NASA, Public domain, via Wikimedia CommonsForscher warnen vor Zersplitterung des Thwaites-Gletschers in der Antarktis
Update Mai 2026: Eine neue Studie im Journal of Geophysical Research zeigt, dass das östliche Schelfeis des Thwaites-Gletschers seinen Halt am entscheidenden Ankerpunkt verliert. Forscher dokumentieren Risse, die sich ausbreiten wie in einer splitternden Windschutzscheibe. Die Details dazu im aktuellen Beitrag: Thwaites-Schelfeis zerbricht wie eine Windschutzscheibe.
Die Folgen der menschengemachten Erderwärmung werden in der Antarktis besonders sichtbar. Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehrere Kipppunkte im Erdsystem erreicht sind oder kurz bevorstehen. Dazu zählen auftauende Permafrostböden und schmelzende Eismassen in Grönland und der Antarktis. Aus der Westantarktis kommen seit Jahren beunruhigende Nachrichten: Der Thwaites-Gletscher wird zunehmend instabil, weil das Schelfeis vor seiner Mündung auseinanderzubrechen droht.
Was ist der Thwaites-Gletscher?
Der Thwaites-Gletscher liegt in der Westantarktis und mündet in die Pine Island Bay. Er trägt einen unheilvollen Beinamen: „Doomsday Glacier", auf Deutsch Weltuntergangsgletscher. Mit rund 192.000 Quadratkilometern ist er etwas größer als Florida und damit einer der größten Gletscher der Erde. Zusammen mit dem benachbarten Pine-Island-Gletscher gilt er als der verwundbare Unterbau des Westantarktischen Eisschilds.
Schon heute verliert der Thwaites-Gletscher jährlich etwa 50 Milliarden Tonnen Eis. Das entspricht rund vier Prozent des globalen Meeresspiegelanstiegs (International Thwaites Glacier Collaboration). Würde der gesamte Gletscher kollabieren, stiege der Meeresspiegel weltweit um etwa 65 Zentimeter. Bezieht man benachbarte Gletscher mit ein, sind langfristig bis zu 3,3 Meter möglich.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Fläche des Gletschers | ca. 192.000 km² (größer als Florida) |
| Jährlicher Eisverlust aktuell | ca. 50 Mrd. Tonnen |
| Anteil am globalen Meeresspiegelanstieg | ca. 4 Prozent |
| Meeresspiegelanstieg bei vollständigem Kollaps | ca. 65 cm |
| Möglicher Anstieg inkl. Nachbargletscher | bis zu 3,3 m |
| Tempozunahme des Schelfeises 2020 bis 2026 | mehr als verdreifacht |
Was ist Schelfeis?
Ein Schelfeis ist eine schwimmende Eisplatte, die ein Gletscher ins Meer schiebt. Sie ragt mindestens zwei Meter aus dem Wasser. Das Schelfeis wirkt wie ein Korken vor der Gletschermündung: Solange es stabil ist, bremst es den Eisstrom vom Festland. Bricht es ab, kann der Gletscher schneller ins Meer fließen. Genau dieser Mechanismus macht das Thwaites-Schelfeis zu einem zentralen Risikofaktor für den Meeresspiegel.
Warum das Schelfeis des Thwaites-Gletschers zerbricht
Das Kernproblem ist warmes Meerwasser. Es dringt unter das schwimmende Schelfeis und schmilzt es von unten ab. Die Eisplatte dünnt aus und verliert an Stabilität. Die Folge sind kilometerlange Risse, die das Eis durchziehen.
Forscher vergleichen den Vorgang mit einer Windschutzscheibe: Erst reißt das Glas an einer Stelle, dann breiten sich die Risse in alle Richtungen aus, bis die Scheibe zerspringt. Auf dieselbe Weise könnte das Schelfeis des Thwaites in zahllose Eisberge zerfallen. Bricht es, fließt der dahinterliegende Gletscher deutlich schneller ins Meer ab.
Eine 2025 im Journal of Geophysical Research: Earth Surface veröffentlichte Studie hat den langsamen Zerfall des Thwaites Eastern Ice Shelf (TEIS) untersucht. Satellitenbilder und GPS-Daten aus 20 Jahren zeigen deutliche Risse. Das Schelfeis hat sich von einer dicken, stabilen Platte in eine dünne, schwache verwandelt. Es bricht nun genau an dem Punkt auf, an dem es den Gletscher früher stabilisierte.
Der Zeitpunkt des endgültigen Kollapses lässt sich nicht vorhersagen. Rob Larter von der International Thwaites Glacier Collaboration erklärte, der Zerfall könne so plötzlich eintreten, dass die Forscher bereits eine Pressemitteilung als „Nachruf" vorbereitet hätten.
Wie schnell schmilzt der Thwaites-Gletscher?
Die Forschung am Thwaites ist aufwendig, weil der Gletscher schwer zugänglich ist. 2018 gründete sich die International Thwaites Glacier Collaboration, ein Zusammenschluss von mehr als 100 Wissenschaftlern. 2019 bohrte das Team mit heißem Wasser ein 600 Meter tiefes Loch ins Schelfeis und ließ den Tauchroboter „Icefin" hinab.
Zwei 2023 in Nature veröffentlichte Studien zeigten ein zweischneidiges Bild. Einerseits schmilzt der Gletscher an seiner ebenen Unterseite mit zwei bis fünfeinhalb Metern pro Jahr langsamer als befürchtet. Andererseits schmilzt das Eis entlang von Rissen und Terrassen besonders schnell, weil dort warmes Salzwasser eindringt. Studienautorin Britney Schmidt fasste es zusammen: Der Thwaites schmelze nicht nur, er breche auch auf.
2024 ergänzte eine Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) den Befund. Mit Radardaten aus dem Weltraum wiesen Forscher nach, dass Meerwasser kilometerweit unter den Gletscher gedrückt wird und sein Abschmelzen beschleunigt. Die Washington Post fasste die Erkenntnisse so zusammen, dass der Gletscher verwundbarer sei als zuvor angenommen.
Unterwasser-Stürme, Eis-Erdbeben und eine historische Expedition
Mehrere Studien aus den Jahren 2025 und 2026 haben den Druck auf den Gletscher weiter erhöht.
Eine Studie in Nature Geoscience zeigte erstmals, dass sturmähnliche Strömungen unter dem Schelfeis wirbeln und es von unten attackieren. Diese Unterwasser-Stürme verursachten in nur neun Monaten 20 Prozent der Schmelze. Besonders kritisch: Das Schmelzwasser erzeugt mehr Turbulenzen, die wiederum mehr Eis schmelzen. So entsteht eine sich selbst verstärkende Rückkopplung.
Außerdem wiesen Forscher zwischen 2010 und 2023 mehr als 360 glaziale Erdbeben in der Antarktis nach. Zwei Drittel davon ereigneten sich direkt am Thwaites. Diese Beben entstehen, wenn große Eismassen abbrechen, und belegen, wie instabil der Gletscher geworden ist.
Ende 2025 brach der südkoreanische Eisbrecher „Araon" in Richtung Thwaites auf. Forscher wollen ein Bohrloch durch 800 Meter Eis treiben und die erste Ozean-Messstation unter dem schnell fließenden Kern des Gletschers installieren. Brisant: Die USA haben ihr Antarktis-Forschungsschiff „Nathaniel B. Palmer" aus Budgetgründen stillgelegt. Südkorea ist damit das einzige Land mit langfristigen Plänen für regelmäßige Fahrten zum Thwaites.
Was bedeutet das für die Energiewende?
Die Entwicklung am Thwaites zeigt, dass die Klimakrise eine Phase erreicht, in der einzelne Systeme der Erde kippen können. Das Schelfeis reagiert nicht auf politische Absichten, sondern auf Wassertemperaturen. Und diese Temperaturen steigen, solange die Welt Treibhausgase ausstößt.
Daraus folgt ein klarer Auftrag: Der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas und der Ausbau erneuerbarer Energien sind keine abstrakten Klimaziele, sondern wirken direkt auf die Stabilität des antarktischen Eises. Jede Tonne CO₂, die nicht in die Atmosphäre gelangt, verlangsamt die Erwärmung der Ozeane.
Häufige Fragen zum Thwaites-Gletscher
Warum heißt der Thwaites-Gletscher Weltuntergangsgletscher?
Der Beiname Doomsday Glacier verweist auf die Schluesselrolle des Gletschers fuer den Westantarktischen Eisschild. Kollabiert der Thwaites, koennte er benachbarte Gletscher mitreissen und langfristig einen Meeresspiegelanstieg von bis zu 3,3 Metern ausloesen.
Wie stark wuerde der Meeresspiegel bei einem Kollaps steigen?
Ein vollstaendiger Kollaps des Thwaites-Gletschers wuerde den globalen Meeresspiegel um rund 65 Zentimeter anheben. Reisst er benachbarte Gletscher mit, sind langfristig bis zu 3,3 Meter moeglich. Kuestenstaedte wie Hamburg, New York und Miami waeren dann staerker von Fluten bedroht.
Wann zerbricht das Schelfeis des Thwaites?
Der Zeitpunkt laesst sich nicht vorhersagen. Forscher der International Thwaites Glacier Collaboration halten einen Zerfall des oestlichen Schelfeises in den naechsten Jahren fuer moeglich, koennen ihn aber nicht datieren. Vorsorglich liegt bereits eine Pressemitteilung als Nachruf bereit.
Wie gross ist der Thwaites-Gletscher?
Der Thwaites-Gletscher umfasst rund 192.000 Quadratkilometer und ist damit etwas groesser als der US-Bundesstaat Florida. Er zaehlt zu den groessten Gletschern der Erde.
Auch interessant: Klima-Ticker von Cleanthinking mit aktuellen Nachrichten zur Erderwärmung.
Quellen
- Journal of Geophysical Research: Earth Surface (2025): Studie zum Zerfall des Thwaites Eastern Ice Shelf.
- Frankfurter Rundschau (2026): Schelfeis vor „Weltuntergangsgletscher" droht zu zerbrechen.
- Schmidt, B. et al. (2023): Heterogeneous melting near the Thwaites Glacier grounding line, Nature.
- International Thwaites Glacier Collaboration: Thwaites Glacier Facts.
(Der Beitrag erschien erstmals 2021 und wurde mehrfach erweitert. Letzte Revision im Mai 2026.)
Wir sehen es ähnlich: 2050 sind wir ca. 80 Jahre alt, wird werden noch etwas von den Folgen der Klimakatastrophe erleben. Unsere Kinder werden von diesen Folgen deutlich mehr erleben. Nicht nur das steigende Meerwasser oder die heißen und trockenen Gebiete, die entstehen werden. Nein, auch den Wohnraum- und Nahrungsmangel und da die Menschheit eher dumm ist auch die daraus resultierenden sozialen Verschiebungen und Konflikte werden unsere Kinder und Kindeskinder erleben müssen.
Warum? Weil unsere Generationen es weltweit verpennt hat, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Dabei wissen wir es seit 40…50 Jahren besser. Die damaligen Prognosen waren eindeutig. Bei den meisten dieser Prognosen ist jeweils die schlechteste eingetroffen, diese Erkenntnis mussten wir uns schon eingestehen.
Wir sind mittlerweile eher pessimistisch, was die Zukunft angeht und hoffen, dass wir es nicht bereuhen werden, Kinder in diese Welt gesetzt zu haben.
Der Probleme gibt es derzeit extrem viele, entsprechende Handlungen sind geboten. Aber leider fehlt der Wille. Es fehlt vielen in der 1. Welt der Wille, in etwas weniger Luxus und Komfort zu leben und mal einen Schritt zurückzutreten. Auf die Titanic übertragen ersaufen wir mit dem Whiskyglas in der Hand.
Das Lebensglück meiner Frau und mir besteht darin, dass wir 2050 fast 100 Jahre alt sind und das wohl nicht mehr erleben werden, aber unsere Enkel sicherlich. Somit haben wir die ideale Zeitspanne auf diesen Planeten verbracht und werden wohl auch nicht zu sehr unter den Klimafolgen leiden müssen bis zu unserem finalen Verfallsdatum.
Ich glaube nicht mehr daran, dass diese Menschheit die Temperaturbegrenzung auf +1,5 °C in den Griff bekommt.
Sicher ist nur, dass Gier und Machtstreben, aber vor allem das Bevölkerungswachstum als Ursache allen Übels weitergehen wird. Wir sehen wenig Grund zur Hoffnung. Viel zu viel wurde in den letzten beiden Jahrzehnten versäumt, nicht nur in Deutschland. Die Aufholjagd findet a) nicht statt und ist b) wohl auch schon verloren, da die Nachwirkungen der Versäumnisse erheblich sind.
Wir werden uns also anpassen müssen, so wie es bereits viele vermeintlich dumme Tiere tun & können. Der dumme Mensch hingegen kann es offensichtlich noch nicht, also wird es Opfer geben. Gfs. wird die Natur es in einer weiteren Pandemie korrigieren.
Der Natur ist’s Wurst!
Wir sind es, die dafür verantwortlich sind, ob die Umgebungsbedingungen auf diesem Planeten für Menschen günstig ungünstig oder für Menschen sogar lebensfeindluch sind.
Die Natur wehrt sich nicht gegen den Menschen.
Die Natur ist wie sie ist.