Neue Ölheizung: Was sie kostet und warum sie zur Kostenfalle wird

GEBÄUDE · 16. APRIL 2023 · AKTUALISIERT 29. SEPTEMBER 2026

Neue Ölheizung: Was sie kostet und warum sie zur Kostenfalle wird

Eine neue Ölheizung darf seit dem 29. Juli 2026 wieder ohne Erneuerbaren-Pflicht eingebaut werden. Zur Kostenfalle wird sie im Betrieb: Leichtes Heizöl kostete im Juli 2026 laut Statistischem Bundesamt 48 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, dazu kommen der CO2-Preis und ab 2029 die Bio-Pflicht.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 7 Min. LESEN


Im Frühjahr 2023 plante die Bundesregierung, neue Heizungen ab 2024 auf 65 Prozent erneuerbare Wärme zu verpflichten. Viele Eigentümer*innen überlegten damals, noch schnell eine neue Ölheizung einzubauen. Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) hat die 65-Prozent-Regel zum 29. Juli 2026 gestrichen. Der Zeitdruck von damals ist entfallen.

Geblieben ist die Rechnung im Heizungskeller. Ein Haushalt mit 2.000 Litern Jahresverbrauch zahlte zum Heizölpreis von Juli 2026 rund 2.810 Euro, ein Jahr zuvor waren es rund 1.900 Euro. In jedem Liter steckt ein CO2-Anteil von bis zu 21 Cent brutto.

Ab 2029 verlangt das Gesetz außerdem einen steigenden Anteil Bioöl oder vergleichbarer Brennstoffe. Wie teuer dieser Anteil wird, steht noch nicht fest. Wer eine neue Ölheizung plant, kauft damit ein Kostenrisiko für ihre gesamte Laufzeit.

Was kostet eine neue Ölheizung mit Einbau

Für den Einbau einer neuen Ölheizung gibt es Stand September 2026 keine amtliche Preisstatistik. Verlässlich beziffern lassen sich nur die Betriebskosten, und die sind 2026 deutlich gestiegen.

Das Statistische Bundesamt erhebt monatlich Preise für Heizöl, aber nicht für Heizkessel. Kostenangaben ohne Methode und Stand taugen nicht als Maßstab für die eigene Entscheidung. Was eine neue Ölheizung im eigenen Haus kostet, beantworten deshalb nur konkrete Angebote. Eigentümer*innen sollten mehrere schriftlich einholen. Kessel, Montage, Abgasanlage und gegebenenfalls ein neuer Tank sollten darin getrennt ausgewiesen sein.

Für die Gesamtrechnung zählt vor allem der Brennstoff. Beim Heizölpreis von Juli 2026 kosten 2.000 Liter im Jahr rund 2.810 Euro brutto. Bliebe der Preis konstant, summierte sich das über 20 Jahre auf rund 56.000 Euro. Diese Zahl ist ein Rechenbeispiel ohne CO2-Anstieg und ohne Bioöl-Pflicht.

Was kostet Heizöl im Herbst 2026

Leichtes Heizöl kostete im Juli 2026 laut Statistischem Bundesamt 118,11 Euro je 100 Liter ohne Mehrwertsteuer. Mit 19 Prozent Umsatzsteuer sind das rund 1,41 Euro je Liter und 48 Prozent mehr als im Juli 2025.

Die Werte stammen aus dem Statistischen Bericht zur Energiepreisentwicklung, erschienen am 28. August 2026. Sie gelten für Lieferungen von 40 bis 50 Hektolitern je Auftrag, einschließlich Energiesteuer und Bevorratungsbeitrag. Im März 2026 sprang der Preis gegenüber dem Vormonat um knapp 50 Prozent. Nach einem Rückgang im Juni lag er im Juli wieder fast auf dem Niveau vom März.

Preis für leichtes Heizöl, Lieferung 40 bis 50 hl, Deutschland, Stand Juli 2026, Quelle: Destatis (Bruttowert eigene Berechnung mit 19 % Umsatzsteuer)
MonatEuro je 100 Liter ohne MwSt.Euro je 1.000 Liter inkl. MwSt.
Juli 202579,66947,95
Januar 202678,93939,27
Februar 202680,34956,05
März 2026120,031.428,36
April 2026118,371.408,60
Mai 2026114,841.366,60
Juni 202698,291.169,65
Juli 2026118,111.405,51

Für eine neue Ölheizung zählt der Preis am eigenen Wohnort. Im Juli 2026 meldete Destatis für Stuttgart 112,05 Euro je 100 Liter, für Dresden 120,77 Euro, jeweils ohne Mehrwertsteuer. Jede Änderung um zehn Euro je 100 Liter verschiebt die Jahresrechnung bei 2.000 Litern um rund 238 Euro brutto.

Umgerechnet auf die Energie kostet die Kilowattstunde aus Heizöl im Juli 2026 rund 14 Cent brutto. Grundlage sind die Standardwerte der Emissionsberichterstattungsverordnung: Ein Liter leichtes Heizöl enthält danach rund zehn Kilowattstunden. Wirkungsgradverluste des Kessels sind darin nicht enthalten.

Wie viel CO2-Preis steckt in den Kosten einer neuen Ölheizung

Bei 65 Euro je Tonne CO2 stecken in 1.000 Litern Heizöl rund 207 Euro CO2-Kosten brutto. Bei 2.000 Litern Jahresverbrauch sind das 2026 bis zu 414 Euro.

Der Rechenweg folgt den Standardwerten in Anlage 2 der Emissionsberichterstattungsverordnung 2030 zum Brennstoffemissionshandelsgesetz. Für Heizöl EL nennt sie eine Dichte von 0,845 Tonnen je 1.000 Liter und einen Heizwert von 42,8 Gigajoule je Tonne. Der Emissionsfaktor beträgt 0,074 Tonnen CO2 je Gigajoule. Daraus ergeben sich 2,68 Tonnen CO2 je 1.000 Liter. Unterstellt ist, dass Händler den CO2-Preis vollständig weitergeben.

CO2-Kosten in Heizöl je CO2-Preis, Stand September 2026, Quelle: EBeV 2030 Anlage 2, BEHG § 10, eigene Berechnung (2,68 t CO2 je 1.000 l)
CO2-Preis je Tonneje 1.000 l nettoje 1.000 l brutto2.000 l pro Jahr brutto
45 Euro (Festpreis 2024)120,43 €143,32 €286,63 €
55 Euro (Festpreis 2025, Untergrenze 2026)147,20 €175,16 €350,33 €
65 Euro (Obergrenze 2026)173,96 €207,01 €414,02 €
100 Euro (Rechenbeispiel, keine Prognose)267,63 €318,48 €636,96 €

Seit 2024 ist der CO2-Anteil deutlich gewachsen. Bei 2.000 Litern stieg er von rund 287 Euro zum Festpreis 2024 auf bis zu 414 Euro im Jahr 2026. Wer 2026 eine neue Ölheizung einbaut, trägt jede weitere Stufe des CO2-Preises über die gesamte Laufzeit mit.

Für 2026 legt das Brennstoffemissionshandelsgesetz einen Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne fest. Für 2027 hat das Bundeskabinett am 12. August 2026 beschlossen, denselben Korridor beizubehalten. Der Bundestag hat diese Änderung Stand September 2026 nicht verabschiedet. Hintergründe stehen im Beitrag zum eingefrorenen CO2-Preis 2027.

Ab 2028 übernimmt der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr, die EU hat den Start mit der Verordnung (EU) 2026/667 um ein Jahr verschoben. Die Deutsche Emissionshandelsstelle nennt den 1. Januar 2028 als Start der Regelphase. Welcher Preis sich dann am Markt bildet, ist offen.

Was verlangt das Gebäudemodernisierungsgesetz von einer neuen Ölheizung

Wer eine neue Ölheizung in ein bestehendes Haus einbaut, muss ab 2029 mindestens zehn Prozent der Wärme aus Bioöl oder einem anderen zugelassenen Brennstoff erzeugen. Der Anteil steigt 2030 auf 15, 2035 auf 30 und 2040 auf 60 Prozent.

Die Pflicht steht in Paragraf 43 der geltenden Fassung des Gebäudemodernisierungsgesetzes. Sie gilt für jede Öl-, Gas- oder Flüssiggasheizung, die nach dem 29. Juli 2026 in ein bestehendes Gebäude kommt. Neben Bioöl zählen Biomethan, biogenes Flüssiggas und Wasserstoff samt daraus hergestellter Derivate. Synthetisches Heizöl fällt darunter, doch wie knapp solche E-Fuels sind, entscheidet über ihren Preis.

Statt Bioöl können Eigentümer*innen die Pflicht bis Ende 2034 auch mit einer Solarthermieanlage erfüllen. Im Ein- oder Zweifamilienhaus braucht sie 0,04 Quadratmeter Aperturfläche je Quadratmeter Nutzfläche. Eine Wärmepumpen-Hybridheizung gilt als konform, wenn die Wärmepumpe mindestens 30 Prozent der Kesselleistung erbringt.

Für den Notfall gibt es eine Schonfrist. Fällt die alte Heizung im Jahr 2028 irreparabel aus, gilt die Bio-Pflicht für die neue Ölheizung erst zwölf Monate nach dem Einbau. Betreibt ein Contractor die Anlage, muss er die Quote erfüllen.

Was Bioöl als Beimischung kosten wird, lässt sich Stand September 2026 nicht aus amtlichen Daten ablesen. Gestrichen sind dagegen drei Pflichten des alten Gebäudeenergiegesetzes: die 65-Prozent-Regel, die Beratung vor dem Einbau und das Betriebsverbot für alte Kessel. Die Details erklärt der Beitrag zum Gasheizungsverbot, sie gelten für Öl genauso.

Für das Klimaziel 2045 kündigt Paragraf 42a eine Grünheizölquote an. Die Bundesregierung soll bis zum 1. Dezember 2026 ein Gesetz vorlegen, das Händler verpflichtet, Brennstoffe für Gebäude ab 2045 vollständig klimaneutral zu liefern. Ob fossiles Heizöl danach noch erhältlich ist, hängt von diesem Gesetz ab.

Was kostet eine neue Ölheizung im Einfamilienhaus pro Jahr

Für eine neue Ölheizung im Einfamilienhaus mit 2.000 Litern Jahresverbrauch zahlen Eigentümer*innen zum Preis von Juli 2026 rund 2.810 Euro brutto Brennstoffkosten. Darin stecken bei 65 Euro je Tonne rund 414 Euro CO2-Kosten.

Die 2.000 Liter sind eine Rechenannahme und entsprechen nach den Standardwerten rund 20.000 Kilowattstunden Energie. Zum Preis von Juli 2025 hätte dieselbe Menge rund 1.900 Euro gekostet, gut 900 Euro weniger. Wartung, Schornsteinfeger und Strom für Brenner und Pumpe sind nicht eingerechnet.

Ab 2029 kommt der Pflichtanteil Bioöl hinzu, dessen Mehrpreis offen ist. Vermieter*innen tragen bei einer neuen Ölheizung ab 2028 die Hälfte der CO2-Kosten. Ab 2029 teilen sie auch die Bioöl-Kosten bis zu einem Anteil von 30 Prozent. So regelt es das geänderte Kohlendioxidkostenaufteilungsgesetz, mehr dazu im Beitrag zum Risiko fossiler Heizungen für Vermieter.

Wer die Ölheizung ersetzen will, sollte die Alternativen mit denselben Betriebskosten rechnen. Die Vor- und Nachteile der Wärmepumpe hängen stark vom Gebäude ab. Wo ein Wärmenetz entsteht, lohnt der Vergleich Fernwärme oder Wärmepumpe.

Eine neue Ölheizung ist 2026 wieder erlaubt. Heizölpreis, CO2-Preis und Bio-Treppe treffen jeden Liter, den ihre Eigentümer*innen in den nächsten zwei Jahrzehnten kaufen.

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[…] Auch Ölheizungen gelten als Kostenfallen. […]

[…] beleuchtet die Ergebnisse der Studie und bestätigt die Cleanthinking-Aussage, dass eine Gas- oder Öl-Heizung eine Kostenfalle […]

[…] durch den CO2-Preis, aber auch durch steigende Netzentgelte. Über diese Kostenfalle am Beispiel Öl hatte Cleanthinking am 16. April 2023 berichtet – es gab vielfältigste Warnungen auch der Grünen sowie aus der Wissenschaft. Doch all dies […]

Mit einem neu gedämmten Dach und damit verbundener Pflicht einer Fotovoltaikanlage plus dreifach verglaste Fenster + neue Wärmepumpe plus Niedertemperaturheizkörper liegen Sie schnell über 100.000 Euro, falls Sie dafür überhaupt Installateure finden. Sie schreiben, eine schrittweise energetische Sanierung des Gebäudes sei eh nötig. Ja, aber eben schrittweise. Wenn Ihnen nächstes Jahr die Öl- oder Gasheizung ausfällt, sind diese Kosten aber alle auf einmal fällig, damit Sie überhaupt noch heizen können. Da sind mir 400 Euro für erhöhte Gas- oder Ölkosten pro Jahr lieber.
Ich bin nächstes Jahr leider erst 76. Ich verstehe nicht, dass es für die Bank einen Unterschied machen soll, ob sie mir mit 80 oder mit 76 keine 100.000 Euro mehr leiht.
Das Gesetz sagt vermutlich nichts aus über kleine, privat betrieben Zentralheizungen für mehrere Einfamilienhäuser. Da können Sie mit einer Wärmepumpe anstelle eines großen Gas- oder Ölheizkessels gar nichts ausrichten. Aber in den nächsten 10 Jahren gibt es zur Wärmepumpe auch keine technisch ausgereifte Alternative. Z.B. nicht genügend Wasserstoff, den man zum Heizen einsetzen könnte.
Natürlich muss bei der Heizung und der Gebäudedämmung etwas passieren. Aber mit Augenmaß und nicht mit dem Fallbeil nach nicht mal 8 Monaten.

Sie sprechen mir sehr aus der Seele, Herr Zöllner, vielen Dank. Der Bericht ist m. E. Panikmache in die andere Richtung. Hilft überhaupt nicht, denn so wird man nur noch hilfloser.
Wir haben nicht viel Einkommen und können uns unser Eigenheim nur knapp leisten.
Also kein Geld mal eben. Eine neue – bis zu 70 Prozent effektivere – Ölheizung könnte in dem Maß unsere Kosten reduzieren, die wir – wie der Bericht so dramatisch äußert – per CO2-Abgabe draufrechnen müssten, wahrscheinlich kämen wir immer noch günstiger dabei weg als bisher. Dazu eine Angabe? Fehlanzeige.

Ich empfinde den Bericht nicht als sachlich oder objektiv und er beleuchtet nicht die Thematik, die viele in unserer aktuellen Situation bewegt. Aus meiner Sicht werden Menschen mit geringem Einkommen, die endlich froh waren, das Eigenheim abbezahlt zu haben und in ruhige Fahrwasser zu kommen, extrem benachteiligt. Da hilft auch kein unwürdiges Gießkannenprinzip, das wieder einmal Steuergelder in unnützer Weise vergeudet.

Stand jetzt werde ich noch schnell eine neue Ölheizung einbauen lassen, da ich mir diese gerade noch leisten kann.

Sparen im Gegensatz dazu werde ich mir den nächsten Gang zur Wahlurne. Da habe ich ein besseres Gefühl was die Nachhaltigkeit anbelangt.

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