HANDELSSTREIT UM CHINA-HYBRIDE · 11. OKTOBER 2026
BYDChina und die EU einigen sich auf weniger Hybrid-Exporte nach Europa
Chinas Hybrid-Exporte nach Europa sollen in den nächsten vier Jahren höchstens halb so hoch ausfallen wie von der EU-Kommission vorausberechnet. Die tatsächlichen Mengen dürfen trotzdem weiter steigen, die Zölle auf Elektroautos aus China bleiben bestehen.
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič hat nach zwei Verhandlungstagen in Peking eine Verständigung mit Chinas Handelsminister Wang Wentao und Vize-Premier He Lifeng verkündet. China habe zugestimmt, die Ausfuhr von Voll- und Plug-in-Hybriden in die EU zu begrenzen. „Dieses Paket beweist, dass Verhandlungen … Ergebnisse bringen“, sagte Šefčovič am Freitag auf einer Pressekonferenz in Peking.
Als Maßstab dient die Prognose der Kommission für die kommenden vier Jahre. Die Lieferungen sollen höchstens die Hälfte dieser vorausberechneten Menge erreichen, das verhindere Exporte von mehreren Millionen Fahrzeugen. Gemessen an den heutigen Liefermengen bedeutet das keine Kürzung. Eine Ausgangszahl nannten weder Brüssel noch Peking.
Chinas Handelsministerium bestätigte die Einigung ohne Zahlen. Die gemeinsame Erklärung spricht von einer Verständigung über den Handel mit Hybridfahrzeugen, die mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar sei. Ob Peking die Ausfuhr über Exportlizenzen, feste Mengen oder Preise steuert, haben beide Seiten nicht veröffentlicht.
China hat seine Hybrid-Exporte nach Europa mehr als verzehnfacht
Seit Ende Oktober 2024 erhebt die EU auf batterieelektrische Autos aus China Ausgleichszölle von 7,8 bis 35,3 Prozent, zusätzlich zum regulären Autozoll von zehn Prozent. Hybride fallen nicht darunter. Chinesische Hersteller verlagerten ihr Europageschäft deshalb auf Plug-in- und Vollhybride. Im Oktober 2024 kamen rund 3.800 in China gebaute Hybride in die EU, im Juli 2026 waren es 50.000, nach 19.000 im Juli 2025.
Bei Plug-in-Hybriden halten chinesische Hersteller nach Daten des Marktanalysten Matthias Schmidt inzwischen gut ein Viertel des Marktes. Die Wirtschaftsweisen aus Deutschland und Frankreich hatten diesen Ausweicheffekt Anfang Oktober beschrieben. Sie empfehlen, eng austauschbare Produkte künftig gemeinsam zu prüfen (mehr dazu: Ökonomen wollen Europas Abhängigkeit von China gezielt abbauen).
Mitte September hatte Brüssel Peking gebeten, die Hybrid-Exporte nach Europa freiwillig zu begrenzen, bei Plug-in-Hybriden auf rund 15 Prozent des Marktes. China lehnte ab, eine freiwillige Selbstbeschränkung verstoße gegen die WTO-Regeln. Danach bereitete die Kommission laut Bloomberg ein Zollkontingent vor. Eine feste Zahl chinesischer Hybride wäre zum regulären Satz ins Land gekommen, jedes weitere Fahrzeug hätte einen Sonderzoll gekostet.
BYD und MG verkaufen in Deutschland mehrheitlich Plug-in-Hybride
Bei BYD und MG lag der Anteil der Plug-in-Hybride an den Neuzulassungen von Januar bis August 2026 bei über 60 Prozent. Allein der BYD Seal U DM-i kam von Januar bis September auf 11.291 Neuzulassungen. BYD insgesamt verbuchte im selben Zeitraum 42.788 Fahrzeuge (mehr dazu: Tesla und BYD treiben die Auto-Neuzulassungen im September nach oben).
Im September wurden in Deutschland 27.861 Plug-in-Hybride neu zugelassen, 10,8 Prozent aller Pkw. Reine Elektroautos kamen auf 34,5 Prozent. Im Alltag stoßen Plug-in-Hybride laut einer Auswertung des ICCT rund fünfmal so viel CO2 aus wie im Normwert angegeben (mehr dazu: Plug-in-Hybrid-Trick).
Für Käufer*innen ändert sich vorerst nichts. Ob chinesische Plug-in-Hybride teurer werden, entscheidet der Mechanismus. Ein Kontingent oder Exportlizenzen begrenzen die Stückzahl, Mindestpreise würden den Importpreis direkt anheben.
Die Einigung erfasst nur Ausfuhren aus China. BYD will in diesem Jahr im ungarischen Szeged die Serienfertigung aufnehmen. Chery baut gemeinsam mit Ebro in Barcelona, Xpeng lässt bei Magna Steyr in Graz montieren.
Die Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos bleiben unberührt. Beide Seiten wollen die Verfahren weiterführen, in denen einzelne Hersteller Mindestpreise zusagen und dafür vom Zoll befreit werden.
Die EU-Staats- und Regierungschefs beraten kommende Woche
Ob die Zusage reicht, um härtere Schutzmaßnahmen abzuwenden, entscheiden laut Šefčovič Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die Mitgliedstaaten. Die Staats- und Regierungschefs treffen sich am 15. und 16. Oktober in Brüssel. „Ein entscheidender erster Schritt, aber nur ein erster Schritt“, erklärte Šefčovič zur Einigung.
China sagte außerdem zu, Zölle auf einzelne EU-Waren zu senken, darunter Autoteile und Olivenöl. Die betroffenen Exporte erreichen rund vier Milliarden Euro im Jahr, die Ersparnis beziffert die Kommission auf mindestens 225 Millionen Euro. Bei Seltenen Erden stellte Šefčovič leichteren Zugang in Aussicht, die gemeinsame Erklärung nennt nur die Fortführung eines beschleunigten Lizenzverfahrens.
Im Januar folgt eine Videokonferenz der Minister, im März 2027 die dritte Verhandlungsrunde. Der europäische Herstellerverband ACEA nannte die Ankündigung einen positiven Schritt, um die Handelsspannungen zu entschärfen. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sprach von einem ersten positiven Signal und will die konkreten Inhalte abwarten.
Japan hatte 1991 mit der damaligen Europäischen Gemeinschaft vereinbart, seine Autoexporte bis Ende 1999 zu begrenzen. Nissan, Honda und Toyota fertigten in dieser Zeit bereits in eigenen Werken in Großbritannien.
QUELLEN
- electrive: Hybridautos: EU fordert China zu Selbstbeschränkung auf, 17.09.2026.
- Eunews: China, Šefčovič in Beijing: Initial agreement reached, 09.10.2026.
- Kraftfahrt-Bundesamt: Pressemitteilung Fahrzeugzulassungen im September 2026, 05.10.2026.