Hitze kostet Deutschland 431 Millionen Euro pro Tag

HITZEFOLGEN · 29. JUNI 2026

431 Millionen Euro pro Tag: Prognos-Studie belegt wirtschaftliche Dimension der Hitzekosten

Ein Hitzetag ab 30 Grad kostet die deutsche Wirtschaft 431 Millionen Euro - fast ausschließlich durch Produktivitätsverluste. Eine neue Prognos-Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums liefert die erste systematische Quantifizierung der Hitzekosten pro Tag. Die Hitzewelle dieser Woche macht die Zahlen unmittelbar greifbar.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 3 Min. Lesezeit


Am 28. Juni 2026 registrierte der Deutsche Wetterdienst an der Messstation Neißemünde-Coschen in Brandenburg 41,7 Grad - ein neuer deutscher Allzeitrekord. An 46 weiteren Stationen überschritt die Temperatur die 40-Grad-Marke. Was die Wetterstatistik als historisches Ereignis verbucht, ist für die Arbeitswelt eine Kostenstelle: 431 Millionen Euro direkte Hitzekosten pro Tag, so die Kerngröße einer aktuellen Studie des Beratungshauses Prognos im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).

97 Prozent dieser Kosten entstehen durch Produktivitätsverluste. Beschäftigte arbeiten weiter, aber unter Hitzebelastung mit spürbar geringerer Leistung - ein Effekt, den die Studie als „stillen" Produktivitätsfaktor beschreibt. Hinzu kommen rund 13 Millionen Euro durch Krankmeldungen und Arbeitsunfälle sowie 76.500 Fehltage je Hitzetag.

Welche Branchen tragen die Hauptlast?

Besonders betroffen sind Branchen mit körperlicher Arbeit im Freien oder in schlecht klimatisierten Hallen: Land- und Forstwirtschaft, Baugewerbe, verarbeitendes Gewerbe sowie Verkehr und Lagerei. Diese Sektoren kombinieren hohe körperliche Belastung mit begrenzten technischen Schutzmöglichkeiten. Regional zeigt die Auswertung ein klares Gefälle: Bayern und Baden-Württemberg tragen mit bis zu 700 Millionen Euro zusätzlichen Kosten pro Jahr die höchste Last - Südwestdeutschland ist klimatisch am stärksten exponiert.

Die Prognos-Studie nutzt drei Wirkungskanäle: Produktivitätsverluste, Arbeitsausfälle durch hitzeinduzierte Krankheiten und Unfälle sowie indirekte Effekte über Input-Output-Modellierung. Es ist die erste systematische Quantifizierung dieser Kosten für Deutschland, basierend auf DWD-Klimaprojektionen (RCP8.5-Szenario).

Hitzekosten Arbeit: Was die Prognose bis 2060 zeigt

Die folgende Tabelle stellt den heutigen Befund den projizierten Werten für den Zeitraum 2031 bis 2060 gegenüber.

Kennzahl Heute (pro Hitzetag) Prognose 2031-2060 (jährlich zusätzlich)
Direkte Kosten 431 Mio. Euro 2,1 bis 4,5 Mrd. Euro
Direkte + indirekte Kosten keine Angabe 4,2 bis 9 Mrd. Euro
Fehltage 76.500 keine Angabe
Zusätzliche Hitzetage pro Jahr keine Angabe 5 bis 10
Kosten Bayern / BaWü keine Angabe bis zu 700 Mio. Euro/Jahr

Quelle: Prognos / BMAS, „Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt", 2026. Projektion auf Basis DWD RCP8.5-Szenario. Zahlen für 2031-2060 als jährliche Zusatzbelastung gegenüber heute.

Arbeitsschutz als wirtschaftlicher Hebel

Die Studie hält fest, dass die berechneten Kosten eine Untergrenze darstellen. Extremjahre, Hitzewellen und langfristige Gesundheitsfolgen bleiben in der Modellrechnung außen vor. Die tatsächlichen Kosten liegen höher. Die Schlussfolgerung der Autoren: Investitionen in präventiven, klimawandelgerechten Arbeitsschutz vermeiden künftige Milliardenschäden. Arbeitsschutz ist damit kein Kostenfaktor, sondern ein strategischer Hebel der Klimaanpassung.

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Die Studie betont zudem, dass eine einheitliche Schutzstrategie nicht ausreicht. Klimaanpassung im Arbeitsschutz muss regional differenziert sein: Kommunen und Unternehmen in Süddeutschland stehen vor anderen Anforderungen als Betriebe in der Norddeutschen Tiefebene. Für Unternehmen mit Außeneinsatz und körperlicher Arbeit bedeutet das: Hitzebelastung in die betriebliche Gefährdungsbeurteilung aufnehmen und Anpassungsmaßnahmen priorisieren, bevor der nächste Allzeitrekord die Modellrechnung erneut einholt.

QUELLEN

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  1. Prognos / BMAS: Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt, April 2026.
  2. BMAS: Abschlussbericht Klima wandelt Arbeit, 2026.
  3. Deutscher Wetterdienst (DWD): Hitzebilanz und Temperaturrekorde Juni 2026.
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