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Fossiles Casino: Gaskraftwerke so teuer wie nie, Batteriespeicher so günstig wie nie
Kosten Gaskraftwerk vs. Batteriespeicher: BloombergNEF-Report zeigt historische Schere
Während die Kosten für Batteriespeicher 2025 um 27 Prozent eingebrochen sind, erreichen Gaskraftwerke Rekordpreise. BloombergNEF hat in seinem jährlichen „Levelized Cost of Electricity„-Report die bisher deutlichste Schere zwischen fossilen und erneuerbaren Technologien dokumentiert: Auf der einen Seite stehen Batteriespeicher mit historischen Tiefstpreisen von 78 Dollar pro Megawattstunde, auf der anderen Gaskraftwerke, deren Stromgestehungskosten auf das Rekordniveau von 102 Dollar pro Megawattstunde geklettert sind. Wer heute noch auf fossile Energien setzt, spielt im teuersten Casino der Energiegeschichte.
Die fossile Energiewelt hat ein Preisproblem – und es wird größer. Treiber der Kostenexplosion bei Gaskraftwerken ist ausgerechnet der Rechenzentrum-Boom – jener Trend, den fossile Lobbyisten so gerne als Argument für neue Gaskraftwerke nutzen.
Gleichzeitig zeigen die Zahlen der AGEE-Stat, dass die Energiewende in Deutschland trotz historisch windschwachem Frühjahr und extremer Trockenheit weiter voranschreitet: 55,1 Prozent Ökostrom, 91,6 Terawattstunden Solarstrom, 265 Millionen Tonnen vermiedene CO2-Emissionen. Wer die Zahlen nüchtern liest, erkennt: Das fossile Geschäftsmodell wird zum Verlustgeschäft.
Batteriespeicher: 78 Dollar pro Megawattstunde – Rekordtief
Die globalen Benchmark-Kosten für ein Vier-Stunden-Batteriespeicherprojekt sind 2025 um 27 Prozent auf 78 Dollar pro Megawattstunde gefallen – der niedrigste Wert seit Beginn der BNEF-Erhebungen 2009. Die Gründe liegen in einer Kombination aus Überkapazitäten in der Batterieproduktion (getrieben durch den E-Auto-Markt), zunehmendem Wettbewerb unter den Herstellern und verbesserten Systemdesigns. In bereits sechs Märkten weltweit liegt die Stromgestehung aus Vier-Stunden-Speichern unter 100 Dollar pro Megawattstunde.

Noch eindrucksvoller wird es bei kombinierten Solar-Speicher-Projekten: 2025 wurden weltweit 87 Gigawatt an Solar-plus-Speicher zugebaut, die Strom zu durchschnittlich 57 Dollar pro Megawattstunde liefern. Das unterbietet in vielen Regionen nicht nur neue, sondern auch bestehende fossile Kraftwerke. In Kalifornien und Teilen von Texas sind Solar-Speicher-Kombisysteme bereits heute billiger als Gaskraftwerke – und die Kostenentwicklung zeigt weiter nach unten.
Gaskraftwerke: 102 Dollar – so teuer wie nie
Auf der fossilen Seite der Gleichung herrscht das genaue Gegenteil. Die globalen Stromgestehungskosten für neue Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke (CCGT) sind 2025 um 16 Prozent auf 102 Dollar pro Megawattstunde gestiegen – ein historischer Höchststand. Ein wesentlicher Treiber: Die explodierende Nachfrage nach Gasturbinen für Rechenzentren hat die Anlagenpreise innerhalb von nur zwei Jahren verdoppelt. BloombergNEF erwartet, dass die Kosten für Gaskraftwerke auf absehbare Zeit hoch bleiben werden.
In den USA hat diese Entwicklung dazu geführt, dass Windkraft erstmals seit 2023 wieder die günstigste Option für neue Stromerzeugung ist – und Gaskraftwerke klar hinter sich lässt. Die Ironie ist kaum zu übersehen: Ausgerechnet der KI- und Rechenzentrum-Boom, den fossile Lobbyisten gerne als Argument für neue Gaskraftwerke anführen, hat die Gasturbinen-Kosten in die Höhe getrieben. Das fossile Casino frisst seine eigenen Spieler.
Deutschland: 55 Prozent Ökostrom trotz Flaute
Passend zu dieser globalen Dynamik liefern die aktuellen Zahlen der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) den Beweis, dass die Energiewende in Deutschland trotz widriger Umstände vorankommt. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch stieg 2025 auf 55,1 Prozent – bei einem historisch windschwachen Frühjahr und außergewöhnlich trockenem Wetter.
Die Photovoltaik legte mit 91,6 Terawattstunden um 21 Prozent zu und ist nun der zweitwichtigste Energieträger im deutschen Strommix – vor Braunkohle und Erdgas. Der installierte PV-Anlagenpark wuchs um 17 Prozent auf fast 120 Gigawatt. Beim Windkraft-Ausbau kam mit 5.100 Megawatt Neuzubau wieder Fahrt auf, auch wenn die Erzeugung witterungsbedingt bei 134 Terawattstunden stagnierte.
Insgesamt erzeugten erneuerbare Energien in Deutschland 290 Terawattstunden Strom und vermieden damit 265 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Wer angesichts dieser Zahlen noch von einer „gescheiterten Energiewende“ spricht, hat entweder die Daten nicht gelesen oder verfolgt eine andere Agenda.
Das Preissignal ist eindeutig
BNEF prognostiziert bis 2035 weitere Kostenrückgänge von 30 Prozent bei Solar, 25 Prozent bei Batteriespeichern, 23 Prozent bei Onshore-Wind und 20 Prozent bei Offshore-Wind. In der Gegenrichtung gibt es keine vergleichbare Prognose für fossile Technologien – im Gegenteil: Knappe Lieferketten, steigende Rohstoffpreise und die Nachfrage-Explosion durch Rechenzentren machen fossile Stromerzeugung strukturell teurer.
Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Jeder Euro, der heute noch in neue fossile Infrastruktur fließt, ist eine Wette gegen den Markt. Erneuerbare Energien unterbieten in den wichtigsten Märkten der Welt bereits die Betriebskosten bestehender fossiler Kraftwerke. In fast allen Asien-Pazifik-Märkten ist neue Solarenergie günstiger als neue Kohle- oder Gasstrom, in den USA und Kanada hat Wind die Nase vorn, in Südeuropa dominiert Solar und in Nordeuropa Wind.
Das fossile Casino hat seine besten Zeiten hinter sich. Wer jetzt noch Chips auf den Tisch legt, sollte wissen: Der Hausvorteil liegt längst bei den Erneuerbaren.
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Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.
Es wird argumentiert, dass Gaskraftwerke für lange Pufferzeiten gegenüber den Batteriespeichern im Vorteil sind.
Alternative: (1) Vergrößerte Stromerzeugung aus Wind + Solar, welche (2) große Batteriespeicher füllen. Gibt es eine Studie, die diesen Fall betrachtet?
Gruß Frank Maschler
Hallo Frank,
das Bundeswirtschaftsministerium geht von Folgendem aus:
„Im Bericht steht außerdem, dass in Zielszenarien für den Energiemix im Jahr 2040 und den perspektivisch steigenden Anteil der erneuerbaren Energien „mit Erdgas und Wasserstoff betriebene Gaskraftwerke im Jahr 2040 nur noch etwa 5 Prozent des gesamten jährlichen Strombedarfs in Deutschland“ ausmachen dürften.“ (Quelle Frankfurter Rundschau).
Wenn die Elektrifizierung mit Solar, Wind, Speichern, Geothermie und Co. konsequent vorangetrieben wird, wird nur wenig Bedarf für Gaskraftwerke zur Verstromung bestehen bleiben. Insofern ist die Planung sehr nah an Ihrer Variante 2.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
In China kommen auch derzeit nur ca. 20% am Energieverbrauch aus EE. In den USA und Indien nur etwas über 10%. In Russland unter 5%. Die Industrienationen der Welt leben von Gas und Öl. Und ein Ende ist da nicht absehbar für die nächsten Jahrzehnte. Ein Ausstieg in wenigen Jahren ist nicht möglich, ohne die genannten Folgen.
Hallo Michael,
die Emissionen in China sinken bereits. Der Ölverbrauch geht ebenfalls zurück. Solar und Wind verdrängen fossile Energien zunehmend. Das Elektrifizierungstempo ist in Indien sogar noch höher als in China.
Die Zukunft ist sauber & erneuerbar – China, Indien und ganz viele andere Staaten sind auf dem Weg. Wie der Artikel zeigt: Erneuerbar wird billiger, fossil wird teuer. Auch deshalb sind >90 Prozent aller neu hinzugebauten Strom-Kapazitäten entweder Solar oder Wind. Geothermie kommt hinzu.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Ca. 80% des Endenergieverbrauchs in Deutschland kommen aus foss. Quellen, nur ca 20% aus EE.
All die E-Autos und E-Wärmepumpen die erwünscht sind werden folglich nie laufen.
Da wir über Jahrzehnte weiter auf Gas und Öl als Industrieland angewiesen sein werden, oder aber Kernkraft und uns da keine zuverlässigen Lieferanten gesichert haben, wird das Kartenhaus noch in diesem Jahr zusammenbrechen.
Energiearmut, Inflation, Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit.
Hallo Michael,
da bricht nichts zusammen. Die Elektrifizierung läuft in Europa schleppend, aber sie läuft.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Von den fossilen 80% des Energieverbrauches in Deutschland werden 80% ohne Nutzen als Abwärme in die Umwelt geblasen. Meine WP macht aus 1er kWh Strom 4kWh Wärme. Meine vorherige Gastherme hat aus 1er kWh Gas gerade mal 0,9kWh Wärme. Dein Verbrenner verwandelt gerade einmal im Optimalfall 30% der eingesetzten Energie in Fortbewegung um. Der Rest ist Abwärme und wird in die Umwelt geblasen. Mein E-Auto nutzt ca. 70% der eingesetzten Energie zur Fortbewegung.
Mal eine einfache Rechnung zu deinem Energieverbrauch.
Vorheriger Zustand: Verbrenner, Gasheizung, Haushaltsstrom.
Verbrauch: 1.300L Benzin(6,5L/100km macht ca. 11.000kWh), 10.000kWh Gas, 3.500kWh Haushaltsstrom
Kosten: 2340€ Benzin(1,8€/L), 1.170€ Gas(10ct/kWh u.170€GG),1220€ Strom(0,3ct/kWh u. 170€GG)
Gesamtenergieverbrauch: 24.500kWh!
Aktueller Zustand: E-Auto, Wärmepumpe, Haushaltsstrom
Verbrauch: 3.600kWh Fahrstrom, 2.500kWh Wärmestrom, 3.500kWh Hausstrom
Kosten: 3050€ (0,3ct/kWh/ 2880€Strom und 170€GG)
Gesamtenergieverbrauch: 9.600kWh!
Gesamtkosten/Jahr: Durch Nutzung fossiler Energie und Strom 4730€ vs. 3050€(Aktuell)
Da ich auch noch eine böse EE-Anlage auf dem Dach habe und diese schon 5.100kWh für den Eigenverbrauch und 6.000kWh für die Einspeisung produziert, ich über einen Stromvertrag nur 24,9ct/kWh verfüge, kostet mich das Ganze sogar nur noch weniger.
Gestehungskosten die kWh vom Dach sind 0,8ct/kWh und die Einspeisevergütung beträgt 0,0643ct/kWh.
Macht dann nur ca. 1.145€ Energiekosten bei mehr als halbierten Energieverbrauch!
Und genau das ist der Grund warum viele Unternehmen sich mittlerweile Gedanken machen wie sie von dem fossilen Dreck wegkommen bzw. sind da nicht wenige Unternehmen schon weiter.
Ja, die PV-Anlage hat Geld und Nerven gekostet. Die ist im Strompreis mit eingepreist.
Ja, die Wärmepumpe hat Geld und Nerven gekostet. Die alte Gasheizung durch eine neue Gasheizung zu ersetzen aber auch. Dank Förderung waren bei mir die Kosten sogar gleich Egal ob Gasheizung oder Wärmepumpe.
Das E-Auto kostet auch Geld. Das kostet ein Verbrenner aber auch. Daher habe ich das nicht berücksichtigt.
Und genau so ticken Unternehmen auch.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal wie man in der heutigen Zeit überhaupt noch diese Energieverschwendung durch Fossile gutheißen kann. Ja, auch bei meinem Stromverbrauch wird auch noch fossiles Gas oder Kohle verbrannt. Allerdings dank Ausbau EE immer weniger. Wir werden also immer unabhängiger.
Kleine Korrektur: ich meinte statt Gestehungskosten 0,8ct/kWh natürlich 8ct/kWh und bei der Einspeisevergütung statt 0,0643ct/kWh natürlich 6,43ct/kWh. Ansonsten stimmt die Rechnung allerdings. 😉