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VW ID.3: Wolfsburgs Hoffnungsträger

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Der VW Neo wird aller Wahrscheinlichkeit nach als VW ID.3 auf den Markt kommen, berichtet die WirtschaftsWoche

Der VW ID.3 ist Wolfsburgs großer Hoffungsträger: Der Volkswagen-Konzern verspricht sich vom Mittelklasse-Elektroauto einer neuen Generation ein Kultfahrzeug wie es der VW Käfer oder der VW Golf bis heute sind. Aber funktioniert ein „angekündigter Kult“? Mit den Aussagen legen die VW-Manager die Messlatte ausgesprochen hoch – generell geht VW, so hat es den Anschein, bei Elektromobilität „All-In“.

Der Volkswagen-Konzern hat mit seinen Marken VW und Audi in den vergangenen Monaten Milliarden für die Befriedung der bekannten Diesel-Skandale aufbringen müssen. Milliarden, die bei der Transformation eines der wichtigsten Auto-Konzerne der Welt hin zum digitalen Mobilitäts- und Energiedienstleister mit elektrifizierter Produktpalette fehlen.

Lesen Sie auch: Volkswagen-Chef zu Elektroautos: „Es wird ein Marathon und kein Sprint“ (von 2009…)

Beinahe jeden Tag liest man in der einschlägigen Presse, dass gespart werden muss bei Volkswagen. Ein Umstand, der dazu führt, das VW volles Risiko gehen muss beim einseitigen Setzen auf Elektromobilität – während Daimler oder Toyota auch auf die Brennstoffzelle setzen, hat sich Volkswagen für die reine, batterieelektrische Mobilität für’s VW Elektroauto entschieden. Und nach und nach wird auch deutlich, wie die künftige Produktpalette aussehen wird.

VW ID.3 wird eines der ersten neu entwickelten Elektroautos von Volkswagen
Elektroautos gehörten zu Volkswagens Strategie. Aber lässt sich der Vorsprung von Tesla aufholen?

Es sind immer wieder widersprüchliche Aussagen, die aus dem Volkswagen-Konzern nach Außen dringen: Einerseits kommen Meldungen, dass die bisherigen VW-Standorte nun durch Vergabe von Produktionsaufträgen in Richtung Elektromobilität auf Zukunft getrimmt werden. Andererseits kommen kritische Töne vom Aufsichtsrat Pötsch, der meint, Elektroautos würden teuer und nicht jeder könne sich in Zukunft eines leisten.

Falls sich Volkswagen aber zum Mobilitäts- und Energiedienstleister wandelt, muss es auch für die, die sich kein eigenes Elektroauto zulegen können oder wollen, Lösungen geben. Etwa durch Carsharing, durch autonome Flotten, die bestimmte Fahrten übernehmen und anderen Ideen. Ideen, die auch im VW-Konzern längst durch die Begleitung von Startups angekommen sind.

Das verzerrte Bild ist nur dadurch zu erklären, dass Volkswagen immer auch nach innen kommuniziert: Die vollmundigen Elektrifizierungs-Versprechen des Vorstandschefs Diess finden womöglich nicht alle im Konzern gut. Auch, weil vor einigen Jahren Elektroautos noch verteufelt wurden. Die Kehrtwende erschwert die Kommunikation nach Innen – daher soll eine Aussage von Pötsch, die EU mit ihren strengen Grenzwerten zwinge Konzerne wie Volkswagen in die Elektromobilität, auch wenn man das gar nicht wolle, soll genau diese Manager abholen.

VW ID.3 soll klimaneutral sein

Dabei macht Volkswagen im Grunde strategisch viele Dinge richtig, nur eben einige Jahre zu spät. Denn die Erfahrung, die ein Tesla in der Massenfertigung von Elektroautos gemacht hat in den vergangenen Jahren, wird auch ein Volkswagen kaum so schnell aufholen – die aktuelle Diskussion um die Effizienz von Audi e-tron und Jaguar I-Pace, die als wesentlich weniger effizient gelten als das Tesla Model X beispielsweise zeigt: Auch der Bau von Elektroautos geht nur mit Erfahrung.

Unterdessen kommt mit dem Tesla Model 3 DAS Elektroauto schlechthin auf den europäischen Markt und greift die Audi’s und Daimlers und eben auch VW’s dieser Welt mit voller Wucht an. Zwar braucht Tesla ganz offenbar noch eine Weile, bis es die versprochene Version für 35.000 Dollar liefern kann, aber die ersten Videos und Aussagen von Tesla Model 3-Käufern zu ihrem neuen Elektroauto sind überwältigend: Qualitativ hat Tesla mit dem Model 3 auch die eigenen Maßstäbe erreicht und kann damit den europäischen Markt angreifen.

Aber zurück zu Volkswagen: Die Manager haben verstanden, dass Klimaneutralität ein wichtiger Baustein für Elektroautos ist. So soll der bislang als VW Neo bekannte Mittelklasse-Wagen, der demnächst präsentiert wird, klimaneutral gefahren werden können – über den gesamten Produktlebenszyklus, wenn immer schön Ökostrom geladen wird. Damit bekennt sich Volkswagen zu den Pariser Klimazielen und stellt die Weichen in Richtung nachhaltige Mobilität.

So will Volkswagen den VW ID.3 klimaneutral machen
Klimastrategie für den VW ID.3 von Volkswagen

Allein bezogen auf die Herstellungsphase wird die CO2-Bilanz des ID Neo um mehr als eine Million Tonnen CO2 pro Jahr verbessert. Das entspricht rechnerisch in etwa der Klimabelastung durch ein Kohlekraftwerk, das 300.000 Haushalte mit Strom versorgt. Volkswagen arbeitet zudem an einem umfassenden Dekarbonisierungsprogramm mit Maßnahmen für weitere Modelle. Bis 2025 sollen mehr als 20 reine E-Modelle auf dem Markt sein.

Aus VW ID Neo wird VW ID.3

Der bislang als VW Neo bekannte Mittelklassewagen soll nach Informationen der WirtschaftsWoche als VW ID.3 auf den Markt gebracht werden. Entsprechende Schutzrechte hat VW im November letzten Jahres eingetragen, eine endgültige Entscheidung soll aber erst im März folgen. Drumherum soll es dann in der Zukunft den ID.1, einen ID.2, einen ID.4 und einen ID.9 geben – sowie alle Varianten gekoppelt mit einem X als Geländewagen.

Lesen Sie auch: VW Neo: 2019 kommt das erste reine Elektroauto von Volkswagen

Klar ist: Volkswagen geht All-In mit seiner Elektroauto-Strategie, die auch intern nicht alle Manager zufriedenstellt und zu unliebsamen Sparprogrammen führt. Aber, viele Entscheidungen etwa im Hinblick auf die angesprochene Klimaneutralität des VW ID.3 sind richtig und werden wahrscheinlich von den Kunden angenommen werden. Zu einer einheitlicheren Außendarstellung sollten Pötsch und Diess aber zurückkehren, um die Kunden nicht weiter zu verärgern.

Volkswagens Risiko: Uneinheitliche Kommunikation und Arroganz

Riskant ist, neben den Milliarden-Investitionen, vor allem, mit dem Thema Elektromobilität arrogant oder wohlfeil umzugehen: Also einerseits den Push zu machen, andererseits ihn aber in Zweifel zu ziehen oder den Menschen zu erzählen, Elektroautos würden so teuer werden, dass viele sich kein Auto mehr leisten können. Das ist angesichts der geringeren Wartungs- und Betriebskosten und angesichts viel weniger Teile, die ein Elektroauto benötigt, nicht nachvollziehbar.

Unsere Einschätzung ist, dass der Volkswagen-Konzern immer noch unterschätzt, wie viel Imageverlust der Diesel-Skandal und damit damit verbundenen Diesel-Fahrverbote ausgelöst haben. Entscheidend für den Erfolg der Elektroauto-Strategie wird also neben einheitlicher Kommunikation und guten Fahrzeugen sein, ob Volkswagen den Schritt auf die Kunden zu machen wird und die bisher oft zur Schau gestellte Arroganz verschwinden lässt.

Update 8. Mai 2019:

Heute um 13 Uhr wird Volkswagen weitere Details zum ID.3, dem Golf fürs Elektroautozeitalter, bekannt geben. Einerseits Produktinformationen zum Auto und zur Vorbesteller-Version, andererseits Informationen zu den Preisen, zum Bestellprozeß. Das Design hingegen dürfte verhüllt bleiben – Weltpremiere ist im September im Rahmen der IAA in Frankfurt am Main.

Der Livestream der Pressekonferenz kann hier verfolgt werden:

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% S Kommentare
  1. Siegried Maisel sagt

    ..und wie üblich bei VW, ist auch das verwendete Photo unwahr, denn es zeigt keinen i.d.3, sondern lediglich eine Studie, die so gut wie nichts mehr mit dem zu tun hat, was nun (vielleicht) gebaut werden soll Aber noch wissen wir ja gar nichts, außer immer und immer wieder leere Ankündigungen, es kam noch keine Silbe über möglicherweise verbaute Technik von VW, was den Schluß nahe legt, dass es noch keine Technik gibt, die verbaut werden könnte.

  2. […] VW ID.3: Wolfsburgs Hoffnungsträger […]

  3. makox sagt

    Sehr guter Artikel… und insbesondere die letzten beiden Absätze sprechen mir als Fahrer eines manipulierten VW-Diesel aus der enttäuschten (noch) „VW-Seele“
    Danke dafür und den Artikel bitte an die VW Verantwortlichen weiterleiten.

    1. Danke für das Lob.

      Es tut mir im Grunde in der Seele weh, so etwas über ein Unternehmen wie Volkswagen schreiben zu müssen. Es geht um unsere Wirtschaft, unser Bild im Ausland, unsere Zukunft. Aber Volkswagen hat leider nicht viel begriffen.

      Bin mir sicher, dass sie den Artikel gelesen haben 🙂

      1. makox sagt

        Letzteres bleibt wirklich zu hoffen 🙂 gerade weil Ihr Artikel trotz aller begründeter Kritik auch die notwendige Objektivität wahrt. Was gerade im aktuellen Diskurs viele „Veröffentlichungen“ vermissen lassen.
        Doch letztlich „kapieren“ müssen es die Entscheider bei VW: Auch die Loyalität der treuestes Kunden ist irgendwann und unwiederbringlich aufgebraucht, wenn man diese mit anhaltender Arroganz nur lange genug vor den Kopf stößt. Autokauf und Markentreue (insbesondere vim privaten Bereich) ist in den wenigsten Fällen reine Kosten-Nutzen-Abwägung, sondern ausgesprochen stark von Emotionen abhängig… Genau deshalb hat VW bekanntermaßen auch die Autostadt gebaut… Offenkundig ist diese Tatsache aber einigen „Herren“ der Führungsebene in ihrer Arroganz nicht (mehr) wirklich bewusst. Und wohl auch nicht, dass nicht „Sie“ allein Volkswagen sind, sondern dass die VAG viel mehr ist als nur das (jederzeit austauschbare) Management… Volkswagen begleiten Familien über Generationen!!! Genau das setzen m.E. die Entscheider der aktuellen Dekaden mit ihrer Arroganz aber aufs Spiel …

        In diesem Sinne und nochmals Danke für den objektiven Artikel.
        makox

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