Nokia-Veteran Siilasmaa will mit Donut Lab den gesamten Fahrzeugmarkt disruptieren

Hinter dem umstrittenen Solid-State-Akku aus Finnland stehen zwei Investoren, die wissen, was Disruption bedeutet – er hat es bei Nokia am eigenen Leib erlebt.

Wer steckt hinter der wundersamen Feststoff-Batterie-Ankündigung vom kleinen Cleantech-Unternehmen Donut Lab im Rahmen der CES 2026 in Las Vegas? Die Spur führt unter anderem zu Risto Siilasmaa. Der frühere Manager und heutige Tech-Investor war in führenden Rollen bei Nokia, als das Unternehmen in seiner tiefsten Krise steckte. 2025 investierte er als Ankerinvestor in Donut Lab – also die Technologie, auf die die Fachwelt gerade mit einer Mischung aus Faszination und tiefem Misstrauen reagiert. Doch neben Siilasmaa gibt es mindestens einen weiteren Hochkaräter im Umfeld der Unternehmensgruppe.

Risto Siilasmaa: Der Mann, der Nokia durch die Disruption führte

Als Anker-Investor der 15-Millionen-Euro-Runde von Donut Labs im Februar 2025 und Mitglied im Board of Directors ist Risto Siilasmaa nicht irgendein Geldgeber. Der 58-Jährige hat Disruption hautnah erlebt – und überlebt.


2012 übernahm Siilasmaa den Vorsitz bei Nokia, als das Unternehmen am Abgrund stand. Apple und Android hatten den einstigen Weltmarktführer innerhalb weniger Jahre irrelevant gemacht. Der Unternehmenswert war auf unter 1,5 Milliarden Euro gefallen. Was folgte, nennen Wirtschaftshistoriker eine der erfolgreichsten Unternehmenstransformationen überhaupt: Siilasmaa verkaufte das Nokia-Handygeschäft an Microsoft, kaufte Alcatel-Lucent und formte Nokia zum Netzwerkausrüster um. Anfang 2015 lag der Unternehmenswert bei über 20 Milliarden Euro.

In seinem Buch „Transforming Nokia: The Power of Paranoid Optimism to Lead Through Colossal Change“ beschreibt Siilasmaa seine Philosophie: paranoid genug, um Gefahren früh zu erkennen – optimistisch genug, um trotzdem zu handeln.

Genau diese Haltung scheint sein Investment in Donut Lab zu erklären. „Donut Lab hat unglaubliche technologische Durchbrüche erreicht, die es ermöglichen, den gesamten globalen Fahrzeugmarkt zu disruptieren„, sagte er bei seinem Einstieg. Der Nokia-Veteran, der das Smartphone-Zeitalter zu spät erkannte, will diesmal auf der richtigen Seite der Disruption stehen.

Petteri Lahtela: Der Oura-Milliardär mit dem Hardware-Gespür

Der zweite große Name hinter dem Donut-Lab-Geflecht ist Petteri Lahtela, Mitgründer des Wearable-Herstellers Oura Health. Der Oura Ring hat das finnische Unternehmen zum Milliarden-Einhorn gemacht – und Lahtela zum vermögenden Tech-Investor.

Lahtelas Beteiligung geht tiefer als ein einzelnes Investment: Er hat sowohl in Verge Motorcycles (die Mutterfirma) als auch in die Nordic Nano Group und Donut Labs selbst investiert – jenes Unternehmen, das die eigentliche Batterietechnologie entwickelt haben soll. Diese Verflechtung ist entscheidend für das Verständnis der Donut-Lab-Story.

Das finnische Firmengeflecht

Die Struktur ist komplex: Verge Motorcycles, 2018 von den Brüdern Tuomo und Marko Lehtimäki in Seinäjoki gegründet, hat 2024 Donut Lab als Technologie-Spin-off ausgegründet. Donut Lab wiederum investierte im Oktober 2025 strategisch in Nordic Nano Group – ein Startup, das Nanotechnologie für Solarenergie und Energiespeicher entwickelt. CEO Marko Lehtimäki sitzt im Board von Nordic Nano.

Nordic Nano betreibt eine Produktionsstätte in Imatra, nahe der russischen Grenze, in einem ehemaligen Supermarkt. Von dort sollen die Batteriezellen kommen, die Donut Lab nun als Revolution vermarktet.

Hinter die Kulissen hat auch diese Youtuberin geblickt:

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Bemerkenswert: Bis Mitte 2025 bewarb Nordic Nano auf seiner Website eigene Batterieprodukte mit fast identischen Spezifikationen – 50.000+ Zyklen, 400 Wh/kg, nicht brennbar. Dann verschwand die Produktseite. Kurz darauf kündigte Donut Lab seine „eigene“ Solid-State-Batterie an.

Skepsis aus der Fachwelt

Die finnische Batterie-Community reagiert gespalten. Juho Heiska, Leiter des Akkulabors an der Seinäjoki-Fachhochschule, vermutet, dass es sich gar nicht um eine klassische Batterie handelt, sondern um einen elektrostatischen bipolaren Kondensator – eine Hybridtechnologie, die Eigenschaften von Kondensatoren und Batterien vereint. Das würde die extremen Zyklenzahlen und Ladezeiten erklären, wirft aber neue Fragen zur Energiedichte auf.

Die Wahrheit wird sich bald zeigen: Verge Motorcycles will im ersten Quartal 2026 Motorräder mit der neuen Batterie ausliefern. Dann werden unabhängige Tests zeigen, ob der Nokia-Veteran Siilasmaa und Lahtela auf das nächste große Ding gesetzt haben – oder ob das Donut-Lab-Investment als Finnlands teuerster Supermarkt-Umbau in die Geschichte eingeht.

Wie im Hauptartikel zu Donut Labs geschrieben: Auf Wiedervorlage in sechs Monaten.

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