Wasser aus Luft: Kubota startet US-Pilotprojekt mit AirJoule

WASSERSTOFF UND WASSERTECHNOLOGIE · 22. JULI 2026

Wasser aus Luft: Kubota startet US-Pilotprojekt mit AirJoule

Der japanische Wasserinfrastruktur-Konzern Kubota kauft atmosphärische Wassergewinner von AirJoule und testet sie ab diesem Sommer in Texas und Kalifornien. Ziel ist eine dezentrale Wasserversorgung für Vorstadtsiedlungen, denen wegen Dürre die Baugenehmigung droht.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 MIN LESEN


Kubota Corp. hat eine exklusive Vertriebspartnerschaft mit AirJoule Technologies Corporation (Nasdaq: AIRJ) für den US-Markt geschlossen und zwei AirJoule-Core-Systeme gekauft. Ab Sommer 2026 laufen Pilotanlagen in Corpus Christi (Texas) und bei einem Ingenieurbüro in Südkalifornien. Die Maschinen ziehen Trinkwasser direkt aus der Umgebungsluft, ganz ohne Grundwasser oder Netzanschluss.

Der Hintergrund ist eine Wasserkrise, die in den USA zunehmend zur Baukrise wird. Texas und Kalifornien verlangen von Bauträgern den Nachweis einer langfristig gesicherten Wasserversorgung, bevor neue Wohnsiedlungen genehmigt werden. In Dürreregionen wie Arizona lässt sich dieser Nachweis kaum noch erbringen: Der Bundesstaat hatte 2023 zehntausende geplante Häuser im Raum Phoenix auf Eis gelegt, weil erschöpfte Grundwasserleiter keine hundertjährige Versorgungssicherheit mehr zuließen.

„Wasser wird zu einer der kritischsten Infrastrukturherausforderungen des Jahrzehnts, weil viele Kommunen durch Dürre oder erschöpfte Grundwasserleiter keine verlässliche Versorgung mehr sichern können", sagt Diego Ayala, Präsident von Kubota Water and Environment USA.

Wie die Wassergewinnung aus der Luft funktioniert

AirJoules containergroße Anlagen arbeiten mit metallorganischen Gerüstverbindungen (Metal-Organic Frameworks, MOF): nanokristalline Strukturen, die auf atomarer Ebene gezielt Wassermoleküle binden. Das Material zieht Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft und speichert sie in seinen porösen Hohlräumen, bevor sie zu Trinkwasser aufbereitet wird. Die Grundlagenforschung dazu stammt von Omar Yaghi von der University of California in Berkeley, der dafür 2025 den Chemie-Nobelpreis erhielt und mit dem kalifornischen Start-up Atoco selbst einen AirJoule-Konkurrenten gegründet hat.

Die aktuellen AirJoule-Systeme liefern rund 950 Liter Wasser pro Tag. Eine größere Version, die AirJoule bereits in Produktion hat, soll künftig bis zu 1.900 Liter täglich schaffen und direkt in Wohnsiedlungen zum Einsatz kommen, das entspricht dem Tagesbedarf von etwa sechs US-Haushaltsmitgliedern. Die Geräte sollen laut einem AirJoule-Whitepaper zwischen 100.000 und 200.000 US-Dollar kosten. Zu den Konditionen der Kubota-Partnerschaft machen beide Unternehmen keine Angaben.

„Grundwasser und Oberflächenwasser versiegen, aber Wasser aus der Luft ist reichlich vorhanden", sagt AirJoule-Chef Matt Jore.

AirJoule LLC, das operative Joint Venture hinter der Technologie, gehört zu gleichen Teilen AirJoule Technologies und dem Energiekonzern GE Vernova. Kubota will die Wassergewinner künftig in seine eigenen Wasseraufbereitungs- und Recyclinganlagen integrieren, etwa Membranbioreaktoren, und daraus dezentrale Wasserwerke für einzelne Neubaugebiete formen.

Warum das Pilotprojekt über Arizona hinaus wichtig wird

Die Bundesregierung dürfte Arizona schon bald die Wasserzuteilung aus dem austrocknenden Colorado River kürzen. Damit verschärfen sich die Bauauflagen für neue Wohngebiete im Bundesstaat weiter. Ob atmosphärische Wassergewinnung dort Abhilfe schafft, hängt nach Einschätzung von Sharon Megdal, Direktorin des Water Resources Research Center der University of Arizona, von Kosten und Skalierbarkeit ab. Neubauprojekte am Rand von Phoenix umfassen mitunter mehrere tausend Häuser, die trockene Wüstenluft macht die Wasserausbeute zudem technisch schwieriger als in den feuchteren Pilotregionen Texas und Kalifornien.

Kubota hat parallel in OceanWell investiert, ein Start-up aus dem Silicon Valley, das schwimmende Entsalzungsanlagen vor der Küste entwickelt. Die Kombination aus Wasser aus der Luft und Meerwasserentsalzung zeigt, wie ernst der Konzern die Diversifizierung weg von klassischen Grundwasser- und Flussentnahmen nimmt. Für Cleanthinking-Leser ist das ein Muster, das sich aus der Energiewende bereits bekannt anfühlt: Wo eine zentrale Ressource knapp wird, entstehen dezentrale technische Alternativen, ähnlich wie Climeworks CO₂ direkt aus der Luft filtert, statt auf zentrale Abscheideanlagen zu warten.

Ergebnisse aus den Pilotanlagen in Corpus Christi und Südkalifornien werden für die Zertifizierung nach US-Trinkwasserstandards und für eine mögliche Ausweitung auf weitere Bundesstaaten wie Arizona entscheidend sein. AirJoule und Kubota nennen als Ziel eine Kommerzialisierung bis 2030.

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Nach oben scrollen
0
Ihre Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x