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Volta Greentech will Methan-Emissionen von Kühen mit Rotalgen-Futter reduzieren

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Schwedisches Cleantech-Startup Volta Greentech industrialisiert Rotalgen-Herstellung dazu.

Die Fakten sind klar: Etwa vier Prozent der globalen Treibhausgasemissionen sind mit der Viehzucht verbunden. Im Vergleich zu Flugreisen ist das die doppelte Menge. Die Zahl von 1,5 Milliarden Rindern weltweit, muss mittelfristig reduziert werden. Jedes Tier produziert pro Jahr 70 bis 120 Kilogramm Methan. Jetzt hat das Cleantech-Startup Volta Greentech ein alternatives Futtermittel mit Rotalgen aus dem Meer (Asparagopsis taxiformis) entwickelt, das kurzfristig helfen kann, die Methan-Emissionen zu reduzieren.

Die Fabrik von Volta Greentech ist an der schwedischen Küste angesiedelt. Dort will das Cleantech-Startup bis Jahresende mit der kommerziellen Produktion von Asparagopsis taxiformis beginnen. Es handelt sich um eine Rotalge aus dem Meer, die bislang an Land noch nie angebaut wurde. Aber die Kommerzialisierung hat einen Grund: Wenn die Meeresalge dem Viefutter beigemischt wird, rülpsen und pupsen die Kühe weniger Methan.

Fredrik Åkerman, Mitgründer und CEO von Volta Greentech, stieß vor drei Jahren durch Zufall auf einen wissenschaftlichen Artikel im Internet – und wunderte sich, dass es bislang nicht kommerziell genutzt wird. Denn Rindfleisch und Milch haben einen größeren, ökoligischen Fußabdruck als andere Nahrungsmittel, was zum Teil auf das Wiederkäuen der Kühe und deren Verdauungsapparat zurückzuführen ist. Pro Jahr entstehen so pro Kuh 100 Kilogramm Methan.

Methan ist im Vergleich zu Kohlendioxid, das viel stärker im Fokus der Öffentlichkeit steht, ein 28-fach stärkeres Treibhausgas. Angekommen in der Atmosphäre, ist es allerdings deutlich kürzer vorhanden und zerfällt nach einem bis zwei Jahrzehnten. In den vergangenen Jahren sind die vom Mensch erzeugten Methan-Emissionen in der Wissenschaft aber stärker in den Fokus gerückt, weil die prognostizierte Entwicklung mit der tatsächlichen Entwicklung nicht übereinstimmte. Immer wieder kommen neue Erkenntnisse zur Erklärung des starken Anstiegs der Methan-Emissionen ans Tageslicht.

Neben Volta Greentech arbeiten auch andere Cleantech-Startups an Lösungen für die Reduzierung der Methan-Emissionen der Rinder. Mootral test etwa gerade eine Art Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Knoblauch, das den Kühen helfen soll, ihre ballaststoffreiche Nahrung besser zu verdauern. Die Rotalgen von Volta Greentech scheinen im Vergleich zu diesem Mittel jedoch überlegen und besonders wirksam zu sein.

Forscher einer Universität erzielten schon bei Zugabe von einem Prozent der Rotalgen zum Viehfutter eine 60-prozentige Reduktion der Methan-Emissionen. In Australien stellten Forscher bei Zugabe von zwei Prozent eine 99-prozentige Reduzierung fest. Wichtig dabei: Die Kühe weigern sich nicht, das versetzte Futter zu fressen – und Milch und Fleisch der Rinder ändern sich im Geschmack ebenfalls nicht.

Unser Ziel ist es, dass dieses Futterergänzungsmittel zum Industriestandard in der Milch- und Fleischindustrie wird. Dies hat das Potenzial, das größte Ereignis zu werden, das der Branche seit pasteurisierter Milch passiert ist.

Fredrik Åkerman, CEO und Co-Gründer von Volta Greentech

Volta Greentech sammelt frisches Kapital ein

Die Herausforderung, die Volta Greentech u.a. durch frische Mittel einer Finanzierungsrunde von 500.000 Euro lösen möchte: Die Rotalge lässt sich schlecht in großen Mengen direkt aus dem Meer ernten. Daher versucht das Startup nun, die Herstellung zu industrialisieren. Labortests haben ergeben, dass die Algen in der neuen Fabrik unter künstlichem Licht in Tanks angebaut werden. Sie erhalten frisches Meerwasser aus dem Ozean. Abwärme aus einer nahegelegenen Ölraffinerie wird Gebäude und Wasser erwärmen.

Schon frühzeitig erhielt der Gründer mit seinem Team Unterstützung anderer Unternehmer aus dem Cleantech-Sektor in Schweden. Zu den ersten Geldgebern gehörten u.a. Peter Carlsson, der Gründer von Northvolt, Vivianne Holm, Gründerin von Climeon und die Risikokapitalgesellschaft Wave Ventures aus Helsinki.

Die neue Finanzierungsrunde von ca. 500.000 Euro stammt unter anderem von der Beijer-Stiftung, dem Finanzier Claes Dinkelspiel und dem Foodtech-Unternehmer Sorosh Tavakoli.

„Die Produktion selbst kann sehr nachhaltig werden, weil Algen, genau wie Bäume, CO2 aufnehmen, um zu wachsen“, sagt Åkerman. „Wir werden also Kohlendioxid in die Produktionsanlage pumpen, um sicherzustellen, dass die Algen schneller wachsen, und gleichzeitig das CO2 abfangen.“

Noch in diesem Jahr soll die Produktion aufgenommen werden, so das Unternehmen Volta Greentech. Bleibt noch die Frage des Geschäftsmodells: Hierbei arbeitet das Startup mit Landwirten und Lebensmittelunternehmen zusammen. Vorerst ist davon auszugehen, dass die Verbraucher einen leichten Aufschlag für klimafreundliche Milch oder klimafreundliches Fleisch zahlen müssen.

Mittelfristig soll bewiesen werden, dass die Kühe gesünder und schneller wachsen – so könnten Landwirte einen Anreiz erhalten, in das zusätzliche Futter zu investieren. Politische Regulierung könnte aber natürlich auch entscheidend zum Erfolg beitragen. In Kalifornien gibt es etwa eine Reglung, wonach Milchbauern die Methan-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent reduzieren müssen.

Natürlich ist die Veränderung des Tierfutters nicht die einzig notwendige Veränderung in der Viehzucht. Fleischalternativen und bessere Bedingungen für Rinder müssen ebenfalls dazu beitragen, dass die Viehzucht insgesamt reduziert wird und die Bedingungen verbessert werden. Es ist daher gut, dass es Unternehmen wie Volta Greentech gibt, die verhältnismäßig rasch eine Veränderung herbeiführen könnten. Verhaltensänderungen der Branche und der Verbraucher insgesamt, werden so aber nicht ersetzt.

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