Die fossile Kostenfalle ist KI-generiert
Fossile Kostenfalle: Die Lösungen liegen auf dem Tisch
Energiekrise und Elektrifizierung
Während Deutschland über Spritpreise streitet, zeigen Ökonom*innen wie Claudia Kemfert und Analysten, was jetzt wirken würde. Die Instrumente sind da. Der politische Wille fehlt.
Deutschland steckt in der dritten fossilen Energiekrise innerhalb von vier Jahren. Die Spritpreise liegen über zwei Euro, die Gaspreise steigen, die Inflation zieht wieder an. Die fossile Kostenfalle schnapp zu. Und wieder diskutiert das Land über Pendlerpauschalen und Tankrabatte, als gäbe es keine Alternative. Dabei liegen die Lösungen längst auf dem Tisch. Sie werden nur nicht angefasst.
DIW-Energieökonomin Claudia Kemfert bringt es im Tagesspiegel-Interview auf den Punkt: „Der Preiskostenschock, den wir aktuell an den Tankstellen erleben, wird zeitverzögert auch in den Heizungskellern ankommen.” Es ist nicht die erste fossile Kostenfalle, und es wird nicht die letzte sein.
Wer jetzt auf Entlastung durch billigeres Öl hofft, hat die Struktur des Problems nicht verstanden. Er wird in die fossile Kostenfalle tappen. Die Abhängigkeit von fossilen Importen ist das Problem, nicht der Ölpreis eines bestimmten Tages.
Was jetzt wirken würde
Kemfert skizziert öffentlich eine klare Handlungsagenda. Erstens: ein einkommensgestaffeltes Klimageld, finanziert aus den Einnahmen der CO2-Bepreisung und dem schrittweisen Abbau fossiler Subventionen wie dem Diesel- und Dienstwagenprivileg. Österreich hat das innerhalb von sechs Monaten umgesetzt. Deutschland hat die technischen Voraussetzungen über die Steuer-ID längst geschaffen, aber den politischen Willen nicht aufgebracht.
Zweitens: der massive Ausbau von Ladeinfrastruktur, finanziert aus den acht Milliarden Euro, die dem Staat jährlich durch die niedrigere Besteuerung von Diesel entgehen. Im März 2026 war bereits jedes vierte neu zugelassene Auto in Deutschland rein elektrisch. 70.663 BEVs, ein Plus von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Markt ist bereit, die Infrastruktur hinkt hinterher.
Drittens: Batteriespeicher statt neue Gaskraftwerke. Und hier wird es absurd. SPIEGEL-Kolumnist Christian Stöcker hat nachgerechnet, was an ungenutztem Potenzial brachliegt: Bei der Bundesnetzagentur liegen Anschlussbegehren für mehr als 500 Gigawatt Speicherleistung vor. Privates Kapital, das ohne Subventionen investiert werden will. In Kalifornien decken Batteriespeicher in den Abendstunden bereits mehr als 40 Prozent der gesamten Netzlast und verdrängen dort teuren Gasstrom aus dem Markt.
Stöcker konstatiert: „Eigentlich müsste der priorisierte Ausbau von Batteriespeichern ganz oben auf der Agenda stehen, denn Batteriespeicher machen den Strom billiger.”
SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer geht in einem SPIEGEL-Beitrag noch weiter: Statt eines Tankrabatts fordert sie einen Energiewende-Gutschein, der wahlweise für den Kauf eines Elektroautos, die energetische Sanierung, Solaranlagen oder günstigere ÖPNV-Tickets eingesetzt werden kann. Dazu die Senkung der Stromsteuer von 2,05 Cent auf den europäischen Mindestsatz von 0,05 Cent pro Kilowattstunde. Beides steht im Koalitionsvertrag. Beides wurde bisher nicht umgesetzt.
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Warum passiert das Gegenteil?
Statt diese Instrumente zu nutzen, passiert das Gegenteil. Das Gebäudemodernisierungsgesetz soll fossile Heizungen wieder uneingeschränkt erlauben. Die Einspeisevergütung für Solaranlagen steht vor der Abschaffung. Neue Gaskraftwerke werden subventioniert, während Speicheranträge liegen bleiben. Bestseller-Autorin Kemfert nennt das einen „energiepolitischen Kurzschluss“ und fragt: „Wir brauchen keine Brücke mehr, weil wir das rettende Ufer längst erreicht haben. Wer jetzt weiter auf Übergangslösungen setzt, verlängert die fossile Abhängigkeit.“
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Stöcker zeigt im SPIEGEL, wie weit die Realität und die politische Kommunikation auseinanderliegen. Während die Bundesregierung über „explodierende Strompreise“ klagt, zahlen Neukunden diese Woche unter 28 Cent pro Kilowattstunde. Die Strompreise fallen, weil erneuerbarer Strom der billigste ist. Stöcker schreibt: „Je häufiger wir kein Gas brauchen, desto billiger wird es.“
Was bedeutet das für Verbraucher?
Wer heute eine fossile Heizung einbaut oder einen Verbrenner kauft, setzt auf ein System, das bei jeder geopolitischen Krise die Preise nach oben treibt. Wer auf Wärmepumpe, Solaranlage oder Elektroauto setzt, koppelt sich von dieser Volatilität ab. Die Rechnung ist nicht kompliziert: Strom aus eigener Erzeugung kostet nicht mehr, wenn in der Straße von Hormus Schiffe brennen.
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„Erneuerbare Energien sind Freiheits- und Friedensenergien. Sie machen uns unabhängig von fossilen Importen, geopolitischen Krisen und Preisschocks. Sonne, Wind, Geothermie und Wasserkraft sind heimisch, unbegrenzt verfügbar und können nicht politisch instrumentalisiert werden.”
Kemfert bringt es im ntv-Interview auf diese einfache Formel.
Fossile Kostenfalle: Ausstiegspläne existieren
Die Instrumente für den Ausstieg aus der fossilen Kostenfalle existieren. Klimageld, Speicherausbau, Ladeinfrastruktur, Solaroffensive. Sie sind erprobt, finanzierbar und ökonomisch überlegen. Was fehlt, ist eine Regierung, die sie einsetzt. Die Frage, die sich Deutschland stellen muss, ist nicht mehr, ob die Elektrifizierung kommt.
Sie kommt, getrieben vom Markt, von den Verbrauchern, von der ökonomischen Logik. Die Frage ist nur, ob die Politik den Wandel gestaltet oder ob sie ihm hinterherläuft und auf dem Weg dorthin Milliarden verbrennt.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.
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