Abschließend noch eine aktuelle Berechnung zu meiner 15 Jahren alten Berechnung. Falls es interessiert?

Klimaneutrales Deutschland. Eine aktuelle Berechnung.

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nutzenergie in Deutschland lässt sich auf etwa 25 % bis 30 % schätzen.

Um die komplette Nutzenergie in Deutschland allein durch Strom abzudecken, müsste die Stromproduktion schätzungsweise um das 2,5- bis 3-fache erhöht werden.

Um den Strombedarf in Deutschland für eine vollständige Abdeckung der Nutzenergie (ca. 1.500 TWh) zu decken, müsste die genutzte Fläche für Windkraft und Photovoltaik (PV) massiv ausgeweitet werden.

Um den Bedarf von 1.500 TWh rein theoretisch nur mit Solarenergie zu decken, wäre eine Fläche von etwa 7.500 km² notwendig. Das entspricht etwa der dreifachen Fläche des Saarlandes.

Um den Bedarf von 1.500 TWh rein theoretisch nur mit Windkraft an Land zu decken, wären ca. 70.000 Anlagen nötig und eine Fläche von etwa 14.000 bis 15.000 km², wenn man die Abstände zwischen den Windrädern mit einbezieht. Das entspricht etwa der sechsfachen Fläche des Saarlandes.

Um eine komplette Nutzenergie-Versorgung von 1.500 TWh allein durch Wind und Sonne abzudecken, wäre eine Batteriekapazität von etwa 500 bis 600 GWh (Gigawattstunden) für die kurzfristige Stabilisierung erforderlich.

Es ist jedoch technisch und wirtschaftlich unmöglich, die gesamte Energie für das Jahr (insbesondere für windstille Winterwochen, die sogenannte „Dunkelflaute“) ausschließlich mit Akkus zu speichern. Akkus dienen als Kurzzeitspeicher (Stunden bis Tage), während für die saisonale Speicherung Langzeitspeicher wie Wasserstoff nötig sind.

Um eine komplette Jahreslast von 1.500 TWh allein durch Wind und Sonne abzusichern, müsste Deutschland eine Wasserstoff-Speicherkapazität von etwa 30 bis 60 TWh vorhalten.

Diese Menge wird benötigt, um eine zwei- bis dreiwöchige Dunkelflaute (eine Phase mit kaum Wind und Sonne im Winter) sicher zu überbrücken.

Unter berücksichtigung der Wasserstoff-Speicherkapazität würde die benötigte Stromproduktion von den geschätzten 1.500 TWh auf etwa 2.000 bis 2.200 TWh ansteigen.

Das entspricht in etwa den heutigen Endnergieverbrauch in Deutschland. Oder dem 4-5fachen der heutigen Nettostromerzeugung in Deutschland.

Bestätigt wird das durch Gemini und Grok:

Ja, das ist im Wesentlichen richtig und entspricht dem, was man in aktuellen wissenschaftlichen Szenarien findet. Es ist eine nüchterne Abschätzung der Größenordnung – weder Bagatellisierung noch Dramatisierung.

Also meine Infos dazu:

Der gesamte Nutzenergiebedarf (effektiv genutzte Energie nach allen Verlusten) liegt in Deutschland typischerweise bei rund 1.500–1.700 TWh pro Jahr.

Davon erneuerbar ≈ 450–500 TWh (also ~28–32 %).

Das sind die offiziellen Zahlen von anerkannten Instituten und Ämtern.

Da müssten wir die Nettostromerzeugung rund verdreifachen.

Mit einer Wasserstoff-Strategie als Langzeitspeicher kommen über 2.000 TWh heraus. Entspricht fast den heutigen Endnergieverbrauch.

Mit Effizienzsteigerung durch Wärmepumpen, die nur in Eigenheimen möglich sind, nicht bei Fernwärme und Wasserstoffimporten kommen wir vielleicht auf 1.500 TWh runter.

Entspricht immer noch dem dreifachen der heutigen Nettostromerzeugung.

Wobei der Strombedarf durch KI weiter steigen dürfte.

Bin ich doch. Bzgl. Effizienzsteigerung durch Wärmepumpen, etc. und Importe von Wasserstoff. Zu meiner Berechnung von vor 15 Jahren möchte ich noch anmerken, dass da Wasserstoff und E-Mobilität und Wärmepumpen noch nicht groß ein Thema waren. Da hat man vor allem noch auf Biokraftstoffe gesetzt. Beim Verkehr und Heizen und auf Biogas und Holzpellets. Davon spricht man heute kaum noch, wegen der Palmölproblematik und der Feinstaubprolematik beim Holz. Ökologisch problematisch und auch nicht klimaneutral.

Hallo Herr Jendrischik, hier, ein weiterer Mitleser. Ihre Seite cleanthinking.de ist genau das was ich gesucht habe. Weiter so. Habe eine große Hochachtung vor dem was Sie hier leisten. Die Mutmachergeschichten, genau das braucht Deutschland, Europa, die Welt viel mehr…verstehe auch nicht, warum es nicht wenige Menschen gibt, die mit aller Macht an altem, unwirtschaftlichem, faktenfreiem festhalten…bin aber sicher, still und heimlich werden auch diese Menschen es irgendwann kapieren. Auf die Zukunft.😇🙂

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