Screenshot Video Kettner Edelmetalle
Fossiles Panik-Orchester: Wenn das Narrativ an der Realität zerschellt
Wie Outdoor Chiemgau, Kettner Edelmetalle und ein Netzwerk umstrittener Alternativ-Medien mit der Angst vor dem Gasmangel Geld verdienen
Seit Januar 2026 warnt ein gut eingespieltes, fossiles Panik-Orchester aus YouTube-Kanälen wie Outdoor Chiemgau, Politik mit Kopf, Vermietertagebuch oder Aktien mit Kopf vor einer „nicht mehr abwendbaren Gasmangellage 2026″. Goldhändler bewarben Edelmetall-Webinare, Prepper-Shops meldeten steigende Nachfrage, umstrittene Alternativ-Medien schalteten betroffene „Experten“ live zu. Vier Wochen später kommt die Wetterwende – und die Krise durch Gasmangellage 2026 bleibt faktisch aus. Eine Rekonstruktion der Methoden, der Monetarisierung und des Moments, in dem das Angst-Narrativ an der Wirklichkeit zerbricht.
Weil sich hier erstmals live beobachten lässt, wie eine Panik-Kampagne endet: nicht mit Korrektur – sondern mit dem nächsten Produktpitch.
Ein fossiles Panik-Orchester, die Tournee und ihre Solisten
Am 20. Januar 2026 veröffentlichte Stefan Spiegelsperger auf seinem YouTube-Kanal Outdoor Chiemgau ein 15-minütiges Video zur Gasspeicher-Lage. Seine zentrale Botschaft: „Gasmangellage ist nicht mehr abzuwenden“ bzw. etwas abgeschwächt: „3 Monate Gasmangellage in 22 Tagen?“. Er rechnete die Szenarien der Initiative Energien Speichern (INES) mit eigenen Annahmen auf einen Endstand von „10 bis 12 Prozent“ herunter, warnte vor Industrieabschaltungen im Februar und empfahl seinen Zuschauern, den Camper startklar zu machen. Das Video erreichte 120.000 Aufrufe.
Wenige Tage später war Spiegelsperger live im NIUS-Morgenmagazin zugeschaltet. NIUS titelte, INES gehe davon aus, dass „zwischen März und Mai eine Gas-Mangellage entstehen wird“. Das war falsch: INES erstellt Szenarien, keine Prognosen – und unterscheidet ausdrücklich zwischen rechnerischer „Unterdeckung“ und physischer Gasmangellage.

INES modelliert drei Wettervarianten, darunter ein Extremszenario auf Basis des Kältewinters 2010. Nur in diesem Extremszenario zeigt sich eine theoretische Unterdeckung – und selbst dann schreibt INES explizit: „Eine modellierte Unterdeckung bedeutet nicht automatisch eine physische Nichtversorgung, sondern würde sich über Preissteigerungen am Markt manifestieren.“ Aus einem Konjunktiv wurde bei NIUS ein Indikativ, aus einem Modell eine Vorhersage.
Andere YouTube-Kanäle griffen das Thema parallel auf. Politik mit Kopf lieferte tägliche Updates zur Gasspeicher-Lage, Vermietertagebuch und Aktien mit Kopf betteten die Gaspanik in breitere wirtschaftliche Angst-Narrative ein. Das Muster war bei allen ähnlich: Speicherstände ohne Systemkontext, Alarmismus ohne Einordnung, Handlungsempfehlungen, die zufällig zu den jeweils eigenen Geschäftsmodellen passten.
Aber Outdoor Chiemgau war der Solist, der die Tonart vorgab. Und das konzentrierteste Beispiel für die Methodik des Panik-Orchesters lieferte ein langes Gemeinschaftsvideo mit Kettner Edelmetalle, dem Pforzheimer Goldhändler.
Die Partitur: Acht Tricks in einem einzigen Video
Jetzt, am 20. Februar 2026 treibt das Panik-Orchester es auf die Spitze: Wer das Interview von Kettner Edelmetalle mit Stefan Spiegelsperger von Outdoor Chiemgau verfolgt, sieht nicht Meinungen – sondern Methoden. In fast 40 Minuten vereint das Video reichlich rhetorische Techniken, mit denen aus realen Daten unrealistische Szenarien gebaut werden – garniert mit Sätzen, die für sich selbst sprechen. Und: Einladung zum Goldverkäufer-Webinar von Dominik Kettner inklusive.
Schon das Thumbnail signalisiert, was hier verkauft wird: Spiegelsperger mit ausgestrecktem Zeigefinger vor apokalyptischer Energie-Ikonografie – Windräder, „brennende“ Motive, Reichstags-Symbolik, dazu in Rot-Weiß: „ABSCHALTUNG GEPLANT“. Das ist kein journalistisches Vorschaubild, das ist Mobilisierungsgrafik
Trick 1: Strohmann-Definitionen – Was „Flexibilität“ wirklich bedeutet
Gleich zu Beginn wird die Bundesnetzagentur als Lügner markiert – mit einem rhetorischen Kunstgriff: Man definiert einen Begriff so, dass er zwangsläufig falsch klingt. „LNG ist doch nicht flexibel, ein Schiff aus Amerika braucht Wochen.“ Das klingt plausibel – und ist dennoch eine gezielte Umdeutung. „Flexibilität“ im Gasmarkt bezeichnet die Diversifikation der Bezugsquellen und die Fähigkeit, Mengen über verschiedene Routen und Verträge zu beschaffen.
Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungslage in ihren Lageeinschätzungen als stabil und verweist dabei auch auf zusätzliche Importoptionen – darunter LNG. Wer „Flexibilität“ absichtlich auf die Lieferzeit eines einzelnen Schiffes reduziert, kann jede Aussage zur Versorgungssicherheit als „Lüge“ brandmarken. Der Mechanismus: Erst das Wort umdefinieren, dann die Behörde damit widerlegen.
Trick 2: Prozentwerte als Panik-Trigger – Die Speicherstand-Falle
Das Lieblingsinstrument des Panik-Orchesters sind nackte Prozentzahlen. „Nur noch gut 20 Prozent! Historischer Tiefstand! Unter 20 Prozent kann man nicht mehr ausspeichern! Dann wird Industrie abgeschaltet!“ Im Kettner-Video kommentiert Spiegelsperger die Behörden-Einschätzungen mit:
„Ich frage mich: Haben die keinen Taschenrechner?“
Die Bundesnetzagentur, die mit hunderten Fachleuten die Gasversorgung überwacht, wird vom Betreiber eines Prepper-Kanals der Rechenschwäche bezichtigt.
Dabei ist die suggerierte Dramatik in dieser Form bewusst überzeichnet. Es gibt keinen magischen Prozentwert, der automatisch Industrieabschaltungen auslöst. Sinkende Füllstände können die maximale Ausspeicherleistung einzelner Speicher reduzieren – aber das ist etwas völlig anderes als „dann wird abgeschaltet“. Solche Eingriffe wären Notfallstufen-Politik, die einem klar definierten Eskalationsprozess folgt, kein Automatismus bei einer bestimmten Zahl.
Wer zudem mit „0 Prozent“ so tut, als sei das „leer“, spielt mit einem verbreiteten Laien-Missverständnis. In jedem Gasspeicher verbleibt sogenanntes Kissengas, das nötig ist, um den Druck aufrechtzuerhalten. Die technisch nutzbare Menge – das Arbeitsgas – erreicht ihre untere Grenze deutlich vor dem Nullpunkt der Statistik. Das suggestive Bild eines Tanks, der leerläuft wie ein Benzintank im Auto, ist keine Analyse, sondern ein Propaganda-Frame.
Am selben Tag, an dem dieser Artikel erscheint, räumt der ARD-Faktenfinder mit genau diesem Mythos auf (wie Cleanthinking.de zuvor). Jochen Linßen, Leiter der Abteilung Integrierte Infrastruktur am Forschungszentrum Jülich, stellt klar: „Das, was als Gaskapazität angegeben wird, ist genau das, was man nutzen kann.“ Die offiziellen Füllstandsangaben bilden Arbeitsspeicherkapazitäten ab – also exakt die Mengen, die tatsächlich nutzbar sind.
Die Behauptung, die Speicher befänden sich bereits nahe einem kritischen Punkt, ist laut Linßen schlicht falsch.
Die Kapazitäten reichen nach derzeitigem Stand noch für zwei bis drei Monate, wenn man den Dezember als Referenz heranzieht. Der ARD-Faktenfinder zitiert zudem Franziska Holz vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): Auf dem Weltmarkt gebe es derzeit keine Knappheit, was sich auch in den Gaspreisen widerspiegele. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bestätigt: „Die Versorgung in diesem Winter ist grundsätzlich gesichert.“
Besonders aufschlussreich ist ein weiteres Detail aus dem ARD-Beitrag: In sozialen Netzwerken wurde behauptet, der Gasnotfallplan sei bereits in Kraft getreten. Auch das ist falsch. Aktuell gilt lediglich die Frühwarnstufe – und das bereits seit dem 1. Juli 2025, also lange vor der aktuellen Kältewelle. Damals wurde allerdings von der zweiten Stufe auf die dritte Stufe heruntergestuft.
Die Alarmstufe, die zuletzt 2022 nach den russischen Lieferkürzungen galt, wurde im Juni 2025 aufgehoben. Es gibt keine feste Speicherfüllstands-Schwelle, die automatisch eine Stufe auslöst. Damit ist auch Spiegelspergers Verschwörungstheorie widerlegt, die Gasmangellage werde erst nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg und der Kommunalwahl in Bayern am 8. März ausgerufen – als würde die Bundesregierung den Notstand nach dem Wahlkalender terminieren.
Trick 3: Kaskadenangst – Das „Es darf nichts passieren“-Prinzip
Ein Kompressordefekt in Norwegen wird zur Systemkrise hochgerechnet: „Gasleitungen explodieren ja gerne mal – dann haben wir ein massives Problem.“ Das ist nicht Analyse, das ist Psychologie: Man stellt mehrere Risiken in eine Reihe, formuliert sie als fast-sicher und suggeriert eine Systemfragilität, die man vorher durch das Speicher-Narrativ bereits aufgeladen hat.
Die seriöse Frage wäre: Welche Redundanzen gibt es? Welche alternativen Importpfade? Wie reagiert der Markt? Diese Fragen werden im Video nicht gestellt – weil die Antworten die Dramaturgie zerstören würden.
Dasselbe Muster bei den niederländischen Speichern: „Unter 14 Prozent – wir wissen gar nicht, ob sie noch liefern.“
Das ist gleich doppelt manipulativ: Es tut so, als seien Speicherstände einzelner Länder ein direkter Liefer-Hebel, und es unterschlägt, dass europäische Gasflüsse marktbasiert und netztechnisch eingebettet sind. „Wir wissen gar nicht“ ist in diesem Format keine Unwissenheit, sondern eine Nebelgranate: Je weniger belegt, desto mehr Angst.
Trick 4: Sabotage als Story-Turbo
Der Berliner Stromanschlag wird im Video nicht zum Anlass für eine verantwortungsvolle Debatte über Infrastrukturschutz genommen, sondern als emotionaler Brandbeschleuniger eingesetzt: „Professionell… neuralgischer Punkt… nächste Stufe Hochspannung… Millionen ohne Strom… Damoklesschwert.“ Wer tatsächlich über Resilienz kritischer Infrastruktur informieren will, spricht über Schutzkonzepte, Redundanzen und organisatorische Lehren – und bleibt gerade bei operativen Details extrem verantwortungsvoll, um keine Blaupausen zu liefern.
Im Panik-Orchester dient der Vorfall einem anderen Zweck: Er emotionalisiert die technische Grundbehauptung. Der Zuschauer soll nicht verstehen, sondern fühlen: Es kann jederzeit passieren.
Trick 5: Fachbegriff-Blendung – „Momentanreserve“ als ideologische Abkürzung
Systemdienstleistungen, Trägheit, Blindleistung, Frequenz- und Spannungsstabilität – reale, komplexe Themen. Im Kettner-Video werden sie als Beweis dafür inszeniert, dass erneuerbare Energien das Stromnetz zerstören. Spiegelsperger erklärt: Wechselrichter erzeugten Oberwellen, früher habe das Kraftwerk das „weggefangen“, Spanien habe den Blackout angeblich wegen zu wenig Momentanreserve gehabt. „Deshalb Zubau-Stopp für Wind und Solar.“ Eine ideologische Abkürzung, keine systemische Ableitung.
Informieren Sie sich über die Faktenlage: Iberischer Blackout: Bericht entlastet Solarenergie – Netzversagen als Hauptursache
Die technische Realität sieht anders aus: Netzstabilität wird in der Energiewende nicht abgeschafft, sondern technisch neu organisiert – über netzbildende Wechselrichter, STATCOM-Anlagen, Blindleistungsmanagement und Systeme, die Wirk- und Blindleistung sehr schnell bereitstellen können. Die Übertragungsnetzbetreiber investieren in großem Stil in genau diese Technologien.
Die Lösung heißt Systemmodernisierung – nicht Rückbau der Erneuerbaren. Aber diese Lösung passt nicht ins Drehbuch.
Trick 6: Die EEG-Milchmädchenrechnung
Die 16,5 Milliarden Euro EEG-Bundesmittel sind nicht erfunden – aber sie werden als rhetorischer Hammer eingesetzt, um die eigentliche Rechnung zu fälschen. Strompreise bestehen aus Großhandel, Netzentgelten, Steuern, Abgaben und Beschaffung. Ein Vergleich „2016 vs. 2024″ ohne die Strukturbrüche einzuordnen – Gaspreisschock, Netzumbau, Umlagenreform, Merit-Order-Effekte – ist kein Beweis, sondern ein Taschenspielertrick.
Und dann kommt der Satz, der alles zusammenbindet: „Wenn ich Deutschland deindustrialisieren wollte, würde ich es genauso machen.“ Hier kippt das Video endgültig: Von Energiedaten zum Verschwörungsnarrativ. Das ist das Bindemittel, das alle vorherigen Halbwahrheiten zu einem Weltbild verklebt.
Trick 7: Die Atomkraft-Falle
Am Ende jeder Outdoor-Chiemgau-Analyse landet man zuverlässig beim selben Punkt: „20 Milliarden – 20 Jahre sicherer Strom.“ Kosten, Zeit, Regulierung, Personal, Sicherheitsnachweise, Brennstoffkette, Haftungsfragen, Rückbauzustände – alles ausgeblendet.
Atomkraft wird in diesem System nicht als reale Option geprüft, sondern als Identitätsmarker gegen Energiewende, gegen Grüne, gegen „Ideologie“ eingesetzt. Die politische Forderung steht vor der Analyse, nicht nach ihr.
Trick 8: Die Monetarisierung – Wenn die Angst zur Ware wird
Im letzten Akt wird die Angst verwertet. Direkt im Kettner-Video und drumherum: Links zum Edelmetall-Webinar, Verweise auf den Prepper-Shop, Spendenaufrufe, Eventhinweise. Die acht Tricks sind keine Zufallssammlung rhetorischer Fehler.
Sie sind die Partitur eines Geschäftsmodells, das Angst erzeugt und anschließend die Lösung verkauft. Die Dramaturgie ist nicht zufällig. Sie ist Produktdesign.
Das Geschäftsmodell: Die Verwertungskette der Angst
Stefan Spiegelsperger betreibt seinen Kanal Outdoor Chiemgau mit rund 203.000 Abonnenten nach eigenen Angaben hauptberuflich. Seine formale Qualifikation ist Energieanlagenelektroniker – ein Handwerksberuf, keine energiewirtschaftliche oder gasmarktanalytische Ausbildung. Problematisch ist nicht der Beruf, sondern der Anspruch: Aus Einzelfakten werden öffentlich Prognosen und Systemurteile abgeleitet, ohne die dafür nötige Methodik transparent zu machen.
Spiegelsperger bezeichnet sich als „Mr. Blackout“, ist Mitglied im THW und in der Freiwilligen Feuerwehr. Das Energieportal Energiewende Rocken urteilte 2023 polemisch, Spiegelsperger würde „bei jeder Prüfung als Elektriker durchfallen“ und verfüge nicht über Grundwissen zur Energiewende. Der Kanal bildet den Nukleus eines kommerziellen Ökosystems, das sich in konzentrischen Kreisen um die Angst vor Krisen aufbaut.
Der erste Kreis ist YouTube selbst: Werbeeinnahmen und PayPal-Spenden, finanziert durch algorithmisch belohnte Angstvideos mit Thumbnails, die brennende Infrastruktur und apokalyptische Szenerien zeigen. Der zweite Kreis ist ein Amazon-Partnershop mit Prepper-Ausrüstung: Powerbanks, Notstromaggregate, Kommunikationsgeräte, Rucksäcke – exakt zugeschnitten auf die Ängste, die die Videos erzeugen.
Der dritte und aufschlussreichste Kreis ist Kettner Edelmetalle. Der Pforzheimer Goldhändler betreibt einen YouTube-Kanal mit 487.000 Abonnenten und über 300 Millionen Videoaufrufen. Spiegelsperger ist dort als „Experte für private Krisenvorsorge“ gelistet – neben Ernst Wolff, Marc Friedrich und Florian Homm. Auf der Kettner-Website wird er mit den Worten zitiert: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Blackout auch tatsächlich eintritt, schätzt Stefan Spiegelsperger auf 60 bis 70 Prozent.“ Direkt darunter: ein Link zum kostenlosen Edelmetall-Angebot.
Das Recherche-Netzwerk Riffreporter dokumentierte diese Partnerschaft im Juli 2024 in einer ausführlichen Reportage: eine mehr als viereinhalb Stunden lange gemeinsame Sendung in einem Studio mit tarnetzverkleideten Wänden, Graupentopf-Konserven im Regal und einer vermeintlichen Maschinenpistole, die sich als Attrappe entpuppte.
Das Handelsblatt beschrieb Kettner Edelmetalle als Schöpfer eines „Königreichs der Angst“ mit Verschwörungstheorien über eine „elitäre Weltregierung“ – ein Geschäftsmodell, das laut Handelsblatt darauf basiert, „jahrelang einen Zusammenbruch anzukündigen, der dann doch nicht kommt.“ MEEDIA stellte im Dezember 2025 anlässlich eines Kettner-Interviews mit Dieter Bohlen die Frage, ob man einem „zwielichtigen Verschwörungstheoretiker“ eine solche Plattform geben sollte.
Der vierte Kreis sind kostenpflichtige Vorträge, Kongresse und Online-Kurse über Plattformen wie elopage. Spiegelsperger tritt bei der „Wissensmanufaktur“ auf und verkauft Tickets für Prepper-Events.
Die Verwertungskette auf einen Blick
| Stufe | Mechanismus | Monetarisierung |
|---|---|---|
| 1. YouTube-Video | Krisenprognose mit hoher Reichweite (147.000 Aufrufe für das Gasmangel-Video vom 20. Januar) | YouTube-Werbeeinnahmen, PayPal-Spenden |
| 2. Kettner-Interview | Auftreten als „Krisenexperte“ beim Edelmetallhändler, wechselseitige Promotion | Reichweitenaustausch, Legitimationstransfer |
| 3. Edelmetall-Webinar | Weiterleitung zu Gold-/Silber-Kaufseminaren mit Dringlichkeits-Rhetorik („nur wenige Plätze verfügbar“) | Provisionen, Lead-Generierung für Kettner |
| 4. Prepper-Shop | Amazon-Affiliate-Links: Powerbanks, Notstromaggregate, Schutzausrüstung | Affiliate-Provisionen pro Verkauf |
| 5. Vorträge und Kurse | Kostenpflichtige Events, Online-Kurse (elopage), „Wissensmanufaktur“-Auftritte | Ticketverkauf, Kursgebühren |
Das Timing des aktuellen Kettner-Webinars unterstreicht die Mechanik. Für den 24. Februar bewirbt Kettner Edelmetalle ein Live-Webinar mit aggressiven Kurs-Narrativen zu Gold und Silber. Auf jeder Seite der Kettner-Website: „Nur noch wenige Plätze verfügbar!“ Die Botschaft: Die Krise kommt, schütze dein Vermögen. Dass die Gasversorgung stabil funktioniert, passt nicht in dieses Narrativ.
Das Amplifikationsnetzwerk: Von YouTube in den Bundestag
Die Prognosen blieben nicht auf YouTube beschränkt. Sie wurden in ein Netzwerk eingespeist, das Reichweite vervielfachte und die Botschaft durch Wiederholung legitimierte.
Am 21. Januar veröffentlichte NIUS einen Artikel auf Basis von Spiegelspergers Einschätzungen und stellte seine Prognose über die Bewertungen aller Fachbehörden – obwohl im selben Artikel zitierte Experten wie EWE-Chef Dohler die Versorgungslage als gesichert bezeichneten. Dohler sagte auch: „Verbraucherinnen und Verbraucher müssten sich aktuell keine Sorgen machen.“ Diesen Satz stellte NIUS nicht in die Überschrift. Ende Januar und im Februar folgten mindestens zwei Live-Auftritt von Spiegelsperger im NIUS-Morgenmagazin.
Von NIUS verbreitete sich das Narrativ weiter: Die AfD-Fraktion Münster übernahm die Behauptungen. Spiegelsperger selbst war auf Einladung der AfD bei einer Anti-Windkraft-Veranstaltung im Deutschen Bundestag aufgetreten. Das Klimaskeptiker-Portal EIKE veröffentlichte die Inhalte, ebenso Pravda DE und Reitschuster.de. Jede Station gab der Botschaft eine zusätzliche Schicht vermeintlicher Legitimität: Was bei einem einzelnen YouTube-Prepper beginnt, kommt beim Konsumenten als „sogar im Bundestag wurde davor gewarnt“ an.
Auf YouTube selbst bildete sich ein Verstärkungskreislauf: Outdoor Chiemgau lieferte die „Expertise“, Politik mit Kopf die täglichen Updates, Vermietertagebuch die wirtschaftliche Rahmung, Aktien mit Kopf die Investment-Perspektive. Jeder Kanal verwies auf die jeweils anderen, jeder profitierte von der algorithmischen Belohnung des Angst-Themas.
Das Ergebnis war eine Echokammer, in der sich Hunderttausende Zuschauer gegenseitig in der Überzeugung bestärkten: Die Regierung lügt, die Krise kommt, bereite dich vor.
Der Bruch: Warum das Narrativ jetzt zerbricht
Die aktuelle Episode zeigt zum ersten Mal in Echtzeit, wie ein Panik-Narrativ an der Wirklichkeit scheitert – und wie die Akteure darauf reagieren.
Die Fakten, die nicht ins Drehbuch passen
| Prognose des Panik-Orchesters (Januar 2026) | Tatsächliche Entwicklung (Stand 21. Februar 2026) | Quelle |
|---|---|---|
| „Gasmangellage ist nicht mehr abzuwenden“ | Bundesnetzagentur: „Gasversorgung stabil. Versorgungssicherheit gewährleistet.“ | Bundesnetzagentur, Lagebericht |
| Füllstand werde auf „10 bis 12 Prozent“ sinken | DVGW-Prognose: niedrigster Füllstand ~13 Prozent, bis August Wiederbefüllung auf ~60 Prozent | DVGW (Reichweitenprognose, Stand Feb. 2026) |
| „Bereits im Februar Industrieabschaltungen“ | Keine einzige Industrieabschaltung wegen Gasmangel | Bundesnetzagentur |
| LNG-Kapazitäten reichen nicht aus | LNG-Terminals verfügen über ungenutzte Kapazitäten | Bundesnetzagentur |
| Kälte werde anhalten, Krise verschärfe sich | Ab 22. Februar deutliche Milderung: Modelle rechnen mit +8 bis +18 Grad | DWD, Wettermodelle |
| Stromversorgung ebenfalls gefährdet | Börsenstrompreis Feb. 2026: ~105 €/MWh, rund 15 % unter Vorjahr | Energy-Charts (Fraunhofer ISE) |
Deutschland hat bewiesen, dass es auch mit historisch niedrigen Speicherständen einen Winter ohne physische Mangellage überstehen kann – sofern die Importinfrastruktur funktioniert. Genau das hat sie getan: Norwegen lieferte rund 44 Prozent des deutschen Bedarfs, die Niederlande 24 Prozent, Belgien 21 Prozent. Die aktualisierte DVGW-Reichweitenprognose zeigt das Bild, das Outdoor Chiemgau seinen Zuschauern systematisch vorenthält: Der Tiefpunkt wird bei etwa 13 Prozent Füllstand erwartet – und nicht bei Null.
Bis August prognostiziert der DVGW eine Wiederbefüllung auf rund 60 Prozent. Der DVGW würde eine solche Prognose nicht veröffentlichen, wenn ein Füllstand in dieser Größenordnung ein unkontrollierbares technisches Risiko darstellte.

Und jetzt kommt die Wetterwende. Ab dem Wochenende des 22. Februar steigen die Temperaturen auf +8 bis +14 Grad, über dem Westen und Südwesten örtlich auf +16 Grad. In der Folgewoche rechnen die Modelle teilweise mit +18 Grad. Eine starke Südwestströmung bringt Luftmassen aus Nordafrika nach Mitteleuropa. Es wird zunehmend windig und partiell sonnig.
Die Heizlast sinkt rapide, die erneuerbare Stromerzeugung nimmt zu, die Entnahme aus den Gasspeichern verlangsamt sich drastisch. Die Krise, die Outdoor Chiemgau und das Panik-Orchester für Februar oder später Merz vorhergesagt hatten, wird nicht mehr kommen. „Winter-Rückkehr sehr fraglich“, berichtet kachelmannwetter.
Die stille Selbstkorrektur: Wenn die Szene den Rückzug antritt
Besonders aufschlussreich ist, was am anderen Ende des Panik-Zyklus geschieht: die leise Kurskorrektur. Apollo News, das die Gaspanik anfänglich verstärkt hatte, veröffentlichte bereits defensive Artikel und betrachtet das Thema offenbar als ausgereizt. Politik mit Kopf fragte seine Zuschauer, ob tägliche Gas-Updates bei sich verbessernder Wetterlage noch sinnvoll seien – eine bemerkenswerte Frage für einen Kanal, der wochenlang Alarm geschlagen hatte.
Die Panikmacher ziehen sich zurück, wenn die Realität ihre Narrative widerlegt. Die kommerziellen Einnahmen aus der Angstphase – YouTube-Werbeerlöse, Prepper-Shop-Umsätze, Webinar-Anmeldungen, Edelmetall-Leads – sind zu diesem Zeitpunkt bereits realisiert. Das Geschäftsmodell braucht keine korrekte Prognose. Es braucht nur die Angst – und die nächste Krise.
Was die Debatte verdeckt: Die echten Fragen
Die Inszenierung einer drohenden Gasmangellage schadet dem öffentlichen Diskurs, weil sie reale Herausforderungen verdeckt, die eine sachliche Debatte verdienen. Die deutschen Gasspeicher lagen Mitte Februar bei unter 25 Prozent – dem niedrigsten Februarwert seit Beginn der AGSI-Aufzeichnungen 2011. Der Vergleichswert des Vorjahres lag bei über 39 Prozent. Die bayerischen Porenspeicher lagen Ende Januar deutlich unter ihrem Zielwert – und genau bei diesen Porenspeichern dauert die Wiederbefüllung bei niedrigem Füllstand laut Forschungszentrum Jülich relativ lange. Das sind berechtigte Themen.
Die seriöse Debatte dreht sich um andere Fragen:
- Wiederbefüllung im Sommer 2026 – wer trägt die Kosten?
- Sind die regulatorischen Anreize für Speicherbetreiber ausreichend?
- Wie entwickelt sich der europäische Gasmarkt nach dem vollständigen Wegfall russischer Pipeline-Lieferungen?
- Braucht Deutschland eine strategische Gasreserve nach dem Vorbild der strategischen Ölreserve?
- Der Gasverbrauch stieg 2025 um rund fünf Prozent. Die Kosten für die Wiederbefüllung sind erheblich. Branchenverbände warnen vor fehlenden Anreizen.
Es ist der Unterschied zwischen einem Arzt, der sagt „Ihr Blutdruck ist erhöht, wir sollten das beobachten“ und einem, der ruft „Sie werden morgen einen Herzinfarkt haben – kaufen Sie mein Nahrungsergänzungsmittel.“
Fossiles Panik-Orchester: Was folgt daraus?
Die Episode um Outdoor Chiemgau, Kettner Edelmetalle und ihre Multiplikatoren ist kein Einzelfall. Sie ist ein Muster, das sich bei jeder energiepolitischen Stresssituation wiederholt – und das sich mit drei Maßnahmen adressieren lässt.
Erstens: Politik und Regulierer sollten prüfen, welche Instrumente niedrige Speicherstände weniger anfällig für Panik-Narrative machen – etwa klarere Anreize für die Speicherbefüllung, mehr Transparenz über Redundanzen und Importfähigkeit, und gegebenenfalls eine Form strategischer Reserve. Wer dem Panik-Orchester den Nährboden entziehen will, muss die berechtigten Fragen beantworten, bevor sie instrumentalisiert werden.
Zweitens: Wer sich gegen Desinformation wappnen will, kann lernen, die Partitur zu erkennen. Die acht Tricks dieses Artikels sind kein Einzelfall-Katalog: Sie funktionieren identisch bei jeder Angst-Kampagne – ob Gas, Blackout, Migration oder Inflation. Autoritätsangriff, Zahlen-Schock, Kaskadenangst, Emotionalisierung, Fachbegriff-Blendung, Feindbild, Heilsversprechen, Monetarisierung. Wer das Schema einmal durchschaut hat, erkennt es wieder.
Drittens: Die seriösen Datenquellen stehen jedem offen. Die AGSI-Plattform zeigt Speicherstände in Echtzeit. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht regelmäßige Lageberichte zur Gasversorgung. Energy-Charts des Fraunhofer ISE liefert Strommarktdaten. Cleanthinking hatte die Szenarien der Initiative Energien Speichern bereits am 24. Januar 2026 in einer detaillierten Analyse korrekt eingeordnet und die Darstellung bei NIUS als fehlerhaft bewertet. Diese Einschätzung hat sich bestätigt.
Die Tournee nähert sich dem Finale
Die Wetterwende an diesem Wochenende markiert nicht nur das Ende der Winterkälte. Sie markiert den Moment, in dem das Angst-Narrativ an der Realität scheitert – sichtbar, messbar, dokumentierbar.
Die Gasmangellage, die „nicht mehr abzuwenden“ war, ist nicht eingetreten. Die Industrieabschaltungen im Februar sind nicht eingetreten. Die Camper-Flucht war nicht nötig. Die Bundesnetzagentur schätzt die Versorgungslage weiterhin als stabil ein.
Was bleibt, ist die Frage an das Publikum. Das fossile Panik-Orchester wird weiterspielen – die nächste Krise ist immer nur ein Video entfernt.
Aber wer die Partitur einmal durchschaut hat, hört die Melodie anders.
Man hört den Autoritätsangriff im Eröffnungstakt. Man erkennt den Zahlen-Schock im zweiten Satz. Man sieht die Monetarisierung im Finale. Und man versteht: Die Prognose muss nicht eintreffen. Der Umsatz ist bereits generiert.
Die eigentliche Nachricht dieses Winters ist eine andere: Deutschland hat eine schwierige Heizperiode mit historisch niedrigen Speicherständen ohne physische Mangellage überstanden – dank funktionierender Importinfrastruktur, europäischer Marktintegration und LNG-Diversifikation. Das ist die Systemlogik, die das Panik-Orchester seinen Zuschauern systematisch vorenthält. Weil sie die Angst zerstören würde. Und damit das Geschäftsmodell.
Trotzdem, und das muss die Kernbotschaft des Winters sein: Transformation und Ausbau der Erneuerbaren ist der Schlüssel für Deutschland und Europa für künftigen Wohlstand und eine prosperierende Wirtschaft. Was Katherina Reiche und Friedrich Merz als KlimaKillerKoalition gerade versuchen, darf nicht passieren. Denn sonst ist Gasmangel am Ende eines Winters unser kleinstes Problem.
Noch mehr Input: Energieresilienz: Warum die echte Gas-Herausforderung erst im Frühjahr beginnt

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.
Ohne Kohle und Gas würden wir in der EU ziemlich schlecht aussehen. Die Strompreise haben sich in wenigen Jahren verdoppelt, aber das ausgerufene Ende des „fossilen Zeitalters“ ist nicht absehbar. Stattdessen schließen wir moderne Industriebetriebe und ersetzen den Bedarf mit Importen aus China, die hochmoderne Kohlekraftwerke bauen, die hierzulande keine Betriebsverlängerung mehr erhalten.
Während sich die Befürworter der Energiewende zurücklehnen und immer mehr Subventionen fordern, verdienen Investoren mit Öl, Gas und Kohle enorme Renditen, durch den künstlich herbeigeführten Mangel.
Lieber Andreas,
danke für den Kommentar – er zeigt exemplarisch, wie wirksam die fossilen Narrative funktionieren. Leider hält kein einziges Ihrer Argumente einer Faktenprüfung stand.
„Ohne Kohle und Gas würden wir schlecht aussehen“ – Deutschland hat 2024 erstmals über 60 Prozent seines Stroms aus Erneuerbaren erzeugt. Der Anteil fossiler Energien sinkt Jahr für Jahr – nicht weil Politiker das so wollen, sondern weil Solar und Wind schlicht günstiger sind. Das ist Markt, nicht Ideologie.
„Strompreise haben sich verdoppelt“ – Die Strompreisexplosion 2022 war die direkte Folge der fossilen Abhängigkeit von russischem Gas. Genau das, wovor Befürworter der Energiewende jahrelang gewarnt haben. Die Erneuerbaren haben die Preise seitdem stabilisiert – an der Strombörse liegen Solar und Wind regelmäßig bei 3-5 Cent/kWh. Wer heute hohe Strompreise beklagt, argumentiert gegen fossile Abhängigkeit, nicht gegen die Energiewende.
„Ende des fossilen Zeitalters nicht absehbar“ – Global wurden 2025 rund 793 GW an neuer Erneuerbarer Kapazität installiert. Solar wächst exponentiell. China – das Sie als Gegenbeispiel anführen – ist der beste Beweis dafür, wie schnell die fossile Ära endet: Chinas CO₂-Emissionen sinken bereits, der Ölverbrauch geht durch die rasante Elektrifizierung des Verkehrs spürbar zurück, und die neuen Kohlekraftwerke ersetzen vorwiegend uralte, ineffiziente Anlagen oder dienen als Backup-Kapazität – nicht als Wachstumsmotor. China installiert gleichzeitig mehr Solarkapazität als der Rest der Welt zusammen. Wer China als Argument FÜR Kohle anführt, hat China nicht verstanden.
„Künstlich herbeigeführter Mangel“ – Welcher Mangel? Es gibt faktisch keine Gasmangelsituation in Europa. Die Gasspeicher sind gut gefüllt, die Preise moderat. Investoren, die auf stark steigende Gaspreise gewettet haben, haben ihren Einsatz verloren. So viel zum Thema „enormen Renditen durch Mangel“.
Aber ja, die fossile Industrie scheffelt enorme Gewinne – rund 3 Milliarden Dollar. Pro Tag. Nicht durch irgendeinen künstlichen Mangel, sondern durch ein ausbeuterisches System, das seit über 100 Jahren funktioniert, weil es seine externen Kosten der Allgemeinheit aufdrückt: Klimaschäden, Luftverschmutzung, Gesundheitskosten, Extremwetter. Allein das Ahrtal hat über 40 Milliarden Euro gekostet. Das sind keine Naturereignisse – das sind die versteckten Rechnungen des fossilen Geschäftsmodells. Und genau deshalb sind diese „enormen Renditen“ kein Argument FÜR fossile Energie – sondern das stärkste Argument dafür, dieses System so schnell wie möglich zu beenden.
„Subventionen fordern“ – Fossile Energien werden weltweit mit über 7 Billionen Dollar jährlich subventioniert (IMF, 2023). Die Erneuerbaren brauchen in den meisten Märkten längst keine Subventionen mehr. Wer hier über Subventionen klagt, sollte zuerst auf die fossile Seite schauen.
Die wirkliche Frage ist nicht, ob wir uns die Energiewende leisten können. Die Frage ist, ob wir uns weitere Jahrzehnte fossiler Abhängigkeit leisten können. Die Antwort kennt jeder, der 2022 seine Gasrechnung bezahlt hat.
Also wenn man sich so die Preise als Privatkunde anschaut für Stromtarife, dann ist das gleich oder vielleicht sogar einen ticken günstiger als viele Jahre davor. Und ich meine nicht im Vergleich uu 2022 oder 2023 sondern mit den Jahren davor. Mit 25 bis 26 Cent pro kWh ist man sicherlich nicht doppelt so teuer wie vor wenigen Jahren, sondern für mich sogar etwas billiger.
In Oberhavel gab es vor kurzem einen mehrstündigen Stromausfall in verschiedenen Ortschaften! Das war brandgefährlich, da es Menschen betraf, die an Beatmungsgeräte hingen. Wie kommt Ihr darauf, das es Panikmache ist, wenn Menschenleben davon abhängen? Wir hatten auch einen mehrtägigen Stromausfall in Berlin mit Toten! Ist das alles an Euch vorbeigegangen?
Liebe Yvonne,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Eine Verbindung zum Artikelthema kann ich nur am Rande erkennen.
Deutschland hat eines der zuverlässigsten Stromnetze weltweit. Die durchschnittliche Nichtverfügbarkeit liegt seit Jahren im internationalen Spitzenbereich – trotz stark wachsendem Anteil erneuerbarer Energien.
Dezentrale Erzeugung durch Wind- und Solaranlagen erhöht dabei sogar die Systemresilienz:
Strom wird an vielen tausend Standorten produziert – nicht mehr nur in wenigen Großkraftwerken. Das reduziert systemische Klumpenrisiken.
Dass es lokal zu Stromausfällen kommen kann, steht außer Frage. Ursachen sind in der Regel:
Bauarbeiten oder Kabelschäden
Sturmschäden
Defekte im Verteilnetz
Das sind Infrastrukturereignisse, keine Belege für ein instabiles Energiesystem.
Für kritische Einrichtungen gelten zudem klare Sicherheitsstandards. Krankenhäuser verfügen über Notstromaggregate, batteriegestützte Übergangssysteme und definierte Notfallpläne. Medizinisch abhängige Personen sind Teil dieser Sicherheitskonzepte.
Wer aus lokal begrenzten Störungen eine generelle „Systemkrise“ konstruiert, vermischt zwei Ebenen:
technische Einzelfälle und strukturelle Netzstabilität.
Resilienz bedeutet nicht, dass nie etwas passiert.
Resilienz bedeutet, dass das System insgesamt stabil bleibt – und genau das tut es.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
„Transformation und Ausbau der Erneuerbaren ist der Schlüssel für Deutschland und Europa für künftigen Wohlstand und eine prosperierende Wirtschaft“
Wie viel Geld bekommen Sie von der grünen Energielobby, diese ablenkenden KI Texte und Antworten zu verfassen?
Hallo Yusuf,
ich betreibe Cleanthinking seit 16 Jahren – ohne Gewinn. Die Gegenfinanzierung für Kosten läuft über Facebook-Werbeeinnahmen, Newsletter-Abonnements und Affiliate-Links. Mein Hauptberuf ist die Kommunikationsberatung von Technologie-Unternehmen – davon lebe ich.
Warum ich Cleanthinking trotzdem mache? Weil ich eine zehnjährige Tochter habe. Und weil ich ihr irgendwann in die Augen schauen und sagen können will, was ich getan habe, als klar war, wohin die Klimakrise führt. Cleanthinking ist mein Beitrag – nicht mehr, nicht weniger.
Zur Sache: Dass Erneuerbare der Schlüssel zu künftigem Wohlstand sind, ist keine grüne Lobby-Position, sondern der Konsens von IEA, IRENA, Fraunhofer und praktisch jedem seriösen Energieökonomen weltweit.
Wie stehen Sie zur Klimakrise, zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern und allgemein zur gesamtgesellschaftlichen Transformation?
Herzliche Grüße,
Martin Jendrischik
[…] Joukov, der auf YouTube Energiedaten faktenbasiert einordnet, hat in einem aktuellen Video über Outdoor Chiemgau gezeigt, wie solche Zahlen systematisch verzerrt werden – teils aus Unwissenheit, teils mit […]
[…] Lust, selbst zu urteilen? Hier geht’s zum vollständigen Artikel. […]
Danke für die Aufklärung.
Ist dir der Name Marcel Baldauf aufgefallen. Auf dessen Facebook-Seite wurde auch massive Desinformation dazu betrieben. Mein Versuch, sachlich dagegen zu halten, mündete darin, dass er unfreundlich wurde und mich dann blockierte, Diese Seite hat ein große Verbreitung.
Hi Olaf,
Marcel Baldauf hatte ich blockiert. Weiß gerade nicht, ob ich das ändern will 🙂
Das, was ich jetzt sehen kann, macht er jeweils eine Zusammenfassung von dem, was der YouTuber „Politik mit Kopf“ allabendlich raushaut. Kann das sein?
VG Martin Jendrischik
Hier mal die Fakten.
Bei AGSI ist Holland tiefrot und Deutschland in wenigen Tagen auch, da unter 20%. Aktuell sind wir bei 21%.
In der Sondersitzung, welche die Grünen am Dienstag wegen der tiefen Füllstände einberufen haben, haben selbst die Linken diesbezüglich Kritik geübt.
Nur CDU/CSU und SPD sehen keine großen Probleme und setzen auf den Markt.
Aktuell haben wir mit Abstand den geringsten Füllstand für Mitte Februar. In Bayern ist besonders dramatisch.
Österreich ruft mittlerweile die Bürger zum Stromsparen auf, da dort wie in Deutschland viel Gas verstromt wird.
Verbreiten die auch nur Angst und Panik?
Hallo Michael,
nein, Österreich ruft die Bürger NICHT zum Stromsparen wegen irgendeines Mangels auf. Österreich betreibt freiwilliges Demand Response. Die Bürgerinnen und Bürger werden darüber informiert, dass sie – wenn sie dazu beitragen wollen, dass die Systemkosten sinken – etwa besser erst am Abend Wäsche waschen sollen oder am Wochenende.
Es ist wirklich unfassbar, wie Apollo News und Co. derart falsche Narrative konstruieren. Ich hatte diese Fake News auf Facebook zerlegt.
Entspannte Grüße,
Martin Jendrischik
Ich frage zur Bewertung von Blogbeiträgen oft Grok. Zu diesem Blogbeitrag bewertet Grok das folgendermaßen:
Schwächen / problematische Aspekte
Der Text ist extrem polemisch („fossiles Panik-Orchester“, „Propaganda-Frame“, „Angst erzeugen und dann die Lösung verkaufen“). Das liest sich nicht wie neutrale Energieberichterstattung, sondern wie ein Gegen-Kampagnen-Artikel.
Er blendet weitgehend aus, dass die Wiederbefüllung 2026 bei den niedrigen Ständen und potenziell teurem LNG sehr teuer werden könnte → das ist eine echte Herausforderung, die er nur am Rande erwähnt.
Der Fokus liegt fast ausschließlich auf der Widerlegung akuter Panik, nicht auf strukturellen Risiken (Abhängigkeit von Importen, Preisentwicklung bei einem kalten Winter 2026/27 etc.).
Hallo Michael,
das hat Grok gut erkannt: Der Artikel analysiert das Panik-Narrativ von Outdoor Chiemgau. Ich kann aber nichts für die Methoden von Outdoor Chiemgau – diese zu beschreiben ist sachlich und ganz und gar nicht polemisch.
Mit strukturellen Fragen habe ich mich – wie Sie wissen – in mehreren anderen Beiträgen befasst.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik