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Energy Vault Resiliency Center: Ist dieser einfache Energiespeicher ein Game-Changer?

Cleantech-Unternehmen Energy Vault hat Technologie angepasst, und überzeugt immer mehr Kunden und Aktionäre.

Was einst als merkwürdige Kran-Konstruktion in der Schweiz begann, hat sich mittlerweile zur Erfolgsgeschichte entwickelt: Das Cleantech-Unternehmen Energy Vault ist mittlerweile an der amerikanischen Technologiebörse NASDAQ gelistet, und verkündet in regelmäßigen Abständen neue Aufträge und Partnerschaften. Und: Aus der abenteuerlichen Kran-Konstruktion ist jetzt ein Gebäude geworden, das „Energy Vault Resiliency Center“ – der beste, existierende Langzeit-Stromspeicher?

Das Schweizer Cleantech-Unternehmen bietet eine verblüffend simple Lösung zur Speicherung von elektrischer Energie und hat damit bereits Investoren wie Softbank überzeugt: Es nutzt einen speziell entwickelten, 120 Meter hohen Kran – jedenfalls in der optisch abenteuerlich wirkenden Variante – und stapelt Betonklötze. Beim Stapeln werden Stromüberschüsse aus Solar- oder Windparks genutzt – beim anschließenden Herablassen soll die Energie wieder freigesetzt werden. Beim Abbau des Turms wird die Schwerkraft ausgenutzt – und der Kranmotor zum Generator gemacht.

Das Prinzip erinnert an ein Pumpspeicherkraftwerk – aber das Wasser wird ersetzt durch 35 Tonnen wiegende Betonklötze. Die Roundtrip Efficiency soll bei dem Schwerkraftspeicher bei 85 Prozent liegen. Pro Anlage sollen Kosten zwischen fünf und zehn Millionen Dollar anfallen. Damit kann die Technologie mit Pumspeichern kostenseitig mithalten, wobei die regionalen Voraussetzungen sehr unterschiedlich sind: In Deutschland ist das Potenzial für Pumpspeicherkraftwerke weitgehend ausgeschöpft.

Ist die Energy Vault Lösung der beste Langzeit-Speicher?

Ist der Energiespeicher damit der beste, existierende Langzeit-Stromspeicher? Möglich. Bemerkenswert sind die weiteren Vorteile: Kein Wasserverbrauch, kein Verbrauch von Lithium oder Kobalt, keine Wetterabhängigkeit. Laut Weltenergierat braucht es bis 2030 etwa 830 Gigawattstunden netzbezogener Speicher – die Investitionen belaufen sich auf insgesamt 270 Milliarden Dollar, haben Experten berechnet.

Was die Energiewende braucht, sind langfristige Speichermöglichkeiten. Hier sind Pumpspeicher wie etwas in Norwegen oder Österreich ideal – aber stark abhängig von Voraussetzungen wie räumlichen Gegebenheiten. Das führt zu langen, verlustreichen Transportwegen.

Das Resilience Center ist angesichts seiner Größe auch eher nichts, was inmitten einer Stadt aufgestellt werden wird. Aber auf großen Industriegeländen oder angedockt an große Wind- und Solarparks sieht das schon anders aus. Ein solcher Speicher mit 500 Megawattstunden, einer Standardgröße, kann zusammen mit einem 1,5-GW-Solarpark oder in Kombination mit einem Windpark ein großes Kohlekraftwerk ersetzen.

Alternativen zum EVRS und zu Li-Ion-Batterien

Je größer und länger Strom gespeichert werden muss, umso ungeeigneter sind heutige Lithium-Ionen-Batterien. Auch, weil Rohstoffe wie Lithium bereits jetzt teurer werden. Alternativen können etwa Redox-Flow-Batterien oder Natrium-Ionen-Akkus werden – noch steht hier aber Entwicklung bzw. die Massenproduktion bevor. Spanien oder UK setzen etwa auf Flüssigluftspeicher von Highview Power. Auch Gravitricity will die Schwerkraft ausnutzen.

Das Cleantech-Unternehmen setzt bei seiner Technologie auf alte Verfahren und einfach erhältliche Ressourcen. Die Resiliency Center bestehen aus 20 Stockwerken, sind aber modular und können beliebig dimensioniert werden. Für die Ursprungsbauart – den offenen Kran – hat das Schweizer Tech-Unternehmen einst viel Kritik geerntet, weil beispielsweise die Stabilität in windreichen Gebieten hinterfragt wurde.

Lokale Ressourcen einsetzen

Wichtig ist auch, dass die Ziegelsteine aus lokalem Erdreich, Sand oder Abfallstoffen hergestellt werden, darunter auch Abfallprodukte aus der Produktion fossiler Brennstoffe, wie z. B. Kohleflözasche, und ausrangierte Energiekomponenten, wie z. B. Windturbinenflügel, die speziell für diesen Zweck geschreddert werden.

Die Technologie verwendet Motoren, um diese massiven Verbundsteine zu heben, Motoren, die durch Wind- oder Sonnenenergie angetrieben werden, wenn Wind und Sonne überschüssige Energie erzeugen, als zu diesem Zeitpunkt genutzt werden kann, wie in Kalifornien während der Mittagszeit. Durch das Anheben der Ziegel wird diese überschüssige erneuerbare Energie in potenzielle Gravitationsenergie umgewandelt, die so lange ruhen kann, bis sie gebraucht wird.

Ziegel aus gepresster Erde und Abfallprodukten

Das neue Format soll etwa 100 Meter hohe Gebäude hervorbringen, die aus Ziegeln bestehen, die aus Erde und Abfallprodukten aus der Umgebung hergestellt werden. Die Ziegel werden innerhalb des Gebäudes auf Rollwagen auf und ab bewegt. Diese Wagen – einst waren das die Arme des Krans – werden von einem System künstlicher Intelligenz gesteuert, damit exakt so viel Energie erzeugt wird, wie gerade gebraucht wird. Außerdem wird damit der optimale Zeitpunkt Aufladen und Entladen von Energie ermittelt.

Die benötigte Fläche der Resiliency Center wird variieren und je nach Speicherkapazität zwischen 1,5 und 20 Hektar betragen. Häufig werden sie aber voraussichtlich an Orten installiert, an denen der Platz keine Rolle spielt, beispielsweise in der Nähe bestehender Wind- oder Solaranlagen. Normalerweise läuft das System einmal pro Tag ab. Bei einer Ausfallzeit von fünf Tagen pro Jahr hat ein 75-MWh-EVRS mit 10.000 Ziegeln eine jährliche Leistung von 27 Gigawattstunden, was die Fläche von 14 Hektar stark relativiert.

Normalerweise bewegen sich die Ziegelsteine mit einer Geschwindigkeit von 2,0 Metern pro Sekunde, können aber über eine computergesteuerte künstliche Intelligenz beschleunigt oder verlangsamt werden, um eine schnellere oder langsamere Stromabgabe zu ermöglichen. Ein Ziegelstein legt in weniger als einer Minute 100 Meter zurück und speichert fast 10 Kilowattstunden Strom.

Resiliency Center für DG Fuels

In diesem Jahr will die Firma mit dem Bau eines Resiliency Centers für DG fuels beginnen, das eine kontinuierliche Versorgung mit erneuerbarer Energie zur Herstellung von grünem Wasserstoff für die Luftfahrtindustrie plant. Energy Vault hat außerdem Verträge im Wert von bis zu 880 Millionen Dollar mit Unternehmen wie Saudi Aramco, dem größten Ölproduzenten der Welt, dem Metallverhüttungsunternehmen Korea Zinc und dem Bergbaugiganten BHP unterzeichnet.

Im Februar wagte das Schweizer Cleantech-Unternehmen den Sprung an die New Yorker Börse und sammelte rund 235 Millionen Dollar ein. Vor kurzem gab das Unternehmen bekannt, dass Leonardo DiCaprio dem strategischen Beirat des Unternehmens beigetreten ist.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie der wichtigste offene Punkt sich rund um die Energy Vault Resiliency Center entwickelt: Die Kosten. Liegen diese unterhalb der geschilderten Kosten für skalierbare Alternativen, dürften schon bald zahlreiche EVRS gebaut werden. Die Einfachheit der Technologie kann der entscheidende Faktor werden – und damit ein Game Changer für die ökologische Transformation.

Cleantech-Unternehmen baut weltweit ersten Energiespeicher EVx in China

Am 5. Mai 2022 hat Energy Vault Holdings den ersten Spatenstich gesetzt für ein Resiliency Center, jetzt auch kurz EVx genannt. Der Energiespeicher mit einer Kapazität von 100 Megawattstunden entsteht in China, und zwar in der Nähe eines Windparks und des nationalen Stromnetzes in Rudong in der Provinz Jiangsu, unweit von Shanghai. Ziel ist es, das chinesische Stromnetz durch Einspeisung erneuerbarer Energien zu stabilisieren. Partner ist die State Grid Corporation of China (SGCC) – der größte Energieversorger weltweit, der etwa 1,1 Milliarden Chinesen auf 88 Prozent des Staatsgebiets versorgt.

Weitere Partner des Bauvorhabens sind Atlas Renewable LLC und dessen Großinvestor China Tianying. Energy Vault und Atlas Renewable unterzeichneten einen Lizenzvertrag über 50 Millionen US-Dollar für die Nutzung der eigenen gravitationsbasierten Energiespeichertechnologie und der technologieunabhängigen Energiemanagement- und Anlagenoptimierungssoftware auf dem chinesischen Strommarkt. Die Vereinbarung enthält auch Bestimmungen über volumenabhängige Nutzungsgebühren und regelt die Wartung, Weitere Infos zum Stand der Inbetriebnahme in China gibt es hier: GESS Inbetriebnahme erstes Gravity Energy Storage System.

Markteintritt mit KORE Power in die USA

Energy Vault plant den Markteintritt in die USA und hat eine Vereinbarung mit KORE Power getroffen, um ab 2025 inländisch produzierte Batterien zu liefern. Die anfängliche Lieferkapazität von 1,3 GWh im Jahr 2025 soll bis 2027 auf 7 GWh erhöht werden. KORE Power wird die Batterien in seinem KOREPlex-Werk in Arizona herstellen, das voraussichtlich 2025 in Betrieb gehen wird. Die Produktionskapazität könnte in den folgenden Phasen auf bis zu 18 GWh erweitert werden. Dies ermöglicht Energy Vault die Teilnahme an Ausschreibungen gemäß dem „Inflation Reduction Act“.

Neben Schwerkraftspeicher und klassischen Batteriespeicherprojekten beschäftigt sich Energy Vault auch mit der Speicherung von Wasserstoff – auch hierzu gibt es ein erstes Projekt in den USA. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass das Schweizer Cleantech-Unternehmen von einem Speicher-Unternehmen mit einer verrückt anmutenden Idee zu einem ernstzunehmenden Spieler auf dem Long Duration Energy Storage Markt geworden ist. Und das obwohl es vor zwei Jahren eine Shortseller-Attacke gab. Diese stellte sich aber als weitgehend haltlos heraus.

Bestes Beispiel: Die Entwicklung beim damals sehr klein erscheinenden Unternehmen DG Fuels: Das Cleantech-Unternehmen will saubere Kraftstoffe für die Luftfahrt herstellen und hat in den vergangenen Monaten viele Meilensteine durch Partnerschaften etwa mit Airbus oder KLM erreicht. Hier entsteht ein richtig großes Projekt.

(Dieser Beitrag entstand zunächst am 23. März 2022, wurde zuletzt am 24. März 2024 erweitert.)

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% S Kommentare
  1. Stefan Engel sagt

    Ganz so negativ ist die Rechnung nicht.
    Da der Kran ja nur die Überkapazität abfangen soll. Und später dann nur unterstützend die Energie wieder abgibt. Damit kann dann insgesamt eine größere Anzahl an Haushalten „Versorgt werden“.
    Ob sich das dann insgesamt lohnt werden wir dann in ein paar Jahren sehen.

  2. Alexander Witzany sagt

    Sorry, Rechenfehler meinerseits.
    Die Leistung eines Kranes beträgt natürlich 700kW, nicht 70kW.
    Trotzdem bräuchte es eine ziemliche Menge an Kränen.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Hallo Herr Witzany,

      ich nehme Bezug auf Ihren dritten Kommentar von 15:40 Uhr vom heutigen Tage.

      Selbstverständlich sind Ihre sachlichen Kommentar veröffentlicht worden. Als Freiberufler, der sich nicht jede Sekunde um Cleanthinking kümmern kann, dauert das Freischalten von Kommentar in manchen Fällen ein paar Stunden.

      Dies vorweggeschickt, muss ich Folgendes sagen: Ich empfinde Ihren Tonfall als unangemessen. Und Ihre Unterstellungen (bezüglich Weltbild und „Geld aus der Tasche ziehen“) als Unverschämtheit. Da ich keine rechtlichen Konsequenzen riskieren möchte, wurde dieser Kommentar entfernt.

      Viele Grüße,
      Martin Jendrischik

  3. WITZANY Alexander sagt

    Hier wird ja einiges schöngerechnet:
    1.) Auch wenn die Gesamtstapelhöhe 100m beträgt. Durchschnittlich wird ein Gewicht nur 50m gehoben (das 2. Gewicht wird auf das erste gestellt und damit nur ca 2m gehoben. Die Rechnung gilt nur für die obersten Gewichte, insgesamt halbiert sich die angegebene Speicherkapazität.
    2.) Wenn ein 35t-Gewicht mit 2m/s abgesenkt wird, dann liefert das eine Leistung von 70kW. Die Anschlussleistung EINES Haushaltes liegt bei 14-30kW, sodass ein Kran im günstigen Fall 5 Haushalte versorgen kann. Allerdings im besten Fall 50s lang, dann muss der Haken wieder nach oben, selbst bei 5m/s liefert der Kran 20s + Umhängezeit nichts.
    Sollen z.B. 1000 Haushalte versorgt werden, bräuchte es demnach wenigstens 300 Kräne.

  4. Martin Jendrischik sagt

    Danke Johannes, wurde korrigiert! Ergibt der Rest jetzt Sinn?

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