GASPREIS UND ERNEUERBARE SPREIZEN STROMPREISE · 16. OKTOBER 2026
Münch EnergieTeures Gas und billiger Windstrom treiben die Erlöse von Batteriespeichern
Zwischen der teuersten und der billigsten Stunde eines Tages klafft am europäischen Strommarkt eine Lücke, fast so groß wie in der Energiekrise 2022. Speicherbetreiber steht laut Bloomberg einer der lukrativsten Winter überhaupt bevor.
Seit der letzten Energiekrise sind in Europa rund 40 Milliarden Dollar (rund 36 Milliarden Euro) in Batteriespeicher geflossen. Die Betreiber dieser Anlagen können in diesem Winter mit hohen Einnahmen rechnen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Schwankungen der Strompreise innerhalb eines Tages näherten sich dem Niveau von 2022.
Gas verteuert den Strom am Abend
Der Gaspreis liegt laut Bloomberg nahe dem höchsten Stand seit vier Jahren, getrieben vom Iran-Krieg. Wann immer Gaskraftwerke laufen müssen, verteuert das den Strom. Nach dem Merit-Order-Prinzip bestimmt das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Preis für alle. Speisen dagegen viele Wind- und Solaranlagen ein, fällt der Preis stark, teils bis unter null.
Aus diesen beiden Kräften entsteht der Abstand zwischen teuerster und billigster Stunde, und er wächst. Speicherbetreiber leben von genau diesem Abstand. Sie laden ihre Batterien, wenn Strom billig ist, und verkaufen ihn wieder, wenn Gaskraftwerke den Preis setzen. Je weiter beide Preise auseinanderliegen, desto höher die Erlöse von Batteriespeichern.
Dieselben Gaskraftwerke verlieren den Kostenvergleich
Teures Gas wirkt damit zweimal zugunsten der Batterie. Es hebt die Einnahmen der Speicherbetreiber, und es verschlechtert die Rechnung für neue Gaskraftwerke. Das Beratungshaus Wood Mackenzie hat 43 Strommärkte untersucht. In jedem davon sind Batteriespeicher für die Abendspitze günstiger als Gaskraftwerke. In Europa erzeugen fossile Kraftwerke laut der Analyse den teuersten Strom aller untersuchten Regionen.
In Deutschland schreibt die Bundesregierung elf Gigawatt steuerbare Kraftwerksleistung aus. Für die ersten neun Gigawatt müssen Anlagen zehn Stunden am Stück liefern können. Batteriespeicher mit vier Stunden Speicherdauer kommen damit nicht zum Zug. Gebaut werden sie dennoch, weil sich das Geschäft am Strommarkt für die Betreiber jeden Tag bezahlt macht.
Enervis misst in Deutschland ein Plus von 28 Prozent
Wie viel ein Speicher in Deutschland einbringt, rechnet das Beratungshaus Enervis jeden Monat in seinem Batteriespeicher-Index nach. Modelliert wird eine Anlage mit einem Megawatt Leistung und zwei Megawattstunden Kapazität, deren Betreiber am Intraday-Markt und mit Regelleistung handelt. Im August erzielte er rund 16.770 Euro je Megawatt, rund 28 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Als wesentlichen Treiber nennt Enervis die weiter steigenden Gaspreise.
Auf zwölf Monate gerechnet kommt der Index auf rund 159.000 Euro je Megawatt. Bisher lag das Geschäft im Winter allerdings am niedrigsten. Im Dezember 2025 kam der Index auf nur 5.700 Euro je Megawatt, im September 2025 auf 18.900 Euro. Enervis erklärt die stärkeren Sommermonate mit viel Solarstrom bei geringer Nachfrage. Ob der hohe Gaspreis dieses Muster in diesem Winter bricht, zeigen die Indexwerte ab Dezember.
Die Erlöse von Batteriespeichern fließen an immer mehr Betreiber. Zu den größten Projekten in Deutschland gehören der Speicher bei Merseburg und der Batteriespeicher-Park in Klostermansfeld. Welche Projekte gerade hinzukommen, zeigt der Energiespeicher-Ticker von Cleanthinking.
QUELLEN
- Bloomberg: Europe's $40 Billion Battery Bet Set for Big Winter Payout, 15. Oktober 2026.
- pv magazine: Enervis-Batteriespeicher-Index: BESS-Erlöse bleiben im August stabil, 30. September 2026.