FIRMENPORTRÄT

Subra

Supraleiterkabel aus Dänemark und Bayern

Drei Subra-Mitarbeitende im Labor, ein Ingenieur erklärt ein Subracable-Kabelstück aus gebündelten Hochtemperatur-Supraleiter-Bändern
Das Subracable bündelt beschichtete Supraleiterbänder zu einem flexiblen Rundleiter. (Foto: Subra)

Subra ist ein dänisches Cleantech-Unternehmen, das supraleitende Stromkabel für Netze, Industrieanschlüsse und Fusionsanlagen baut. Mit der Übernahme des bayerischen Bandherstellers THEVA im April 2026 kontrolliert Subra erstmals die gesamte Fertigungskette von der Beschichtung bis zum Kabel innerhalb Europas.


Wie ein Supraleiterkabel Strom nahezu verlustfrei transportiert

Ein Hochtemperatur-Supraleiter, kurz HTS, verliert bei ausreichender Kühlung seinen elektrischen Widerstand fast vollständig. Strom fließt dann nahezu ohne Verluste, während er in Kupferleitungen schon nach wenigen Kilometern spürbar an Energie einbüßt. Subra setzt auf REBCO, eine Materialklasse aus Seltenen Erden, Barium, Kupfer und Sauerstoff, die als hauchdünne Schicht auf ein Trägerband aufgebracht wird.

Diese Bänder stellt THEVA in Ismaning her, seit 2015 in Serie unter dem Namen Pro-Line, als erste kommerzielle Fertigung von Supraleitern der zweiten Generation in Deutschland. Das Verfahren lässt die Kristallstruktur des Supraleiters gezielt auf dem Trägerband wachsen. Subra bündelt die Bänder anschließend zu einem flexiblen Rundleiter, dem Subracable. Das unterscheidet das Produkt von starren Supraleiterkabeln aus Forschungsanlagen und macht es ähnlich verlegbar wie ein klassisches Kupferkabel.

Die Idee dahinter entstand 2011 auf einer Flughafenbank. Anders C. Wulff, damals Forscher an der DTU, saß nach einer Supraleiter-Konferenz in den Niederlanden über einem alten Problem der Branche: den Wechselstromverlusten in flachen Supraleiterbändern. Sein Ansatz war, das Material so aufzudampfen, dass es von selbst haardünne Stränge bildet und die Verluste damit ausschaltet. Aus der Idee wurde 2014 das Unternehmen, 2019 der erste funktionierende Subracable-Prototyp.

Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist die Kühlung. Subras Kabel arbeiten mit flüssigem Stickstoff bei rund minus 196 Grad Celsius statt mit Helium, wie es klassische Tieftemperatur-Supraleiter benötigen. Flüssiger Stickstoff ist reichlich verfügbar und deutlich günstiger in Beschaffung und Betrieb. Nach Angaben des Unternehmens transportiert das Subracable bei gleichem Querschnitt bis zu 300-mal mehr Leistung als eine konventionelle Kupferleitung. Diese Zahl stammt von Subra selbst und ist nicht unabhängig geprüft.

SO ENTSTEHT DAS SUBRACABLE

  1. 1 · BandTHEVA beschichtet in Ismaning ein Metallband mit einer hauchdünnen REBCO-Schicht.
  2. 2 · BündelSubra bündelt viele Bänder zu einem flexiblen Rundleiter, dem Subracable.
  3. 3 · KryostatDer Leiter wird in eine isolierte Hülle verlegt, durch die Kühlmittel fließt.
  4. 4 · BetriebFlüssiger Stickstoff hält das Kabel bei minus 196 Grad, der Widerstand verschwindet.

Für die Einordnung ist wichtig: Supraleiterkabel ersetzen Kupfer nicht pauschal. Auch im Subracable stecken metallische Stabilisatoren, die bei einer Störung den Strom übergangsweise tragen, und jede Trasse braucht eine durchgehende Kühlung. Das rechnet sich heute nur dort, wo auf engem Raum sehr viel Leistung durch muss, etwa in Städten, an Industrieanschlüssen oder Netzverknüpfungspunkten. Supraleiter verschieben die Stellen, an denen Kupfer gebraucht wird, sie schaffen den Bedarf nicht ab.

Wo Supraleiterkabel eingesetzt werden, und wo nicht

Das bislang wichtigste Referenzprojekt mit THEVA-Material liegt in München. Im Projekt SuperLink ging am 9. Oktober 2024 am Umspannwerk Menzing ein 110-Kilovolt-Supraleiterkabel mit 500 Megawatt Nennleistung in den Testbetrieb, bei einem Kabeldurchmesser von nur 15 Zentimetern. Partner waren die Stadtwerke München, der Kabelhersteller NKT, Linde und das Karlsruher Institut für Technologie. Verläuft der Test erfolgreich, soll eine 15 Kilometer lange Verbindung zwischen zwei Umspannwerken folgen.

Subra zielt auf vier Einsatzfelder: die Ertüchtigung bestehender Stromnetze an Engpassstellen, den Anschluss von Industrieanlagen mit hohem Leistungsbedarf, Magnetsysteme für Fusionskraftwerke sowie wissenschaftliche Großgeräte. Fusionsanlagen brauchen extrem starke Magnetfelder auf kleinem Raum, wofür sich HTS-Material eignet, weil es auch bei hohen Feldstärken supraleitend bleibt. Wulff ist stellvertretender Vorsitzender der European Fusion Association, die Verbindung zur Fusionsszene ist also kein Zufall.

Für den flächendeckenden Netzausbau in Wohngebieten oder auf dem Land bleibt klassisches Kupfer- und Aluminiumkabel die wirtschaftlichere Wahl. Supraleiterkabel lohnen sich dort, wo Platz teuer und Leistungsdichte entscheidend ist. Ein realer Auftrag für das Subracable im Netzbetrieb ist Stand September 2026 nicht öffentlich bekannt, das Unternehmen hat 2025 nach eigenen Angaben längere Kabelabschnitte produziert und getestet.

Wer hinter Subra steckt

Anders C. Wulff gründete Subra 2014 gemeinsam mit Sarah Børresen, die heute als Chief Strategy Officer die Unternehmensentwicklung verantwortet. Wulff hat an der DTU promoviert, dort als Associate Professor gelehrt und hält die Schlüsselpatente des Unternehmens. Die Forschungsleitung liegt bei Christian Bahl, ebenfalls ehemaliger DTU-Professor mit über zwanzig Jahren Erfahrung in Magnet- und Supraleitersystemen.

Die Verbindung nach Bayern hat einen Namen: Cornelia Hintze leitet bei Subra die HTS-Entwicklung. Die promovierte Materialwissenschaftlerin war zuvor eine der treibenden Kräfte des Münchner SuperLink-Projekts, dem bislang größten Praxistest für THEVA-Bänder. Im Aufsichtsrat sitzen mit Antonia Schmalz (SPRIND) und Michael Mayer (eCAPITAL) zwei Investorenvertreter, die THEVA schon vor der Übernahme kannten: eCAPITAL war seit 2016 an THEVA beteiligt.

THEVA selbst wurde 1996 als Ausgründung der Technischen Universität München gegründet und beschäftigt rund sechzig Mitarbeitende in Ismaning. Geschäftsführer ist Lars Ruppert. Das Unternehmen hatte über die Jahre fünf Investoren gewonnen, Target Partners und BayBG ab 2012, eCAPITAL und Bayern Kapital ab 2016, EnBW New Ventures ab 2017, ohne dass daraus eine industrielle Serienfertigung im großen Maßstab wurde. Subra kommt zusammen mit THEVA auf mehr als hundert Beschäftigte.

Was die THEVA-Übernahme für die Marktposition bedeutet

Die Series A lief in zwei Schritten. Am 10. April 2026 schloss Subra ein erstes Closing über 40 Millionen Euro ab, angeführt vom dänischen Investor Novo Holdings, dem Vermögensverwalter der Novo-Nordisk-Stiftung, mit Maj Invest und der deutschen Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND. Am selben Tag wurde die Übernahme von THEVA wirksam. Am 20. Juli 2026 folgte ein zweites Closing über zehn Millionen Euro von Bayern Kapital, das die Runde auf 50 Millionen Euro komplettierte.

„Heute vereinen wir zwei Pioniere an der Spitze der Supraleitertechnologie. Gemeinsam bauen wir einen europäischen Champion für Supraleiter auf, verankert in Jahrzehnten von Deep-Tech-Innovation, wissenschaftlicher Exzellenz und Fertigungskompetenz“, sagte Wulff zur Übernahme. Monika Steger, Geschäftsführerin von Bayern Kapital, ordnete den Schritt aus Investorensicht ein: „Wir haben 2016 erstmals in THEVA investiert und das Unternehmen seither auf seinem Wachstumskurs begleitet. Die Übernahme durch Subra sehen wir als sinnvollen nächsten Schritt.“

Das Kapital soll in den Ausbau der Produktion an beiden Standorten fließen. Subra ist Anfang 2026 in eine viermal größere Fertigung umgezogen, THEVA betreibt in Ismaning die einzige Serienfertigung für REBCO-Bänder in Deutschland. Vor der Übernahme kaufte Subra die Bänder als Kunde bei THEVA, jetzt kontrolliert es die vorgelagerte Stufe selbst.

Weltweit gibt es rund fünfzehn Hersteller von HTS-Bändern. Die größten Kapazitäten liegen bei Faraday Factory Japan (früher SuperOx), Shanghai Superconductor und Fujikura, die zusammen mehr als die Hälfte der Weltproduktion stellen. Bei Supraleiterkabeln sind NKT und Nexans die etablierten Anbieter, beide beziehen ihre Bänder von externen Herstellern. Die Kombination aus eigener Bandfertigung und eigener Kabelproduktion unter einem Dach ist in Europa bislang ohne Vorbild.

Warum Subra relevant ist

THEVA hat dreißig Jahre Supraleiterforschung hinter sich, solide Technik und namhafte Investoren, und blieb trotzdem über Jahre Zulieferer für Forschungsprojekte. Das lag selten an der Physik. Wer Bänder fertigt, aber keinen verlässlichen Großabnehmer für Kabel hat, kann seine Fertigung nicht auslasten und deshalb auch nicht skalieren.

Die Übernahme durch Subra ändert genau diese Struktur. Ein Unternehmen, das selbst Kabel verkauft, hat einen Anreiz, die vorgelagerte Fertigung auszulasten. Ob das reicht, um aus einer über Jahrzehnte unterausgelasteten Bandproduktion eine wettbewerbsfähige europäische Industrie zu machen, wird sich erst an den ersten Netzaufträgen zeigen.

Für die europäische Netz- und Industriepolitik ist der Fall trotzdem ein Präzedenzfall. Kupfer wird knapper und teurer, während der Strombedarf durch Elektrifizierung steigt. Wo Supraleiter Kupfer an einzelnen Engpassstellen ersetzen, entlasten sie die Teile der Lieferkette, die zuerst eng werden. Mehr dazu, warum der Kupferpreis gerade Innovationen auslöst.

Meilensteine

HORIZONTAL SCROLLEN ›

  1. 1996

    THEVA wird als Ausgründung der TU München in Ismaning gegründet

  2. 2014

    Anders C. Wulff und Sarah Børresen gründen Subra als DTU-Ausgründung

  3. 2015

    THEVA startet die erste Serienfertigung von REBCO-Bändern in Deutschland

  4. 2016

    Bayern Kapital und eCAPITAL steigen bei THEVA ein

  5. 2019

    Erster funktionierender Subracable-Prototyp

  6. 2023

    Subra erhält Förderung aus dem EIC Accelerator der EU

  7. OKT 2024

    SuperLink München: 110-kV-Supraleiterkabel mit THEVA-Bändern geht in den Testbetrieb

  8. APR 2026

    Series A über 40 Mio. Euro, Subra übernimmt THEVA

  9. JUL 2026 NEU

    Zweites Closing: Bayern Kapital gibt 10 Mio. Euro, Series A bei 50 Mio. Euro

Häufig gestellte Fragen

Was macht Subra?

Subra ist ein 2014 gegründetes dänisches Cleantech-Unternehmen mit Sitz in Farum bei Kopenhagen. Es entwickelt Hochtemperatur-Supraleiter-Kabel für Stromnetze, Industrieanlagen und Fusionskraftwerke. Das Produkt heißt Subracable und bündelt beschichtete REBCO-Bänder zu einem flexiblen Rundleiter.

Was ist der Unterschied zwischen Subra und THEVA?

THEVA in Ismaning fertigt die beschichteten REBCO-Bänder, den Grundstoff für Supraleiterkabel. Subra verarbeitet diese Bänder zum fertigen Subracable. Seit dem 10. April 2026 gehört THEVA zu Subra, damit liegen beide Fertigungsstufen unter einem Dach.

Ersetzen Supraleiterkabel Kupferkabel komplett?

Nein. Supraleiterkabel enthalten weiterhin metallische Stabilisatoren und brauchen eine durchgehende Kühlung mit flüssigem Stickstoff. Sie lohnen sich nur dort, wo auf engem Raum sehr hohe Leistung übertragen werden muss, etwa in Städten oder an Industrieanschlüssen.

Wie viel Kapital hat Subra 2026 eingesammelt?

Insgesamt 50 Millionen Euro in einer Series A. Das erste Closing über 40 Millionen Euro im April 2026 führte Novo Holdings an, mit Maj Invest und SPRIND. Im Juli 2026 folgten zehn Millionen Euro von Bayern Kapital.

Wo werden Supraleiterkabel heute schon eingesetzt?

Das größte deutsche Projekt ist SuperLink in München: Seit Oktober 2024 läuft dort ein 110-Kilovolt-Kabel mit 500 Megawatt Nennleistung im Testbetrieb, gebaut mit THEVA-Bändern. Weitere Einsatzfelder sind Magnetsysteme für Fusionsforschung und Hochleistungsanschlüsse für die Industrie.

Wer sind die Wettbewerber von Subra?

Bei Supraleiterbändern sind Faraday Factory Japan, Shanghai Superconductor und Fujikura die größten Hersteller. Bei Supraleiterkabeln sind NKT und Nexans etabliert. Subra ist in Europa das einzige Unternehmen, das beide Stufen selbst fertigt.

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