Was aus der AirBattery in Deutschland geworden ist

AUS AUGWIND WIRD AIRENGY · 4. AUGUST 2025

Airengy prüft die AirBattery in den Kavernen von Jemgum

Der Gasspeicherbetreiber SEFE untersucht mit dem israelischen Cleantech-Unternehmen Airengy, ob sich dessen AirBattery mit den Salzkavernen in Ostfriesland kombinieren lässt. Ein genehmigtes Projekt gibt es dort noch nicht.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 7 Min. LESEN


Im Sommer 2025 kündigte Augwind aus Tel Aviv die erste AirBattery im industriellen Maßstab in Deutschland an. Sie sollte 2027 bis 2028 in Betrieb gehen und Windstrom nahe den norddeutschen Windregionen speichern, einen Standort nannte das Unternehmen nicht. Die Ankündigung kursiert bis heute in sozialen Netzwerken als Beleg dafür, dass in Deutschland ein neues Druckluftspeicherkraftwerk entsteht.

Konkreter wurde es Ende 2025. Im November unterzeichneten Augwind und die SEFE Storage GmbH aus Kassel eine Absichtserklärung. SEFE betreibt in Jemgum Erdgaskavernen und plant dort zusätzliche Kavernen für Wasserstoff. Ein unabhängiger Berater soll bewerten, ob sich eine AirBattery am Standort rechnet und welche Aussichten der deutsche Strommarkt solchen Speichern bietet.

SEFE-Sprecherin Stefanie Hallaschka bestätigte die Zusammenarbeit im August 2026 gegenüber der „Rheiderland Zeitung“. Geprüft werde, ob die AirBattery künftig mit bestehenden oder geplanten Kavernen in Jemgum kombiniert werden kann. „Dazu sollen technische, wirtschaftliche und marktbezogene Aspekte bewertet werden“, sagt Hallaschka. Ein genehmigtes Druckluftspeicherprojekt gibt es in Jemgum nach ihren Angaben nicht, Größe und Zeitplan haben beide Partner bislang nicht genannt.

Airengy sammelt Partner in vier europäischen Ländern

Anfang 2026 benannte sich Augwind in Airengy um. Das an der Börse Tel Aviv notierte Unternehmen will Speicher und Kraftwerke künftig selbst entwickeln, bauen und betreiben, in Israel und in Europa. Vorstandschef ist Tal Raz, den Verwaltungsrat führt Yiftah Ron-Tal, früher Chef des israelischen Stromversorgers Israel Electric Corporation.

Neben SEFE hat Airengy Partner in Großbritannien, Rumänien und Dänemark. Mit dem britischen Energieunternehmen Kistos unterzeichnete Augwind im September 2025 eine Absichtserklärung. In Rumänien vereinbarte Airengy im Juni 2026 mit dem Immobilienentwickler Hagag Europe, Druckluftspeicher in alten Salzkavernen gemeinsam zu entwickeln. Eine Pilotanlage mit rund 200 Megawattstunden soll etwa 4,5 Millionen Euro kosten, die zweite Stufe mit rund 25 Megawatt und bis zu fünf Gigawattstunden weitere 50 Millionen Euro. Der Standort ist noch offen.

Im Juli 2026 folgte Dänemark. Der Salzproduzent Nobian prüft mit Airengy eine AirBattery mit rund 2,5 Gigawattstunden an seinem Kavernenspeicher in Hvornum. Nobian kümmert sich um Kaverne und Genehmigungen, Airengy um Verdichtung und Stromerzeugung. Auch hier steht zunächst eine Machbarkeitsprüfung an.

In keinem der vier Länder hat Airengy bisher eine Investitionsentscheidung getroffen. Gebaut hat das Unternehmen bislang nur eine Demonstrationsanlage mit 250 Kilowatt in Israel. Das Vorhaben in Italien, das Airengy ebenfalls meldet, ist ein Lithium-Batteriespeicher in der Region Brindisi mit bis zu drei Gigawattstunden. Der Netzbetreiber Terna hat dafür im März 2026 den Netzanschluss genehmigt.

So arbeitet die AirBattery mit Luft und Wasser

Die AirBattery verbindet Pumpspeichertechnik mit einem Druckluftspeicher. Überschüssiger Strom treibt hydraulische Maschinen an, Wasser verdichtet die Luft, und die Salzkaverne dient als Druckluftspeicher. Braucht das Netz Strom, treibt die Druckluft das Wasser durch Turbinen, die einen Generator antreiben. Lithium, Kobalt oder seltene Erden braucht das System nicht.

Wer Luft verdichtet, erzeugt Wärme, erklärt SEFE-Sprecherin Hallaschka. Herkömmliche Druckluftspeicher verlieren einen Teil davon und damit Wirkungsgrad. Airengy will die Luft nahezu isotherm verdichten, also bei fast gleichbleibender Temperatur. Die Demonstrationsanlage in Israel erreichte nach Unternehmensangaben einen Wirkungsgrad von 47 Prozent, kommerzielle Anlagen sollen mehr als 60 Prozent schaffen.

Die Speicherkosten beziffert das Unternehmen auf zehn bis 15 US-Dollar je Kilowattstunde, umgerechnet rund neun bis 13 Euro. Zu den Kosten des Gesamtsystems je Kilowatt Leistung macht Airengy keine Angaben. Laut Augwind hat das Ingenieurbüro Fichtner Kosten und Leistung geprüft, ein Gutachten ist bis heute nicht öffentlich.

Für Dänemark plant Airengy 2,5 Gigawattstunden bei nur drei bis zehn Megawatt Leistung. Eine volle Kaverne könnte damit 250 bis 800 Stunden lang Strom liefern, Batteriespeicher entladen in wenigen Stunden. Die AirBattery ist damit ein Saisonspeicher für Dunkelflauten, der sich mit wenigen vollen Zyklen im Jahr rechnen muss. Andere Langzeitspeicher arbeiten mit flüssiger Luft oder mit CO₂ (mehr dazu: Langzeitspeicher: Die zweite Welle rollt an).

Huntorf bleibt seit 1978 der einzige Druckluftspeicher in Deutschland

Im niedersächsischen Huntorf ging 1978 der weltweit erste kommerzielle Druckluftspeicher ans Netz. Uniper betreibt die Anlage mit 321 Megawatt und hat die Speicherkapazität von 1,2 auf 1,68 Gigawattstunden erhöht. Weil Uniper die Luft vor der Turbine mit Erdgas erwärmt, liegt der Wirkungsgrad bei 42 Prozent. Uniper will das Gas mittelfristig durch grünen Wasserstoff ersetzen.

Seitdem ist in Deutschland kein weiterer Druckluftspeicher entstanden. RWE gab den adiabaten Speicher ADELE in Staßfurt, der die Kompressionswärme speichern sollte, Mitte der 2010er-Jahre auf.

In Ahaus-Alstätte im Münsterland plante der Speicherentwickler Corre Energy mit dem niederländischen Versorger Eneco zunächst 320 Megawatt Erzeugungsleistung in zwei Salzkavernen, weitere Kavernen sollten folgen. Eneco wollte die Hälfte des Projekts übernehmen und es über seine deutsche Tochter Lichtblick betreiben. Die Anlagen sollte voraussichtlich Siemens Energy liefern, mit dem Corre seit 2023 kooperiert. Anders als bei der AirBattery sollte die Luft dort wie in Huntorf beim Entspannen zunächst mit Erdgas erwärmt werden, später mit Wasserstoff, wie Rico Grimm bei Cleantech Ing. beschreibt. Im Bau sind dort bislang nur die Kavernen selbst, die bei der Salzgewinnung entstehen und ab 2027 übergeben werden sollten.

Landwirte und Anwohner*innen wehren sich gegen die rund 20 Hektar große Anlage. Corre Energy geriet 2025 in Finanznot, die niederländische Holding ging in die Insolvenz. Der Investor Addigen übernahm daraus Anfang 2026 die Projekte, darunter Alstätte. Bei der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg lagen im November 2025 keine Antragsunterlagen vor. Einen neuen Zeitplan hat Addigen nicht veröffentlicht.

China baut Druckluftspeicher im Gigawattstunden-Maßstab

In Huai'an in der Provinz Jiangsu läuft seit Anfang 2026 eine Druckluftanlage mit 600 Megawatt und 2,4 Gigawattstunden. Laut „Standard“ ist es die dritte große Anlage dieser Art in China innerhalb weniger Jahre. Sie speichert die Kompressionswärme in Salzschmelze und Druckwasser und erreicht nach Angaben der beteiligten Harbin Electric einen Wirkungsgrad von 71 Prozent. Moderne Pumpspeicherkraftwerke kommen auf 70 bis 85 Prozent.

„Der Eingriff in die Natur erfolgt weitestgehend unterirdisch“, sagt Katja Fröhlich, die am Austrian Institute of Technology (AIT) zu Speichertechnologien forscht. Sie sieht Druckluft eher als Alternative zu Pumpspeichern als zu Batterien, und den unterirdischen Speicher als Vorteil für Akzeptanz und Genehmigung. In Alstätte trägt das nur bedingt: Die Anlage über Tage hätte dort rund 20 Hektar Ackerland belegt.

Die Technik für Druckluftspeicher kann die deutsche Industrie liefern. Siemens Energy baut Verdichter in Duisburg, Turbinen in Görlitz, Generatoren in Erfurt und Transformatoren in Dresden, wie ein Werksbesuch des Wissenschaftskanals Breaking Lab im März 2026 zeigt. Der Konzern arbeitet dort nach eigenen Angaben an Vorplanungsstudien für mehrere Standorte. Finanzieren müssen sich solche Speicher bislang über den Handel mit Preisunterschieden am Strommarkt, und die Befreiung von Netzentgelten gilt nur für Speicher, die bis 2029 in Betrieb gehen.

Einen eigenen Marktrahmen für Langzeitspeicher hat Deutschland bislang nicht. Im Entwurf für den Kapazitätsmarkt blieben Batterien vorerst draußen, während Wirtschaftsministerin Katharina Reiche neue Gaskraftwerke ausschreiben will. Laut Augwind eignen sich in Deutschland mehr als 400 Salzkavernen für Druckluftspeicher. Ob SEFE die erste davon in Jemgum für eine AirBattery nutzt, hängt am Gutachten, das beide Partner in Auftrag geben.

QUELLEN

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  1. Ems-Zeitung: „AirBattery“ auf dem Prüfstand, 25.08.2026.
  2. Der Standard: Energie auf Pump, 06.02.2026.
  3. Breaking Lab (YouTube): Video zu Druckluftspeichern mit Siemens Energy, März 2026.
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