Rekordwarmes Mittelmeer · 1. Oktober 2026
Copernicus Climate Change Service / ECMWFUnwetter in Südfrankreich setzt Montpellier unter Wasser
Beim Unwetter in Südfrankreich fielen am Mittwoch örtlich bis zu 387 Liter Regen pro Quadratmeter, das Mittelmeer davor war rekordwarm. Am selben Tag meldete der Copernicus-Meeresdienst einen Wärmerekord in den Ozeanen.
Am meisten Regen fiel am Rand der Cevennen. Météo-France maß bis Mittwoch, 18 Uhr, in Saint-Hippolyte-du-Fort im Gard 337,6 Liter pro Quadratmeter, so viel wie dort sonst in 61 Tagen. In Prades-le-Lez nördlich von Montpellier entsprachen 264,9 Liter dem Regen von 71 Tagen. Den Höchstwert von 387 Litern meldete Meteo-Paris aus Gorniès im Hérault.
In Montpellier stieg der Lez binnen weniger Stunden von 0,38 auf 3,99 Meter, Straßen und Autos standen unter Wasser. Der Vidourle trat in Quissac über die Ufer. Im Süden des Gard fielen Hagelkörner von drei bis vier Zentimetern. Meteo-Paris zählte am selben Tag vier Tornados, zwei davon bei Aigues-Mortes abseits bewohnter Gebiete.
Die Feuerwehr im Hérault brachte nach Angaben von 34 Infos mehr als 30 Menschen in Sicherheit, vier Rettungen liefen per Hubschrauber. Todesopfer meldeten die Behörden bis Donnerstag nicht. Am Mittwochabend hob Météo-France die rote Warnstufe im Hérault auf, am Donnerstag galt für Gard und Hérault nur noch Gelb. Viele Flüsse waren nach der Dürre der Vormonate fast ausgetrocknet, das begrenzte nach Einschätzung von Meteo-Paris die Flut.
Starkregen wie beim Unwetter in Südfrankreich nimmt zu
Météo-France spricht vom ersten „épisode méditerranéen“ der Saison. So heißen Herbstlagen, in denen feuchte Luft vom Mittelmeer ins Land strömt und sich an den Cevennen staut. Dort regnet sie sich über Stunden an derselben Stelle ab. Zwischen 1961 und 2025 wurden solche intensiven Regenepisoden laut Météo-France um 50 Prozent häufiger, ihr Regen um elf Prozent heftiger.
Über warmem Wasser verdunstet mehr, und wärmere Luft nimmt mehr Wasserdampf auf, wie das Clausius-Clapeyron-Gesetz beschreibt. Das Mittelmeer war in diesem Spätsommer rekordwarm. Westeuropa erlebte den heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen, 2,54 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Im August erreichte die Oberflächentemperatur im westlichen Mittelmeer nach Angaben des EU-Klimadienstes Copernicus Rekordwerte für diesen Monat.
Anfang September lag das Mittelmeer nach Angaben von MeteoNews im Schnitt bei rund 28 Grad, zwei Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Der Schweizer Wetterdienst warnte am 11. September vor kräftigen Niederschlägen bei herbstlichen Tiefdrucklagen, knapp drei Wochen vor dem Unwetter in Südfrankreich.
Schon am Wochenende davor hatten Starkregen und Erdrutsche Teile Griechenlands getroffen, auf Euböa fielen binnen Stunden mehr als 100 Liter pro Quadratmeter. Eine Attributionsstudie, die den Anteil des Klimawandels an den einzelnen Ereignissen beziffert, steht noch aus.
Ozeane nehmen 23 Zettajoule Wärme auf
Am Mittwoch legte Mercator Ocean International den zehnten Ocean State Report vor, den Zustandsbericht des EU-Meeresdienstes Copernicus Marine. Demnach nahm der Ozean 2025 zusätzlich 23 Zettajoule Wärme auf, so viel wie nie zuvor gemessen. Das entspricht rund dem 40-Fachen des weltweiten Energieverbrauchs in diesem Jahr. Ein Zettajoule ist eine Eins mit 21 Nullen in Joule, die Einheit, in der Forschende das Energieungleichgewicht der Erde messen.
Seit 1960 nimmt der Wärmeinhalt der Ozeane immer schneller zu. Rund 90 Prozent der Wärme, die Treibhausgase zusätzlich im Klimasystem halten, landen laut Weltklimarat im Meer. Der Meeresspiegel stieg zwischen 1999 und 2025 im Schnitt um 3,8 Millimeter pro Jahr, seit 2012 um 4,2 Millimeter. Das Meerwasser wurde zwischen 1985 und 2025 rund 17 Prozent saurer, weil es CO2 aus der Luft aufnimmt.
„Der Ozean verwandelt sich vor unseren Augen“, sagt Pierre Bahurel, Generaldirektor von Mercator Ocean International. Erwärmung, steigender Meeresspiegel und geschädigte Ökosysteme seien miteinander verbundene Zeichen eines langfristigen Wandels.
Das Mittelmeer erwärmt sich um 0,32 Grad pro Jahrzehnt
Für das Mittelmeer reichen die Daten des Berichts bis 2024. In jenem Jahr zählte das Becken so viele Tage mit Meereshitzewellen wie in keinem anderen Jahr der vergangenen zwei Jahrzehnte. Meereshitzewellen sind längere Phasen, in denen das Wasser deutlich wärmer ist als üblich. Die Oberfläche lag nach Copernicus-Daten im Schnitt 1,23 Grad über dem Mittel von 1982 bis 2024, am stärksten betroffen war das östliche Mittelmeer.
Einzelne Hitzewellen im Mittelmeer und im Schwarzen Meer dauerten 2024 länger als 30 Tage. Das Wasser lag dabei mehr als 4,6 Grad über den üblichen Werten. Von 1982 bis 2024 erwärmte sich die Oberfläche des Beckens um 0,32 Grad pro Jahrzehnt, über den gesamten Zeitraum gerechnet um rund 1,3 Grad.
Auch an Land speichern Wälder und Böden weniger verlässlich, das hatte der Planetary Health Check 2026 gezeigt. Im Meer verlängert die Wärme die Hitzewellen und lässt mehr Wasser verdunsten, das über Land als Regen niedergeht. Météo-France rechnet damit, dass mediterrane Starkregen mit weiterer Erwärmung noch heftiger werden.
QUELLEN
- ICI Occitanie: Intempéries : fin de la vigilance rouge dans le Gard et l'Hérault, les écoles rouvrent ce jeudi, 1. Oktober 2026.
- Connexion France: Southern France floods: travel disruption after extreme storms, 1. Oktober 2026.
- The Guardian: World’s oceans absorbed record heat equal to 40 times annual global energy use, 30. September 2026.