Klinikum Bremen-Nord heizt jetzt mit Fernwärme aus Abwärme der Müllverbrennung

WÄRMEWENDE · 02. SEPTEMBER 2026

Klinikum Bremen-Nord heizt jetzt mit Fernwärme aus Abwärme der Müllverbrennung

Das Klinikum Bremen-Nord ist seit Ende Juni an das neue enercity-Fernwärmenetz in Bremen-Nord angeschlossen. Die Wärme stammt aus unvermeidbarer Abwärme der thermischen Abfallverwertung und ersetzt 7,7 Millionen Kilowattstunden Erdgas im Jahr.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Das Klinikum Bremen-Nord hat seine Wärmeversorgung von Erdgas auf Fernwärme umgestellt. Seit Juni 2026 bezieht das Krankenhaus Wärme aus dem Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk im Wollkämmerei-Quartier, nach einem mehrwöchigen Testbetrieb. Das teilten enercity und der Klinikverbund Gesundheit Nord mit.

Durch die Umstellung entfallen jährlich rund 7,7 Millionen Kilowattstunden Erdgas für Heizung und Trinkwassererwärmung. Gut 1.500 Tonnen CO₂ pro Jahr sollen dadurch eingespart werden. Bislang deckte das Klinikum seinen Wärmebedarf nahezu vollständig über Erdgaskessel.

Abwärme aus der Müllverbrennung als Wärmequelle

Grundlage der neuen Wärmeversorgung ist Abwärme aus der thermischen Abfallverwertung, umgangssprachlich Müllverbrennung. Die hkw blumenthal GmbH betreibt das Heizkraftwerk und stellt die Wärme bereit. enercity contracting Nord übernimmt sie und verteilt sie über das neue Wärmenetz an ihre Kunden in Blumenthal und Vegesack.

Mehr als 80 Prozent der enercity-Fernwärme stammen bereits aus der thermischen Abfallverwertung. Im Wärmeplanungsgesetz gilt diese Wärme als unvermeidbare Abwärme, also als Wärme, die ohnehin anfällt und sonst ungenutzt an die Umgebung abgegeben würde. Das Gesetz stellt sie erneuerbaren Energieträgern gleich. Gebäudeeigentümer erfüllen mit dem Anschluss an ein solches Netz die gesetzlichen Vorgaben zur Nutzung erneuerbarer Energien, ohne selbst eine eigene Anlage zu bauen.

„Mit dem Anschluss an die Fernwärme zeigt das Krankenhaus, wie Klimaschutz und sichere Energieversorgung zusammen funktionieren können", sagt Jan Fries, Bremer Staatsrat für Umwelt, Klima und Wissenschaft. Das Krankenhaus reduziere als Teil der kritischen Infrastruktur seinen direkten Einsatz fossiler Energieträger deutlich.

Klinikum ist Ankerkunde für den Netzausbau in Bremen-Nord

enercity contracting baut das Wärmenetz in Bremen-Nord seit Anfang 2025. Das Klinikum gehört zu den ersten Großabnehmern. Solche Ankerkunden sichern die Auslastung eines neuen Netzes von Beginn an und machen den weiteren Ausbau wirtschaftlich tragfähig, bevor genug Wohngebäude angeschlossen sind, um die Kosten allein zu tragen.

Mit dem Anschluss des Klinikums ist der erste Bauabschnitt des Netzes abgeschlossen. Die Wärmeversorgung in Blumenthal und Vegesack war bislang überwiegend fossil geprägt. Im nächsten Bauabschnitt sollen mehrere Schulen und weitere öffentliche Liegenschaften der beiden Stadtteile angeschlossen werden, die Bauarbeiten dafür beginnen Anfang 2027.

„Mit der Umstellung auf Fernwärme hat das Klinikum eine langfristig sichere und zukunftsfähige Wärmeversorgung", sagt die geschäftsführende Krankenhausdirektorin Vivien Voigt. Der mehrwöchige Testbetrieb sei erfolgreich verlaufen, das Klinikum stehe nun stabil am Netz. Eduard Gallwas, Objektleiter des Technik- und Gebäudemanagements im Klinikum Bremen-Nord, nennt die Umstellung „einen Riesenschritt in Sachen CO₂-Neutralität", nachdem das Haus die Wärme bisher fast ausschließlich aus Gas gewonnen habe.

Vorbild für andere Kommunen

Krankenhäuser zählen wegen Sterilisation, Warmwasser und Dauerbetrieb zu den energieintensivsten Gebäuden einer Stadt. Dass sich ein Klinikum vollständig aus Abwärme versorgen lässt, ist auch für andere Kommunen mit Müllheizkraftwerken ein Präzedenzfall. Ähnlich nutzt die Dortmunder Fernwärme Abwärme aus einem örtlichen Industriebetrieb, wie CT im Wärmeplanungs-Satelliten zu Dortmund beschrieben hat. Auch in Hamburg treibt der Kohleausstieg am Kraftwerk Tiefstack den Umbau der Fernwärme voran, dort allerdings über Fluss- und Abwasserwärmepumpen statt Abfallverwertung, wie der Hamburg-Satellit zeigt.

„Mit dem Anschluss des Klinikums Bremen-Nord zeigen wir, wie vorhandene lokale Wärmepotenziale effizient genutzt werden können", sagt Dr. Manfred Schüle, Geschäftsführer von enercity contracting. Statt die Abwärme ungenutzt an die Umgebung abzugeben, werde sie künftig für eine wichtige Einrichtung der Daseinsvorsorge eingesetzt. Parallel zum Netzausbau spricht enercity contracting weitere mögliche Kunden entlang der Hauptverteilleitung an.

Das Klinikum ist somit Teil der Kommunalen Wärmeplanung in Bremen. Diese kommunale Wärmeplanung ist auch Thema auf der Cleanthinking-Hintergrundseite.

QUELLEN

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  1. Pressemitteilung enercity / Klinikum Bremen-Nord, 02.09.2026.
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