FIRMENPORTRÄT

Masdar

Abu Dhabis Staatskonzern für saubere Energie

Masdar RTC-Projekt: Chairman Sultan Al Jaber bei der Vorstellung des Solar-Speicher-Vorhabens in Abu Dhabi
Masdar-Chairman Sultan Al Jaber bei der Ankündigung des RTC-Projekts. (Bild: Masdar)

Masdar ist der größte staatliche Erneuerbaren-Investor der Golfregion und einer der aktivsten weltweit. Der Konzern aus Abu Dhabi baut, kauft und finanziert Solar-, Wind- und Speicherprojekte auf mehreren Kontinenten, mit einem Portfolio von mehr als 65 Gigawatt und dem Ziel von 100 Gigawatt bis 2030. Sein bislang größtes Vorhaben, das RTC-Projekt, soll beweisen, dass Solarstrom rund um die Uhr verfügbar und bankfähig ist.


Wer ist Masdar?

Masdar wurde 2006 in Abu Dhabi gegründet, als Tochtergesellschaft des Staatsfonds Mubadala. Der Name bedeutet auf Arabisch „Quelle” und stand für ein klares Ziel: Abu Dhabi sollte neben dem Ölgeschäft ein zweites, sauberes Standbein bekommen. Aus diesem Auftrag ist ein global tätiger Erneuerbaren-Konzern geworden.

Seit Dezember 2022 ist die Eigentümerstruktur neu geordnet. Im Kerngeschäft mit erneuerbaren Energien hält der Energiekonzern TAQA 43 Prozent, der Staatsfonds Mubadala 33 Prozent und der Ölkonzern ADNOC 24 Prozent. Im separaten Geschäftsfeld für grünen Wasserstoff kehrt sich die Gewichtung um: Dort hält ADNOC 43 Prozent, Mubadala 33 Prozent und TAQA 24 Prozent.

Vorstandsvorsitzender ist Mohamed Jameel Al Ramahi, seit 2016 CEO und bereits seit 2008 im Unternehmen. Chairman ist Sultan Al Jaber, der zugleich Group CEO des Ölkonzerns ADNOC und Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate ist. Diese Doppelrolle prägt die öffentliche Wahrnehmung von Masdar bis heute, mehr dazu im Abschnitt Einordnung.

Das Portfolio umfasst nach Unternehmensangaben vom April 2026 mehr als 65 Gigawatt, davon 45 Gigawatt in Betrieb, im Bau oder vertraglich zugesagt und weitere 20 Gigawatt in fortgeschrittener Projektentwicklung. Bis 2030 will Masdar auf 100 Gigawatt kommen. Damit zählt der Konzern zu den größten Erneuerbaren-Entwicklern der Welt.

Geschäftsfelder

Masdar deckt die gesamte Bandbreite erneuerbarer Erzeugung ab: Solar-Großkraftwerke, Offshore-Windparks, Batteriespeicher und grünen Wasserstoff. Der Schwerpunkt liegt auf Solarstrom in Großanlagen, dem sogenannten Utility-Scale-Segment.

Das Flaggschiff im Solarbereich ist Al Dhafra PV2 in Abu Dhabi, eingeweiht im November 2023. Mit 2 Gigawatt Leistung war die Anlage bei Eröffnung die größte Solaranlage der Welt an einem einzigen Standort. Masdar hält daran einen Anteil von 20 Prozent.

Im Offshore-Windgeschäft ist Masdar seit 2008 aktiv, mit dem Einstieg beim britischen Windpark London Array. Es folgten weitere Beteiligungen, darunter seit Juli 2023 ein 49-Prozent-Anteil am deutschen Ostsee-Windpark Baltic Eagle, gemeinsam mit dem spanischen Partner Iberdrola.

Im Speichergeschäft ist das RTC-Projekt in Abu Dhabi das mit Abstand größte Vorhaben, mehr dazu im nächsten Abschnitt. Daneben verfolgt Masdar ein eigenes Geschäftsfeld für grünen Wasserstoff, an dem ADNOC mit 43 Prozent den größten Anteil hält.

Das RTC-Projekt

RTC steht für „Round-the-Clock”, zu Deutsch: rund um die Uhr. Das Projekt kombiniert 5,2 Gigawatt Solarleistung mit einem Batteriespeicher von 19 Gigawattstunden Kapazität und soll damit 1 Gigawatt Leistung durchgehend liefern, Tag und Nacht. Das Grundprinzip, Solarstrom und Speicher so zu kombinieren, dass eine gesicherte Leistung entsteht, hat Cleanthinking bereits eingeordnet.

Nach Angaben von Masdar ist RTC weltweit das erste Gigascale-Projekt dieser Art und der größte je finanzierte Batteriespeicher. Entwickelt wird es gemeinsam mit der Emirates Water and Electricity Company (EWEC), dem staatlichen Abnehmer und Ausschreiber für Wasser und Strom in Abu Dhabi. EWEC erzeugt selbst keinen Strom, sondern kauft ihn über langfristige Verträge ein.

Am 13. Juli 2026 erreichte das Projekt den Financial Close, den Abschluss der Finanzierung. Das Gesamtvolumen liegt bei 6,1 Milliarden US-Dollar, davon 5,1 Milliarden Fremdkapital von 13 internationalen und lokalen Banken, darunter die deutsche KfW IPEX-Bank, BNP Paribas, HSBC, Standard Chartered, SMBC und die Bank of China. Die restliche Milliarde steuert Masdar als Eigenkapital bei.

Dass 13 Banken ein Projekt finanzieren, das Solarstrom rund um die Uhr liefern soll, ist die eigentliche Nachricht dahinter. Was vor wenigen Jahren als technische Machbarkeitsstudie galt, ist damit bankfähig geworden. Treiber der Nachfrage sind vor allem Rechenzentren, Künstliche Intelligenz und Industrie, die auf durchgehende Stromversorgung angewiesen sind.

„Wir freuen uns, die Finanzierung von einer so breiten und hoch angesehenen Gruppe lokaler und internationaler Banken für dieses wegweisende Projekt gesichert zu haben”, sagt Masdar-Finanzchef Mazin Khan. Die Zusage zeige das Vertrauen der internationalen Bankenwelt in das Projekt und in Masdars Finanzkraft.

Die Speichertechnik liefern zwei chinesische Hersteller. BYD stellt mit seinem Haohan-System 11,275 Gigawattstunden Speicherkapazität. Sungrow liefert 7,5 Gigawattstunden über sein PowerTitan-3.0-System plus 2,6 Gigawatt Wechselrichterleistung für den Anlagenteil „RTC 1 Plant North”.

Zum Vergleich: Deutschlands größter Batteriespeicher entsteht derzeit im sachsen-anhaltischen Klostermansfeld, mit 1 Gigawatt Leistung und 5,7 Gigawattstunden Kapazität. Das RTC-Projekt speichert mehr als das Dreifache; allein der BYD-Liefervertrag übertrifft Klostermansfeld fast um das Doppelte.

Der Bau begann im Oktober 2025 in Abu Dhabi, eine genauere Standortangabe hat Masdar bislang nicht veröffentlicht. Die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant.

HORIZONTAL SCROLLEN ›

  1. JAN 2025

    Ankündigung auf der Abu Dhabi Sustainability Week

  2. OKT 2025

    Baubeginn in Abu Dhabi

  3. MAI 2026

    Sungrow liefert 7,5 GWh Speicher und 2,6 GW Wechselrichter

  4. JUL 2026

    BYD liefert 11,275 GWh Speicherkapazität

  5. JUL 2026 NEU

    Financial Close: 6,1 Milliarden US-Dollar, 13 Banken

  6. 2027

    Geplante Inbetriebnahme

Masdar in Europa und Deutschland

Masdars Europa-Geschichte beginnt 2008, im selben Jahr wie der Baubeginn von Masdar City. Der Konzern stieg damals mit 20 Prozent beim britischen Offshore-Windpark London Array ein, dem Beginn einer langjährigen Partnerschaft mit dem spanischen Versorger Iberdrola.

Von 2009 bis 2014 betrieb Masdar in Ichtershausen (Thüringen) mit der Masdar PV GmbH eine deutsche Fertigung für Dünnschichtmodule, die Ende 2014 mit rund 160 Arbeitsplätzen wieder schloss; mit dem heutigen Masdar-Geschäft hat diese frühere Tochter nichts zu tun.

Im Juli 2023 erwarb Masdar 49 Prozent am Ostsee-Windpark Baltic Eagle, ebenfalls gemeinsam mit Iberdrola. Der Windpark mit 476 Megawatt Leistung hat einen Gesamtwert von rund 1,6 Milliarden Euro und ist seit Juli 2025 vollständig am Netz.

Im Jahr 2024 kaufte sich Masdar in zwei weitere europäische Märkte ein. Für einen Unternehmenswert von 3,2 Milliarden Euro übernahm der Konzern den griechischen Energieversorger Terna Energy, seit Mai 2025 zu 100 Prozent. Für rund 1,4 Milliarden US-Dollar erwarb Masdar zudem vom Investor Brookfield das spanisch-portugiesische Portfolio Saeta Yield.

Im Januar 2026 meldete Masdar weltweite Investitionen von 15 Milliarden US-Dollar allein für das Jahr 2025. Im Februar 2026 unterzeichnete der Konzern beim Staatsbesuch des Bundeskanzlers in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Absichtserklärung mit dem deutschen Energiekonzern RWE. Sie sieht eine Zusammenarbeit bei Batteriespeichern in Deutschland vor, mit bis zu 1 Gigawatt an Bestandsanlagen und bis zu 1 weiteren Gigawatt an Neubauprojekten.

Im Juni 2026 kündigte Masdar den Einstieg mit 49,99 Prozent bei einem spanischen Portfolio des Ölkonzerns Repsol an, 705 Megawatt Leistung für 849 Millionen Euro. Der Abschluss der Transaktion ist für Ende 2026 geplant.

Deutschland ist damit für Masdar mehr als ein Randmarkt. Neben Baltic Eagle und der Absichtserklärung mit RWE finanziert mit der KfW IPEX-Bank auch ein deutsches Institut das RTC-Projekt in Abu Dhabi mit.

Einordnung

Masdar lässt sich nicht auf eine einzige Geschichte reduzieren. Der Konzern baut reale, große Projekte und finanziert sie über internationale Banken, das RTC-Projekt ist dafür der bislang deutlichste Beleg. Gleichzeitig steht Masdar in einem engen Geflecht mit der Ölindustrie der Emirate, das sich nicht wegdiskutieren lässt.

Chairman Sultan Al Jaber führt zugleich als Group CEO den staatlichen Ölkonzern ADNOC und leitete 2023 als Präsident die Weltklimakonferenz COP28 in Dubai. Diese Ämterhäufung wurde international kritisiert. Nach einer gemeinsamen Recherche des Centre for Climate Reporting und der BBC auf Basis geleakter Dokumente sollten Gesprächspunkte von ADNOC und Masdar standardmäßig in Al Jabers Vorbereitungsunterlagen für bilaterale COP-Treffen einfließen. Al Jaber wies die Vorwürfe zurück und erklärte, er habe solche Gesprächspunkte nie gesehen oder verwendet.

Parallel zum Ausbau von Masdar fährt ADNOC einen eigenen Expansionskurs bei Öl und Gas. Beide Strategien laufen unter demselben Dach und teilweise unter denselben Führungspersonen, ein Spannungsfeld, das Masdar öffentlich nicht auflöst.

Auch das Ursprungsprojekt Masdar City fällt hinter die eigenen Ansprüche zurück. 2006 als CO2-freie Modellstadt angekündigt, blieb die Siedlung laut Berichten unter anderem von Bloomberg deutlich hinter den ursprünglichen Zielen und Zeitplänen zurück.

Beides ist wahr: 65 Gigawatt Portfolio und ein Financial Close über 6,1 Milliarden Dollar sind reale Zahlen, kein Marketing-Versprechen. Wer bei Masdar investiert, kauft aber immer auch ein Stück Petrostaat-Kapital mit ein, das seine Energiewende-Strategie neben der fossilen Expansion von ADNOC fährt.

Meilensteine

  • 2006: Gründung als Mubadala-Tochter im Rahmen der Diversifizierungsstrategie Abu Dhabis.
  • 2008: Baubeginn Masdar City, Einstieg beim Offshore-Windpark London Array (20 Prozent).
  • 2009: Gründung der deutschen Tochter Masdar PV GmbH in Ichtershausen, Thüringen.
  • 2014: Schließung von Masdar PV GmbH, rund 160 Arbeitsplätze betroffen.
  • Dezember 2022: Neuordnung der Eigentümerstruktur zwischen TAQA, Mubadala und ADNOC.
  • Juli 2023: Einstieg beim Offshore-Windpark Baltic Eagle in der Ostsee, 49 Prozent, mit Iberdrola.
  • November 2023: Einweihung von Al Dhafra PV2, 2 Gigawatt, damals größte Single-Site-Solaranlage der Welt.
  • 2024: Übernahmen von Terna Energy (Griechenland) und Saeta Yield (Spanien/Portugal).
  • Januar 2025: Ankündigung des RTC-Projekts auf der Abu Dhabi Sustainability Week.
  • Juli 2025: Baltic Eagle vollständig energisiert.
  • Oktober 2025: Baubeginn des RTC-Projekts in Abu Dhabi.
  • Januar 2026: Meldung von 15 Milliarden US-Dollar weltweiten Investitionen für 2025.
  • Februar 2026: Absichtserklärung mit RWE zu Batteriespeichern in Deutschland.
  • April 2026: Portfolio erreicht mehr als 65 Gigawatt.
  • Juni 2026: Einstieg beim Repsol-Portfolio in Spanien, 49,99 Prozent, 705 Megawatt.
  • Juli 2026: Financial Close für das RTC-Projekt, 6,1 Milliarden US-Dollar, 13 Banken.

Häufige Fragen

Was ist Masdar?

Masdar (offiziell Abu Dhabi Future Energy Company PJSC) ist ein staatlicher Energiekonzern aus Abu Dhabi. Er wurde 2006 als Tochter des Staatsfonds Mubadala gegründet und entwickelt heute weltweit Solar-, Wind- und Speicherprojekte mit einem Portfolio von mehr als 65 Gigawatt.

Wem gehört Masdar?

Im Kerngeschäft mit erneuerbaren Energien halten TAQA 43 Prozent, Mubadala 33 Prozent und ADNOC 24 Prozent. Im Geschäftsfeld für grünen Wasserstoff ist die Gewichtung umgekehrt, dort hält ADNOC 43 Prozent.

Was ist das RTC-Projekt von Masdar?

RTC steht für „Round-the-Clock” und kombiniert 5,2 Gigawatt Solarleistung mit 19 Gigawattstunden Batteriespeicher in Abu Dhabi. Ziel ist eine gesicherte Leistung von 1 Gigawatt rund um die Uhr, geplante Inbetriebnahme ist 2027.

Was ist der größte Batteriespeicher der Welt?

Der Speicherteil des RTC-Projekts von Masdar gilt nach Unternehmensangaben als größter je finanzierter Batteriespeicher. Die Kapazität von 19 Gigawattstunden liefern die Hersteller BYD (11,275 GWh) und Sungrow (7,5 GWh).

Was macht Masdar in Deutschland?

Masdar hält seit 2023 49 Prozent am Ostsee-Windpark Baltic Eagle und unterzeichnete im Februar 2026 eine Absichtserklärung mit RWE zu Batteriespeichern. Zudem gehört die KfW IPEX-Bank zu den 13 Banken, die das RTC-Projekt in Abu Dhabi mitfinanzieren.

Wie hängen Masdar und ADNOC zusammen?

ADNOC ist mit 24 Prozent (Renewables) beziehungsweise 43 Prozent (grüner Wasserstoff) Miteigentümer von Masdar. Sultan Al Jaber ist zugleich Chairman von Masdar und Group CEO von ADNOC, eine Doppelrolle, die international kritisiert wurde.

Was wurde aus Masdar City?

Masdar City wurde 2006 als CO2-freie Modellstadt in Abu Dhabi angekündigt. Laut Berichten unter anderem von Bloomberg blieb das Projekt deutlich hinter den ursprünglichen Zielen zurück.

2c224ae1b807442faecd332c5fd20310
Nach oben scrollen