Trench Group boomt, während die deutsche Industrie kriselt

Der Hochspannungstechniker aus Troisdorf darf jetzt sogar sonntags arbeiten

Seit Anfang 2026 läuft das Werk der Trench Group im nordrhein-westfälischen Troisdorf im 24/7-Schichtbetrieb, inklusive Sonntagsarbeit. Die Bezirksregierung genehmigte die Ausnahme mit einem bemerkenswerten Argument: Die Energiewende voranzutreiben sei im öffentlichen Interesse dringend nötig. Deutschland hat keinen weiteren Hersteller dieser Art von Hochspannungstechnik. Die Trench Group mit Hauptsitz in Berlin stellt Durchführungen für Transformatoren her, jene röhrenförmigen Bauteile, ohne die kein Umspannwerk funktioniert.

Die Zahlen sprechen für sich: 2025 stiegen die neuen Aufträge um fast 40 Prozent, der Umsatz wuchs zum zweiten Mal in Folge um über 30 Prozent auf rund 900 Millionen Euro. Der Auftragsbestand liegt bei zwei Milliarden Euro. Getrieben wird das Wachstum vom globalen Netzausbau, der Energiewende und dem rasanten Aufbau von KI-Rechenzentren.

Nach dem Verkauf durch Siemens Energy wächst Trench schneller als je zuvor

Bis 2023 gehörte die Trench Group zu Siemens Energy. Doch der Konzern war durch die Gamesa-Probleme finanziell angeschlagen und verkaufte das Unternehmen an den Finanzinvestor Triton Partners. Die Trench Group hatte ohnehin bis zu 75 Prozent ihres Geschäfts außerhalb von Siemens gemacht. Triton investiert kein eigenes Kapital, lässt dem Unternehmen aber die Gewinne zur Reinvestition. Seit April 2024 wurden 800 neue Mitarbeiter eingestellt, weltweit arbeiten jetzt 3.000 Menschen an elf Standorten in acht Ländern.


60 Millionen Dollar für das erste US-Werk

Über 40 Prozent des Auftragseingangs entfallen mittlerweile auf Nordamerika. In Charlotte, North Carolina, entsteht für 60 Millionen Dollar das erste eigene US-Werk. Die Montage startete im Februar 2026, die volle Produktion ist für Juli vorgesehen. Langfristige Lieferverträge mit großen Transformatorenherstellern und Hyperscalern sind bereits unterzeichnet.

Parallel wächst die Trench Group durch Übernahmen. Anfang März 2026 schloss das Unternehmen die Akquisition des italienischen Kondensatorherstellers Enerlux Power ab. Kondensatoren werden häufig zusammen mit den Luftspulen von Trench in FACTS-Systemen zur Netzstabilisierung eingesetzt. Bereits Ende 2025 hatte Trench die Komposit-Isolatoren-Produktion der Maschinenfabrik Reinhausen übernommen.

Was bedeutet das für die Energiewende?

Die Trench Group zeigt, wo die echten Flaschenhälse der Energiewende liegen: nicht bei Solarpanels oder Windrädern, sondern in der Netzinfrastruktur dahinter. Wartezeiten für große Leistungstransformatoren betragen mehrere Jahre. Dass eine Bezirksregierung Sonntagsarbeit für einen Hochspannungstechniker genehmigt, signalisiert den Ernst der Lage.

Gleichzeitig schafft der Boom reale Arbeitsplätze. Allein in Troisdorf kamen in zwei Jahren 100 neue Stellen hinzu, viele Mitarbeiter kamen aus dem kriselnden Automobilsektor. Ford streicht im Kölner Raum Tausende Stellen, die Trench Group stellt ein. In Österreich lockt das Unternehmen mit einer Zwei-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich: zwei Wochenendschichten à zwölf Stunden. In Deutschland ist dieses Modell aufgrund der gesetzlichen Höchstarbeitszeit nicht umsetzbar.

Fazit und Ausblick: Produktivität als letzter Vorteil

Mit einem Marktanteil von 30 Prozent bei Transformator-Durchführungen und einer aggressiven Expansionsstrategie ist die Trench Group gut positioniert für die Arbeit an einer sauberen Zukunft dieses Landes und weit darüber hinaus. Doch CEO Bahadir Basdere warnt: Den Technologievorsprung, den Deutschland bei der Hochspannungstechnik noch hat, dürfe man nicht für selbstverständlich halten. Bei der Solarindustrie sei dieser Vorsprung bereits verloren gegangen.

Produktivität müsse der entscheidende Vorteil bleiben. Die Ausnahmeregelung für die Sonntagsarbeit gilt vorerst nur für zwei Jahre.

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