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NextFuel: Löst Elefantengras unser CO2-Problem?

Das schwedische Cleantech-Startup NextFuel will kommende Woche einen CO2-negativen Kraftstoff während COP24 vorstellen / Industrielle Produktion in Österreich

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Es ist eine faszinierende Cleantech-Story: Das schwedische Cleantech-Startup NextFuel will kommende Woche einen Brenn- und Kraftstoff vorstellen, der CO2-negativ sein soll. Stimmen die Aussagen von NextFuel, könnte ein Zementwerk beispielsweise sehr schnell klimafreundlich gemacht  und sein jährlicher CO2-Fußabdruck um 105 Prozent reduziert werden. Löst Elefantengras unser CO2-Problem?

Der innovative Ersatz für fossile Kraft- und Brennstoffe besteht vollständig aus Elefantengras und wird als Alternative zu Hackschnitzeln, Kohle oder Kerosin angeboten. Die Briketts haben beinahe die gleiche Energiedichte wie Kohle. Das Cleantech-Startup, das vor drei Jahren gegründet wurde, bislang aber völlig unter dem Radar der Öffentlichkeit arbeitete, will die CO2-negative Kraftstoff-Alternative kommende Woche im Rahmen der Weltklimakonferenz COP24 in Kattowitz der Weltöffentlichkeit vorstellen. Die Technologie-Entwicklung dauerte sechs Jahre.

Seinen Ansatz beschreibt das Unternehmen aus Schweden selbst so:

NextFuel ist ein Cleantech-Startup mit einer neuen Lösung für den Klimawandel. Wir können schnell wachsendes Gras in weniger als 30 Minuten in eine saubere Kopie fossiler Brennstoffe verwandeln. Unser Kraftstoff ist CO2-negativ und kann Kohle, Heizöl und Holzkohle direkt in der heutigen Energieinfrastruktur zu sehr günstigen Preisen ersetzen. Wir geben der Welt eine saubere Alternative zum Verbrennen.

In Österreich produziert das Unternehmen bereits entsprechenden Brennstoff. Dieses NextFuel wird hergestellt, in dem getrocknetes Elefantengras in eine geschlossene Drehtrommel eingespeist wird, wo der Sauerstoff entzogen wird. Anschließend wird das Material in Brennstoff und Abfall getrennt. Der Vorgang dauert – man höre und staune – nicht länger als 30 Minuten. Während dieses Prozesses emittierte Abgase werden nach Angaben des Unternehmens aufgefangen und zur Erzeugung erneuerbarer Wärme oder Strom für die Produktionsanlage verwendet.

Mehr zu NextFuel im Video:

Der Brennstoffanteil des Drehtrommelausgangs wird dann verdichtet und zu Briketts gepresst, bevor er abgekühlt wird. Die kühlen Briketts können dann entweder für die Wärme- und Stromerzeugung in der Industrie oder in Haushalten verkauft werden. NextFuel behauptet, dass sie in bestehenden Kohlekraftwerken ohne Infrastruktur-Upgrades verbrannt werden können.

NextFuel schätzt, dass bei einer Umstellung einer Zementfabrik, die derzeit mit Kohlekraftwerken und -wärme betrieben wird, auf alternative Kraftstoffe umgestellt wird, der jährliche CO2-Fußabdruck des Betriebs um 105% reduziert und damit CO2-negativ werden würde. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Elefantengras bei seinem Wachstum Kohlenstoff abscheidet und eine nachwachsende Ressource ist, die in drei Monaten vier Meter hoch werden kann.

„Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit haben wir die Möglichkeit, eine billige und saubere Kopie fossiler Brennstoffe herzustellen“, sagte der Chief Executive von NextFuel, Stefano Romano.

Hintergrund: Warum Kraftstoff aus Elefantengras Sinn macht

Elefantengras wächst bis zu vier Meter in 100 Tagen und zwar vor allem dort, wo Nahrungsmittel nicht angebaut werden können. Allerdings trägt es seinen Namen, weil es von Elefanten als Hauptnahrungsmittel verspeist wird. Beim Wachsen braucht das Elefantengras viel CO2 und speichert etwas davon in seinen Wurzeln unter der Erde. Auf diese Weise nimmt es so viel Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf:

NextFuel will Elefantengras für Kraftstoffherstellung verwenden
Mehr Cleantech geht nicht: Ist die NextFuel-Technologie ein Durchbruch?

NextFuel hat sich im vergangenen Jahr die Finanzierung der großtechnischen Produktion durch die Europäische Union (EU) und das österreichische Ingenieurbüro Andritz gesichert. Bis Ende 2019 sollen die ersten beiden Großprojekte mit Strom versorgt werden – ein Zementwerk in Ostafrika und eine Produktionsstätte in Südamerika.

Das Zementwerk soll die Technologie in Lizenz nutzen dürfen. Das Ziel ist es, 250.000 Tonnen Kohle durch den CO2-negativen Brennstoff NextFuel zu ersetzen. Damit sollen die Energiekosten des Zementwerks halbiert (!) und die CO2-Emissionen um sagenhafte 105 Prozent reduziert werden.

In einem weiteren Projekt möchte ein Unternehmen, dass das Elefantengras bereits in Südamerika anbaut, die Technologie ebenfalls in Lizenz nutzen, um NextFuel zu Kohlekraftwerken in Europa und Japan zu verkaufen.

Alternative zu BECCS und CCS?

Laut Webseite von NextFuel ist die Technologie auch den vom IPCC als notwendig erachteten Technologien zur CO2-Abscheidung aus der Atmosphäre überlegen:

„Unser Prozess ist die weltweit billigste Form für die CO2-Abscheidung, die die heutigen BECCS- und CCS-Technologien übertrifft. Anstatt große Investitionen in den Werken zu tätigen, können Unternehmen in Projekte investieren, die unser Gras anpflanzen und nur wenige Monate nach ihrer Freisetzung CO2 wirtschaftlich abscheiden. Je mehr Landflächen wir anbauen und je mehr Brennstoff wir produzieren, desto mehr CO2 wird aus der Atmosphäre gewonnen.“

Stimmen diese Versprechungen, könnte tatsächlich ein Durchbruch für den Klimaschutz gelingen. Die kommenden Tage werden ausgesprochen spannend – wie wird die Welt auf diese Technologie reagieren und welche Beweise wird NextFuel mit nach Polen bringen, um das Funktionieren der Technologie zu untermauern?

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% S Kommentare
  1. Railfriend sagt

    Leider habe ich in dem Beitrag keine Erklärung zur Flächenkonkurrenz zwischen Elefantengras und Nahrungsmittelpflanzen gefunden.
    Abfall- und Reststoffe sind ohne dieses Problem zur Energienutzung verfügbar.

    1. Ich zitiere: „Elefantengras wächst bis zu vier Meter in 100 Tagen und zwar vor allem dort, wo Nahrungsmittel nicht angebaut werden können.“

      1. Railfriend sagt

        @Martin Jendrischik, besten Dank. Ähnliches wurde aber auch zum Anbau der Jatropha-Pflanze für die Biokraftstoffproduktion gesagt. Doch ohne Wasser und Wärme gedeiht keine Pflanze. Die nutzbaren Flächen sollten daher grundsätzlich dem Nahrungsmittelanbau oder der Aufforstung dienen. So sehr ich die Biokohleproduktion auf Pflanzenbasis begrüße, ich fürchte, das Flächenproblem lässt sich nicht ausräumen.

        Biokraftstoffe auf Rest- und Abfallstoffbasis wie z.B. Biomethan aus Bioabfall oder Ethanol und Dieselkraftstoff aus Reststroh und Klärschlamm konkurrieren nicht mit dem Anbau von Nahrungsmittelpflanzen.

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