FIRMENPORTRÄT
Revo Foods
Das Wiener Start-up druckt Fischalternativen aus Pilzprotein und will vom Lebensmittelhersteller zum Technologielieferanten für die ganze Branche werden.
Technologie · Anwendungen · Team · Marktposition · Einordnung · Meilensteine · FAQ
| Unternehmen | Revo Foods GmbH |
|---|---|
| Gegründet | 2021 |
| Sitz | Wien, Österreich |
| Geschäftsführung | David Petuzzi (CEO) |
| Gründer | Robin Simsa, heute Commercial Director |
| Mitarbeitende | rund 24 |
| Produkt | 3D-gedruckte Proteinprodukte aus fermentiertem Pilzprotein, insbesondere Fischalternativen |
| Produktionsanlage | THE TASTE FACTORY, Wien, in Betrieb seit September 2024 |
| Kapazität | nach eigenen Angaben 60.000 Einheiten/Monat (nach jüngster Finanzierungsrunde von zuvor 25.000 erhöht) |
| Vertrieb | über 1.000 Verkaufsstellen in Europa, u.a. Billa, Spar, Rewe, Edeka, Tegut |
| Finanzierung | dritte Crowdinvesting-Kampagne auf Fundernation (läuft), Fundingmaximum 1 Mio. Euro, Investment ab 100 Euro |
| Webseite | revo-foods.com |
| Aktuelle News | Revo Foods: Dritte Crowdinvesting-Kampagne kurz vor der Millionenmarke |
Wie Revo Foods Lebensmittel druckt
Revo Foods stellt seine Produkte mit einer softwaregesteuerten 3D-Extrusionstechnologie her, die das Unternehmen als teilweise patentierte Technologie (Multi-Nozzle- bzw. Multi-Düsen-Systeme) bezeichnet. Anders als klassische Extruder, die Proteinmassen unter hohem Druck und hoher Temperatur pressen, kombiniert das Verfahren nach Unternehmensangaben Portionierung, Füllung, Formgebung und Texturierung in einem einzigen automatisierten Schritt. Der Verzicht auf Druck und Hitze soll mehr Nährstoffe erhalten und ein Mundgefühl erzeugen, das klassisch extrudierten Proteinalternativen bislang schwerfällt.
„3D Extrusion erlaubt es uns, die Lebensmittelproduktion völlig neu zu denken und die individuellen Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt der Technologie zu stellen", sagt Robin Simsa, der das Unternehmen 2021 gegründet hat und heute als Commercial Director firmiert. Das Zitat stammt aus den Kampagnenmaterialien zur Crowdinvesting-Kampagne auf Fundernation.
Ergänzt wird die Hardware durch eine selbst entwickelte Slicing-Software, mit der Rezepturen digital gesteuert werden. Revo Foods bezeichnet sich als weltweit erstes Unternehmen mit einer eigenen Software-Umgebung für 3D-Lebensmitteldruck, eine Angabe, die wie alle Superlative in diesem Porträt nicht unabhängig geprüft ist.
Hauptrohstoff ist fermentiertes Pilzprotein, auch Mycoprotein genannt. Es bringt laut Unternehmen ein vollständiges Aminosäureprofil und eine hohe Bioverfügbarkeit mit und trägt beim Lachsfilet-Produkt zum NutriScore „A“ bei. Die 3D-Technologie erlaubt außerdem laut Revo Foods erstmals eine nahtlose Integration von veganem Fett in die pflanzlichen Proteinfasern, ein Schritt, der für Textur und Geschmack von Fischalternativen entscheidend ist. Vergleichbare Dosiersysteme kennt die Lebensmittelindustrie etwa aus der Schokoladenproduktion, dort ist die Extrusion allerdings deutlich einfacher als bei der komplexen 3D-Kinematik, die Revo Foods für seine Filets einsetzt.
Ähnliche Drucktechnik nutzt auch das israelische Unternehmen Steakholder Foods, allerdings für zellkultiviertes statt pflanzliches Protein, wie Cleanthinking bereits in einem Beitrag zur Technologie eingeordnet hat. Der Unterschied liegt in der Proteinquelle: Revo Foods arbeitet mit fermentiertem Pilzprotein, Steakholder Foods mit tierischen Zellkulturen.
Wo Revo Foods eingesetzt wird und wo nicht
Die sichtbarste Anwendung der Technologie ist die eigene Konsumentenmarke. 2023 brachte Revo Foods mit THE FILET nach eigenen Angaben das weltweit erste im Supermarkt erhältliche 3D-gedruckte Lebensmittel auf den Markt, eine Lachsfilet-Alternative auf Mycoprotein-Basis. Seit Februar 2025 gibt es THE FILET zusätzlich in marinierten Varianten: Asian Fusion Style, Pink Pepper & Lemon Style und BBQ Style.
Im März 2025 folgte eine vegane Weißfisch-Filet-Alternative mit einem Geschmack, der an Saibling oder Kabeljau angelehnt ist. Sie führte laut Unternehmen zur Listung bei Billa und Spar. 2024 kam THE KRAKEN dazu, nach Unternehmensangaben die weltweit erste vegane Oktopus-Alternative. Die erste Edition war laut Revo Foods innerhalb von 24 Stunden ausverkauft. Ergänzt wird das Sortiment durch HACK, eine Pilzprotein-Fleischalternative mit Clean-Label-Anspruch und wenigen Zutaten, sowie neuerdings THE PRIME CUT, eine neue Mycoprotein-Proteinbasis, mit der sich das Unternehmen von klassischen Alternativprodukten hin zu eigenständigen Proteinprodukten für gesundheitsbewusste Konsument*innen bewegt. Ein tofuähnliches Produkt befindet sich zusätzlich in Entwicklung.
Vertrieben werden die Produkte über mehr als 1.000 Verkaufsstellen in Europa, darunter Billa, Spar, vier Rewe-Regionen, drei Edeka-Regionen und laut Unternehmen auch Tegut. Im August 2026 kam eine internationale Erweiterung dazu: Über eine ausgebaute Partnerschaft mit dem slowenischen Fleischalternativen-Hersteller Juicy Marbles, der eigenen Angaben zufolge den globalen Fleischverzehr halbieren will, ist nach EL BLANCO und THE FILET nun auch THE KRAKEN im US-Vertrieb von Juicy Marbles gelistet. Für Revo Foods erhöht das Bestellvolumen und Umsatz, ohne dass eine eigene US-Logistik nötig wird, für die vegane Oktopus-Alternative bedeutet es Zugang zu einem deutlich größeren Publikum.
Die eigenen Lebensmittelprodukte sind nach Darstellung des Unternehmens die erste sichtbare Anwendung der Technologie, aber nicht das eigentliche Ziel. Sie dienen als Nachweis gegenüber potenziellen B2B-Kunden, dass Geschmack, Textur, Nachfrage und Wirtschaftlichkeit im industriellen Maßstab funktionieren. Die Grenzen sind damit auch benannt: Ohne den Erfolg im eigenen Handelsgeschäft hätte Revo Foods kein belastbares Argument für den geplanten Verkauf der Technologie an Dritte. Ob sich das Verfahren tatsächlich auf andere viskose Ausgangsmaterialien wie Teige oder Pürees übertragen lässt, ist bislang eine Unternehmensankündigung und noch kein am Markt bewiesenes Geschäft.
Wer hinter Revo Foods steckt
Robin Simsa gründete Revo Foods 2021 in Wien. Er firmiert in aktuellen Unternehmensangaben als Commercial Director, während David Petuzzi die Position des CEO innehat. Die Quellenlage klärt nicht auf, wann und wie sich diese Aufgabenteilung zwischen Gründer und Geschäftsführung vollzogen hat, beide Rollen stehen hier nebeneinander, wie sie das Unternehmen selbst angibt.
Das Unternehmen zählt rund 24 Mitarbeitende und betreibt seine Produktion seit September 2024 in einer eigenen Anlage namens THE TASTE FACTORY in Wien. Revo Foods bezeichnet sich als weltweit erstes Unternehmen, das im industriellen Maßstab mehrere Tonnen 3D-gedruckte Lebensmittel pro Monat produziert, mit steigendem Output.
Vom Produkt- zum Technologieanbieter
Fünf Jahre lang stand bei Revo Foods der Aufbau der eigenen Produktion im Vordergrund. Seit 2023 wurden nach Unternehmensangaben mehr als eine Million Einheiten verkauft, der Umsatz wuchs von 2024 auf 2025 um 110 Prozent. Die jüngste Finanzierungsrunde erhöhte die Produktionskapazität von 25.000 auf 60.000 Einheiten pro Monat. Profitabel wird das Unternehmen nach eigener Stückkostenrechnung ab rund 150.000 verkauften Einheiten im Monat, was einem Monatsumsatz von etwa 300.000 Euro entspräche.
Im August 2026 läuft die inzwischen dritte Crowdinvesting-Kampagne von Revo Foods über die Plattform Fundernation, mit einem Fundingmaximum von 1 Million Euro und einer Beteiligung ab 100 Euro. Die Fundingschwelle von 100.000 Euro ist längst überschritten, kurz vor Kampagnenende nähert sich die Runde der vollen Million. Das Kapital soll den Aufbau eines zweiten Geschäftsfelds finanzieren: den Verkauf und die Lizenzierung industrieller 3D-Lebensmittelproduktionssysteme inklusive Software und Service an andere Lebensmittelhersteller. Der Aufbau dieser B2B-Säule ist ab Herbst 2026 vorgesehen, der Markteintritt ab 2027. Details zur Kampagne hat Cleanthinking in einem eigenen Beitrag eingeordnet.
Das Modell reiht sich in eine Reihe europäischer Alternative-Protein-Firmen ein, die von der einzelnen Produktlinie zur breiteren Plattformtechnologie wechseln wollen. Vergleichbare Ansätze verfolgen etwa Infinite Roots aus Hamburg mit Myzel-Fermentation, mit einem eigenen Cleanthinking-Firmenporträt.
Warum Revo Foods relevant ist
Revo Foods zeigt, wie sich ein Prosumer-Geschäft mit alternativen Proteinen in ein B2B-Technologiegeschäft verwandeln kann, sobald die Produktion einmal im industriellen Maßstab läuft. Das Wiener Unternehmen verkauft nicht mehr nur Lachs- und Oktopus-Alternativen, es verkauft die Fähigkeit, komplexe Texturen aus pflanzlichem oder fermentiertem Protein ohne Hitze und Druck zu drucken. Ob dieser Schritt gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob Lebensmittelhersteller bereit sind, in eine neue, noch junge Produktionstechnologie zu investieren, statt bei bewährter Extrusion zu bleiben.
Der Sektor der alternativen Proteine insgesamt entwickelt sich seit einigen Jahren langsamer als früher erwartet. Ein Geschäftsmodell, das nicht mehr allein vom Verkauf der eigenen Filets abhängt, sondern von Lizenzeinnahmen aus verkaufter Technologie, könnte Revo Foods robuster gegen diese Verlangsamung machen, sofern sich Abnehmer finden. Für die Cleanthinking-Perspektive auf die Electrotech-Revolution und die Bioökonomie ist das ein Beispiel dafür, wie sich Skalierung nicht nur über mehr Produktionsmenge, sondern über den Verkauf von Infrastruktur selbst organisieren lässt.
Meilensteine
2021: Robin Simsa gründet Revo Foods in Wien.
2023: THE FILET erscheint, laut Unternehmen das weltweit erste im Handel erhältliche 3D-gedruckte Lebensmittel.
2024: THE KRAKEN wird gelauncht, nach Unternehmensangaben die weltweit erste vegane Oktopus-Alternative.
September 2024: Die Produktionsanlage THE TASTE FACTORY in Wien geht in Betrieb.
Februar 2025: Marinierte THE-FILET-Varianten kommen auf den Markt: Asian Fusion Style, Pink Pepper & Lemon Style, BBQ Style.
März 2025: Eine vegane Weißfisch-Filet-Alternative erscheint und führt laut Unternehmen zur Listung bei Billa und Spar.
August 2026: Die Partnerschaft mit Juicy Marbles wird ausgebaut, THE KRAKEN geht in den US-Vertrieb des slowenischen Partners.
August 2026: Die dritte Crowdinvesting-Kampagne für das geplante B2B-Technologiegeschäft nähert sich dem Fundingmaximum von 1 Million Euro, Details im Satelliten-Artikel.
Häufige Fragen zu Revo Foods
Was macht Revo Foods?
Revo Foods aus Wien stellt Proteinprodukte, vor allem Fischalternativen wie THE FILET und THE KRAKEN, mit einer teilweise patentierten 3D-Extrusionstechnologie aus fermentiertem Pilzprotein her. Seit 2026 baut das Unternehmen zusätzlich ein Geschäft auf, in dem es seine Drucktechnologie an andere Lebensmittelhersteller verkauft oder lizenziert.
Woraus bestehen die Produkte von Revo Foods?
Hauptrohstoff ist fermentiertes Pilzprotein, auch Mycoprotein genannt, kombiniert mit veganem Fett. Nach Unternehmensangaben liefert das ein vollständiges Aminosäureprofil und trägt beim Lachsfilet-Produkt THE FILET zum NutriScore A bei.
Wo bekomme ich Revo-Foods-Produkte?
Die Produkte sind laut Unternehmen an mehr als 1.000 Verkaufsstellen in Europa erhältlich, darunter Billa, Spar, mehrere Rewe- und Edeka-Regionen sowie Tegut. In den USA sind ausgewählte Produkte seit 2026 über den Vertrieb des Partners Juicy Marbles verfügbar.
Was unterscheidet Revo Foods von anderen 3D-Druck-Lebensmittelfirmen?
Revo Foods arbeitet mit pflanzlichem beziehungsweise fermentiertem Pilzprotein statt mit tierischen Zellkulturen. Das israelische Unternehmen Steakholder Foods nutzt eine ähnliche Drucktechnik, aber für zellkultiviertes Fleisch.
Kann ich als Unternehmen die 3D-Drucktechnologie von Revo Foods nutzen?
Revo Foods plant, ab Herbst 2026 ein B2B-Geschäft aufzubauen und die Technologie inklusive Software und Service an andere Lebensmittelhersteller zu verkaufen oder zu lizenzieren. Der eigentliche Markteintritt für dieses Geschäftsfeld ist laut Unternehmen für 2027 vorgesehen.
QUELLEN
- foodinnovationcamp.de: Revo Foods: Proteinalternativen aus dem 3D-Drucker, 10.08.2026.
- Fundernation: Revo Foods Investmentkampagne, Unternehmensangaben.
- Fundernation: Update von David Petuzzi zur Juicy-Marbles-Partnerschaft, August 2026.
