Stromerzeugung 2025 Symbolbild KI
Stromerzeugung 2025: Deutschland erreicht einen Wendepunkt
Photovoltaik überholt erstmals Braunkohle, während Batteriespeicher das System grundlegend verändern. Die Energiewende erreicht eine neue Phase – doch die eigentlichen Herausforderungen liegen noch vor uns.
Was vor zehn Jahren noch als utopisch galt, ist zum Jahreswechsel 2025/2026 Realität geworden: In der Bilanz der Stromerzeugung 2025 haben Solaranlagen in Deutschland mehr Strom erzeugt als sämtliche Braunkohlekraftwerke zusammen. Die Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) dokumentieren einen strukturellen Umbruch im deutschen Stromsystem – und zeigen zugleich, warum die kommenden Jahre entscheidend werden.
Die Doppelspitze: Wind und Solar dominieren
Mit 132 Terawattstunden (TWh) bleibt die Windkraft Deutschlands stärkster Stromerzeuger – obwohl die Produktion aufgrund ungünstigerer Windverhältnisse um 3,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau lag. Die eigentliche Nachricht aber ist der Aufstieg der Photovoltaik: Mit 87 TWh Gesamterzeugung und 71 TWh Netzeinspeisung hat die Solarenergie ihre Produktion um 21 Prozent gesteigert. Erstmals liegt sie damit vor der Braunkohle, die auf 67,2 TWh zurückfiel.
„Die Kohleverstromung lohnt sich ökonomisch oft nicht mehr. Durch die hohen Preise für Emissionsrechte ist Kohlestrom sehr teuer geworden.“
Prof. Bruno Burger, Fraunhofer ISE

Die Bruttostromerzeugung aus Braunkohle erreichte laut Fraunhofer ISE das Niveau von 1961. Der Braunkohleabbau dürfte 2025 sogar auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrhundert gefallen sein – schon 2024 wurde so wenig gefördert wie zuletzt 1916.
Die Kohlebranche erlebt das, was Disruptionsforscher Tony Seba als „Death Spiral“ beschreibt: Weniger Auslastung führt zu höheren Fixkosten pro Kilowattstunde, was die Wirtschaftlichkeit weiter verschlechtert.
Der europäische Kontext verstärkt den Trend
Deutschland steht nicht allein: EU-weit lag die Stromerzeugung aus Photovoltaik 2025 mit 275 TWh erstmals über der Summe aus Braun- und Steinkohle (243 TWh). In nur zehn Jahren hat sich die europäische Solarstromerzeugung verdreifacht, während die Kohleverstromung um 60 Prozent zurückging. Diese Parallelität zeigt: Es handelt sich nicht um einen deutschen Sonderweg, sondern um einen kontinentweiten Strukturwandel.
Der stille Game-Changer: Batteriespeicher
Während Medien und Politik sich auf Erzeugungszahlen konzentrieren, vollzieht sich im Hintergrund eine möglicherweise noch bedeutsamere Entwicklung: Der Batteriespeicher-Boom verändert die Funktionslogik des deutschen Stromsystems. Die Kapazität der Großbatteriespeicher stieg im Jahresverlauf von 2,3 auf 3,7 GWh – ein Plus von 60 Prozent. Insgesamt sind inzwischen knapp 25 GWh Speicherkapazität installiert, der Großteil davon als Heimspeicher.
„Mit dem Hochlauf von Großbatteriespeichern verändert sich die Funktionsweise des deutschen Stromsystems grundlegend. Diese Entwicklungen erfordern, Batteriespeicher explizit in der Ausbauplanung, in der Systemplanung sowie im Strommarktdesign zu berücksichtigen.“
Leonhard Gandhi, Projektleiter Energy-Charts, Fraunhofer ISE
Die Netzanschluss-Frage wird zum Nadelöhr
Im Marktstammdatenregister sind bereits 11,5 GWh Großbatteriespeicher mit geplantem Inbetriebnahmedatum verzeichnet. Die Modellierungen des Fraunhofer ISE zeigen je nach Szenario bis 2030 einen Speicherbedarf von 100 bis 170 GWh. Doch zwischen Planung und Realität klafft eine Lücke, wie das Handelsblatt berichtet: Bei den deutschen Netzbetreibern waren Ende 2024 Anfragen für den Netzanschluss von fast 10.000 großen Batteriespeichern anhängig – mit einer Gesamtleistung von über 400 Gigawatt.
Diese Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen: Das sogenannte Windhundprinzip – wer zuerst beantragt, wird zuerst angeschlossen – führt zu spekulativen Reservierungen. Viele Kapazitäten werden blockiert, ohne dass ein Projekt tatsächlich startklar ist. Die Netzbetreiber fordern daher neue Vergabeverfahren, die Projektreife und Systemnutzen in den Mittelpunkt stellen. Eine bemerkenswerte Wendung: Nicht die erneuerbaren Energien selbst, sondern die Batteriespeicher und Rechenzentren verursachen mittlerweile den größten Andrang bei den Netzanschlussanfragen.
Stromnetze: Rekordjahr der Genehmigungen
Parallel zum Speicher-Boom nimmt der Netzausbau an Fahrt auf. Die Bundesnetzagentur genehmigte im vergangenen Jahr rund 2.000 Kilometer neue Hochleistungs-Stromleitungen – 45 Prozent mehr als 2024. Behördenpräsident Klaus Müller spricht von einem „Rekordjahr der Stromnetz-Genehmigungen„. Abgeschlossen wurden 2025 unter anderem die Genehmigungsverfahren für die vier großen Gleichstrom-Korridore A-Nord, Ultranet, SuedLink und SuedOstLink.
Diese „Stromautobahnen“ sollen Windstrom aus dem Norden in die Verbrauchszentren im Süden und Westen bringen. Die Inbetriebnahme ist für 2026 (Ultranet) bzw. 2027 (die übrigen drei Projekte) geplant. Von den gesetzlich festgelegten 16.800 Kilometern Übertragungsnetz-Neubau sind damit 4.700 Kilometer vollständig genehmigt, mehr als 3.500 Kilometer bereits fertiggestellt.
Die unbequemen Wahrheiten
Bei aller Dynamik dürfen die Schattenseiten nicht ausgeblendet werden. Der Anteil erneuerbarer Energien am öffentlichen Strommix stagnierte 2025 bei 55,9 Prozent – exakt dem Wert des Vorjahres. Die für 2025 angestrebten 346 TWh erneuerbare Nettostromerzeugung wurden mit 256 TWh deutlich verfehlt. Der Windausbau bleibt mit 68,1 GW installierter Leistung weit hinter dem Ziel von 76,5 GW zurück.
Auch bei der Photovoltaik relativiert sich das Bild: Von den 87 TWh Erzeugung wurden 16,9 TWh direkt selbst verbraucht und erreichten nie das öffentliche Netz. Zunehmend suboptimale Ausrichtungen – etwa Ost-West-Installationen, die die Netzverträglichkeit verbessern, aber den spezifischen Ertrag senken – drücken zusätzlich auf die Statistik. Um die Klimaziele zu erreichen, muss der Photovoltaik-Zubau 2026 von 16,2 auf 22 Gigawatt gesteigert werden.
Die CO₂-Emissionen der deutschen Stromerzeugung verharrten bei 160 Millionen Tonnen auf dem Niveau des Vorjahres. Der Rückgang der Braunkohle wurde durch eine um 3,7 TWh gestiegene Erdgasstromerzeugung kompensiert. Die Emissionen der Kohleverstromung sind gegenüber dem Vorjahr sogar um 4 Prozent gestiegen.
Stromerzeugung 2026: Das Jahr der Weichenstellung
Niedersachsens Energieminister Christian Meyer, der 2026 den Vorsitz der Energieministerkonferenz von Bund und Ländern übernimmt, bringt die Lage auf den Punkt:
„2026 wird ein entscheidendes Jahr für die Energiewende in Deutschland. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Wärmewende, beides entscheidend für die Klimaneutralität Deutschlands, stehen auf dem Prüfstand der Bundesregierung.“
Christian Meyer, Niedersächsischer Energieminister
Meyer warnt vor einem „fossilen Rollback“ und fordert angesichts der offenen Fragen rund um die Stromerzeugung 2025 einen weiteren Turbo beim Ausbau der Erneuerbaren, bei Speichern und Netzen. Immerhin: Zu Jahresbeginn sind die Strompreise im Schnitt um neun Prozent gesunken. In Niedersachsen, wo besonders viele Erneuerbare installiert sind, sanken die Netzentgelte zum 1. Januar 2026 teils um mehr als 26 Prozent auf das niedrigste Niveau in ganz Deutschland.
Eine Transformation in der Energietransformation
Die Zahlen für 2025 markieren einen Wendepunkt, aber noch keinen Durchbruch. Deutschland erlebt eine Transformation innerhalb der Transformation: Während die erste Phase der Energiewende – der Kapazitätsaufbau bei Wind und Solar – weitgehend verstanden und etabliert ist, beginnt nun die komplexere zweite Phase: die Integration variabler Erneuerbarer in ein flexibles Gesamtsystem.
Diese zweite Phase erfordert nicht nur mehr Megawatt, sondern neue Marktdesigns, intelligente Speicherstrategien und eine beschleunigte Netzinfrastruktur. Die Genehmigungsrekorde bei den Stromtrassen und der Speicher-Boom zeigen, dass die technischen Lösungen existieren. Die Frage ist, ob die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen Schritt halten können.
Eines ist sicher: Die Ära der Braunkohle als tragende Säule der deutschen Stromversorgung geht zu Ende – schneller, als die meisten Prognosen vorhergesagt hatten. Ob Deutschland diese Chance nutzt oder in fragmentierten Debatten verliert, wird sich 2026 zeigen.