FIRMENPORTRÄT
Energy Dome
CO2-Batterien für die Langzeitspeicherung von Wind- und Solarstrom

Energy Dome speichert Solar- und Windstrom als komprimiertes CO2. Das Mailänder Unternehmen ist vom Sardinien-Piloten zum Anbieter auf vier Kontinenten geworden, mit Google als Ankerkunde und Investor und Staatsversorgern als neuem Partnertyp.
Wie die CO2-Batterie Strom speichert
Energy Dome speichert Strom in einem geschlossenen CO2-Kreislauf. Beim Laden komprimiert ein Kompressor CO2 aus dem namensgebenden Gasspeicher, dem „Dome”, unter hohem Druck. Die dabei entstehende Kompressionswärme wird separat zwischengespeichert, das CO2 verflüssigt sich bei Umgebungstemperatur und wandert in Stahltanks.
Der Kreislauf ist geschlossen: Es entweicht kein CO2 in die Atmosphäre, und es wird auch keines neu gebunden. Die Anlage nutzt das Gas ausschließlich als Arbeitsmedium für die Energiespeicherung. Das unterscheidet Energy Dome von CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS), mit der das Konzept häufig verwechselt wird.
Beim Entladen verdampft das flüssige CO2 wieder, expandiert mithilfe der zuvor gespeicherten Wärme durch eine Turbine und treibt einen Generator an. Das Gas kehrt anschließend in den Dome zurück, der Kreislauf schließt sich. Eine ausführliche technische Erklärung liefert der Cleanthinking-Erklärartikel zur CO2-Batterie.
Das System basiert auf industrieüblichen Komponenten wie Kompressoren, Turbinen und Stahltanks, ohne Lithium oder Seltene Erden. Nach Herstellerangaben lässt sich der Speicher vollständig entladen, eine Entladetiefe von 100 Prozent.
Energy Dome beziffert den Rundwirkungsgrad, das Verhältnis von eingespeister zu wieder ausgespeister Energie, mit rund 75 Prozent beziehungsweise „über 70 Prozent netto”. Beide Werte sind Herstellerangaben und bislang nicht unabhängig verifiziert. Der Hersteller nennt eine Speicherdauer von 8 bis 24 Stunden; in den bislang realisierten Projekten, von Sardinien bis Wisconsin, liegen alle Anlagen bei 10 bis 12 Stunden.
Energy Dome gibt für seine Anlagen eine Lebensdauer von über 25 Jahren ohne nennenswerten Leistungsverlust an. Die älteste kommerzielle Anlage, Ottana auf Sardinien, ist erst seit Mitte 2025 in Betrieb. Ein unabhängiger Nachweis über den vollen Zeitraum steht damit noch aus.
Der Energiesystemforscher Edward Barbour von der Loughborough University hält das Konzept für vielversprechend. Gegenüber MIT Technology Review nannte er zugleich die Langzeit-Haltbarkeit der Wärmetauscher als technische Herausforderung, die sich erst über Jahrzehnte im Betrieb beweisen müsse.
Nach Angaben von Firmengründer Claudio Spadacini liegen die Kapitalkosten der CO2-Batterie bei knapp unter 200 US-Dollar pro Kilowattstunde. Lithium-Ionen-Speicher für vergleichbare Langzeit-Anwendungen kosteten demnach rund 300 US-Dollar pro Kilowattstunde. Auch diese Zahlen stammen vom Unternehmen selbst.
Wo Energy Dome CO2-Batterien baut, und wo nicht
Energy Dome verfolgt zwei Geschäftsmodelle. Im überwiegenden Fall baut, besitzt und betreibt das Unternehmen die Anlage selbst und least die Speicherkapazität über 20 Jahre an einen Abnehmer, ein Modell namens Storage-as-a-Service oder Tolling. So funktionieren die Verträge mit Engie in Ottana, mit Google in Irland und mit Salt River Project in Arizona.
Daneben liefert Energy Dome die Technologie auch klassisch als Anlagenbauer, ohne selbst Eigentümer zu bleiben. Beim Projekt mit Alliant Energy in Wisconsin gehört die fertige Anlage dem Versorger.
Kundentyp sind bislang vor allem Netzbetreiber und Energieversorger, die Kapazität für Zeiten ohne Sonne und Wind brauchen, sowie zunehmend Hyperscaler wie Google, die für ihre Rechenzentren durchgehend CO2-freien Strom benötigen. Auffällig oft entstehen die Anlagen auf oder neben ehemaligen Kohlestandorten, etwa an der stillgelegten Coronado Generating Station in Arizona oder im Kohlerevier Latrobe Valley in Australien.
Die Grenzen der Technologie liegen vor allem im Nachweis. Der Hersteller nennt eine maximale Speicherdauer von 24 Stunden, real liegen alle bislang gebauten Anlagen bei 10 bis 12 Stunden. Anlagen dieser Größe brauchen zudem viel Fläche für Dome und Tanks, was ehemalige Kraftwerksgelände mit vorhandener Netzanbindung attraktiver macht als citynahe Standorte.
Wer hinter Energy Dome steckt
Claudio Spadacini gründete Energy Dome im Februar 2020 in Mailand gemeinsam mit Dario Rizzi und Francesco Oppici. Die drei kennen sich aus über 15 Jahren gemeinsamer Arbeit an Energieprojekten, von Geothermie über Biogas bis zu solarthermischen Kraftwerken (CSP).
Spadacini studierte Maschinenbau am Politecnico di Milano und hält nach Unternehmensangaben 45 Patente. Vor Energy Dome gründete er bereits Exergy, das mehr als 500 Megawatt Geothermie-Leistung installiert hat, und Sebigas, das über 80 Biogasanlagen gebaut hat.
Energy Dome beschäftigt rund 110 Mitarbeitende. Der Hauptsitz liegt in Mailand, seit Februar 2025 unterhält das Unternehmen zusätzlich ein APAC-Hauptquartier in Melbourne, von dem aus das Australien- und Asien-Geschäft gesteuert wird.
Wie Energy Dome vom Sardinien-Piloten zum Mehrkontinente-Anbieter wurde
Energy Dome finanzierte sich zunächst über eine Series A von 11 Millionen US-Dollar im November 2021, angeführt vom Investor 360 Capital. 2023 folgte eine auf 55 Millionen Euro erweiterte Series B mit Eni Next, Neva SGR und Barclays als Investoren.
Für den Bau der ersten Kommerzanlage in Ottana kamen projektbezogen bis zu 35 Millionen Euro von Breakthrough Energy Catalyst und der EU sowie 25 Millionen Euro Venture Debt von der Europäischen Investitionsbank hinzu. Im Juli 2025 investierte auch Google strategisch in Energy Dome, im Zuge einer globalen Partnerschaft zur Versorgung von Google-Rechenzentren mit speicherbarem, CO2-freiem Strom. Die Höhe der Google-Investition hat keine der beiden Seiten offengelegt.
Im Ranking des Marktbeobachters Sightline Climate belegte Energy Dome im Januar 2026 Platz drei unter den Langzeitspeicher-Anbietern, hinter den Lithium-Ionen-Herstellern Tesla und Chint Power. Unter den Anbietern ohne Lithium-Technologie war Energy Dome damit die Nummer eins.
Heute reicht die Projektpipeline von Wisconsin und Arizona über Indien und Irland bis Australien; binnen eines Jahres nach dem Start der Kommerzanlage auf Sardinien kamen allein drei neue Länderprojekte hinzu. Google tritt dabei in zwei Rollen auf, als Investor und als Ankerkunde. Das ist ein Signal für die gesamte Langzeitspeicher-Branche: Hyperscaler kaufen inzwischen direkt Speicherkapazität statt nur Ökostrom-Zertifikate.
Warum Energy Dome relevant ist
Was 2022 als einzelner Demonstrator auf Sardinien begann, ist binnen vier Jahren zu einem Rollout auf vier Kontinenten geworden. Das ordnet Energy Dome in das Muster der Electrotech-Revolution ein: Wer eine funktionierende Lösung für ein reales Systemproblem hat, wächst heute in einem Tempo, das klassische Infrastrukturprojekte selten erreichen.
Dass Google zugleich Ankerkunde und Investor ist, zeigt, wie ernst Hyperscaler das Problem der Lastprofile nehmen: Rechenzentren brauchen rund um die Uhr Strom, Solar- und Windenergie liefern ihn nicht gleichmäßig. Speicher wie die CO2-Batterie schließen die Lücke zwischen Mittagsüberschuss und Abend- oder Mehrtagesflaute, ohne um dieselben Rohstoffe wie Elektroautos und Kurzzeitspeicher zu konkurrieren.
Bemerkenswert ist zudem das wiederkehrende Muster der Standortwahl: Arizona, Australien, perspektivisch weitere Kohlereviere. Ehemalige Kraftwerksstandorte bringen Netzanschluss, Flächen und eine Belegschaft mit, die im Umgang mit Turbinen und Großanlagen erfahren ist, ein doppelter Vorteil für den Kohleausstieg vor Ort.
Zur Einordnung gehört auch die Vorsicht: Die Angaben zu Wirkungsgrad, Lebensdauer und Kosten stammen bislang vom Unternehmen selbst. Einen unabhängigen Nachweis über 25 Betriebsjahre kann es angesichts der jungen Anlagen noch nicht geben. Energy Dome steht damit stellvertretend für eine ganze Klasse von Langzeitspeichern, die ihre Versprechen erst im echten, jahrzehntelangen Betrieb einlösen müssen.
Meilensteine
HORIZONTAL SCROLLEN ›
FEB 2020
Gründung in Mailand durch Spadacini, Rizzi und Oppici
NOV 2021
Series A über 11 Millionen US-Dollar
JUN 2022
Demonstrator in Ottana auf Sardinien (2,5 MW / 4 MWh)
2023
Series B wächst auf 55 Millionen Euro
OKT 2024
Liefervertrag mit Alliant Energy in Wisconsin (20 MW / 200 MWh)
DEZ 2024
Engie-Offtake für die erste Kommerzanlage Ottana
JAN 2025
Projekt mit NTPC und Triveni Turbine in Indien (160 MWh)
FEB 2025
APAC-Hauptquartier in Melbourne eröffnet
MITTE 2025
Ottana geht kommerziell in Betrieb (20 MW / 200 MWh)
JUL 2025
Google wird Investor und Ankerkunde
JAN 2026
Platz 3 im LDES-Ranking von Sightline Climate
JUN 2026
Arizona-Projekt mit Salt River Project und Google (19 MW / 190 MWh)
JUN 2026
Irland-Deal mit Google im County Offaly (23 MW / 200 MWh)
JUL 2026 NEU
Erste kommerzielle CO2-Batterie Australiens im Latrobe Valley
Häufige Fragen
Was ist eine CO2-Batterie von Energy Dome?
Ein Langzeitstromspeicher, der Strom nutzt, um CO2 zu komprimieren und zu verflüssigen, und die Energie beim Entladen über eine Turbine wieder freisetzt. Das System kommt ohne Lithium oder Seltene Erden aus und basiert auf Standard-Industriekomponenten wie Kompressoren, Turbinen und Stahltanks.
Wie lange kann eine CO2-Batterie von Energy Dome Strom liefern?
Der Hersteller nennt eine Bandbreite von 8 bis 24 Stunden. Die bislang realisierten Projekte, von Sardinien bis Wisconsin, liegen alle bei 10 bis 12 Stunden Entladedauer.
Was unterscheidet die CO2-Batterie von Lithium-Ionen-Speichern?
Lithium-Speicher sind bei kurzen Entladezeiten von wenigen Stunden günstiger und effizienter, verlieren aber bei sehr langen Speicherdauern an Wirtschaftlichkeit. Energy Dome positioniert die CO2-Batterie für Anwendungen ab rund zehn Stunden, in denen laut Unternehmensangaben die Kapitalkosten unter denen von Lithium liegen.
Ist Energy Dome an CO2-Abscheidung (CCS) beteiligt?
Nein. Die CO2-Batterie nutzt das Gas nur als Arbeitsmedium in einem geschlossenen Kreislauf zur Stromspeicherung. Sie speichert oder bindet kein zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre.
Welche Rolle spielt Google bei Energy Dome?
Google ist seit Juli 2025 strategischer Investor und zugleich Ankerkunde. Der Konzern hat Projekte in Irland und, gemeinsam mit dem Versorger Salt River Project, in Arizona mitfinanziert, um Rechenzentren mit speicherbarem, CO2-freiem Strom zu versorgen.
Warum baut Energy Dome oft auf ehemaligen Kohlestandorten?
Kraftwerksgelände bringen bereits Netzanschluss und Flächen mit, und die vorhandene Belegschaft kennt den Umgang mit Turbinen und Großanlagen. Beispiele sind die Coronado Generating Station in Arizona und das Kohlerevier Latrobe Valley in Australien.
Wo betreibt Energy Dome bereits Anlagen?
Die erste kommerzielle Anlage läuft seit Mitte 2025 in Ottana auf Sardinien. Weitere Projekte befinden sich in Bau oder Planung in Wisconsin und Arizona (USA), Indien, Irland und im australischen Latrobe Valley.