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Sauber in die Zukunft

Tier Mobility macht Bird und Lime beim E-Floater-Sharing Konkurrenz

Berliner Cleantech-Startup Tier Mobility setzt Ausrufezeichen mit 25-Millionen-Finanzierungsrunde / In Wien ist Tier bereits mit 250 E-Tretrollern am Start

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Derzeit schwappt ein gewaltiger Trend aus den USA herüber nach Europa: die E-Floater, kleine, elektrische angetriebene Fahrzeuge kommen. Mit Tier Mobility (Website) hat jetzt ein Cleantech-Startup aus Berlin in einer Series-A-Finanzierungsrunde stattliche 25 Millionen Euro eingesammelt – für die kommenden Monate deutet sich eine erbitterte Schlacht um die beste Position für E-Floater-Sharing in Städten wie Wien, Paris  oder Berlin an.

Ein wenig erinnert der neue Hype um Cleantech-Unternehmen, die kleine E-Scooter oder E-Floater zwischen 7 und 21 Uhr in Städten zum einfachen Mieten via Smartphone anbieten, an den Web 2.0-Hype im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts. Denn die Summen, die die Sharing-Anbieter Lime und Bird in den USA und Tier Mobility und andere auch in Europa derzeit einwerben, erscheinen astronomisch.

Bird und Lime haben – jeweils – rund 400 Millionen US-Dollar Venture Capital eingesammelt und sorgen durch die Flutung einiger Großstädte in den USA nicht nur für positive Schlagzeilen – schon ist von einer Vielzahl an Unfällen die Rede, die die kleinen E-Tretroller, die überall in den Städten verteilt zum einfachen Ausleihen bereitstehen, verursachen.

So will Tier Mobility Europa erobern

Das Prinzip es E-Floater-Sharings ist einfach: Der Betreiber verteilt die kleinen Elektroroller in den Städten. Dort können sie für 1 Euro pro Ausleihe und 15 Cent pro Minute ausgeliehen werden. Zumindest zwischen 7 und 21 Uhr. Abgestellt werden können sie überall, so dass der letzte Kilometer vom Zug zum Zielort wie etwa dem Arbeitsplatz überbrückt werden kann. In der Nacht werden die E-Tretroller eingesammelt und aufgeladen, bevor sie am kommenden Tag wieder neu verteilt werden.

Neben  der stattlichen Finanzierung eines eher überschaubaren Businesses erinnert durchaus auch die Namensgebung des ersten europäischen Unternehmens in diesem Markt an die Web 2.0-Ära. Geht man davon aus, dass Tier Mobility möglicherweise vom Vorbild Bird inspiriert wurde, ist eine gewisse Namensähnlichkeit, zumindest den Sinn betreffend, durchaus vorhanden und womöglich auch mit einem Augenzwinkern gewollt.

Vor wenigen Tagen ist Tier Mobility in Wien gestartet und hat dort 250 E-Floater zum Teilen auf die Straße gebracht. Die österreichische Hauptstadt ist auch schon Ziel der US-Anbieter Lime und Bird geworden – Bird beispielsweise ist dort mit 100 E-Tretrollern gestartet. Sobald jeder der Roller mindestens drei Mal pro Tag ausgeliehen wird, soll das Angebot ausgebaut werden.

Stadt Wien setzt Regeln für E-Floater-Sharing

Die Verwaltung Wiens freut sich über  umweltfreundliche Möglichkeit, die attraktive Stadt zu erkunden, hat aber bereits einige Regeln festgelegt. So müssen alle E-Scooter registriert werden – und bei Defekt oder bei den Verkehr behinderndem Abstellen innerhalb klarer Fristen entfernt werden. Ansonsten droht eine satte Verwaltungsstrafe von 700 Euro. Außerdem darf kein Anbieter mehr als 1.500 E-Floater im Stadtgebiet verteilen.

Mit dem frischen Kapital will das Berliner Cleantech-Startup Tier Mobility nun weitere Städte erobern. An der Finanzierungsrunde beteiligte sich federführend der Investor Northzone. Ebenfalls beteiligt waren die Investoren Speedinvest und Point Nine, die Tier Mobility zuvor bereits rund zwei Millionen Euro gegeben hatten. Geführt wird das Unternehmen von Dr. Julian Blessin und Lawrence Leuschner.

Deutscher Haken: Bislang keine Zulassung für E-Floater

Interessant an der hohen Bewertung von Tier Mobility ist der Umstand, dass der deutsche Markt bislang mit einer Unsicherheit behaftet ist. Zwar verlautet aus dem Bundesverkehrsministerium immer wieder, man arbeite an einer entsprechenden Verordnung zur Zulassung der Kickboards. Allerdings scheint diese Regelung eher erst im Frühjahr 2019 zu kommen als noch dieses Jahr. Dazu soll es auch neue Schilder geben, die Städten beispielsweise das Freigeben der Fußgängerzone für die innovativen Hilfsmittel ermöglichen.

Die Regeln für das Fahren mit einem E-Scooter unterscheiden sich je nach Stadt teilweise deutlich. Einerseits im Hinblick auf die zugelassene Geschwindigkeit zwischen 20 und 25 km/h. Andererseits im Hinblick darauf, ob ein Helm Pflicht ist oder nicht. Tier Mobility löst das mit einer generellen Empfehlung, immer einen Helm zu tragen. Denn nur,wenn jeder Fahrer sicher sei, könne der Wandel hin zum „Guten“ im Transport auf den letzten Kilometern gelingen.

Europas Städte erleben mit dem Druck, die Luftqualität zu verbessern, einen Wandel, der bei der Mobilität ansetzen muss. Das führt nicht nur zum Ersetzen von Dieselbussen durch Elektrobusse, sondern beispielsweise auch zu neuen Überlegungen im Hinblick auf den innerstädtischen Lieferverkehr und letztlich auch den gesamten ÖPNV. Hierbei wird die Kombination von Zügen oder Flugzeugen mit Sharing-Produkten wie Elektroautos, Elektrorollern, Fahrrädern oder Kleinfahrzeugen wie E-Floatern eine immer bedeutendere Rolle spielen.

Die Flutung mit entsprechenden Fahrzeugen sorgt durchaus für Probleme: Fahrradverleiher kommen und gehen, in Paris wurde ein Car-Sharing-Konzept wieder aufgegeben, das mit großem Aufwand initiiert wurde. Umso wichtiger ist, dass Städte wie Wien, Berlin oder Paris daraus lernen und keinen Wildwuchs an Anbietern und einen zu starken Kampf zwischen den Anbietern zulassen.

So gibt es erste Anzeichen, dass Städte auf Ausschreibungen setzen – und das könnte ein Vorteil für europäische Anbieter wie Tier Mobility werden, de nicht nur auf Geschwindigkeit setzen, sondern auch darauf, mit den lokalen Verwaltungen zusammenzuarbeiten. Genau dieses Ziel verfolgt Tier Mobility offensichtlich. Gelingt hier die aufwändige Kontaktanbahnung zu den jeweiligen Institutionen der Städte, kann es ein Erfolgsmodell werden – wenn die Kunden mitspielen.

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