CARBON REMOVAL · 2. SEPTEMBER 2026
Climeworks Climeworks fordert CO₂-Entnahme beim Bau von KI-Rechenzentren
Climeworks Solutions will CO₂-Entnahme fest in Planung, Finanzierung und Bau von KI-Rechenzentren verankern. Ein neues Whitepaper des Schweizer DAC-Pioniers beschreibt vier Wege dorthin - und stuft ausgerechnet das Gas-Modell selbst als Greenwashing-Risiko ein.
Der KI-Boom treibt einen historischen Infrastrukturausbau: BloombergNEF beziffert die weltweiten Investitionen der größten Rechenzentrumsbetreiber für 2026 auf 750 Milliarden US-Dollar, rund 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Emissionen wachsen mit. Drei große Hyperscaler stießen im letzten Berichtsjahr zusammen rund 20 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent zusätzlich aus, ein Plus von 20 Prozent. In diese Lage hinein veröffentlichte Climeworks Solutions, der Beratungs- und Vertriebsarm des Schweizer Direct-Air-Capture-Anbieters, am 26. August 2026 das Whitepaper „Responsible AI Infrastructure Should Include Carbon Removal".
Die Kernforderung: CO₂-Entnahme (Carbon Dioxide Removal, CDR) soll neben Effizienz, sauberer Energie und kohlenstoffarmen Materialien zur vierten Säule verantwortungsvoller KI-Infrastruktur werden - eingekauft nicht erst im Betrieb, sondern schon bei Planung und Bau. „Die Infrastruktur, die die nächste KI-Generation antreiben wird, wird heute entworfen und finanziert. Die Entscheidungen von jetzt prägen ihre Emissionen für Jahrzehnte", sagt Climeworks-Vertriebschef Adrian Siegrist.
Vier Modelle für die KI-Wertschöpfungskette
Das Papier richtet sich an die gesamte Wertschöpfungskette, von Hyperscalern über Projektentwickler und Energieversorger bis zu Hardware-Herstellern und Mietern. Vier Beschaffungsmodelle schlägt Climeworks vor: regionale CDR-Portfolios mit lokalem Nutzen für die Standortgemeinden, gemeinsame CDR-Beschaffung über die Wertschöpfungskette hinweg, Leitplanken für einen befristeten Erdgas-Betrieb sowie die Neutralisierung der Bau-Emissionen vor Inbetriebnahme.
Am greifbarsten ist das letzte Modell, die „Build-Stage Neutralization". Sie zielt auf die grauen Emissionen aus Beton, Stahl und Hardware, die anfallen, bevor der erste Chip rechnet. Deren Größenordnung macht Climeworks an einer einzelnen Komponente fest: Ein NVIDIA-HGX-B200-GPU-Baseboard verursacht laut Herstellerangaben 2.274 Kilogramm CO₂-Äquivalent allein durch Herstellung und Logistik. Ein Hyperscale-Campus verbaut davon tausende. Google führt sein Scope-3-Plus von 25 Prozent im aktuellen Umweltbericht ausdrücklich auf Hardware-Fertigung und Rechenzentrums-Bau zurück.
Beim Gas-Modell warnt Climeworks selbst
Bemerkenswert offen fällt die Selbsteinschätzung beim dritten Modell aus, den „Natural Gas Transition Guardrails„. Es soll Rechenzentren, die mangels Netzanschluss auf Erdgas ausweichen, an Bedingungen binden: CO₂-Abscheidung ab Betriebsstart, dauerhafte CO₂-Entnahme für die Restemissionen und ein fester Ausstiegspfad von etwa zehn Jahren. Climeworks selbst nennt das Modell „nicht empfohlen“ und stuft sein Greenwashing-Risiko als hoch ein - es sei am stärksten der Gefahr ausgesetzt, fossile Weiterverbrennung zu ermöglichen statt zu beenden.
Der Bedarf an solchen Leitplanken ist real: BloombergNEF zählt in den USA 99 geplante Gaskraftwerke, die direkt Rechenzentren versorgen sollen, mit bis zu 318 Millionen Tonnen Treibhausgasen pro Jahr. Selbst mit CO₂-Abscheidung am oberen Ende der üblichen Abscheiderate blieben 16 bis 47 Millionen Tonnen jährlich übrig. Die Einschätzung deckt sich mit der Kritik, die Cleanthinking an Fossil-CCS formuliert hat: CO₂-Abscheidung an fossilen Anlagen taugt nicht als Freibrief.
Für die Bau-Emissionen gibt es dagegen bereits Lösungen an der Quelle: Das niederländisch-nordische Unternehmen Paebbl brachte im August 2026 seinen CO₂-speichernden Betonzusatzstoff erstmals in kommerziellen Serienbeton. Rückenwind für Climeworks' Vorstoß kommt zudem vom SBTi Corporate Net Zero Standard V2.0 vom Juni 2026: Er verlangt künftig, mindestens 1 Prozent der laufenden Emissionen durch verifizierte CO₂-Entnahme abzudecken, verpflichtend bis 2035. Während der Climate Week NYC will Climeworks die vier Modelle mit Vertretern der KI-Wertschöpfungskette diskutieren.
Das vollständige Whitepaper „Responsible AI Infrastructure Should Include Carbon Removal" steht hier zum Download bereit:
QUELLEN
- Climeworks Solutions: Responsible AI Infrastructure Should Include Carbon Removal, 26.08.2026.
- BloombergNEF: AI Data Center Build Advances at Full Speed: Five Things to Know, 24.03.2026.
- The Guardian: Datacentres drive up big tech's carbon emissions to a third of those of France, 11.07.2026.
- Google: Google Environmental Report 2026, 2026.
- Science Based Targets initiative: Corporate Net Zero Standard V2.0, Juni 2026.