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Carbios und die Super-Enzyme: Innovatives Recycling als Lösung des Plastikproblems?

Französisches Cleantech-Unternehmen Carbios will mit enzymatischem Recycling von Plastik bis 2035 zum wichtigsten PET-Recycler werden.

Jedes Jahr werden 460 Millionen Tonnen Plastik produziert. Doch von dieser Kunststoff werden nur 14 Prozent recycelt. Der Rest landet auf Müllhalden, wird zur Energieerzeugung verbrannt oder sogar ins Meer gespült. Carbios aus Frankreich könnte einen Weg gefunden haben, Plastik zigfach wiederzuverwerten: Denn das forschungsgetriebene Cleantech-Unternehmen hat Enzyme entdeckt, die innovatives PET Flaschen Recycling und Polyester Recycling auf die Schnelle ermöglichen.

Ob Carbios PET Recycling durch biologisches Verfahren vollständig revolutionieren kann, wird sich in den kommenden fünf Jahren entscheiden. Das Cleantech-Unternehmen aus Frankreich steht an der Schwelle, einen Teil des Plastikproblems der Menschheit zu lösen. Doch die Aufgabe ist gewaltig: 353 Millionen Tonnen Plastikmüll entsteht Jahr für Jahr – vorwiegend Verpackungen wie etwa Flaschen. Dazu kommen 39 Millionen Tonnen Textilfaser-Abfälle.

Die Hoffnungsträger sind pflanzliche Super-Enzyme, die Carbios über viele Jahre identifiziert und gezielt für ihre Aufgabe „trainiert“ hat: Für das Zerlegen von einer der bedeutendsten Plastik-Arten überhaupt, dem PET. Die Mikroorganismen arbeiten schnell. Innerhalb weniger Stunden bringt PET Flaschen Recycling oder Polyster Recycling die beiden Monomere hervor, die bei der herkömmlichen Produktion von Plastik auf Basis fossiler Rohstoffe hergestellt werden.

Monomere sind kleine, besonders reaktionsfähige Moleküle, die zwei oder mehr funktionelle Gruppen tragen. Bei der PET-Produktion geht es um Terepthalsäure und Ethylenglykol. Die beiden Substanzen verbinden sich im Verfahren zu langen Polymerketten – bei der Reaktion entsteht lediglich Wasser als Reaktionsprodukt.

Der Clou: Kreislauf für Plastik entsteht

Der besondere Clou der Technologie liegt darin, dass das recycelte PET, kurz rPET genannt, immer und immer wieder neu verwertet werden kann. Mindestens 20 Kreisläufe sind möglich – und selbst dann hat das rPET noch „jungfräuliche“ Qualität und ist mit herkömmlichen PET in seinen Eigenschaften vergleichbar. Darin liegt ein großer Vorteil des enzymatischen Recyclings im Vergleich zum bisherigen, mechanischen Recycling.

Der Plan des Cleantech-Unternehmens auf zum Weg zur umweltfreundlichen Plastikwirtschaft ist klar: Die Franzosen wollen ihre innovatives Recycling-Technologie bereits ab 2023 für andere Unternehmen lizenzieren. Dabei kommt die aktuelle EU-Regulierung passend: Denn ab 2025 muss bei PET Flaschen immer ein Anteil von 25 Prozent recyceltem Plastik in die Produktion einbezogen werden.

Da die Recyclingkapazitäten für mechanisches Recycling in großen Industrieanlagen begrenzt sind, lechzen die großen Markenartikler wie Pepsi oder L’Oreal förmlich nach der Lösung der Franzosen.

Forschung, Forschung, Forschung

Wie forschungsgetrieben Carbios ist, zeigt die rasche Abfolge der Durchbrüche und Erfolge der vergangenen Jahre.

Eines ist klar: Die Wissenschaftler im mittlerweile 100-köpfigen Team bzw. die Partner bei hochkarätigen Universitäten werden erst Ruhe geben, wenn alle Plastiksorten enzymatisch recycelt werden können.

Von der Pilotanlage zum Industriemaßstab

Wie intensiv das Cleantech-Unternehmen an der Weiterentwicklung der eigenen Technologie arbeitet, zeigt sich in folgendem Umstand: 2020 sorgte man in einem Artikel im hochkarätigen Wissenschaftsmagazin Nature für Furore, als man dort die plastikfressenden Enzyme vorstellte. Doch heute, drei Jahre später kommen bereits wieder Enzyme in der kürzlich fertig gestellten Demonstrationsanlage zum Einsatz, die noch effizienter ihren Dienst verrichten.

Die Demonstrationsanlage ist so konzipiert, dass sie konsequent skaliert werden kann, betont das Unternehmen. Noch im ersten Quartal 2023 will das Unternehmen ein sogenanntes „Production Book“ finalisieren, das alle Daten zum Betrieb der Anlage enthalten soll. Auf dieser Basis soll die Technologie in Lizenz an Investoren vergeben werden. Kostenpunkt pro Anlage für 50.000 Tonnen Plastik? 200 Millionen Euro.

Zeitgleich arbeitet das Team um CEO Emmanuel Ladent schon an der ersten und einzigen direkt vom Unternehmen betriebenen kommerziellen PET-Recycling-Anlage im industriellen Maßstab. Das passiert deshalb im Nordosten Frankreichs bei Indorama, weil dort Zugriff auf Abfälle aus Frankreich, den Benelux-Staaten sowie Deutschland besteht.

Lokale Abfälle für regionale Produktion

Ziel ist es genau das: Anlagen mit 50.000 bis 100.000 Tonnen Kapazität dort zu errichten, wo in einem vertretbaren Radius genügend Abfälle vorhanden sind, aber gleichzeitig auch Verarbeiter der recycelten Monomere.

Das Marktpotenzial von Carbios ist letztlich gewaltig. Als Handicap könnte sich herausstellen, dass fossil hergestelltes PET heute 1.500 Euro pro Tonne kostet, während recyceltes rPET 60 Prozent teurer ist. Allerdings klingt das viel – bei einer Shampoo-Flasche macht das im Endeffekt aber nur wenige Cent Mehrpreis aus. Alle Zeichen sprechen dafür, dass Konsumenten bereit sind, dies zu bezahlen – oder es gar nicht mitbekommen werden.

Carbios SA Aktie: Turbulente Entwicklung

Die Carbios SA Aktie hat seit Anfang 2021 eine turbulente Entwicklung hinter sich. Lag der Preis für die Anteilsscheine des Recycling-Spezialisten Anfänglich noch bei 42,50 Euro, ging es bis Mitte 2022 auf etwa 20 Euro herunter. Im Oktober – kurz vor der Inbetriebnahme der Demonstrationsanlage – folgte die Trendumkehr. Derzeit liegt das Papier bei etwas mehr als 37 Euro.

Für ein Unternehmen, das erst 100 Mitarbeiter hat und kaum Umsätze generiert, ist das ein sehr, sehr guter Wert. Das zeigt, wie viel Vertrauen das als eines der innovativsten Biotech-Unternehmen Europas gehandelte Vorzeige-Unternehmen genießt.

Carbios PET-Recycling

In den kommenden Jahren wird es schließlich darum gehen, eine hohe Zahl an Lizenznehmern für die Recycling-Anlagen zu finden, damit die Technologie wirklich Impact für die Lösung des Plastikproblems erzeugen kann. Allerdings stehen die Chancen gut, dass zunächst vor allem die Markenartikler und Hersteller teurerer Produkte die Anlagen in ihre Fertigung integrieren werden.

Mit zunehmender Regulierung, beispielsweise der Ausweitung von CO2-Abgaben sowie der zunehmenden Skalierung dürfte das 60-Prozent-Premium kleiner und die Technologie auch für umkämpftere Märkte erschwinglich werden. Für die Bekämpfung eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit wäre das ein gewaltiger Fortschritt. Und für das Cleantech-Unternehmen Carbios ebenso.

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